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Matthias Suzan (ms)21.11.17

Auf der Suche nach dem richtigen Algorithmus

Review zu »Star Trek: Discovery» 1.9 »Into the Forest I Go«

Das Midseason-Finale von »Star Trek: Discovery« ist spannend, bildgewaltig sowie temporeich und entlässt die Zuschauer mit vielen Fragezeichen in die Winterpause. Das Storytelling der Autoren bleibt allerdings auch nach der neunten Folge kritikwürdig. Vorsicht Spoiler!

Die Handlung

Die Handlung knüpft nahtlos an die Ereignisse aus »Si Vis Pacem, Para Bellum« an. Die Discovery befindet sich im Orbit um Pahvo, während sich das klingonische Sarkophag-Schiff im Anflug befindet. Das Sternenflotten-Kommando befiehlt daraufhin den sofortigen Rückzug zur Sternenbasis. Captain Lorca geht zum Schein darauf ein, ordnet aber lediglich Warp-Geschwindigkeit an, sodass die Discovery auf seinen Befehl hin sofort nach Pahvo zurückspringen kann. Lorca befiehlt seiner Crew, einen Weg zu finden, die Tarnvorrichtung der Klingonen auch ohne das Pahvo-Sonar außer Kraft zu setzen. Der Plan: Zwischen dem Gravitationsfeld des Tarnschirms und dem elektromagnetischen Feld des Alls besteht ein Zusammenhang, der es möglich macht, die Frequenz der Tarnung festzustellen und das getarnte Schiff auf diese Weise zu lokalisieren. Doch damit die Besatzung diesen Algorithmus bestimmen kann, muss ein Außenteam auf das klingonische Schiff beamen und Signalbojen installieren. Zudem muss die Discovery stolze 133 Sprünge mit dem Sporenantrieb durchführen, um das Klingonenschiff zu »vermessen«.

Verständlicherweise ist Lieutenant Stamets von diesem Plan nur wenig angetan, doch der äußerst manipulativ agierende Lorca appelliert an Stamets' Verantwortungsbewusstsein und vor allem an dessen Forschergeist. Die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Krieges und somit auch die Aussicht auf den Beginn einer umfassenden Forschungsmission in das Myzel-Netzwerk überzeugen den skeptischen Stamets schließlich, sich für diese waghalsige Mission zur Verfügung zu stellen. Als das Sarkophag-Schiff im Orbit von Pahvo eintrifft und mit der Zerstörung des Planeten beginnen will, springt die Discovery ebenfalls zurück zum Planeten. Während sich Stamets unter medizinischer Aufsicht von Dr. Culber in die Sporenreaktionskammer begibt, beamen Science Specialist Burnham und Sicherheitschef Tyler auf das klingonische Flaggschiff. Das Außenteam installiert die erste Signalboje und findet wenig später Admiral Cornwell schwer verletzt, aber lebend, in einer Arrestzelle vor. Dort befindet sich auch L’Rell, deren Anblick bei Tyler einen Schockzustand auslöst. Burnham muss die Mission schließlich alleine durchführen und die zweite Signalboje auf der Brücke des Schiffes installieren, was ihr auch gelingt.

Die Discovery führt sodann die geplanten 133 Sporenantriebssprünge durch. Währenddessen liefert sich Burnham auf dem Klingonenschiff einen Mek’leth-Kampf mit General Kol. Nach Abschluss des Sprungmarathons kann die Crew der Discovery den Algorithmus erfolgreich verifizieren. Der Tarnschirm der Klingonen wird neutralisiert und das Außenteam wird - inklusive Cornwell und L’Rell - zurück an Bord gebeamt. Das Sarkophag-Schiff hat der aus allen Rohren feuernden Discovery nun nichts mehr entgegenzusetzen und wird samt Besatzung vollständig vernichtet.

Nach erfolgreicher Mission, die Captain Lorca eine Ehrenmedaille einbringt, begibt sich die Discovery auf den Rückweg zur Sternenbasis. Stamets erklärt sich bereit, einen letzten Sprung mit dem Sporenantrieb durchzuführen, um zu verhindern, dass die Discovery doch noch in die Hände der Klingonen fällt. Doch irgendetwas geht schief und das Schiff landet an einem unbekannten Ort mitten in einem Trümmerfeld. War alles nur ein Unfall, der auf Stamets' geschwächten Gesundheitszustand zurückzuführen ist? Oder hat Lorca von seinem Kommandosessel aus die Koordinaten manipuliert?


