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Uwe Webel (uw), Henning Koonert (hk) Warum "Star Trek XI" den Kanon nicht verletzt Erkenntnisse aus der Quantenmechanik machen's möglich Im zweiten Teil des ausführlichen Gesprächs mit TrekMovie gibt Drehbuchautor Roberto Orci den Grund dafür an, warum der neue Film trotz zahlreicher Anpassungen nicht mit dem etablierten Trek-Kanon bricht. - Spoiler - Es folgt die Übersetzung des vollständigen zweiten Teils von Roberto Orcis Gespräch mit Anthony Pascale von TrekMovie. Wer lieber das Allerwichtigste aus dem Interview in Kürze lesen möchte, dem empfehlen wir die Übersicht der häufig gestellten Fragen in unseren Daten & Fakten zu "Star Trek XI". TrekMovie: Okay, gehen wir mal ans Eingemachte. Anhand des Trailers und den vier Szenen aus der Vorschau kann man sehen, dass sich die Dinge verändert haben. Pike und Kirk hängen in einer Bar ab. Das Schiff sieht anders aus. Kirk ist auf der Enterprise und nicht auf dem Weg zur Farragut. Man sieht Romulaner ... die Dinge sind einfach anders. In einem Artikel bei "Entertainment Weekly" stand, dass Nero in der Zeit zurückreist und die Kelvin angreift. Davon hat J.J. [Abrams] auch während seiner Vorschauen gesprochen. Hier also die große Frage: Ist die Zerstörung der Kelvin der Kanon-Grund, warum jetzt alles verändert ist?
TrekMovie: Dann ist Kirk also anders, weil sich seine Hintergrundgeschichte komplett verändert hat, und seine Eltern ... und all so was. Aber Sie sagen auch, dass die Geschichten von Scotty und Spock von dieser Veränderung nicht betroffen sind? Orci: Genau. TrekMovie: Wird durch die Zeitreise erklärt, warum die Enterprise anders aussieht und warum sie in Riverside, Iowa gebaut wird? Orci: Ja und ja. TrekMovie: Okay, dann werden einige Fans jetzt sagen "Meinetwegen, alternative Zeitleisten, das kennen wir schon, aber das ist nicht mein Kirk, das ist ein anderer Kirk." Ist das dann immer noch unser Film oder bekommen wir eine ganz andere Version von "Star Trek" zu sehen? Orci: Na ja, das kommt drauf an, ob Sie an die Natur oder an die Erfahrungen glauben und wie sehr an deren Seele. Was die Charaktere angeht, würde ich sagen, dass sich deren Natur nicht verändert. Unser Motto für den Film war "gleiches Schiff, anderer Tag". TrekMovie: Ist also die Zeitreise und die alternative Zeitlinie ein "Battlestar Galactica"-mäßiger Neustart, bleibt aber trotzdem Kanon? Orci: In den Händen von anderen vielleicht, aber, noch mal, vieles von dem, was Sie sehen werden, kann in den klassischen Kanon passen. Trotzdem haben wir nicht darauf gebaut, um eine Entschuldigung für eine komplette Veränderung zu haben. TrekMovie: Obwohl also einiges anders läuft, Kirk zum Beispiel, der nach der Akademie nicht auf die Farragut geht, verschlägt es dennoch am Ende auf die Enterprise, wo er auf Scotty, Uhura, Chekov, Spock und so weiter trifft. Wollen Sie damit ausdrücken, dass es eine Art Entropie gibt? Obwohl einige Dinge anders sind, bewegen sie sich doch auf einen zentralen Punkt zu? Orci: Ja. Schauen Sie sich die Quantenmechanik an. Die Quantenmechanik ist unsere erfolgreichste Theorie in der Wissenschaft und sie befasst sich mit der Wahrscheinlichkeit von eintretenden Ereignissen. Und die, die am wahrscheinlichsten sind, neigen dazu, am häufigsten einzutreten. Und ein Teil dieser Theorie ist die Theorie verschiedener Universen. Das sagte schon Data in der Folge "Parallelen". Er fasste die Quantenmechanik zusammen, als die Theorie nach der "alle Möglichkeiten, die eintreten können, auch eintreten" - in einem Paralleluniversum. Nach dieser Theorie wird es eine Vielzahl von Universen geben, in denen die Ereignisse sehr verwandt sind, weil das am wahrscheinlichsten ist. Damit zusammen hängt in der Quantenmechanik eine Art Rückwärtsentropie, in der, wie Sie schon gesagt haben, das Universum versucht, sich selber zu ordnen. Das ist nichts, was wir uns ausgedacht haben, das haben wir recherchiert, als Teil der Physik-Theorie. Insofern, ja, da gibt es ein Element im Universum, das versucht, alles zusammenzuhalten. TrekMovie: Okay, bezeichnen wir einmal die Zeitleiste, die Nero verlassen hat, als primäre Zeitlinie. Heißt das also, dass die U.S.S. Kelvin, die man im Trailer sieht, auch zu dieser primären Zeitlinie gehört?
