Daily Trek Cast & Crew Focus & Background Franchise & Fandom
Star Trek Into Darkness Star Trek XI Enterprise Universum
SF-Zone Raumfahrer.net
GameZone Literatur
Trek BBS Quark's Bar Star Trek Rollenspiel

Seitenoptionen



News & StoriesSerien & FilmeScience & FictionMediaCommunity

Portal Facebook Twitter YouTube Flickr Chat Trek BBS

 
Daily Trek News
SF-Zone News

Matthias Suzan (ms)20.01.18

Review zu »Star Trek: Discovery» 1.11 »The Wolf Inside«

Kampf dem inneren Wolf

»The Wolf Inside« führt die Handlung aus »Despite Yourself« nahtlos fort und bestätigt zugleich zwei Fantheorien. So kommt etwa der Handlungsstrang um die zwielichtigen Sicherheitschef Ash Tyler zu einem ersten Höhepunkt. Auch die Identität des »namenlosen Imperators« wird offenbart. Die elfte Discovery-Episode überzeugt vor allem optisch und atmosphärisch und belegt einmal mehr die herausragende Qualität des Ensembles. VORSICHT SPOILER!

Die Handlung

Burnham, die sich nur widerwillig in ihre Rolle als ruchlose imperiale Kommandantin gefügt hat, bekommt vom Imperator den Auftrag, mit der Shenzhou einen Stützpunkt der Rebellen anzufliegen und diesen umgehend zu vernichten. Da Burnham kein weiteres unschuldiges Blut an ihren Händen kleben haben möchte, sucht sie einen Weg, die Rebellen zu verschonen. Unter dem Vorwand einer geheimen Aufklärungsmission beamt sie zusammen mit Tyler auf die Planetenoberfläche und sucht den Kontakt mit den Anführern der Rebellen. Dort treffen die beiden auf die Spiegelversionen von Sarek und Voq sowie auf weitere Klingonen, Andorianer und Tellariten, die dem Terranischen Imperium den Kampf angesagt haben. Nach einer Gedankenverschmelzung erkennt der »prophetische« Spiegel-Sarek rasch, dass diese Michael Burnham entgegen allen Erwartungen (»Schlächter vom Doppelstern«) vertrauenswürdig ist. Die Rebellen geben Burnham dann auch bereitwillig einen Datenkristall, damit sie ihrer Crew vorgaukeln kann, dass ihre Mission erfolgreich gewesen ist. Im Gegenzug sagt sie den Rebellen zu, mit dem Angriff so lange zu warten, bis die Evakuierung der Rebellenstützpunkte abgeschlossen ist.

Die Geheimmission wäre am Ende auch optimal gelaufen, wenn Lt. Tyler nicht plötzlich die Contenance verloren hätte und auf den Klingonen-Anführer Voq losgegangen wäre. Tylers Begegnung mit seinem Spiegelbild - seinem wahren Spiegelbild - beseitigt sodann die letzten verbliebenen Erinnerungslücken und aus Ash Tyler wird - zumindest charakterlich - wieder der fundamentalistische Klingone Voq. Tyler verliert seinen Kampf gegen den Spiegel-Voq zwar, wird von diesem jedoch verschont. Zurück auf der Shenzhou stellt Burnham Tyler zur Rede. Er offenbart sich ihr und greift sie an. Glücklicherweise greift der Spiegel-Saru ein, sodass Burnham dem Tod noch einmal von der Schippe springt. Tyler wird standrechtlich zum Tode verurteilt und schnurstracks in den Transporterraum geführt.

Derweil versuchen Saru und Tilly auf der Discovery verzweifelt herauszufinden, was mit Stamets vorgeht. Tilly hat eine Theorie, nämlich dass sich Stamets' Bewusstsein - wie zuvor das Schiff - durch das Myzelnetzwerk bewegt, weshalb sich der Astromykologe nun in einer Art autistischem Zustand befindet. Bei dem Versuch, die inaktiven Regionen von Stamets' Gehirn in der Sporenantrieb-Reaktionskammer zu reaktivieren, stirbt er. Wenig später zeigt er allerdings wieder Vitalzeichen. Im Myzelnetzwerk trifft sein Verstand unterdessen auf sein Spiegel-Ich.

