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Henning Koonert (hk) Casting, Charaktere, Kanon & Kirk "Star Trek"-Drehbuchautor Roberto Orci im Interview Vor einigen Wochen sprach Roberto Orci mit TrekMovie über den kommenden Kinofilm. Er ging dabei näher auf die Charaktere im Film ein und auf die Herangehensweise der Autoren an den "Star Trek"-Kanon. Im Folgenden können Sie die interessantesten seiner Aussagen in deutscher Übersetzung lesen. Frage: J.J. Abrams sagte, der Film werde sich auf Spock konzentrieren. Wird der junge Kirk eine ähnlich große Rolle haben wie Quinto als Spock? Roberto Orci: Aber klar! Das sind Lennon und McCartney. Aber die Rolle von Spock ist die Schlüsselrolle in der Hinsicht, dass wir auch Nimoy dabei haben. Nichtsdestotrotz ist Kirk "Star Trek" und er ist genauso bedeutungsvoll.
Frage: Wie schaut es dann mit Pille aus? Die Troika Kirk/Spock/McCoy ist auch die Essenz von Trek, McCoy als Gegensatz zu Spock und Kirk in deren Mitte. Orci: Das ist ein großer Teil dessen, was wir machen. Es stimmt, dass ihr Umgang miteinander und wie sie sich dem Unmöglichen entgegenstellen, das ist, was Trek ausmacht. Und das ist in unserem Film nicht anders. Frage: Werden wir über die Stammbesatzung hinaus weitere bekannte Gesichter sehen, zum Beispiel Kyle, Rand oder Chapel? Orci: Ja. Ich werde nicht sagen, welche. Wir haben sie alle im Blick, aber wir sind uns bewusst, dass man nicht einfach versuchen kann, alles in den ersten Film zu packen, nur um es drin zu haben. Wir hoffen, dass dies der erste Film von mehreren wird und diejenigen, die es nicht in diesen Film schaffen, stehen bei uns ganz oben auf der Liste für einen zweiten Film. Es hängt davon ab, wie viel ein Film aushalten kann und wie gut man einem Charakter gerecht werden kann und ob man ihn korrekt behandeln kann und wir wollen das lieber später gut als jetzt schlecht machen. Frage: Oft wurden andere Starfleet-Captains außer Kirk als Weicheicher gezeichnet, zum Beispiel Harriman in "Treffen der Generationen" oder Styles in "Auf der Suche nach Mr. Spock". Vielleicht wurde das gemacht, um Kirk gut aussehen zu lassen, aber es sah auch beinahe so aus, als hätte der einfach Glück und der Rest wären Loser. Orci: Ja, ich sehe das absolut genauso und bei uns gibt es so was auch nicht. Ein Posten als Starfleet-Captain sollte eine herausragende Position sein und wir meinen nicht, dass man einen anderen Captain erniedrigen muss, um Kirk herauszuheben. Wenn du Captain in der Sternenflotte bist, bist du eine coole Sau. Frage: Das Team hat Bezeichnungen wie Remake, Neustart oder Prequel für den neuen Film immer wieder als unzutreffend bezeichnet. Ein Prequel ist doch ein ziemlich klares Konzept, was ist also falsch daran, den neuen Film so zu bezeichnen? Orci: Aber das stimmt ja nicht ganz. Auf eine Art und Weise ist es ein Prequel, aber ich würde eher sagen, wie Damon [Lindelof] es auch schon bezeichnet hat, es ist eine Wiederbelebung oder Revitalisierung. Frage: Sie meinen also, dass weil Nimoy einen Spock weit nach der Zeit der Classic-Serie spielt, ist es kein völliges Prequel. Orci: Genau, Nimoys Spock fügt sich absolut in den bestehenden Kanon ein.
