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Matthias Suzan (ms)08.11.17

Wer den Frieden sucht…

Review zu »Star Trek: Discovery» 1.8

Die achte Episode von »Star Trek: Discovery« treibt die Handlung um den Krieg mit den Klingonen weiter voran und vertieft zudem die Figur des Saru. Die Folge punktet mit tollen Effekten, einigen typischen Star Trek-Momenten sowie mit einem vielversprechenden Cliffhanger-Finale. Leider mangelt es der Handlung über weite Strecken an Spannung und Innovation. Vorsicht Spoiler!

Die Handlung

Der Krieg mit den Klingonen ist weiterhin in vollem Gange. Sah es vor einiger Zeit noch so aus, als habe der Sporenantrieb der Discovery der Sternenflotte einen entscheidenden taktischen Vorteil gebracht, so scheint sich das Blatt nun zugunsten der Klingonen gewendet zu haben. Kol vom »Haus des Kor« hat die Tarntechnologie, die seine Flotte besitzt, an die verbündeten Häuser weitergegeben. Durch diesen »Game-Changer« gelingt es den Klingonen immer häufiger, den Feind überfallartig zu attackieren. Mehrere Schiffe der Sternenflotte, darunter die U.S.S. Gagarin, werden infolgedessen zerstört. Auch die lange Zeit stets siegreiche Discovery muss die Flucht ergreifen - sehr zum Missfallen Captain Lorcas.

Die Discovery entsendet daraufhin ein dreiköpfiges Außenteam - bestehend aus Burnham, Tyler und Saru - auf den vermeintlich unbewohnten Planeten Pahvo. Die Mission: Das Außenteam soll einen Weg finden, die „unsichtbaren Schiffe“ der Klingonen für die Schiffssensoren sichtbar zu machen. Denn auf Pahvo steht ein turmartiges Kristallgebilde, das die elektromagnetischen Schwingungen des Planeten in den Weltraum überträgt. Dieser natürliche Transmitter kann mit einigen Modifikationen zu einem Sonargerät umfunktioniert werden, das getarnte Schiffe aufzuspüren vermag.

Allerdings stellt sich alsbald heraus, dass auf Pahvo körperlose, energieartige Wesen leben, die in völligem Einklang mit der umgebenden Natur existieren. Das Außenteam der Discovery versucht den Erstkontakt entsprechend den Vorschriften herzustellen, darf aber gleichzeitig den eigentlichen Zweck der Mission nicht aus den Augen verlieren. Saru geht schließlich ohne das Wissen seiner beiden Begleiter eine Art Symbiose mit den Pahvanern ein, was eine gravierende Verhaltensänderung bei ihm bewirkt: Er zerstört daraufhin sämtliche Kommunikatoren, damit das Außenteam den Planeten nicht mehr verlassen kann. Außerdem versucht er, die eigentliche Mission zu sabotieren und Burnham und Tyler daran zu hindern, die Pahvaner in den Konflikt mit den Klingonen hineinzuziehen.

Zur gleichen Zeit nimmt sich die »Verhörspezialistin« L'Rell auf dem klingonischen Sarkophag-Schiff der Kriegsgefangenen Admiral Katrina Cornwell an. L'Rell eröffnet Cornwell, dass sie überlaufen möchte, da ihr die »unehrenhafte« Vorgehensweise des neuen klingonischen Anführers Kol widerstrebt. Bei einem gemeinsamen Fluchtversuch werden L'Rell und Cornwell von Kol überrascht. Sie täuschen einen Kampf vor, bei dem die Admiralin (scheinbar?) getötet wird. Wenig später macht L'Rell eine grausame Entdeckung: Ihre Gefolgsleute sind auf bestialische Weise ermordet worden. L'Rell will sich daraufhin an Kol, den sie für den Agitator dieses Massakers hält, rächen. Doch bevor sie ihren Rachefeldzug in die Tat umsetzen kann, fliegt ihr Verrat auf und sie wird von Kols Leuten in Gewahrsam genommen.

