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Matthias Suzan (mt)14.02.18

Review zu »Star Trek: Discovery» 1.15 »Will You Take My Hand?«

Epilog ohne Wow-Effekt

In der finalen Episode der Premierenstaffel von Star Trek: Discovery findet der Krieg mit den Klingonen ein überraschend unspektakuläres Ende. »Will You Take My Hand?« fungiert als eine Art Serienneustart und lässt die Zuschauer mit einem nostalgischen Cliffhanger zurück. Unter dem Strich hält die Episode nicht das, was man von dieser erwarten durfte. VORSICHT SPOILER!

Die Handlung

Die Besatzung der Discovery steht kurz vor einem Sprung nach Qo’noS. Commander Saru und Specialist Burnham haben allerdings kein gutes Gefühl dabei, dass Spiegel-Georgiou die Mission kommandieren soll. Burnham versucht daher, den zwielichtigen Captain vor der Besatzung zu enttarnen. Doch der Versuch schlägt fehl. Es stellt sich heraus, dass die Sternenflotte Georgious Agieren gutheißt.

Um den idealen »Landungsort« auf Qo’noS zu lokalisieren, greift Georgiou abermals zu radikalen Mitteln. Sie misshandelt die wehrlose L’Rell mit dem Ziel, die Klingonenfrau zur Kooperation zu zwingen. Als diese sich weigert, ziehen Burnham und Georgiou Tyler zurate. Der Sprung nach Qo’noS gelingt sodann auch ohne Probleme. Georgiou gibt vor, im Inneren des Planeten eine Drohne platzieren zu wollen, die ausschließlich Aufklärungszwecken dient. In Wahrheit plant sie jedoch, eine Wasserstoffbombe im Herzen der klingonischen Heimatwelt detonieren zu lassen. Die dadurch verursachte Umweltkatastrophe würde Qo’noS auf lange Zeit unbewohnbar machen. Das Imperium der Klingonen wäre dadurch kein nennenswerter Machtfaktor im Quadranten mehr und könne der Föderation somit nicht mehr gefährlich werden.

Um diesen destruktiven Plan in die Tat umsetzen zu können, muss ein Außenteam in eine vorwiegend von Orionern bewohnte Siedlung auf Qo’noS beamen. Burnham, Tyler und Tilly begleiten Georgiou auf die Oberfläche. In der Siedlung, in der es vor Kriminellen nur so wimmelt, knüpfen sie Kontakte mit den Einheimischen, um an die erforderlichen Informationen zu kommen. Georgiou hintergeht den Rest des Außenteams, um ihren von Admiral Cornwell und Botschafter Sarek abgesegneten Plan in die Tat umzusetzen. Doch Tilly hat bereits Lunte gerochen und Burnham kann Georgiou stellen, bevor diese die Detonation auslöst. Die ertappte Georgiou weigert sich jedoch, Burnham zu töten und gibt freiwillig auf. Burnham entlässt sie daraufhin in die Freiheit.

Auf der Discovery stellen Burnham und Saru Admiral Cornwell zur Rede. Sie appellieren an deren Gewissen und schlagen einen alternativen Plan vor. L’Rell erhält den Fernzünder für die Bombe. Diese soll ihr als Druckmittel dabei helfen, die Macht im Hohen Rat an sich zu reißen. In dieser Position könne sie das Reich so vereinen, wie es T'Kuvma ursprünglich geplant hatte. Allerdings nur unter der Bedingung, dass die Klingonen mit sofortiger Wirkung alle Kampfhandlungen einstellen. Der Plan geht auf und die Klingonen ziehen sich - kurz bevor sie die Erde erreichen - in ihr Territorium zurück.

Ash Tyler entscheidet sich, bei L’Rell und den Klingonen zu bleiben. Er sieht sich als eine Person, die zwischen beiden Völkern - Klingonen und Föderation - vermitteln kann. Michael dankt Ash, dass er ihr dabei geholfen hat, ihren Hass auf die Klingonen zu überwinden.