Frage: Sie betonen immer, dass der Film den Kanon respektieren und "eine Lücke ausfüllen" wird, aber Sie wollen mit dem Film auch eine neue Zuschauergruppe erschließen. Warum machen Sie es nicht so wie die Leute von "Batman Begins" und fangen einfach von neuem an? Dann müssten Sie sich nicht der ganzen Kritik über mögliche Brüche mit dem Kanon aussetzen. Orci: Der Grund, warum wir nicht einfach neu anfangen, ist, dass die Leute, die sich mit "Star Trek" beschäftigt haben - sowohl die Fans auch die Leute hinter den Kulissen -, sich so viel Mühe gegeben haben festzusetzen, was zum Kanon gehört. Das einfach zu ignorieren, wäre unnötig. Es gibt so viel an der Classic-Serie, was eine Fortführung verdient hat. Das ist nicht wie bei "Batman", wo man alles ignorieren kann. Trotzdem gibt es ein paar Dinge, die nie komplett im Kanon dargelegt wurden und bei denen wir uns unsere Freiheiten nehmen. Frage: Ich denke, das ist alles eine Frage der Interpretation. Manche Fans sind ziemlich flexibel und andere sehr rigide ... ein bisschen wie verschiedene Auffassungen über das Auslegen von Gesetzen. Orci: Witzig, dass Sie das so vergleichen. Wir behandeln diese Entscheidungen ziemlich ähnlich wie Urteile vom Obersten Gerichtshof und frühere Entscheidungen vom Obersten Gerichtshof werden nicht leicht zurückgedreht. Wenn das doch geschieht, dann mit dem Geist von "Star Trek" als leitendem Prinzip. Ein Teil dessen, weshalb wir nicht sagen, ob es ein Neustart ist oder nicht, ist, dass die Lösung, die wir gefunden haben, um innerhalb des Kanons zu bleiben und uns gleichzeitig davon zu befreien, ein zentraler Teil der Story ist und etwas, das wir nur ungern ausplaudern wollen. Frage: Erstreckt sich diese Herangehensweise an den Kanon sowohl auf das Drehbuch als auch auf die Kulissen und Kostüme, zum Beispiel das Design der Enterprise? Orci: Viele der Designentscheidungen sind dem, wie wir es kennen, so treu, viel treuer als Sie es sich vielleicht vorstellen. Wir versuchen der Classic-Serie sowohl im Aussehen als auch in den Charakterisierungen treu zu bleiben. Und das Design der Enterprise ist erstaunlich. Frage: Das Trek-Fandom ist kein geschlossener Block. Nicht jeder Fan mag die Originalserie und ein paar fühlen sich ein bisschen ausgeschlossen. Ist dieser Film trotzdem was für sie?
Orci: Logischerweise ist meine Antwort darauf: ja. Als wahrer Trek-Fan kennt man den roten Faden, der jede der Serien durchzieht: sich dem Unmöglichen zu stellen und die eigenen Unterschiede zu überwinden, um es zu bewältigen. Man braucht kein Fan der Classic-Serie und noch nicht einmal ein Science-Fiction-Fan zu sein, um diesen Film zu genießen. Es geht uns nicht darum, Zuschauer an Science-Fiction heranzuführen. Es ist wie mit "Mission: Impossible 3". Es geht darum, mit diesen herausragenden Charakteren, die man mag, mitzufiebern und bei ihnen zu sein, wenn sie dem Unmöglichen entgegentreten - egal, ob es Science-Fiction oder eine "unmögliche Mission" oder der Schock, plötzlich auf intelligente Roboter wie in "Transformers" zu treffen, ist. Frage: Sie haben mal gesagt, dass Sie "Kontinuitätsbröckchen" als Überraschung für die Fans einstreuen wollen. Werden einige davon sich auch auf andere Serien, wie "Next Generation", beziehen? Orci: Wir haben etwas TNG-Zeug drin, auf jeden Fall. Dafür habe ich schon gesorgt. Es sollte etwas von allem drin sein, aber für mich persönlich dreht es sich alles um "Next Generation" und die Originalserie, denn die zwei Serien haben die Regeln für Trek geschrieben, nach denen die übrigen Serien dann gelebt haben. Wir versuchen auch viel von dem, was "Enterprise" als Prequel getan hat, und manche Aspekte, die hauptsächlich von "Deep Space