Auf Pahvo gelingt es derweil den Pahvanern, den außer Kontrolle geratenen Saru zu besänftigen. Die Planetenbewohner senden schließlich ein Einladungssignal sowohl an die Föderation als auch an die Klingonen. Die in Harmonie lebenden Wesen möchten sich offensichtlich als Friedensvermittler anbieten. Kurz nachdem das Signal ausgesandt worden ist, treffen die Klingonen im Orbit von Pahvo ein…

Die Sehnsucht nach Frieden und Harmonie

Wie der Episodentitel »Si Vis Pacem Para Bellum« (ein bekanntes Cicero-Zitat, dazu später mehr) bereits erahnen lässt, thematisiert die achte Folge der Serie die Frage, wie man »Frieden« finden kann (»Wenn du Frieden willst…«). Während der Handlungsstrang um den föderal-klingonischen Krieg laut Autoren erörtern soll, wie zwei interstellare Großmächte einen Weg zur friedlichen Koexistenz (äußerer Frieden) finden können, beschäftigen sich die Charakterplots um Saru und Burnham mit der Frage, wie eine Person seelischen (inneren) Frieden finden kann. Beide Aspekte des Friedens sind miteinander verknüpft: Wer keinen inneren Frieden finden kann, der wird auch nur schwerlich einen äußeren Frieden mit seinem sozialen Umfeld herstellen können.

Saru gehört der Spezies der Kelpianer an und war auf seinem Heimatplaneten lange Zeit die potenzielle Beute der dort lebenden Raubtier-Spezies. Diese ständige Angst, Opfer eines Aggressors zu werden, ist Teil von Sarus Erbgut. Er selbst stellt in einem Gespräch mit Burnham fest, dass es in seinem Leben bisher »keinen einzigen Moment« gegeben habe, in dem er keine Angst verspürt hätte. Diese fortwährende Furcht - man könnte auch von einem inneren Dämon sprechen - belastet Saru ungemein. Daher empfindet er es als wahrhaftige Erlösung, an einem Ort zu sein, an dem er von dieser ständigen Angst befreit ist. Die Pahvaner befreien Saru von seiner angeborenen Furcht. Das erste Mal in seinem Leben fühlt er sich wirklich frei.

Umso schwerer fällt es Saru schließlich, diese Oase der Glückseligkeit wieder zu verlassen, um in eine Welt voller Gefahren und Ängste zurückzukehren. Er wird seinen inneren Frieden erst dann finden, wenn er sich seinen Ängsten stellt und mit ihnen zu leben lernt. Ob Saru, dem die Angst in die DNA geschrieben ist, es schaffen wird, seine ängstliche Natur dauerhaft zu überwinden, ist für mich eine der spannendsten Fragen der Serie überhaupt.

Aber auch Burnham und Tyler sind Gefangene ihrer persönlichen Ängste. Burnham fürchtet, nach Kriegsende wieder zurück ins Gefängnis zu müssen - und zwar für den Rest ihres Lebens. Tyler wiederum plagt (zumindest unterbewusst) die Angst, den Hass auf die Klingonen niemals mehr loszuwerden und dadurch seine Menschlichkeit zu verlieren.

Der Blick in den Spiegel

In »Si Vis Pacem, Para Bellum« hält uns die Autorin Kirsten Beyer - in guter, alter Star Trek-Tradition - den Spiegel vor. Pahvo ist eine typische Star Trek-Utopie und steht für die menschliche Sehnsucht nach einer naturbelassenen, harmonischen und friedlichen Welt. Die Bewohner dieses Planeten leben miteinander in völliger Harmonie. Sie bilden zudem eine Art Symbiose mit der umgebenden Natur. Damit ist Pahvo der Gegenentwurf zur Welt draußen im All, die gekennzeichnet ist von Zwietracht und Unordnung. Pahvo ist vor allem aber auch der Gegenentwurf zur realen Welt der Gegenwart, denn auch wir leben vielerorts in Zwietracht und Chaos. Und von einer harmonischen Symbiose zwischen Mensch und Natur kann hier und heute mitnichten die Rede sein.