Auf der Erde erhält die gesamte Besatzung der Discovery einen Orden - auch der verstorbene Dr. Culber. Tilly wird zum Ensign ernannt und in den aktiven Dienst aufgenommen. Stamets erhält eine Beförderung zum Lieutenant Commander. Burnhams Verurteilung wegen Meuterei wird aus ihrer Akte gestrichen und sie erhält ihr Offizierspatent zurück. Fortan führt sie wieder den Rang eines Commanders. Saru übernimmt kommissarisch das Kommando über die Discovery, bis der neue Captain auf Vulcan an Bord kommen soll.

Auf dem Weg nach Vulcan empfängt die Discovery einen Ruf von der U.S.S. Enterprise. (…)

Zum Abschluss ein schwaches Drehbuch

»Will You Take My Hand?« sollte das große Finale - der Höhepunkt - der Premierenstaffel von Star Trek: Discovery werden, doch unter dem Strich konnte die Episode meine Erwartung nicht im Geringsten erfüllen. Die fünfzehnte Episode ist leider ein Finale ohne echte Klimax. Der Wow-Effekt bleibt aus. Und das liegt einfach an dem unterdurchschnittlichen Drehbuch, das Akiva Goldsman, Gretchen Berg und Aaron Harberts hier abgeliefert haben. Die Handlung von »Will You Take My Hand?« ist vollgepackt mit unglaubwürdigen, teils abstrusen Wendungen und einem überzogenen Pathos.

Dabei haben die Autoren von Discovery durchaus erkannt, was Star Trek ausmacht. Immer wieder blitzte im Verlauf der ersten Staffel das auf, was Star Trek groß gemacht hat: Allegorien, spannende Charaktere, wissenschaftsorientierte Fiktion, ein idealistischer Fortschrittsoptimismus und natürlich Action und State of the Art-Spezialeffekte. Doch was den Geschichten oftmals gefehlt hat, war Maß und Mitte. Die Autoren wollten einfach zu viel und taten sich folglich schwer damit, konkrete erzählerische Schwerpunkte zu setzen. Das Resultat dieser fehlenden Stoffreduktion waren zahlreiche Handlungsbögen, die teils oberflächlich, teils ausufernd abgehandelt worden sind. Und weil man sich im Verlauf der ersten Season nun einmal in diesem narrativen »Myzelnetzwerk« verirrt hat, ist es den Autoren am Ende auch nicht gelungen, die wichtigsten Story-Arcs zu einem glaubwürdigen und kreativen Abschluss zu bringen.

In »Will You Take My Hand?« sollten eigentlich die Handlungsbögen um Burnham, den Krieg mit den Klingonen, um Mirror-Georgiou sowie um Tyler & L’Rell kulminieren. Und das alles in 45 Minuten! Dass dies eine Mission impossible für das Autorentrio gewesen sein dürfte, liegt auf der Hand. Und so ist es dann auch gekommen. Die Auflösung dieser Story-Arcs wird uns im lieblosen Schnelldurchgang serviert. Man könnte auch sagen: im Schonwaschgang.

Das fängt schon damit an, dass tragende Charaktere wie Saru und Stamets in »Will You Take My Hand?« zu besseren Statisten degradiert werden. Denn beide haben im Staffelfinale keine wichtige Rolle mehr gespielt. Stamets darf noch einmal als Navigator für den Sporenantrieb fungieren und zwei, drei Sätze sagen. Auch Saru hat kaum nennenswerte Szenen mehr. Dafür gibt es einen dicken, fetten Daumen nach unten!

Klingonen-Krieg als Rohrkrepierer

Die Auflösung des Klingonen-Arcs ist - das muss ich leider mit aller Deutlichkeit sagen - ein absoluter Rohrkrepierer. Eine einzige Bombe im planetaren Kern von Qo’noS reicht aus, um die Klingonen in die Knie zu zwingen? Hier hat doch jemand bei Star Trek VI: The Undiscovered Country abgekupfert! Und auf welcher Grundlage soll eigentlich L’Rells Herrschaft fußen? Als ob man ihr den Fernzünder nicht einfach wegnehmen könnte. Die gute Frau muss ja auch irgendwann einmal schlafen, oder etwa nicht?