Lorca ist der heimliche Star der Serie

Offiziell mag Michael Burnham die zentrale Protagonistin der Serie sein, letztendlich ist es aber doch wieder der Captain, der das größte Interesse weckt. Lorca ist eindeutig der spannendere Charakter, was wohl auch an der Performance von Jason Isaacs liegt. Mit Lorca bekommt Star Trek einen Touch von »Breaking Bad« und ich glaube, dass das auch bitter nötig ist, denn Burnham funktioniert als Zugpferd der Serie nur bedingt. Lorca gibt in »Into The Forest I Go« jedenfalls wieder jede Menge Rätsel auf und steigert damit den Unterhaltungswert der Episode enorm.

Seine Befehlsverweigerung war zu erwarten, ist aber ganz sicher keine Ausnahmeerscheinung, denn auch Kirk (Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock), Picard (Star Trek: Der erste Kontakt) oder auch Sisko (Der geheimnisvolle Garak, Teil 2) haben in den Vorgängerserien schon des Öfteren die Befehle des Sternenflottenkommandos ignoriert - allerdings stets aus guten Gründen. Lorcas Motive sind ebenfalls nachvollziehbar und zeugen sogar von einer gewissen Moralität.

Doch Lorca wäre nicht Lorca, wenn er nicht gleich wieder seine dunkle Seite zeigen würde. Der Discovery-Captain ist besessen von dem Ziel, den Krieg mit den Klingonen schnell und vor allem siegreich zu gestalten. Dafür geht er notfalls sogar über Leichen, ignoriert - ohne mit der Wimper zu zucken - die Bedenken von Dr. Culber und überredet schließlich den Vollblutforscher Stamets in höchst manipulativer Weise, seine Gesundheit freiwillig für die gute Sache aufs Spiel zu setzen. Im Unterschied zu den anderen Captains in Star Trek schenkt er seinen Untergebenen allerdings keinen reinen Wein ein, sondern er manipuliert Stamets auf perfide Weise. Lorca ist ein sehr guter Beobachter, der die psychologischen Schwächen seiner Besatzungsmitglieder sehr gut erkannt hat. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum er sich Saru als Stellvertreter ausgesucht hat. Ein geborener Feigling wird es kaum wagen, gegen ihn und seinen fragwürdigen Führungsstil aufzubegehren. Und Burnham? Die hat Lorca sowieso vollends in der Hand, schließlich hat er sie aus dem Gefängnis geholt. Lorca missbraucht dieses Wissen, um die Schwachpunkte seiner Offiziere kaltblütig für seinen eigenen Vorteil zu nutzen. Ein moralischer Captain würde das niemals tun. Ein Captain aus dem Spiegeluniversum hingegen schon.

Die Theorie, Lorca stamme aus einem Spiegeluniversum, erscheint daher spätestens seit »Into the Forest I Go« als die wahrscheinlichste Erklärung für Lorcas merkwürdiges Verhalten. Es sieht so aus, als habe Lorca kurz vor dem letzten Sprung die Koordinaten manipuliert. Zudem sagt er, dass es nun »nach Hause« geht. Somit hätte er den fehlgeschlagenen Sprung mit voller Absicht verursacht. Stammt Lorca also aus einem Spiegeluniversum und hat er womöglich den Auftrag, die Technik der Discovery in sein eigenes Universum zu bringen? Das würde eventuell auch seine Augenkrankheit erklären.
Das alles klingt auf den ersten Blick plausibel, überzeugt mich aber dennoch nicht so ganz. Warum hat Lorca die Discovery nicht schon früher in das Spiegeluniversum entführt? Wäre das alles nicht auch viel zu offensichtlich? Und wenn er aus einem Spiegeluniversum kommt, dann wohl eher nicht aus dem, das wir aus der TOS-Episode »Ein Parallel-Universum« kennen. Denn dafür ist selbst Lorca viel zu zivilisiert.