Ich frage mich, ob Saru von den Autoren bewusst als Spiegelbild des Menschen des 21. Jahrhunderts konzipiert worden ist. Denn in einer Welt, in der Terroranschläge und Amokläufe leider allzu oft in den Nachrichtensendungen auftauchen, und in der vermeintliche oder tatsächliche »Angsträume« unser Denken und Handeln bewusst oder unbewusst beeinflussen, fühlen sich womöglich nicht wenige von uns ein bisschen wie Saru. Die Menschen gehen unterschiedlich mit den zahlreichen, aber oft diffusen Bedrohungen des 21. Jahrhunderts um. Einige blenden diese im Alltag komplett aus. Andere tragen die Angst ständig mit sich herum. Doch wie Commander Riker in der TNG-Episode »Der Wächter« richtig feststellt: »Furcht ist der Name des Gegners, des einzigen Gegners«. Die Angst ist eine Fessel, die uns unserer Freiheit beraubt. Allerdings kann man diese nicht einfach abschalten oder ablegen, auch wenn man dieser Tage nach Terroranschlägen nicht selten zu hören bekommt: »Wir dürfen uns von der Angst nicht einfangen lassen«. Ich persönlich bin der Meinung, dass die Figur des Saru ein geniales Stück zeitgenössischer Gesellschaftsreflexion (und womöglich auch Gesellschaftskritik) seitens der Autoren darstellt.

Inter arma enim silent leges

Wenn wir schon bei Zitaten des römischen Denkers und Politikers Cicero sind, möchte ich ein weiteres seiner weltbekannten Sprichwörter in den Raum werfen: »Inter arma enim silent leges«. Dass unter den Waffen (oder frei übersetzt: im Krieg) die Gesetze schweigen, wissen wir bereits seit der gleichnamigen DS9-Episode aus dem Jahr 1999. Auch die jüngste Discovery-Episode stellt die Frage, inwiefern moralische Denkweisen und juristische Prinzipien in Zeiten des Krieges, in dem es letztlich nur um das Obsiegen geht, aufgebrochen, gedehnt oder gänzlich aufgegeben werden. Konkret wird diese Fragestellung einmal mehr an der »Obersten Direktive«. Letztendlich müsste das Außenteam die Legitimität der gesamten Mission hinterfragen, als offensicht wird, dass Pahvo von intelligenten Lebewesen bewohnt wird: Ist es moralisch vertretbar, dieses friedfertige Volk in einen interstellaren Krieg hineinzuziehen? Wissenschaftsoffizier Burnham tut sich damit schwer, Sicherheitsoffizier Tyler bleibt hingegen pragmatisch. Was Lorca wohl dazu sagen würde? Er stünde wohl eher Tyler bei!
Interessant ist auch die Frage, wann die »Oberste Direktive« greift und wann nicht. Grundsätzlich ist ein Erstkontakt mit Präwarp-Zivilisationen untersagt. Aber gilt dies auch für körperlose beziehungsweise nicht-humanoide Wesen wie die Pahvaner, die keinen Warpantrieb bauen können, weil sie keine physische Existenz haben?

Apropos Gesetze: Admiral Cornwell erwähnt gegenüber L'Rell, dass die Föderationsjustiz keine Todesstrafe kennt. Ob Cornwell schon einmal etwas von der »General Order 7« gehört hat? Scheinbar nicht.