TrekMovie: Also wird durch die Zerstörung der Kelvin eine alternative Zeitlinie geschaffen, aber was passiert dann mit der primären Zeitlinie, nachdem Nero sie verlassen hat? Hört die dann auf zu existieren, nachdem er in der Zeit zurückreist und diese neue Zeitlinie schafft? Orci: Die geht weiter, wenn man sich auf die erfolgreichste und am häufigsten getestete wissenschaftliche Theorie überhaupt stützt, die Quantenmechanik. Dann geht sie weiter. TrekMovie: Also machen alle aus der primären Zeitleiste, wie Picard und Riker, ihr Ding weiter, nur Nero ist weg? Orci: Ja, außerdem werden Sie feststellen, dass, wenn der Film rauskommt, Ihre bislang gekauften DVDs weiter existieren. TrekMovie: Okay, wir sind jetzt ganz schön tief in die Details der Trek-Physik eingetaucht. Wird das auch im Film angesprochen? In "Zurück in die Zukunft II" gibt es eine Szene, in der Marty vom Doc an einer Tafel Zeitreisen erklärt bekommt. Macht Spock das mit Kirk auch? Orci: Das wäre eine logische Annahme. Die Quantenmechanik hat nichts mit dem Großvater-Paradoxon zu tun, auf dem "Zurück in die Zukunft" basiert. Dabei handelt es sich um Folgendes: In "Zurück in die Zukunft" können Sie in die Vergangenheit reisen und die eigene Geburt beeinflussen und diese eventuell sogar verhindern. Das ist in der Quantenmechanik nicht der Fall. Wenn Sie nach der Theorie der Quantenmechanik zurückreisen und Ihren eigenen Vater umbringen, dann leben Sie einfach weiter als der Kerl, der aus einem anderen Universum kommt und jetzt in diesem Universum lebt, wo er jemanden umgebracht hat. Aber damit vernichten Sie nicht Ihre eigene Existenz. TrekMovie: Und Sie meinen, die Viele-Welten-Sichtweise der Quantenmechanik ist aufgrund der Folge "Parallelen" die Interpretation, der "Star Trek" folgt. Orci: Ja. Ich bin der Ansicht, dass unser "Star Trek" zumindest mit den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen übereinstimmen muss und das ist zurzeit halt die Quantenmechanik.
Orci: Damit müssen wir leben. Es gibt "Star Trek"-Folgen, die nicht mit unserer Theorie in Einklang stehen und damit auch nicht mit der aktuellsten, größten, am häufigsten überprüften wissenschaftlichen Theorie in der Geschichte der Menschheit. Ich bin der Ansicht, dass in dem Fall die Wissenschaft stärker wiegt. Im Fall von "Star Trek IV" zum Beispiel sind auch beide Sichtweisen möglich. Sie wechseln in ein Paralleluniversum über, schnappen sich ein paar Wale, bringen sie zurück und retten ihr eigenes Universum. TrekMovie: Die in "Parallelen" gezeigte Version der Zeitreisen löst zwar die Paradoxa, aber wirkt sie sich nicht auch auf den Grad der Spannung aus? Kann es noch immer um Leben und Tod gehen, wenn nichts, was man in der Vergangenheit anstellt, wirkliche Auswirkungen auf die Zeitlinie, in der alles begann, hat? Orci: Es geht natürlich noch um Leben und Tod, dabei wird nur einfach das karikaturhafte Verschwinden des eigenen Fotos, bloß weil man auf seine Mutter gestoßen ist [wie in "Zurück in die Zukunft"], vermieden. Wir sind nicht auf die Zeitreise angewiesen, um eine gute Geschichte zu erzählen. Das ist nicht wie bei "Terminator" oder irgendeinem anderen Film, den man schon kennt. Ironischerweise werden aber die meisten Leute, die den Film sehen, dieses Interview nicht gelesen haben und ein Großteil des Publikums wird daher annehmen, dass die klassischen Regeln für Zeitreisen auch hier gelten. TrekMovie: In der Geschichte von "Star Trek" sind Dutzende von Zeitreisevorfällen aufgezeichnet worden. Entsteht also bei jedem von ihnen eine neue Zeitlinie? Nachdem also Ben Sisko [in "Gefangen in der Vergangenheit"] in der Zeit zurückreiste und zu Gabriel Bell wurde, spielen dann alle Trek-Folgen, die danach kamen, in einer alternativen Zeitlinie, in der Ben Sisko Gabriel Bell war? Orci: Ich würde sagen, ja, bei jeder Zeitreise entsteht ein Paralleluniversum, wenn man unserem gegenwärtigen Wissensstand in der Angelegenheit folgt, und der beruht auf der Quantenmechanik.
Orci: Ja. TrekMovie: Und auch wenn sie sich alle sehr ähnlich sind, bekommen wir aufgrund der zahlreichen vorherigen Zeitreisen tatsächlich zum Zeitpunkt von "Nemesis" die x-te Zeitlinie zu Gesicht. Orci: Wenn wir uns Datas Beschreibung der aktuellsten und beeindruckendsten wissenschaftlichen Theorie zu Gemüte führen, gibt es keine primäre Zeitlinie. Wenn alles, was geschehen kann, auch tatsächlich geschieht, wer kann dann sagen, was die richtige Zeitlinie ist? TrekMovie: Aber der ältere Spock und Nero stammen aus der zuletzt bekannten "Star Trek"-Zeitlinie, die der "Next Generation"-Ära nach "Nemesis" entspricht, richtig? Orci: Richtig, dort beginnen sie, ja. TrekMovie: Und diese Zeitlinie besteht fort, nachdem sie sie verlassen? Orci: Ja. TrekMovie: Traditionell ist das Ziel des Protagonisten in Zeitreisegeschichten von "Die alte Enterprise" über "Der erste Kontakt" und "Griff in die Geschichte" bis hin zu "Zurück in die Zukunft" und der "Terminator"-Reihe, die ursprüngliche Zeitlinie zu schützen oder wiederherzustellen. Ist das im neuen Film auch der Fall? Ist Spocks Mission, die ursprüngliche Zeitlinie wiederherzustellen? Orci: Kein Kommentar, ich kann hier ja nicht alles verraten. (lacht) (uw, hk - 15.12.08 - Quelle: TrekMovie.com) Weiterführende Links
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