Wir haben in über 51 Jahren Star Trek wirklich schon zahlreiche, megagroße plot holes aufgetischt bekommen, aber diese pseudohafte »Konfliktlösung« zieht einem wirklich die Schuhe aus! Dabei hatten die Showrunner noch großmundig angekündigt, man wolle in der ersten Season erforschen, wie man einen kriegerischen Konflikt auf friedliche Weise in Star Trek-Manier lösen kann. Die angebotene Lösung ist aber weder spektakulär noch glaubwürdig - und kreativ schon gar nicht. (Darauf werde ich an anderer Stelle noch einmal näher eingehen.).

Der gesamte Story-Arc um den föderal-klingonischen Krieg hat sich unter dem Strich als ein erzählerisches Desaster herausgestellt. Einerseits hat man von diesem Krieg kaum etwas gesehen, die spannendste Phase dieses Konflikts wurde sogar übersprungen, da sich die Discovery zu dieser Zeit im Spiegeluniversum befand. Andererseits hat der Krieg von seinem fragwürdigen Anfang bis zu seinem noch fragwürdigeren Ende keinerlei Mehrwert für den Star Trek-Kanon dargestellt.

Ich vermute, dieser Story-Arc hat einzig und allein dem Zweck gedient, Nicht-Trekkies für eine neue, actionreiche und düstere Star Trek-Serie zu gewinnen. Mich hat dieser Handlungsbogen nicht ansatzweise überzeugen können. Der Dominion-Krieg in Deep Space Nine bleibt hier weiterhin der Maßstab, obwohl die Serie schon rund 20 Jahre zurückliegt.

Burnham reborn

Dass das Staffelfinale ein »Happy End« für die Protagonistin Michael Burnham beinhalten wird, war zu erwarten. Aber auch hier hat man sich in Sachen Kreativität nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Der finale Burnham-Twist wirkt auf mich nicht nur extrem vorhersehbar, sondern auch übertrieben pathetisch.

Die wegen Meuterei zu lebenslanger Haft verurteilte Burnham ist urplötzlich der einzig leuchtende Stern am Firmament einer in weiten Teilen moralisch verkommenen Föderation. Sie bekehrt nicht nur im Handumdrehen Admiral Cornwell, sondern auch die ruchlose Mirror-Georgiou. Und L’Rell kann sich ihrer charismatischen Überzeugungskraft natürlich auch nicht entziehen. Und am Ende bekennt dann auch noch der weise Sarek, dass Burnham ihm eine Lektion in Sachen Moral erteilt hat. Kann man hier eigentlich noch dicker auftragen?!

Was sonst noch auffällt: Die Sternenflotte scheint in dieser Zeitperiode wohl nur Extreme zu kennen: Lebenslange Haftstrafe oder Rückkehr in den aktiven Dienst im alten Offiziersrang. Mich hat das fast schon an Kirks »wundersame« Beförderung vom schummelnden Kadetten zum Captain der Enterprise in Star Trek (2009) erinnert. Wenigstens hat man darauf verzichtet, Burnham zum XO - oder noch schlimmer - zum CO der Discovery zu ernennen.

Jedenfalls sieht es danach aus, dass Burnham ihre zahlreichen Komplexe (endlich!!!) überwunden zu haben scheint. Der Krieg mit den Klingonen ist vorbei und sie hat ihren Teil dazu beigetragen, dass er ohne Genozid am klingonischen Volk beendet werden konnte. Zudem scheint sie den Tod von Prime-Georgiou endlich verkraftet zu haben. Das Verhältnis zu ihren Zieheltern Amanda und Sarek wirkt ebenfalls entspannter, ebenso wie das mit Saru, mit dem sie sich schon länger ausgesöhnt hat. Ein versöhnliches Ende gibt es auch mit Ash Tyler. Da hat jemand in seinem Leben aufgeräumt!