Das klingonische Rätsel

»Si Vis Pacem, Para Bellum« führt endlich nach diversen Unterbrechungen die Handlung um die Klingonen, allen voran um L'Rell und Kol, fort. Die Tatsache, dass der entmachtete Fackelträger Voq wieder nicht zu sehen ist, nährt die Vermutung, dass er tatsächlich die Identität von Lt. Tyler angenommen haben könnte. L'Rell erscheint in der jüngsten Episode weniger böse und skrupellos als in »Choose Your Pain«. Ein Täuschungsmanöver seitens der Autoren? Es wird auch immer noch nicht klar, ob es ihr seinerzeit gelungen ist, Geheiminformationen aus Lorca herauszupressen, oder ob der Captain dem Verhör standhalten konnte. Kol bleibt leider so eindimensional wie in den Folgen zuvor.

Der Klingonen-Arc birgt durchaus erzählerisches Potenzial, weil er verdeutlicht, dass Staaten (hier das »Klingonische Imperium«) keine monolithischen Akteure sind, sondern in der Regel durch interne Meinungs- und Strategiedifferenzen gekennzeichnet sind - vor allem in Kriegs- oder Krisenzeiten. Allerdings wirken die Discovery-Klingonen bisher nicht wie die Klingonen, die man aus den früheren Serien kennt. Man kreuze einen Ork mit einem Hirogen (Kriegsbemalung!) und heraus kommt ein Discovery-Klingone! Ernsthaft: Das neue Erscheinungsbild ist hier noch das geringste Problem. Mich stört vor allem das »unklingonischen« Verhalten der neuen Klingonen. Bekannte klingonische Traditionen werden nicht ansatzweise gepflegt, stattdessen wirken eigentlich alle Vertreter dieser Spezies wie brüllende Halb-Orks, die sich wie die Hirogen das Gesicht bemalen und zudem zu nervigen Monologen neigen. Bitte gebt ihnen Blutwein und Gagh, das hilft vielleicht!

Ich muss gestehen, dass die bisherige Charakterisierung der Klingonen für mich ein großes Ärgernis darstellt, wahrscheinlich das größte Ärgernis überhaupt in Bezug auf »Discovery«. Sehr bedauerlich finde ich, dass wir nicht ein einziges Mal Qo'noS und die »Große Halle« als Machtzentrum des Klingonischen Reiches zu sehen bekommen haben. Die Klingonen in »Discovery« wirken auf mich wie ein Nomadenvolk und nicht wie ein stolzes Imperium mit weitreichenden territorialen Ansprüchen. Es deutet allerdings einiges darauf hin, dass genau das die Intention der Autoren war. Ich habe nichts gegen Neuerungen, aber die Discovery-Klingonen sind mir in allen Belangen zu weit weg vom Original. Es ist mir ein Rätsel, warum man diese altehrwürdigen Star Trek-Aliens derart entstellt hat. Wenn die Autoren unbedingt »Orks im Weltraum« haben wollten, hätten sie auch ein Sequel mit neuen Alien-Völkern machen können.

Die Figur der L'Rell bleibt für mich ebenfalls ein Mysterium. Einerseits zweifle ich an der Aufrichtigkeit ihres Wunsches zu desertieren. Andererseits zweifle ich langsam aber sicher auch an der Intelligenz dieser Klingonenfrau. Es erscheint mir doch recht hirnlos, dass sie nach dem Gemetzel an ihren Gefolgsleuten schnurstracks zu Kol geht und einen auf treue Vasallin macht. Dass ihr Verrat von Kol durchschaut worden ist, sollte ihr doch spätestens in dem Moment klar geworden sein, als sie ihre niedergemetzelten Freunde aufgefunden hat. Allerdings war die gesamte Szene zwischen Kol und L'Rell am Ende etwas verwirrend.