Auf der Shenzhou steckt Burnham Tyler ohne dessen Wissen einen Datenchip zu, bevor sie sein Todesurteil vollstreckt und ihn in den Weltraum beamt. Während die Crew der Shenzhou den Verräter für tot hält, beamt die Discovery Tyler heimlich an Bord. Tyler überlebt seinen kurzen »Weltraumspaziergang« unbeschadet, wird festgenommen und arrestiert. Auf dem von ihm transportieren Chip befinden sich die Daten über die U.S.S. Defiant.

Ein Happy End bleibt allerdings aus, denn plötzlich erscheint das imperiale Flaggschiff, beschießt die Planetenoberfläche und legt die Rebellen-Stützpunkte in Schutt und Asche. Burnham, die die Befehle des Imperators nicht umgehend ausgeführt hat, bekommt von diesem dann auch folgerichtig einen »Einlauf« verpasst. Und dieser Imperator ist niemand anderes als die im regulären Universum verstorbene Burnham-Mentorin Philippa Georgiou! Deren Erscheinen versetzt Burnham dann auch in eine Schockstarre…

Homo homini lupus

Wie der Episodentitel »The Wolf Inside« (Der Wolf im Inneren) bereits erahnen lässt, steht in dieser Episode der innere Kampf zwischen Gut und Böse, der auf gewisse Weise in jedem Menschen stattfindet, im Mittelpunkt der Handlung. Jeder Mensch trägt auch eine dunkle Seite - einen inneren »Wolf« - in sich. Diesen »inneren Wolf« auch unter extremen Lebensbedingungen zu domestizieren, ist eine der größten Herausforderungen des Menschseins. Demnach befasst sich Discovery hier mit einem anthropologischen Grundthema.

Das Motiv dieses »inneren Wolfes« findet sich nicht nur bei Tyler – hier allerdings sehr offensichtlich – sondern auch bei Burnham und dem Rest der Discovery-Besatzung. Der Wolf ist schon seit der Antike eine Metapher für die dunkle Seite des menschlichen Wesens, wie der bekannte lateinische Satz »lupus est homo homini, non homo, quom qualis sit non novit« (Ein Wolf ist der Mensch dem Menschen, kein Mensch, solange er nicht weiß, welcher Art der andere ist) aussagt, der aus der Komödie Asinaria stammt und u.a. vom englischen Philosophen und Staatstheoretiker Thomas Hobbes aufgegriffen wurde.

Dieser Satz trifft auch hervorragend auf Tyler zu, denn seine (noch lebenden) Kameraden von der Discovery wussten (anders als der Zuschauer) bis zu dieser Folge nicht, von welcher »Art« der Sicherheitschef tatsächlich ist. Tylers »innerer Wolf« ist Voq, seine wahre Identität, der er im Spiegeluniversum nun von Angesicht zu Angesicht begegnet. Aus dem psychischen Kampf mit dem Wolf im Innern wird in der Szene auf dem Rebellen-Planeten ein physischer Kampf: Tyler versus Voq. Fake gegen Original. Scheinidentität gegen das wahre Ich. Tylers wahres Ich trägt sogar den Beinamen »Feuerwolf«, was dieser spannenden Idee von Drehbuchautorin Lisa Randolph noch das i-Tüpfelchen aufsetzt. Als Resultat dieser direkten Konfrontation mit seinem wahren Ich lösen sich auch die letzten verbliebenen Erinnerungsblockaden bei Tyler in Luft auf und aus dem zuvor netten, loyalen und liebevollen Tyler wird wieder der fundamentalistische und voller Hass und falschem Eifer erfüllte Klingone Voq. Der Wolf legt seinen Schafspelz legt ab, was sein Sternenflotten-Herzblatt zugleich paralysiert.

