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BBS Watcher17.04.04

Eintrag 14: Synchron-Beeinflussung

Was geschieht in der TrekBBS? Nichts bleibt dem BBS Watcher verborgen!

"Wie die Synchronisation von Serien und Filmen unsere Sprache beeinflusst...", darüber schrieb ein User kürzlich einen Beitrag in der TrekZone-Network-Community TrekBBS. Statt wie üblich die Kommentare auf den Diskussionsauslöser hier wiederzugeben, liegt es in diesem Fall viel näher, den Startbeitrag zu veröffentlichen. Lesen und überlegen Sie:

Ich möchte die Aufmerksamkeit mal auf eine Problematik lenken, der bislang recht wenig Beachtung geschenkt wurde. Und das ist die Frage, inwieweit die synchronisierten Fassungen von Serien und Filmen die deutsche Sprache beeinflussen (beziehungsweise allgemein inwieweit Sprachen generell dadurch beeinflusst werden).

Es ist klar, dass viele Filme und Serien, die im Fernsehen und/oder Kino ausgestrahlt werden, sehr viele Menschen erreichen. Und insbesondere Programme, die von einem wie auch immer gearteten Hype begleitet werden - über dessen Ursachen ich mich hier nicht auslassen möchte - verfügen über ein im besonderen Maße fanatisches Fandom, welches die betreffenden Programme immer und immer wieder konsumiert und den Protagonisten dabei förmlich an den Lippen hängt. Einige kennen bestimmte Passagen sogar auswendig. Aber das muss ich Trekkies natürlich nicht erklären...

Es leuchtet darum ein, dass insbesondere der Synchronisation, welche uns leider häufig förmlich aufgezwungen wird - nicht jeder verfügt über Originalsprachekinos in der Nähe oder einen schnellen Internetanschluss -, eine ganz besondere Bedeutung zukommt. Die auditive Komponente eines Films ist eben nicht nur unterstützendes Mittel für den visuellen Part, sondern macht einen großen Teil des medialen Gesamteindrucks aus. Natürlich konsumieren einige Menschen Filme und Serien fast ausschließlich im (häufig) englischsprachigen Original, aber diese stellen dennoch eine Minderheit dar. Ein Großteil der Menschen sieht sein ganzes Leben lang nichts anderes als synchronisierte Fassungen, und dies nicht allein aus Bequemlichkeit, sondern häufig fehlen die Quellen für originalsprachliche Versionen oder bei Menschen mit eingeschränkter Sprachbegabung fehlt auch schlicht und einfach die Fähigkeit, die Originalversion zu verstehen. Das ist kein Vorwurf, sondern eine ganz natürliche Tatsache.

Aus all diesen Gründen lastet natürlich gewissermaßen eine gehörige Verantwortung auf den Schultern der Verantwortlichen für Synchronisationen. Es mag ein Film oder eine Serie im Original noch so fantastisch "klingen", sei es durch den Sound insgesamt oder die stimmlichen Qualitäten der Darsteller. Wenn aber die synchronisierte Fassung durch schlechte Synchrondrehbücher (vor allem durch falsche oder schlampige Übersetzungen) oder gelangweilte Sprecher besticht und darum gegenüber dem Original signifikant abfällt, sinkt natürlich die Gesamtqualität. Die Produktion kann somit im Verbreitungsgebiet der synchronisierten Fassung unter Umständen, im wahrsten Sinne des Wortes, anders wahrgenommen werden. Und so traurig es auch sein mag: Ein Großteil der Menschen wird einen Film immer nur mit der synchronisierten Fassung in Verbindung bringen; und ist diese schlecht, werden sie nie in den Genuss der möglicherweise weitaus besseren Originalfassung kommen. Und noch viel trauriger ist: Kaum jemand ist sich bewusst, dass ein Film weitaus besser sein könnte als man ihn wahrgenommen hat. Stattdessen wird man ihn stets mit dem Prädikat "schlecht" assoziieren und ihm keine zweite Chance einräumen.

Aber ich schweife ab: Die ursprüngliche These war, dass die Synchronisation unsere Sprache zu beeinflussen imstande ist. Das bedeutet, Menschen, die des Englischen trotz ihres Jobs oft nur unzureichend mächtig sind (ich spreche von den Übersetzern der Filme und Serien) haben, ohne dass wir es bewusst wahrnehmen, einen Einfluss auf unsere Sprache. Dies muss nicht zwangsläufig negativ sein, da einige Wendungen und Begriffe, die auf diese Weise Einzug in die deutsche Sprache halten, recht kreativ und originell sind, aber dennoch sollte man sich dessen bewusst sein, da es ein schleichender Prozess ist, der von vielen kaum wahrgenommen wird.

Ich möchte dabei einige Dinge nennen, die mir persönlich aufgefallen sind. Ich habe für diesen Artikel nicht im Internet recherchiert und weiß darum nicht, ob es entsprechende Sites gibt. Wenn jemand von euch einige Beispiele auf Lager hat, soll er sie bitte hier posten. Jeder kennt mittlerweile den Spruch "null problemo" von Alf. Ich habe zwar keine Ahnung, wie das Original lautete, aber Fakt ist nun mal, dass diese Wendung auf die Synchronverantwortlichen dieser Serie (und auf Tommi Pipers markante Alf-Stimme) zurückzuführen ist. Also: Ohne Alf-Synchro kein "null problemo". Genauso gibt es mittlerweile in der deutschen Umgangssprache das schöne Wort "Schwachfug". Wer von euch wusste, dass es aus der Synchro-Fassung der "Flintstones" ("Familie Feuerstein") stammt?