Am Ende des Tages habe ich den Eindruck, dass in Sachen Klingonen-Arc bisher unnötig viel Potenzial verschenkt worden ist. Die innenpolitischen Querelen im Klingonischen Reich wurden seinerzeit in TNG spannender und vor allem auch glaubwürdiger umgesetzt. Auch DS9 und ENT haben es besser verstanden, die verschiedenen Facetten der klingonischen Kultur zu beleuchten. Wenn man sich allerdings bei der Darstellung des Klingonen-Milieus ausschließlich auf das Sarkophag-Schiff beschränkt, sollte man sich auch nicht wundern, wenn das narrative Potenzial am Ende nicht ansatzweise ausgeschöpft wird.

Derweil auf der Discovery

Auf der Discovery zeigt sich derweil, dass Stamets nun (vermeintlich) problemlos als Navigator für den Sporenantrieb fungiert. Mit zunehmender Routine scheint auch sein ursprünglicher, abweisender Charakter wieder die Oberhand zu gewinnen. Allerdings offenbaren sich weiterhin diverse mentale »Ausfälle«, die Stamets zwar bewusst sind, die er aber aus Rücksicht auf die Karriere seines Partners Dr. Culber gegenüber der Kommandoebene verschweigt. Er vertraut sich allerdings Cadet Tilly an, die er kurz nach einem Sprung irrtümlicherweise mit »Captain« anspricht. Womöglich stellt der Sporenantrieb eine Art Verbindungstor zwischen dem primären Universum und diversen Spiegeluniversen dar. Das würde jedenfalls Stamets »Ausfälle« erklären. Eine andere Erklärung wäre, dass der Sporenantrieb eine schädliche Wirkung auf Stamets Gesundheit hat.

Captain Lorca präsentiert sich in »Si Vis Pacem, Para Bellum« gewohnt kühl und fordernd. Sein ruppiger Umgangston gegenüber der Brückencrew erinnert etwas an Captain Edward Jellico aus der TNG-Doppelfolge »Chain of Command«. Womöglich ist Lorcas distanziertes Verhältnis zu seinen Untergebenen auch eine Folge des Verlustes der U.S.S. Buran. Wenn ein Captain seine gesamte Crew verloren hat, ist es in gewisser Weise nachvollziehbar, dass er sich bei seinem nächsten Kommando nicht (mehr) mit seinen Untergebenen verbrüdern möchte - insbesondere in Kriegszeiten. Vielleicht hat Lorcas anstößiges Verhalten abseits aller wilden Theorien eine sehr einfache - eine sehr menschliche - Erklärung: Selbstschutz aus Angst vor weiteren seelischen Verletzungen.

Was steckt hinter dem Episodentitel?

Bereits zum neunten Mal trägt eine Episode von »Star Trek« (im Original) einen Titel in lateinischer Sprache. »Si vis pacem para bellum« ist ein äußerst bekanntes lateinisches Sprichwort und heißt frei übersetzt »Wer den Frieden sucht, der bereite den Krieg vor« (beziehungsweise »Wenn du Frieden willst, so rüste zum Krieg«). Das Sprichwort entstammt einer bedeutenden Rede von Marcus Tullius Cicero, die er einst vor dem römischen Senat gehalten haben soll. Cicero war nicht nur Politiker, Advokat und Philosoph, sondern vor allem auch ein begnadeter Schriftsteller und Rhetoriker.
Es stellt sich die Frage, warum die Autorin diesen zunächst kryptisch anmutenden Titel gewählt hat. Steckt hierin eine Botschaft, die einen ersten Ausblick auf den Rest der ersten Staffel gewährt? Ich vermute, dass dem so ist. Dafür muss allerdings heftig spekuliert werden, da es kaum konkrete Anhaltspunkte gibt.