Auch wenn das Thema des »inneren Wolfs« in Star Trek ganz sicher nicht neu ist - man denke nur an die TOS-Episode »The Enemy Within« oder auch an Star Trek: Nemesis - so ist sie in »The Wolf Inside« doch sehr spannend und kreativ umgesetzt worden. Denn neben dem offensichtlichen Kampf, den Tyler mit sich selbst führt, ist der innere Konflikt von Burnham weitaus subtiler dargestellt. Gerade im Logbucheintrag des Prologs wird deutlich, dass Burnham ob ihres extrem paranoiden, feindseligen und gewalttätigen Umfeldes große Angst davor hat, ihre Humanität nach und nach zu verlieren. Denn ein Überleben ist in diesem Universum nur dann möglich, wenn sie ihre gewaltaffine Scheinidentität aufrechterhält. Der Wolf in ihrem Inneren muss also gebändigt werden, während sie ihn zwecks Tarnung gleichzeitig mehr und mehr erforschen muss. Das ist eine Extremsituation, mit der sie nur sehr schwer klarkommt. Als dann auch noch ihre moralische Stütze, ihr Geliebter Tyler, wegbricht, ist Burnham auf sich alleine gestellt. Aber die ultimative Charakterprüfung steht ihr dennoch wohl erst in der kommenden Episode bevor.

Sonequa Martin Green spielt diesen Zweispalt überaus überzeugend, wobei ihre hervorragende Performanz in der englischen Originalversion natürlich deutlich besser zum Vorschein kommt. Gestik und Mimik sind eben nicht alles. Manchmal braucht es eben auch die Stimmgewalt eines Schauspielers, um eine Szene überzeugend rüberzubringen. Auch Shazad Latif weiß als Tyler/Voq erneut zu überzeugen. Mit diesem Cast haben die Showrunner definitiv die richtigen Schauspieler verpflichtet, das kann man ihnen nach elf Folgen definitiv attestieren.

Die Rückkehr des Technobabble«

Der Handlungsstrang um Stamets und das Myzellnetzwerk wird zunehmend wissenschaftlicher und somit auch komplizierter. Ich finde es mutig, dass die Autoren keine Angst vor hochkompliziertem Technobabble zu haben scheinen. Denn schon bei Enterprise fing man damit an, die wissenschaftlichen Aspekte und das Technobabble sukzessive zurückzufahren. In den Reboot-Filmen ab 2009 überwog dann eindeutig die Action, sodass auch Star Trek - ganz im Gleichklang mit dem sinkenden Mainstream-Niveau - von einer stark wissenschaftsorientierten Science-Fiction-Serie zu einer geistig eher anspruchslosen Actionserie mit Science-Fiction-Anstrich transformiert wurde. Wahrscheinlich wollte man gerade die jungen Zuschauer mit dem Technobabble nicht überfordern oder gar abschrecken. Eventuell stimmt diese Befürchtung sogar und ein Teil der »Millennials« bzw. der nachfolgenden »Generation Z« hat wirklich keine Lust mehr darauf, beim Filmschauen den Grips zu bemühen. Ausnahmen bestätigen jedoch die Regel und Star Trek war ohnehin schon immer etwas für diejenigen, die beim Fernsehschauen auch geistig gefordert werden wollen. Bei Discovery hat man jedenfalls wieder das Gefühl, echtes, also wissenschaftsorientiertes und wissenschaftsinteressiertes Star Trek zu schauen. Ein Gefühl, dass mir die Abrams-Filme leider nie vermitteln konnten.

Die Renaissance der Klassik-Aliens

Echtes Star Trek-Feeling kommt auch dank der Rückkehr zweier klassischer Alien-Völker auf. Sowohl die blauhäutigen Andorianer als auch die ursprünglich schweineähnlichen Tellariten wurden abermals einem optischen Update unterzogen, wobei mir das neue Erscheinungsbild der Andorianer besser gefällt als das, welches seinerzeit in Enterprise verwendet wurde. Irgendwie sind die neuen Andorianer näher an denen aus der Originalserie. Die kräftigere Gesichtsfarbe lässt sie zudem besser zur Geltung kommen. Bei den Tellariten ist das Gegenteil der Fall. Hier hatte ich das Gefühl »too much«. Das Update, das man den Tellariten in Enterprise verpasst hatte, war eigentlich schon perfekt gewesen: modern, aber dennoch noch nahe genug am Original. In diesem Fall wäre eine Aktualisierung nicht wirklich nötig gewesen. Ein echter Wiedererkennungswert ist leider auch nicht auszumachen, denn irgendwie sehen die Discovery-Tellariten wie irgendwelche beliebigen Delta-Quadrant-Aliens aus Voyager aus. Eine nette Hommage an TOS ist dagegen der bärtige Sarek. Die Gründung einer Rockband mit dem Namen »Sarek’s Beard« ist aber wohl dennoch nicht zu erwarten.