Als Trekkies kennen wir natürlich auch sehr genau den Ursprung des schönen Wortes "beamen", das es im Englischen - wenn auch in anderer Bedeutung - bereits gab, das man aber für die deutsche Version nicht "übersetzt" und damit ein neues Wort geschaffen hat, das sich großer Beliebtheit erfreut. Das aktuellste Beispiel, das mir aufgefallen ist, stammt aus der Synchro des Disney-Films "Bärenbrüder", wo ein Elch den anderen fragt: "Alles frei im Geweih?" (in Anlehnung an den alten Spruch "Alles fit im Schritt?"). Diesen Synchro-Spruch habe ich seitdem sicher schon einige Dutzend Male gehört, und zwar von verschiedenen Personen; einige haben den Film gar nicht gesehen. Auch bei der Synchro von Werbespots finden sich entsprechende Beispiele.

Eine spannende Problematik in diesem Zusammenhang ist das Siezen beziehungsweise Duzen in Serien. Es wurde sehr häufig kritisiert, oft zu Recht, dass in synchronisierten Fernsehserien - selbst wenn sich die Protagonisten längst beim Vornamen nennen - am "Sie" festgehalten wird. Der Grund dahinter ist natürlich, dass man in der übersetzten Fassung aufgrund im Englischen fehlender äquivalenter sprachlicher Konstrukte in jeder Szene aufs Neue abwägen müsste, welche Anredepronomen verwendet werden sollen. Es ist nicht immer so einfach wie in einer Kuss- oder Liebesszene festzulegen, ob man sich duzt oder siezt. Oft wechselt die Stimmung der Protagonisten von einer Szene auf die andere handlungsbedingt, sodass ein vormaliges Du theoretisch wieder zu einem Sie werden kann und andersherum. Solche Mittel gibt es ja in der deutschen Sprache, nicht aber im Englischen, und es bedarf der Interpretation des Übersetzers, was verwendet wird. Viele scheuen meiner Erfahrung nach diesen Aufwand, vor allem, da die Szenen oft nicht chronologisch übersetzt beziehungsweise synchronisiert werden, was die Sache zusätzlich verkompliziert. Darum bleibt man konsequent beim Sie, selbst unter Freunden oder engen Kollegen, und wechselt erst dann zum Du, wenn zwei Menschen "fest zusammen" sind.

Ausnahmen gibt es auf dem Seriensektor nur wenige, zum Beispiel bei TOS, der klassischen "Star Trek"-Serie, und das dort herrschende familiäre Flair macht nach Meinung einiger Leute trotz ansonsten alberner Synchro einen Teil des Reizes der deutschen Fassung aus. Beispiele für konsequentes Siezen, selbst in sehr persönlichen Szenen, sind dagegen das freundschaftliche Verhältnis von Tom Paris und Harry Kim in "Voyager", von Bashir und O'Brien in "Deep Space Nine", oder - was vielen noch viel bewusster sein dürfte - das Miteinander von Mulder und Scully in "Akte X". Und trotzdem hat es natürlich einen gewissen Reiz, sich zu siezen, also quasi ein gewisses Maß an Distanz zu wahren, obwohl man sich nahe steht. Es lässt sich sogar behaupten, dass es viel mehr "knistert", wenn sich Mulder und Scully siezen als wenn sie sich duzen. Und tatsächlich ist es ja kein Fehler der Synchro im eigentlichen Sinne, sondern nur eine Art Revival eines veralteten deutschen Sprachkonzepts, dass man sich erst als "allerletzten Schritt" duzt. Dies war früher absolut üblich, selbst die Eltern wurden gesiezt.

Im Französischen ist es heute noch so, dass das Anbieten des Vornamens auf gar keinen Fall das Du impliziert. Somit mag es einem heutigen Deutschen vielleicht exotisch vorkommen, weil das Du im Begriff ist, das Sie immer mehr zu verdrängen, selbst unter fremden Personen, aber im Grunde ist es gar nicht so exotisch, bezieht seinen Reiz lediglich aus dem Ungewohnten. Ich behaupte sogar, dass die Synchro mit ihrem konsequenten Siezen zu einer Art "Siez-Revival" in der deutschen Sprache beigetragen hat. Einige deutsche Serien, zum Beispiel "Edel und Starck", kokettieren momentan ganz bewusst mit diesem Trend und lassen ihre Hauptfiguren, auch wenn sie sich sehr nahe sind, konsequent am Sie festhalten. Eventuell versuchen die Autoren der Serie ganz bewusst, das Synchro-Feeling von Mulder und Scully plus "verrückte Anwaltskanzlei" à la "Ally McBeal" zu treffen, was insofern bemerkenswert ist, dass es sich um eine rein deutsche Serie handelt. Der Erfolg gibt der Serie aber Recht. Hat hier also die Synchronisation sogar eine vollständig auf Deutsch produzierte Serie beeinflusst?

So kann man also verschiedenste Einflüsse von synchronisierten Filmen und Serien auf die deutsche Sprache aufzeigen beziehungsweise postulieren und damit die Bedeutung dieses oft kaum beachteten Teils einer Filmproduktion betonen.

Mich interessieren eure Meinungen zu diesem Artikel, den ich neulich geschrieben habe. Kennt ihr ähnliche Beispiele? Haltet ihr die Thesen für unhaltbar? Wie ist eure generelle Meinung zu Synchronisationen?

Antworten Sie dem Autoren! Hier der Thread zum Thema "Wie die Synchronisation von Serien und Filmen unsere Sprache beeinflusst" - oder schreiben Sie uns an leserbriefe@trekzone.de.

Bis zum nächsten Mal. Ich behalte die TrekBBS für Sie im Auge. Mit freundlichem Gruß, wie die Menschen es mögen

Ihr BBS Watcher

(20.12.07)

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