Denkbar wären auch andere Erklärungsansätze. Lorca stammt nicht aus einem anderen Universum, sondern aus einer anderen Zeit und ist zurückgereist, um die Vergangenheit zu verändern. Diese These klingt allerdings sehr nach dem »Temporalen Kalten Krieg« aus ENT. Ist Lorca vielleicht der »Future Guy«? Womöglich agiert Lorca auch im Auftrag von »Sektion 31«. Die in Folge drei gezeigten schwarzen Sternenflotten-Embleme wurden schließlich immer noch nicht näher erläutert. Womöglich steht Lorca aber auch seit »Choose Your Pain« unter dem Einfluss von L’Rell, schließlich hat sie ihre Foltermethoden auch bei ihm angewendet. Lorcas Haft wurde seither kaum mehr thematisiert. Ich würde daher nicht ausschließen, dass L’Rell nicht nur Tyler, sondern auch Lorca kontrolliert.
Mein bisheriger Favorit unter den vielen Lorca-Spekulationen war die These, Lorca sei in Wirklichkeit Garth von Izar aus der TOS-Episode »Wen die Götter zerstören«. Die Belobigung, die Lorca erhalten soll, spricht sogar für diese These. Aber es riecht mittlerweile doch sehr stark nach »Spiegeluniversum«.

Zwei weitere Aspekte haben mich in Bezug auf Lorca enorm irritiert. Da wäre einerseits seine absolut emotionslose Reaktion, als er hört, dass das Außenteam Cornwell aus der Kriegsgefangenschaft gerettet hat. Eigentlich hätte ich hier eine emotionale Reaktion erwartet. Entweder Lorca hätte sich erschrecken müssen, weil ihm nun doch der Verlust seines Kommandos droht. Oder er hätte erleichtert sein müssen, dass seine Ex-Geliebte überlebt hat. Rätselhaft erscheint mir auch Lorcas Bestreben, Burnham vor Gefahren zu schützen. Welches Interesse hat er an ihr? Welche Rolle spielt sie ihn seinen Plänen? Auch hier dürfen wir sicher noch die eine oder andere Überraschung erwarten.

Der Lorca-Arc ist meiner Meinung nach sehr gut geschrieben und gibt der Serie eine Komponente, die man aus den früheren Star Trek-Serien bisher nicht kannte - höchstens aus einigen wenigen Einzelepisoden: Einen Captain, der zwar die Mission ausführt, aber gleichzeitig einen eigenen Plan verfolgt. Mir gefällt’s!


Sind die Klingonen schon besiegt?

Sehr überrascht hat mich die vorzeitige Zerstörung des Totenschiffes und somit auch das frühe Ableben von General Kol. Ich muss allerdings sagen, dass dies kein wirklicher Verlust ist, denn Kol ist für mich einer der schwächsten Antagonisten, die Star Trek je gesehen hat. Ein Kol muss sich mit wiederkehrenden Bösewichten wie Khan, Q, Duras, Dukat oder Seska messen lassen und da zieht dieser eindimensionale Charakter eindeutig den Kürzeren. Natürlich steckt auch in der Figur des Kol eine Botschaft. Er symbolisiert diejenigen, die religiöse Fanatiker für ihre - ausschließlich weltlichen - Ziele (Machterwerb) instrumentalisieren, gleichzeitig jedoch von einer tiefen Verachtung gegenüber spirituellen oder prinzipienorientierten Menschen gekennzeichnet sind.

In meinem letzten Review äußerte ich meinen Unmut darüber, dass sich die Darstellung des Klingonen-Milieus ausschließlich auf den »Mikrokosmos« des Sarkophag-Schiffes beschränkt. Wenn das Totenschiff tatsächlich vernichtet worden ist (Restzweifel bleiben), eröffnet sich nun die Chance, auch andere klingonische Gruppen in die Handlung einzubeziehen. Dass L’Rell künftig noch mehr in den Mittelpunkt rücken wird, liegt auf der Hand. Ich gehe davon aus, dass das mysteriöse »Haus von Mo'Kai« ab sofort eine bedeutende Rolle spielen wird. Hoffentlich bekommen wir in der zweiten Staffelhälfte auch endlich wieder die übrigen klingonischen Häuser zu sehen.
Ich denke nicht, dass die Klingonen mit der Vernichtung des »Sarcophagus« schon am Ende sind. Die Zerstörung des Flaggschiffes dürfte allerdings zu einer enormen Machtverschiebung im Reich führen, die wiederum den Kriegsverlauf zweifelsohne beeinflussen wird.

Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen, muss ich noch einmal auf die »neuen« Klingonen zu sprechen kommen. Dass man die Klingonen fremdartiger und dadurch angsteinflößender gestalten wollte, ist in gewisser Weise nachvollziehbar, auch wenn diese Bestrebung der TNG-Episode »Das fehlende Fragment«, die eine gemeinsame Abstammung von Menschen und Klingonen andeutet, widerspricht. Die Discovery-Klingonen erinnern allerdings so stark an Orks, dass es wirklich schon peinlich abgekupfert wirkt. Kols »Ork-Laute« waren dennoch nicht der Tiefpunkt. Noch mehr erschrocken war ich über dessen dürftige Kampftechnik. Kol hat mich irgendwie an eine Mischung aus Worfs Sohn Alexander Rozhenko und einem behäbigen Gorn erinnert. Zudem scheint Kol die Sprachkompetenz eines Pakleds zu besitzen. Wie gesagt, ich werde ihn nicht vermissen und hoffe inständig, dass man im Verlauf der restlichen ersten Staffel neben diesen »Klingorks« auch mal auf »echte« Klingonen treffen wird, die sich auch wie Klingonen verhalten.


Algorithmus mit Anomalien

In der deutschen Fassung trägt die Episode den Titel »Algorithmus« und bezieht sich damit auf den Algorithmus, mit dem die klingonische Tarnvorrichtung neutralisiert werden soll. Wikipedia definiert den Begriff Algorithmus als »eine eindeutige Handlungsvorschrift zur Lösung eines Problems oder einer Klasse von Problemen. Algorithmen bestehen aus endlich vielen, wohldefinierten Einzelschritten«. Nun stellt sich nach neun Episoden die Frage, wie »wohldefiniert« die Einzelschritte der Autoren waren, den staffelumfassenden Handlungsbogen zu erzählen. Wurde der richtige narrative Algorithmus endlich gefunden?

An dieser Stelle muss ich leider bemerken, dass der erzählerische Algorithmus in DSC weiterhin etliche Anomalien aufweist. Mir sagt die Art des Storytellings der jüngsten Star Trek-Serie nur bedingt zu. Ich habe mir zum Vergleich noch einmal die ersten sechs Episoden der sechsten Season von DS9 angeschaut und muss sagen, dass die Autoren vor 20 Jahren in vielen Aspekten deutlich bessere Arbeit abgeliefert haben. Für meinen Geschmack haben die Discovery-Autoren einfach zu viele Subplots aufgemacht, die entweder nur eine geringe oder sogar überhaupt keine Relevanz für das Kriegsgeschehen haben (Harry Mudd, Sarek, Pahvaner), oder die schlichtweg nicht konsequent weitergeführt worden sind (schwarze Sternenflotten-Embleme, vulkanische Logik-Terroristen). In den sieben zusammenhängenden DS9-Folgen »Zu den Waffen!« bis »Sieg oder Niederlage?« gab es zwar auch mehrere Subplots (Defiant-Crew im Kriegseinsatz, Kiras Widerstandzelle, Odo und die Gründerin, Beziehungsdreieck zwischen Dukat, Ziyal und Kira, Worf auf der Rotarran), diese sind damals allerdings kohärenter in den Handlungsstrang um die Rückeroberung von DS9 eingebaut worden. Auch die dritte Staffel von ENT hat die Perspektive der pluralistischen Xindi-Rasse mit dem »Xindi-Rat« deutlich besser beleuchtet als der Klingonen-Arc in DSC.

Mir fehlen in Bezug auf den staffelübergreifenden Handlungsbogen bisher noch Kohärenz und vor allem Stringenz. Die Kommunikation zwischen den Autoren ist im Verlauf der ersten Staffelhälfte zwar etwas besser geworden. Dennoch merkt man der Serie an, dass das Autorenteam weiterhin Abstimmungsbedarf hat. Daher ist der Vergleich mit DS9 vielleicht auch unfair, schließlich lief die Serie bereits seit fünf Jahren, als der lange vorbereitete Handlungsbogen um den Dominion-Krieg begonnen wurde. Dennoch: Weniger ist manchmal mehr. Die Handlung in DSC wirkt stellenweise wie das »Myzel-Netzwerk«. Es werden zwar reihenweise Korridore aufgemacht, aber nur wenige werden auch konsequent erforscht. Und am Ende kommt man dann aufgrund von Navigationsfehlern irgendwo an, wo man eigentlich nicht hinwollte. In Zukunft sollten die Autoren es besser vermeiden, zu viele Nebenschauplätze zu eröffnen. Erst dann werden sie den richtigen Erzählalgorithmus finden können.