»Super-Brain« Tilly

In puncto Charakterentwicklung zeigt sich immer mehr, welches Potenzial in Cadet Tilly steckt. Man fragt sich schon, warum diese hochintelligente Frau noch keinen Abschluss und noch keinen Offiziersrang hat. Denn scheinbar hat sie mehr drauf, als die meisten Wissenschaftsoffiziere an Bord. Was mich etwas stört, ist die fehlende Kommandostruktur auf der Discovery. Wo um Himmels Willen sind in diesen Krisenzeiten der Chefingenieur und der leitende Wissenschaftsoffizier (oder ist es Stamets?), der ja eigentlich Burnhams direkter Vorgesetzter sein müsste? Der Maschinenraum wirkt eigentlich immer total unterbesetzt. Am Ende hängt der gesamte Erfolg der Mission also an einem Azubi? Das spricht nicht unbedingt für die Kompetenz der Discovery-Besatzung.

Auch Saru wächst stetig in seiner Rolle als stellvertretender Captain. Interessant ist die Tatsache, dass sein Spiegelbild charakterlich nicht viel anders zu sein scheint als der uns bekannte Saru. Beide sind freundlich und in gewisser Weise feige und unterwürfig. Wobei der reguläre Saru zunehmend selbstbewusster und selbstsicherer wird. Dennoch stellt sich die Frage, ob Kelpianer womöglich gar keinen »inneren Wolf« besitzen. Sind sie ausschließlich von friedliebender Natur?

Frauen an die Macht!

Wenig überraschend war am Ende die Aufdeckung der Identität des »namenlosen Imperators«. Dass es auf Georgiou hinauslaufen wird, war schon aufgrund der damit verbundenen Dramaturgie klar: Burnham gegen ihre Mentorin - gegen ihre zweite »Mutter«. Das dürfte in der nächsten Folge großes Spektakel werden! Aber auch das in Discovery propagierte Frauenbild deutete darauf hin. Im 23. Jahrhundert geben ganz klar die Frauen den Ton an. Im Pilotfilm haben wir eine weibliche Doppelspitze auf der U.S.S. Shenzhou (Georgiou & Burnham) und im Spiegeluniversum ebenso (Burnham & Detmer). Tilly, Landry, Cornwell und L'Rell komplettieren die starke Frauenriege der Serie.

Man darf gespannt sein, ob Hoshi Sato aus Enterprise in den kommenden Folgen eine Erwähnung finden wird. Eine Verwandtschaftsbeziehung zwischen Sato und Georgiou wäre vielleicht etwas zu viel des Guten, aber es wäre eine tolle Sache, wenn Hoshi wenigstens einmal kurz zur Sprache kommen würde. Die U.S.S. Defiant NCC-1764 werden wir, wenn man den Teaser von »Vaulting Ambition« als Referenz nimmt, wohl eher nicht zu sehen bekommen. Das imperiale Flaggschiff sieht jedenfalls nicht nach Constitution-Klasse aus.

