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Henning Koonert (hk)01.02.08

"Ich habe ein Enterprise-Telefon!"

Roberto Orci über sein Leben als waschechter Trekkie

Roberto Orci, einer der zwei Verfasser des Drehbuchs zum neuen "Star Trek"-Kinofilm, bekennt sich im Interview mit TrekMovie dazu, ein echter Trekkie zu sein und gibt seine Meinung zu den Serien ab. Außerdem verrät er, was seine Lieblingsfolgen und -bücher sind, warum das Franchise seiner Meinung nach so lange Zeit überdauert hat und wie man ihm heute neues Leben einhauchen kann.

Frage: Würden Sie sich selbst als Trekkie bezeichnen?

Roberto Orci: Ja. Man kann mich und [Produzent] Damon [Lindelof] wohl in diese Schublade stecken.

Frage: Wie kamen Sie zu "Star Trek"?

Orci: Als Kind, durch meinen Onkel. Der konnte immer sofort sagen, welche Classic-Folge gerade lief, auch wenn man ihm nur einen ganz kleinen Schnipsel zeigte. Er weckte mein Interesse für Trek und ich wurde durch "The Next Generation" in den Bann gezogen. Ich hatte die Filme gesehen, aber die TV-Serie war der Auslöser und "The Next Generation" bezog sich darauf. Bis heute finde ich, dass "Next Generation" die beste zeitgenössische Fernsehserie ist.

Frage: Was hat Sie an "Star Trek" interessiert?

Orci: Zuallererst bin ich ein Sci-Fi-Fan, und im Fernsehen gab es keine andere Science-Fiction, zu der man eine solche Beziehung aufbauen konnte und die man so respektieren konnte wie "Next Generation". Die Menschlichkeit der gezeigten Situationen verlor sich nie im Technobabble. Die Science-Fiction war immer brillant mit der Charakterentwicklung verbunden, das ist wirklich ein gutes Beispiel für die Herangehensweise an alle Genre-Serien. Alle Genre-Produktionen brauchen ein großes Charakterelement genauso wie ein Genre-Element, egal ob es sich um Science-Fiction, Fantasy oder was auch immer handelt.

Frage: Sie wurden als Teenager zum Trekkie. Waren Sie außer dem Anschauen der Serie noch aktiv? Haben Sie Dinge gesammelt oder sind einem Fanclub beigetreten?

Orci (rechts) mit Co-Skript-Schreiber Kurtzman: Seit Kindertagen ein Fan

Orci: Ich hab sämtliche Spielzeuge! Ich habe ein Enterprise-Telefon. Ich habe sämtliche Phaser-Modelle, die je rausgekommen sind. Ich war nie Mitglied in einem Fanclub, aber als ich mir "Star Trek VI: Das unentdeckte Land" im Kino angeschaut hab, hab ich mir ein "Star Trek"-T-Shirt angezogen, wie ein richtiger Geek. Immer zu Weihnachten, besonders mit meinem Onkel, geht es um Trek. Ich glaube nicht, dass es bis heute ein Weihnachtsfest gab, an dem wir uns kein "Star Trek"-Zeugs geschenkt haben.

Frage: Was haben Sie ihm letztes Jahr geschenkt?

Orci: Ich habe ihm eine DVD-Box mit allen Filmen geschenkt, und natürlich eine Kopie des Drehbuchs.

Frage: Ernsthaft? Er gehört also zu der kleinen Hand voll an Leuten, die das komplette Drehbuch haben?

Orci: Ja, er hat sogar dabei mitgeholfen. Einen Großteil von meiner Arbeit am Drehbuch hab ich mit ihm besprochen.

Frage: Also, haben Sie alles gesehen? Alle Folgen sämtlicher Serien und Filme?

Orci: Ja. Äh, nein, tatsächlich habe ich noch nicht alle Folgen der Zeichentrickserie gesehen.

Frage: Aber TNG ist immer noch Ihr Liebling?

Orci: Ja.

Frage: Mögen Sie alle Serien oder haben Sie einen zweiten Favoriten?