Wer meine Rezensionen gelesen hat, der weiß, dass ich nicht gerade ein glühender Fan von Michael Burnham bin. Mich hat an dieser Figur absolut nichts überzeugt, nicht ihr Charakter und schon gar nicht ihre Hintergrundgeschichte. Mir wäre es lieber gewesen, wenn man Saru (Alien), Stamets (Nerd) oder Tilly (Rookie) in den Mittelpunkt der Handlung gestellt hätte. Burnham wirkt auf mich einfach wie eine Symbiose aus Seven of Nine, Spock und Tom Paris. Mir fehlt hier einfach die Innovation. Gerade in einer von Menschen dominierten Sternenflotte hätte ich die Perspektive eines exotischen Aliens wie Saru enorm spannend gefunden.

Für eine zweite Staffel stellt sich nun allerdings die Frage, was man mit der Hauptfigur Michael Burnham überhaupt noch anfangen kann. Die Besonderheit dieser Figur ist mit »Will You Take My Hand?« eigentlich passé. Burnham ist praktisch wie neu geboren, sie ist nun ein vollwertiges Mitglied der Besatzung. Also was macht Michael Burnham eigentlich noch zu einer Prima inter Pares?

Womöglich hat man deshalb die U.S.S. Enterprise NCC-1701 als Cliffhanger eingebaut. Das einzig verbliebene Geheimnis um Burnham ist nämlich die Dreiecksbeziehung zwischen ihr, Sarek und ihrem Ziehbruder Spock.

Man wird Sonequa Martin-Green, die ich übrigens für eine tolle Schauspielerin halte, in der zweiten Staffel wohl kaum zu einer Nebenfigur degradieren. Aus kreativer Sicht wäre es allerdings klüger, die Handlung mehr auf Saru oder Stamets zu fokussieren. Über beide Charaktere wissen wir eigentlich nicht allzu viel.

Die Crew hat sich gefunden

»Will You Take My Hand?« hat den Grundstein für eine zweite Staffel gelegt. Wir wissen jetzt, wie der Stamm der Discovery-Besatzung im zweiten Jahr aussehen wird.

Allem Anschein nach kommt ein neuer Captain an Bord. Entweder die Autoren führen einen völlig unbekannten Charakter ein oder es gibt ein Wiedersehen mit einer kanonischen Figur. Heiße Favoriten wären hier Captain Garth of Izar (TOS: Whom Gods Destroy), Captain Matt Decker (TOS: The Doomsday Machine), »Number One« (TOS: The Cage) oder vielleicht doch Captain Gabriel Lorca (Prime). Es dürfte interessant sein, wie die Besatzung der Discovery auf einen neuen Captain reagiert. Ein gewisses Misstrauen wäre nach den Erfahrungen mit Lorca durchaus nachvollziehbar. Die Charakterdynamik der zweiten Staffel steht und fällt mit der Charakterisierung des neuen Captains.

Den Stamm der Besatzung bilden Saru, Burnham, Stamets, Tilly und der Rest der Brückencrew. Dr. Culber scheint endgültig (körperlich) tot zu sein und Tyler wird gemeinsam mit L’Rell sicherlich noch den ein oder anderen Gastauftritt haben, gehört aber nicht mehr zur Besatzung der Discovery. Mirror-Georgiou könnte auch zurückkehren, zum Beispiel als Anführerin des Orion-Syndikats.

Ich denke, dass man mit dem Quartett Burnham, Saru, Tilly und Stamets eine gute und sympathische Mischung gefunden hat. Tilly ist, das hat »Will You Take My Hand?« wieder gezeigt, eindeutig für den humoristischen Part zuständig. Ich mag diese Figur, denn sie ist - im Gegensatz zu Burnham - ein absolutes Novum in Star Trek - hochintelligent, aber unfassbar verpeilt. Tilly tut der Serie gut, denn sie macht Discovery modern und nahbar, gerade für junge Leute. Bei aller Kritik an der Figur der Michael Burnham, muss man den Autoren hier ein großes Kompliment machen.