Logik ist der Anfang aller Weisheit

In Bezug auf die aktuelle Folge hat mich doch etwas geärgert, dass der Handlungsstrang um die Pahvaner wider Erwarten nicht fortgesetzt worden ist. Auch dieses Mal gibt es leider wieder viele Logiklöcher zu bemängeln.

Warum laden die Pahvaner zu Friedensgesprächen ein und schauen dann seelenruhig zu, wie die Discovery das Sarkophag-Schiff aus dem Orbit pustet? Und wie konnte die Discovery überhaupt feststellen, dass die Klingonen auf dem Weg nach Pahvo sind beziehungsweise dort eintreffen, wenn sich das besagte Schiff im Tarnmodus befindet und von den Sensoren nicht erfasst werden kann? Weshalb schert sich Lorca plötzlich um das Wohl der Pahvaner, die seinen ursprünglichen Plan (Sonar) zunichtegemacht haben? Warum lässt sich Kol auf ein Gespräch mit Burnham ein? Ist Burnham nicht naiv, wenn sie einfach so aus ihrer Deckung kommt? Hat das Totenschiff etwa kein Sicherheitssystem, das verhindert, dass Burnham und Tyler einfach so darin herumspazieren können? Ist es logisch, dass Burnham die Mission (Krieg beenden!) für eine einzelne Person (Cornwell) aufs Spiel setzt? Warum überlebt Stamets 133 Sprünge am Stück, aber der massive Tardigrade macht schon viel früher schlapp? Warum kann die Discovery das robuste Sarkophag-Schiff recht problemlos zerstören?

Gelegentlich auftretende Logiklöcher sind entschuldbar, aber in DSC sind diese mittlerweile zu häufig und zu gravierend. Auch hier muss die Qualität der Drehbücher verbessert werden, wenn die Serie auf Dauer bestand haben soll. Denn mit Spocks Worten: »Die Logik ist der Anfang aller Weisheit, nicht das Ende.«

Viele Lichtblicke

Bei aller Kritik soll nicht der Eindruck entstehen, das Mideason-Finale sei eine schwache Episode gewesen. Im Gegenteil: »Into the Forest I Go« ist von der ersten bis zur letzten Minute spannend. Die Effekte sind erneut überragend, ebenso die Actionsequenzen. Mir hat auch die Dramatik vieler Szenen sehr gut gefallen. Die Szene, in der Burnham auf die Brücke zurückkehrt und Georgious Starfleet-Badge betrachtet, wurde sowohl kameratechnisch als auch musikalisch brillant umgesetzt.

Positiv erwähnt werden muss natürlich auch die Darstellung der Beziehung von Stamets und Culber, die nun eine noch emotionalere Dimension erhält und genauso unverkrampft und natürlich dargestellt wird, wie die heterosexuelle Beziehung zwischen Burnham und Tyler. Großen Unterhaltungswert haben ferner die Dialoge zwischen Lorca und Stamets, in denen noch deutlicher wird, wie diese beiden Charaktere ticken.


Was steckt hinter dem Episodentitel?

Der Episodentitel ist die verkürzte Version eines Zitates des schottisch-amerikanischen Naturphilosophen, Entdeckers, Erfinders und Schriftstellers John Muir, das vollständig lautet: »And into the forest I go, to lose my mind and find my soul« (deutsche Übersetzung: »Und ich gehe in den Wald, um meinen Verstand zu verlieren und meine Seele zu finden«). In der Sendung »After Trek« ließen die beiden Autorinnen, Bo Yeon Kim und Erika Lippoldt, wissen, dass sich das Zitat in diesem Fall vor allem auf Stamets bezieht. So hätte ich es auch interpretiert: Stamets geht in den Wald (Myzel-Netzwerk), um seine Seele (Forscherspirit) zu finden, verliert dort allerdings seinen Verstand. Die Suche nach der eigenen Seele passt jedoch auch zu Burnham und Tyler. Burnham findet (zumindest einen Teil) ihrer Seele auf dem klingonische Schiff wieder, als sie Kol das Starfleet-Insigne von Captain Georgiou abnimmt. Tyler muss sich hingegen eingestehen, dass er seine Seelenfrieden noch nicht gefunden hat, denn L’Rell belastet seinen Geist immer noch. In gewisser Weise verliert auch er seinen Verstand.