Orci: Ich mag sie alle, aber ich denke, die Classic-Serie ist mein zweiter Liebling.

Frage: Sie haben schon gesagt, was Sie an TNG mögen. Können Sie uns ein paar Gedanken zu den anderen Serien geben?

Orci: Die Classic-Serie hat zu ihrer Zeit Science-Fiction zu einem Teil der Pop-Kultur gemacht. Und sie war Teil der Bürgerrechtsbewegung. Sie hatte ihren Anteil an der Normalisierung der Beziehungen zur Sowjetunion. Sie war Teil davon, dass eine Föderation/Supermacht im Sinne aller Lebewesen handeln sollte. In den Sechzigern war das eine erstaunliche Sache. Sie hätte nicht vorausschauender sein können.

An "Deep Space Nine" mag ich, dass die Serie die etwas dunklere Seite von "Star Trek" erforscht hat. Sie hat uns die Risse in der Utopie gezeigt, das fand ich sehr interessant. Es hat die Grenzen dessen, was "Star Trek" bedeutet, verlagert.

"Voyager" mag ich wegen der einzigartigen Erfahrung, von der Utopie abgeschnitten zu sein. Es nahm den Kontrapunkt auf: "Oh, du magst alles an 'Star Trek'? Wie wäre es, wenn wir dich eine Zillion Lichtjahre davon abschneiden?" Und natürlich liebte ich die Idee der ersten Frau als Captain. Es zeigt, dass der Kern des Fortschritts in allem "Star Trek" lebt. Sie haben etwas Komplizierteres versucht und daher gab es mehr Möglichkeiten, bei denen die Leute hinter den Kulissen Fehler machen konnten. Trotzdem liegt darin immer noch die Liebe zu "Star Trek". Ein guter Augenblick im schlechtesten "Star Trek" ist für mich immer noch besser als die schlechtesten Momente anderer Serien.

Bei "Enterprise" mochte ich die Idee der ersten Forschungsreisen ins All. Auf eine Art und Weise sind wir alle "Enterprise" im Geiste näher, weil es ein Prequel war und weil es versucht hat, die Ursprünge von "Star Trek" aufzuspüren. Man kann ihnen nicht absprechen, dass sie die Ersten waren, die das versucht haben. Mal abgesehen von der Ausführung der Idee, verstehen wir die Anziehungskraft und den Wert des Versuchs zu zeigen, wie wir dahin gekommen sind, was "Star Trek" uns zeigte. "Star Trek II" hat auch einiges vom Aussehen und vom Gefühl dessen, was Trek vorher war, neu geschaffen und es mehr seefahrerisch und wie ein U-Boot erscheinen lassen und "Enterprise" hat ganz deutlich versucht, das aufzugreifen. Dadurch haben sie versucht, es so weit wie möglich an unsere heutigen Streitkräfte und U-Boot-Kapitäne anzulehnen ... und das ist eine coole Idee.

"Star Trek II" und Schurke Khan: Inspiration für den neuen Film

Frage: Sie haben "Star Trek II: Der Zorn des Khan" erwähnt. Ist das Ihr Lieblingsfilm?

Orci: Ich denke ja. Wenn ich für uns alle spreche, würde ich sagen, dass "Star Trek II" einer von meinen und Damons Lieblingsfilmen ist. Für Alex [Kurtzman] und J.J. [Abrams], die auch Fans, aber nicht so verrückte Trekkies wie wir beide sind, ist "Star Trek II" ein Beispiel für die besten Elemente von "Star Trek". Der Film ist ein wesentlicher Bezugspunkt für uns.

Frage: In einem anderen Interview haben Sie Trek-Bücher erwähnt. Haben Sie viele davon gelesen?

Orci: Tonnenweise. Ich habe sie alle in meinem Zimmer stehen.

Frage: Weil Paramount sie Ihnen geschickt hat?