Nine" geprägt wurden, behandeln wir auch bis zu einem gewissen Grad. Frage: Gibt es also kleine Hinweise, wie einen Schiffsnamen, so wie die U.S.S. Archer in "Star Trek Nemesis"? Orci: Unsere Hinweise sind größer und enger mit der Handlung verknüpft. Aber ich liebe auch diese Kleinigkeiten, die machen wir auch. Frage: Sie sprachen an, dass Sie "Star Trek" seine Relevanz zurückgeben wollen. Wie wollen Sie das machen? Orci: Ich denke, wenn viele Leute "Star Trek" hören, dann denken sie an irgendeine Fantasy-Welt. Wir wollen, dass die Leute erkennen, dass die Zukunft, die Gene Roddenberry erschaffen hat, "Star Trek", die Sternenflotte, die Sternenflottenakademie, eine Entwicklung dessen, was tatsächlich - vielleicht schon morgen - geschehen könnte, ist. Eines der Dinge, die wir mit dem Film machen wollen, ist, es wieder mit der heutigen Zeit in Verbindung bringen. Wie wir vom Hier und Jetzt zu Captain Kirk auf der Enterprise gelangen. Frage: Ich denke, Teil des Plans, eine allgemeinere Zuschauerschaft ins Kino zu locken, muss sein, mehr als die normalerweise männlichen Science-Fiction-Fans anzusprechen. Wenn man sich Ihre und Alex' und J.J.s Arbeit ansieht, dann scheinen Sie eine Vorliebe für starke weibliche Charaktere zu haben. Können wir Frauen erwarten, die mehr zu tun kriegen als nur das Weltraumtelefon abzunehmen?
Orci: (lacht) Ja, absolut. Laut meinen total unwissenschaftlichen Beobachtungen scheint "Star Trek" mehr Frauen zu interessieren als andere Science-Fiction. Trotzdem gibt es natürlich noch Raum zur Weiterentwicklung. Wir versuchen Menschen jeden Geschlechts mit "Star Trek" zu verbinden, besonders weil Trek sich so sehr um Gleichstellung und Frauenrechte dreht. Das ist eines der Dinge, die wir wieder stärker betonen müssen. Alle unsere Frauen - die von Alex, J.J. und mir - haben uns sehr geholfen, dass das Drehbuch auch für Frauen zugänglich ist. Frage: Sie geben sich wirklich große Mühe mit der Geheimhaltung rund um dies Projekt. Warum? Gibt es einen Plan, wann welche Informationen an die Öffentlichkeit gelangen sollen? Orci: Wir haben einen Plan, Dinge zu gegebener Zeit zu enthüllen und nicht einfach ganz bis zum Ende zu warten. Wenn es um die Geheimhaltung geht, beziehe ich mich immer gern auf "Terminator 2" als Beispiel. Ich, und wirklich alle anderen auch, gingen in den Film und wir wussten, dass Schwarzenegger ein guter Terminator ist. In der Szene, in der der arme kleine John Connor in dem Gang von den Terminatoren umzingelt ist - stellen Sie sich vor, Sie wüssten nicht, dass Arnold der gute ist - Sie hätten gedacht, das Kind ist tot und die Enthüllung, dass Schwarzenegger gut ist, hätte die Leute einfach umgehauen. Daher versuchen wir bestimmte Dinge geheimzuhalten, weil wir wollen, dass die Leute die volle Wucht der Wendungen in der Geschichte zu spüren bekommen. Die Geheimhaltung heißt nicht, dass wir schüchtern oder verlegen sind, sondern dass wir diese Momente der Überraschung für die Zuschauer maximieren wollen. Unsere Intention ist nicht, etwas vor den Fans zu verheimlichen, sondern eine Überraschungsparty für sie zu schmeißen. Frage: Denken Sie schon über Fortsetzungen nach? Orci: Wir wollen einen guten Film machen. Punkt. Unser Ziel und Auftrag ist es, einen guten "Star Trek"-Film zu drehen, aber wenn man das für sich nimmt, dann kommen die Fortsetzungen von ganz alleine. Wir sparen nicht für später. Wir hoffen, dass wir auch weitere Filme machen können, aber wir sind nicht arrogant genug, um fest damit zu rechnen. Nachdem ich all das gesagt habe: Wenn es in meiner Hand läge, würde ich für den Rest meines Lebens "Star Trek" machen. (hk - 02.12.08) |
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