Der Blick in den Spiegel

Auch »The Wolf Inside« transportiert wieder einige gesellschaftskritische Untertöne. Wie die Discovery-Crew ist auch unsere Gesellschaft mit einer wachsenden Bedrohungslage konfrontiert. Der 9/11 hat das gesellschaftliche Leben verändert. Die diffuse Terrorgefahr, die sich in den vergangenen Jahren leider immer mal wieder in Form von hinterhältigen Terroranschlägen manifestiert hat (u.a. Paris, Berlin, Nizza, London, Manchester), hat unsere Gesellschaft nachhaltig verändert. Während sich ein Teil der Gesellschaft davon recht unbeeindruckt zeigt, reagiert ein anderer Teil der Gesellschaft ängstlich. Nun ist die Angst nicht zwangsläufig etwas Schlechtes, schärft diese doch die Sinne und aktiviert einen Schutz- und Überlebensmechanismus. Falsch kanalisierte Angst kann jedoch zu Paranoia und überzogenen Abwehrreaktionen führen. Sowohl das Terranische Imperium als auch die Klingonen sind hierfür eine - natürlich übertriebene - Metapher. Diese wirft jedoch eine derzeit sehr präsente gesellschaftliche Frage auf: Was macht ein bedrohliches (oder nur als bedrohlich empfundenes) Umfeld mit uns? Stumpfen wir ab und verlieren dementsprechend unsere Humanität? Oder können wir unsere moralischen Prinzipien bzw. unsere Sittlichkeit auch in Krisenzeiten bewahren? »The Wolf Inside« gibt hier ein eindeutiges Statement ab, wenn etwa Saru gegenüber Tyler (Voq) bekennt: »Wir sind in einer archaischen und grausamen Welt gestrandet, aber wir sind immer noch die Sternenflotte. Wir leben und sterben nach den Gesetzen der Föderation, wie abscheulich Ihre Verbrechen auch sein mögen.« Die Discovery-Crew als »City upon a Hill« in der gnadenlosen Dunkelheit des Spiegeluniversums? Eine starke Message!

Eher misslungen ist hingegen die Botschaft, die mit der Rebellenallianz transportiert werden sollte. Burnham hält die Rebellen fälschlicherweise für eine Art »Föderation«. Dies ist allerdings ein Trugschluss, denn die Rebellen sind nach meinem Dafürhalten lediglich ein militärisches Zweckbündnis und keinesfalls eine Wertegemeinschaft, wie es die Föderation nach ihrem Selbstverständnis ist. Daher können die Rebellen auch nicht als Vorbild für ein mögliches Friedensbündnis mit den Klingonen im normalen Universum herhalten. Sie stehen auch nicht für den Idealismus eines Gene Roddenberry, der glaubte, dass alle Völker trotz teils enormer kultureller Unterschiede grundsätzlich gemeinsame, humanistische Werte teilen.

Glaubt man den Aussagen der Showrunner, dann soll die Föderation in der zweiten Staffel stärker in den Mittelpunkt der Geschichten rücken. Es wäre absolut wünschenswert, dass man sich in der zweiten Season mutig mit Gene Roddenberrys idealistischen Ideen auseinandersetzt - gegebenenfalls auch kritisch. Insbesondere der Multikulturalismus der Föderation wurde in 51 Jahren Star Trek zwar stets als das Zukunftsmodell schlechthin gepriesen; eine realistische Darstellung multikultureller Gemeinwesen hat man jedoch selten zu Gesicht bekommen - lediglich auf Raumschiffen und Raumstationen mit top-down verordneten Regeln und Hierarchien, die hauptsächlich die Wertvorstellungen der Menschheit widerspiegelten. Viel zu oft hat man die kulturellen Unterschiede innerhalb der Föderation überzeichnet oder sogar gänzlich ausgeklammert. Es wird daher höchste Zeit, dass sich Star Trek ausführlich dem politischen und gesellschaftlichen Innenleben der Föderation widmet - nicht nur idealisierend, sondern auch mit realitätsnaher Problematisierung. In Zeiten der Globalisierung wäre Star Trek mit einer solchen thematischen Ausrichtung absolut am Puls der Zeit. »The Wolf Inside« war mir diesbezüglich - wieder einmal - viel zu oberflächlich.

Fazit: Keine eigenständige Episode, aber gute Fortsetzung

»The Wolf Inside« ist eine gelungene Fortsetzung des Spiegeluniversum-Handlungsstrangs und wartet mit einer dramatischen und intelligenten Handlung, einer hervorragenden schauspielerischen Leistung sowie mit einer genialen Optik auf. Besonders gut haben mir diesmal die Lichteffekte gefallen, man denke nur an Burnhams lichtdurchflutetes Quartier. Auch in Sachen Spezialeffekte spielt Star Trek: Discovery ohne Zweifel in der »Champions League«. Hier sind vor allem die Szenen zu nennen, in denen Personen in den offenen Weltraum gebeamt werden. Ein großes Lob gebührt ebenso den Kostüm- und Make Up-Designern, die in Bezug auf die Andorianer und Tellariten hochprofessionelle Arbeit abgeliefert haben. Die Drehbuchautorin Lisa Randolph hat zudem eindrucksvoll gezeigt, dass sie die Fähigkeit besitzt, dramatische Szenen zu schreiben, welche die Darsteller zu Höchstleistungen animieren. Sie darf gerne wiederkommen! Regisseur TJ Scott wiederum hat die von Randolph geschriebenen Dialoge optimal in Szene gesetzt.