Das besagte Cicero-Zitat gilt gemeinhin auch als eine der Grundannahmen der realistischen Denkschule der internationalen Politik: Die Logik der sogenannten »Abschreckungstheorie« besagt, dass (rational handelnde) potenzielle Aggressoren in der Regel von einem Angriff absehen, sofern sie sich einer überlegenen oder gegebenenfalls auch gleichwertigen Macht gegenübersehen. Im Falle eines Angriffskrieges müsste der Aggressor nämlich mit einem massiven Widerstand des Gegners sowie mit beträchtlichen Verlusten auf der eigenen Seite kalkulieren. Staaten können nach dieser Prämisse die Wahrscheinlichkeit eines Krieges also dadurch reduzieren, indem sie durch Aufrüstung ein glaubwürdiges Abschreckungspotenzial generieren. Diese Logik funktioniert allerdings langfristig nur dann, wenn ein gewisses Gleichgewicht der Kräfte existiert, da dauerhafte Machtungleichgewichte den Friedenszustand unterminieren (Balance-of-Power-Theorie/Balance-of-Threat-Theorie).

Doch inwiefern passen das Cicero-Zitat und die darauf basierende »Abschreckungstheorie« zum Inhalt der aktuellen Discovery-Episode?

Meiner Meinung nach bezieht sich der Titel auf zwei inhaltliche Aspekte: Da wäre erstens die Tarntechnologie der Klingonen. Während die Sternenflotte dank des Sporenantriebs über einen längeren Zeitraum einen enormen taktischen Vorteil hatte (Machtungleichgewicht), haben die Klingonen diesen Nachteil nun dadurch ausgeglichen, indem sie nahezu alle ihre Schiffe mit einer Tarnvorrichtung ausgerüstet haben. Letztendlich wird es wohl darauf hinauslaufen, dass am Ende keine der beiden Seiten in der Lage sein wird, den Krieg zu gewinnen - also den Feind zu besiegen und ihn politisch zu entmachten. Die neue Pattsituation scheint auf den ersten Blick den Krieg zu Ungunsten der Föderation zu verlängern, könnte am Ende aber sogar der Schlüssel zu einem dauerhaften Waffenstillstand sein. Ein solcher Waffenstillstand stünde auch im Einklang mit dem bekannten Kanon (siehe TOS).

Das wiederum bringt mich zu einem zweiten Aspekt: Die »Außenpolitik« der Föderation. In Episode 5 »Choose Your Pain« warf Mudd der Sternenflotte vor, diese würde ohne Rücksicht auf die Interessen anderer Völker immer tiefer in den Weltraum vordringen. Eine interessante Sichtweise und eine durchaus berechtigte Kritik, die bisher kaum Beachtung gefunden hat. Tatsächlich ist die Föderation seit ihrer Gründung 2161 bis in das Jahr 2256 enorm expandiert. Auch eine friedliche Expansion bleibt letztendlich eine Expansion (Eine versteckte Anspielung auf die Erweiterungspolitik von NATO und EU und das Verhältnis des Westens zu Russland?). War es letztendlich die Außenpolitik der Föderation, die den Krieg mit den Klingonen provoziert hat? Und wird die Föderation nur dann den Frieden mit den Klingonen wiederherstellen können, wenn sie deren politische Interessen anerkennt, eine »Neutrale Zone« einrichtet und bei der Erforschung des Weltraums künftig mehr Rücksicht auf die Befindlichkeiten anderer Völker (z.B. Klingonen, Romulaner) nimmt? Wenn die Föderation also den äußeren Frieden wiederherstellen und sichern möchte, muss sie womöglich ihre eigene Außenpolitik hinterfragen und gegebenenfalls korrigieren.

Ich vermute, diese Thematik wird in der zweiten Staffelhälfte noch genauer beleuchtet werden. Von daher könnte der Titel »Wenn du Frieden suchst, dann rüste für den Krieg« eine direkte Anspielung auf die neue Pattsituation zwischen der Föderation (Sporenantrieb) und den Klingonen (Tarntechnologie) sein, die wiederum ihren Schatten bis an das Ende des 23. Jahrhunderts (Star Trek VI: Das unentdeckte Land) werfen wird.

Freilich ist dies alles nur eine vage Spekulation. Aber dafür sind Episodenrezensionen schließlich auch da.