Orci: Nein, nein, nein! Die hab ich zum Spaß gelesen. Einige davon habe ich mehrmals gelesen, wobei ich mir nie vorstellen konnte, dass ich mal Teil von "Star Trek" sein würde. Als ich dann dafür bezahlt wurde, die Bücher zu lesen - man kann nicht mehr Glück haben. Das war ein Segen.

Frage: Also, was sind einige Ihrer Lieblingsbücher?

Orci: Mein Lieblingsbuch ist "Die erste Direktive" und ich würde sagen "Spocks Welt" ist mein anderer Liebling. Ich habe Ihr Interview mit Garfield und Judith Reeves-Stevens gelesen und ich denke, die beiden sind großartig. Ich habe "Die erste Direktive" drei- oder viermal gelesen und ich finde, es ist eine der besten "Star Trek"-Geschichten. Punkt. Hier ist eine interessante Randnotiz: Im Casting müssen wir den Schauspielern ja Zeilen zu lesen geben. Aber weil wir so geheimnistuerisch sind, wollten wir ihnen nicht die echten Szenen aus dem Film geben, daher benutzten wir viele Szenen aus den Büchern.

Frage: Natürlich gehören die Bücher nicht zum offiziellen "Star Trek"-Kanon, aber als Fan der Bücher, nehmen Sie da Elemente daraus auf und erwähnen sie vielleicht im Film, sodass sie im Grunde in den Kanon aufgenommen werden?

Orci: Wir kämpfen uns da tatsächlich noch durch und wir werden so etwas sicher machen. Denn es wäre eine Hommage an Damons und meine Sicht von "Star Trek".

Frage: Zurück zu den Serien, was sind Ihre Lieblingsfolgen?

Orci: Ich liebe die, in denen die Romulaner die Enterprise angreifen ("Spock unter Verdacht"). Ich mag "Die alte Enterprise". Auch "In den Händen der Borg/Angriffsziel Erde", wo Picard zu Locutus wird, aber es gibt so viele, da ist es schwierig, ein paar rauszufischen. Diese sind aber diejenigen, auf die sich das ganze Film-Team konzentriert hat.

Frage: Also schauen Sie regelmäßig eine Folge als Teil des Arbeitsprozesses?

Orci: Natürlich, machen Sie Witze? Besonders jetzt, wo wir unsere Crew zusammenbringen, die haben natürlich auch Fragen. Also beziehen wir uns auf frühere Folgen als eine Art Grundlinie und schauen, ob wir etwas verbessern müssen oder ob es okay ist, wie es ist. Jedes einzelne unserer Büros hat tonnenweise "Star Trek"-Material und wir, unsere Berater und unser Produktionsdesigner schauen es uns die ganze Zeit an.

Frage: Trek ist über 40 Jahre alt und seit Sie sich damit das erste Mal beschäftigt haben, sind schon mehr als 20 vergangen. Die Leute reden immer noch über Trek, während über viele andere Serien aus den letzten vier Jahrzehnten so gut wie gar nicht mehr gesprochen wird. Was ist es, das Trek so langlebig macht?

Kirk und Spock: "Ikonische Charaktere"

Orci: Na ja, zuerst denke ich, dass die Charaktere aus der Classic-Serie so etwas wurden, was wir intern als Shakespeare'sche Charaktere bezeichnen. Kirk und Spock und Pille sind das dahingehend, dass sie so archetypisch in ihren Beziehungen sind. Eine unserer Herangehensweisen an Kirk und Spock war wie mit Lennon und McCartney, deren Hintergrund auch sehr archetypisch ist. Sie wurden zu Charakteren, die mehr sind als nur die Summe ihrer Schauspieler, mehr als die Summe der Drehbücher, sie sind Ikonen der Pop-Kultur. Es gibt Doktorarbeiten über "Star Trek" und seine Bedeutung. Eines der Dinge, die wir gelesen haben, ist, dass "Star Trek" nicht nur eine Fernsehserie ist, sondern dass es zu seiner Zeit ein Kommentar auf unsere Gesellschaft war. Weil es als Science-Fiction daherkam, kamen Dinge wie der erste Kuss zwischen einem Weißen und einer Schwarzen und ein Russe, den man mochte, und allerlei Dinge, die die Grenzen der Gesellschaft durchbrachen, durch die Zensur. Aber weil es eine so schlaue und unterhaltende Serie war, fand auch die Masse Gefallen daran. Dass es heute noch immer Teil der Pop-Kultur ist, zeigt, dass es seiner Zeit voraus war.