Allem Lob zum Trotz hat auch »The Wolf Inside« einige Schwachpunkte. Als Fortsetzung von »Despite Yourself« funktioniert die Episode hervorragend, aber meiner Meinung nach zeichnet sich die Qualität einer Star Trek-Folge vor allem dadurch aus, dass diese auch mit dem Verlauf der Zeit nichts von ihrem Reiz verliert. Demnach stellt sich die Frage, ob »The Wolf Inside« genug narrative Substanz besitzt, um den Zuschauer auch noch in zehn oder zwanzig Jahren bestmöglich zu unterhalten. Und hier lautet meine Antwort ganz klar: Nein!
»The Wolf Inside« ist so sehr in die Rahmenhandlung um das Spiegeluniversum und den Tyler/Voq-Komplott eingebettet, dass es der Folge etwas an Selbstständigkeit fehlt. Letztendlich ist der erzählerische Kern dieser Episode die Geschichte um das Treffen von Burnham und Tyler mit der Rebellengruppe. Diese Kernhandlung ist aber inhaltlich etwas dünn. Daher hat man um sie herum zusätzlich die Handlungsstränge um Tyler und Stamets gebaut - oder umgekehrt, die Rebellengeschichte hinzugefügt. Und so lebt »The Wolf Inside« vor allem von der Dramatik dieser beiden Erzählstränge. Dass die Auflösung der Tyler-Voq-Verschwörung für wohl nicht wenige Zuschauer letztlich keine wirkliche Überraschung mehr gewesen sein dürfte - dafür waren die Indizien einfach zu eindeutig - ist ein großes Manko, das den Unterhaltungswert der Episode zumindest etwas trübt. Gleiches gilt auch für den Imperator, der sich erwartungsgemäß als Philippa Georgiou herausgestellt hat. Auch wenn diese beiden »Enttarnungen« zweifelsohne toll geschrieben und auch szenisch einwandfrei umgesetzt worden sind, so funktioniert die Episode nach meinem Empfinden doch nicht so, wie sie hätte funktionieren können (und sollen?), wenn man denn Tylers Identität in den vorangegangenen Folgen etwas konsequenter camoufliert hätte.

Es bleibt demnach der Eindruck, dass »The Wolf Inside« als elftes von insgesamt 15 Kapiteln eines »Buches« gut funktioniert, als Einzelepisode allerdings nicht überzeugen kann. Das Potenzial für einen echten Star Trek-Klassiker hat »The Wolf Inside« demnach nicht. Und dennoch hat mir die Folge großen Spaß gemacht, wenngleich ich sie etwas schwächer fand als »Despite Yourself«.


Bewertung

Handlung der Einzelepisode 3/5

Stringenz des staffelübergreifenden Handlungsstrangs 5/5

Stringenz des bekannten Kanons 4/5

Charakterentwicklung 4/5

Spannung 4/5

Action 3/5

Humor 1/5

Intellektueller Anspruch 3/5

Gesamt 3,5/5

(ms - 20.01.18)


Nach oben

Alle Berichte sind das geistige Eigentum der Autorinnen und Autoren. Jede unautorisierte Übernahme ist ein Verstoß gegen das Urheberrecht. Für Anfragen betreffend Artikel- oder Newsübernahme wenden Sie sich bitte an den Redaktionsleiter.

"Star Trek", "Star Trek: The Next Generation", "Star Trek: Deep Space Nine", "Star Trek: Voyager", "Star Trek: Enterprise" und alle verwandten Markennamen sind eingetragene Handelsmarken von Paramount Pictures. Kopierrechtlich geschütztes Material wurde ausschließlich für nichtkommerzielle Zwecke genutzt. Dies gilt auch für alle Materialien, die aus anderen Franchises stammen und im Rahmen der TZN SF-Zone genutzt wurden.

Mitarbeit Kontakt Impressum Datenschutzhinweise

© TrekZone Network, 1999-2018