Fazit: Nostalgie ohne echte Spannung

»Si Vis Pacem, Para Bellum« ist eine Episode, die in vielen Gesichtspunkten an einige Episoden der klassischen Serie erinnert. Handlungstechnisch orientiert sich die Episode stark an der TOS-Folge »Kampf um Organia«. In dieser Episode gelingt es dem Volk der Organier - eine vermeintlich wenig entwickelte Präwarp-Zivilisation, die sich am Ende als eine Gemeinschaft aus mächtigen Geistwesen herausstellt - einen Waffenstillstand zwischen der Föderation und den Klingonen zu erzwingen.
Der harmonische Planet Pahvo wiederum entspricht den Vorstellungen einer typischen Star Trek-Utopie. Die Umsetzung des Planeten (Optik, Sound, Hintergrundmusik, Wirkung auf das Außenteam) ist grandios. Alle diese Aspekte führen dazu, dass beim Anschauen der Episode nostalgische Star Trek-Gefühle geweckt werden.

Positiv zu erwähnen ist auch die beeindruckende Raumschlacht zu Beginn auf Kinofilmniveau. Die Charakterentwicklung von Saru (ängstliche Natur), Burnham und Tyler (Liebesbeziehung) erscheint mir konsequent und wohl durchdacht. Hier haben sich die Autoren mittlerweile besser abgestimmt als noch zu Beginn der Serie, wo es doch diverse Inkonsistenzen in Bezug auf Sarus Charakterzeichnung gab.

Andererseits hat auch die jüngste Discovery-Episode wieder einige Schwächen. Am schwersten wiegt wohl die Tatsache, dass es der Episodenhandlung über weite Strecken an Spannung fehlt - abgesehen von der Schlussszene natürlich. Obwohl die Figur des Saru großes Potenzial besitzt, fand ich die Umsetzung der Saru-Geschichte in »Si Vis Pacem, Para Bellum« doch recht unspektakulär: Saru verbindet sich mit einer fremden Lebensform, verfällt in einen Rauschzustand und verändert daraufhin sein Verhalten so, dass ihm der ursprüngliche Zweck der Mission bedeutungslos erscheint.
Diese Geschichte hat es in Star Trek schon allzu oft gegeben. Mich hat sowohl die Story selbst als auch die (sehr gute) Darstellung von Doug Jones extrem an Odo in der sechsten DS9-Staffel erinnert, genauer gesagt an die Folge »Hinter der Linie«, in welcher sich Odo mit der weiblichen Gründerin verbindet und deswegen vergisst, die Sicherheitssensoren zu deaktivieren, sodass Rom schließlich vom Dominion gefangengenommen wird. Irgendwie ist von vornherein klar, wie die Episode ausgehen wird. Die Handlung plätschert über weite Strecken vor sich hin, ohne dass echte Spannung aufkommen will. Auch der Klingonen-Arc vermag es nicht, diesen Schwachpunkt auszumerzen.

Daher lautet das abschließende Fazit: Die Episode ist ganz nett, aber irgendwie auch etwas langweilig. In Sachen Spannung hatten die vorherigen Folgen doch deutlich mehr zu bieten. Daher erreicht Folge 8 unter dem Strich auch lediglich eine durchschnittliche Bewertung.

Allerdings stimmt das Cliffhanger-Finale von »Si Vis Pacem, Para Bellum« etwas versöhnlich, sodass wir uns wohl auf ein atemberaubendes Midseason-Finale einstellen dürfen.


Bewertung

Handlung der Einzelepisode 3/5

Stringenz des staffelübergreifenden Handlungsstrangs 5/5

Stringenz des bekannten Kanons 3/5

Charakterentwicklung 4/5

Spannung 2,5/5

Action 3/5

Humor 1/5

Intellektueller Anspruch 3/5

Gesamt 3/5

(ms - 08.11.17)


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