Leider haben die Übersetzer bei der deutschen Titelwahl wieder sämtliches künstlerisches Fingerspitzengefühl vermissen lassen. Der Titel »Algorithmus« mag zwar zutreffend sein, transportiert aber leider nicht die Kreativität der beiden Autorinnen. Dieses fehlende Gefühl für Sprachkunst ist allerdings kein Novum in der deutschen Star Trek-Geschichte. Bereits etliche andere ausdrucksstarke Episodentitel von Star Trek wurden in den letzten 45 Jahren von deutschen Übersetzern sprachlich entzaubert. Mir fällt spontan die DS9-Episode »Sacrifice of Angels« (deutsch: »Opfer der Engel«) ein. Aus diesem bedeutungsschweren Titel hat man damals ein simples »Sieg oder Niederlage?« gemacht. Wer diese Episode - und vor allem deren Klimax - kennt, weiß, auf wen beziehungsweise auf was der Episodentitel anspielt. Scheinbar traut man dem deutschen Publikum keinerlei Abstraktionsvermögen zu, anders kann ich mir diese teils einfallslosen deutschen Titel nicht mehr erklären.

Es wäre wünschenswert, dass die Episodentitel künftig wörtlich übersetzt werden, sofern dies möglich ist. Man nimmt den Autorinnen und Autoren ansonsten auch ein Stück ihrer Leistung, wenn man deren kreative Episodentitel auf einfache Worthülsen herunterbricht.


Fazit: Spannung, Tempo und viel Raum für Spekulationen

»Into the Forest I Go« ist eine gelungene Episode, die insbesondere mit ihrem hohen Tempo, ihrer Spannung und vielen gut geschriebenen sowie hervorragend gespielten Charaktermomenten punkten kann. Wir haben es hier mit einer Folge zutun, die den staffelübergreifenden Handlungsbogen zu einer ersten Klimax führt, am Ende aber wohl eher als Zäsur denn als Konklusion zu verstehen ist. »Into the Forest I Go« besticht zudem mit einer überragenden Optik und einem tollen Score, der sich deutlich von dem der bisherigen Star Trek-Inkarnationen abhebt, die Dramatik der Serie vorzüglich untermalt und zudem sehr modern wirkt.

Ärgerlich, da sicher vermeidbar, sind weiterhin die zahlreichen Logikfehler im Drehbuch sowie das teils inkohärente Storytelling, das stellenweise wie ein Flickenteppich wirkt. Hier hinkt die Serie ihren Vorgängerserien - allen voran »Star Trek: Deep Space Nine« - noch nach.

Auch wenn mich die Episode sehr gut unterhalten hat, hatte ich mir nach den Aussagen des Produzenten Aaron Harberts (»I absolutely adore episode nine. There’s a clash of characters, there are several reckonings that happen. There are a couple of things that I don’t think the audience is going to see coming. The back half of the season is all about dealing with what happens next week. We really put the pedal to the metal«) doch noch etwas mehr von »Into the Forest I Go« versprochen. Ihre Funktion als Cliffhanger (Winterpause) erfüllt die Folge aber allemal, denn das Herbstfinale schickt die Zuschauer mit mehreren Fragezeichen (Lorca, Tyler, L’Rell, Stamets) in die Winterpause.

Es bleibt nur zu hoffen, dass der angedeutete Handlungsbogen um ein Paralleluniversum (es ist von einer »unbekannten Bedrohung« die Rede) nicht allzu sehr abgekoppelt ist vom eigentlichen Story-Arc um den Krieg mit den Klingonen. Alles in allem schafft die Folge vier von fünf möglichen Punkten.

»Star Trek: Discovery« wird in Deutschland am 8. Januar 2018 mit der zehnten Episode »Despite Yourself« aus der Winterpause zurückkehren.

Bewertung

Handlung der Einzelepisode 4/5

Stringenz des staffelübergreifenden Handlungsstrangs 5/5

Stringenz des bekannten Kanons 3/5

Charakterentwicklung 4/5

Spannung 5/5

Action 5/5

Humor 1/5

Intellektueller Anspruch 3/5

Gesamt 4/5

(ms - 21.11.17)


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