Frage: In den 80ern und 90ern war "Star Trek" ziemlich groß. Die Filme waren Kassenschlager und Trek war sogar mal auf dem Cover des "Time Magazine". Denken Sie, dass "Star Trek" noch mal wieder so groß werden kann? So wie "Star Wars"?

Orci: Auf jeden Fall. Lassen Sie uns nicht vergessen, dass "Star Trek" vor "Star Wars" kam. Dass Science-Fiction auch große Zuschauergruppen begeistern kann, ist ein Verdienst von "Star Trek". Es ist zum Teil mit dafür verantwortlich, dass so etwas wie "Star Wars" überhaupt entstehen konnte. Ich denke, es kann wieder groß werden. Trek ist wie "Star Wars" mit seinen archetypischen Joseph-Campbell-artigen Charakteren. Es hat als Sci-Fi begonnen und wurde auf die Beziehungen zwischen Menschen zurückgeführt, und "Star Trek" hat das als erste Serie gemacht. "Star Trek" kann heute so relevant und so archetypisch sein wie "Star Trek" und "Star Wars" es bei ihrer Erstausstrahlung waren. Natürlich laden wir uns selbst damit eine Menge Druck auf, aber wir würden das hier nicht machen, wenn wir nicht daran glauben würden, dass es wieder so relevant und cool werden kann.

Frage: Also meinen Sie wirklich, was den Massengeschmack angeht, dass Trek so groß werden kann wie "Star Wars" oder der neue "Transformers"-Film?

Orci: "Transformers" ist ein gutes Beispiel, denn es war ein schon existierendes Franchise mit starker Fan-Basis, aber das war ein Nischenmarkt. Daher haben wir es neu belebt. Wir glauben nicht, dass etwas grundsätzlich falsch an der Seele von "Star Trek" ist, wie sie etabliert wurde. Wir meinen, wenn wir uns auf diese Seele beziehen können, kann es all diese Dinge werden. Nicht nur wollen wir die Fans zufrieden stellen, wir sind auch zuversichtlich, dass wir einen Film machen, den die Fans sich auf eine Art anschauen können, bei der ihr Wissen über den Kanon nicht verschwendet wird und Teil ihrer Unterhaltung während des Films ist, aber gleichzeitig wurde die Geschichte so entwickelt, dass sie auch eine Einführung für jemanden ist, der kein Fan ist und sogar für jemanden, der nichts über Trek weiß oder denkt, dass es tot ist. Wir glauben, dass wir das schaffen können, weil das Fundament des Hauses in Ordnung ist und alles, was es braucht, ein bisschen neue Dekoration ist.

Frage: Was ist diese Seele von "Star Trek", die Sie berühren wollen?

Orci: Ich denke, für alle von uns sind das zuerst die Beziehungen. Das bedeutet nicht, dass alle sich gut verstehen. Ich stimme da J.J. zu, der gesagt hat: "Es geht um eine unglaublich schwierige Situation, in die eine Gruppe von Leuten hineingerät, die über ihre Unterschiede hinwegsehen müssen, um dem Unmöglichen die Stirn zu bieten." Auf eine Art und Weise hat jedermanns Leben dieses Element in sich. Wir alle meistern unsere schweren Zeiten mit ein bisschen Hilfe von unseren Freunden. Es gilt auch das, was [Leonard] Nimoy gesagt hat: "Es geht um verschiedene Leute, die im Angesicht von Geschehnissen, die sie nicht kontrollieren können, in dieselbe Richtung schauen." Das war besonders wichtig während des Kalten Krieges in den 60ern und ist auch heute noch genauso relevant.

(hk - 02.12.08)


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