Rendezvous mit einer Legende

Viel Gesprächsstoff bietet ganz eindeutig die finale Szene der Episode, in der man eine Update-Version der legendären U.S.S. Enterprise NCC-1701 zu sehen bekommt. Dass die Produzenten irgendwann ein »Crossover« zwischen Discovery und TOS anstreben werden, war eigentlich erwartbar. Der frühe Zeitpunkt hat mich dann aber doch (positiv) überrascht. Ich muss gestehen, dass ich von der besagten Szene absolut begeistert bin. Man hat sich enorm viel Mühe gegeben, die originale Constitution-Klasse von Matt Jefferies zu würdigen. Diese U.S.S. Enterprise ist wesentlich näher am Original als die Reboot-Version(en) der Jahre 2009 bis 2016. Ich denke, hier gibt es aus Fan-Sicht absolut nichts zu meckern! Nostalgie pur ist auch die musikalische Untermalung der Szene. Einfach toll!

Natürlich fassen die Showrunner und Autoren hier ein verdammt heißes Eisen an, schließlich besteht die große Gefahr, dass man dem bestehenden Serienkanon widerspricht. Das fängt schon bei den Uniformen an. Die Chancen eines solchen »Crossovers« sind aber nicht von der Hand zu weisen. Wer von dieser Szene nicht angefixt ist, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen! Schade, dass wir gut ein Jahr auf die zweite Staffel warten müssen.

Der Blick in den Spiegel

»Will You Take My Hand?« reflektiert, inwiefern ein sogenanntes Ultima Ratio-Szenario als Rechtfertigung für unethisches Vorgehen herangezogen werden darf, allen voran in Bezug auf die Mittel der Kriegsführung. Die wohl beabsichtigte Anspielung auf den Drohnenkrieg der USA im Rahmen des War on Terror hatte ich bereits in der letzten Rezension erwähnt.

Die Macher von Star Trek: Discovery greifen hier eine interessante Problemstellung auf, scheitern aber kläglich an ihrem eigenen Anspruch. So wollen sie aufzuzeigen, dass jeder noch so erbittert geführte kriegerische Konflikt immer auch friedlich gelöst werden kann. An dieser Stelle merkt man einfach, dass Star Trek eine Utopie ist. Denn das, was als Lösung für diesen Konflikt angeboten wird, ist schlichtweg unlogisch, naiv und fernab jeder Realität.

Die Föderation steht angeblich vor der totalen Vernichtung, die Flotte der Klingonen ist schon fast bis zur Erde vorgedrungen. Und was macht die Besatzung der Discovery? Die erhebt sich aus ihren Sitzen und skandiert wie in Trance versetzt: »Wir sind die Sternenflotte!«. Burnham bequatscht daraufhin alle Beteiligten - Georgiou, Cornwell und L'Rell - und schwuppdiwupp ist der Konflikt gelöst und alle gehen friedlich und vergnügt ihre eigenen Wege. Peacemaking leicht gemacht!

Bei aller Sympathie für den in Star Trek propagierten liberalen Fortschrittsoptimismus, aber diese Szene ist schon etwas fragwürdig. So würde sich kein Mensch verhalten, dessen Heimat kurz vor der Vernichtung steht. Das gilt ganz sicher auch für den von Gene Roddenberry erdachten »Homo moralis« des 23. Jahrhunderts. Immerhin droht der Föderation der Verlust der politischen Selbstbestimmung. Da stellt sich dann schon die Frage, was die Föderation denn noch von ihrer zur Schau gestellten Prinzipientreue hätte, wenn sie sich fortan unter das Joch des Klingonischen Imperiums beugen müsste.

Es ist den Serienmachern einfach nicht gelungen, den Schrecken der drohenden Niederlage glaubwürdig rüberzubringen. Daher kann sich die Discovery-Besatzung auch den Luxus eines prinzipiengeleiteten Vorgehens leisten. Ein bekanntes Zitat von Bertolt Brecht besagt: »Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.« Die Negation dieser Weisheit fällt mir in »Will You Take My Hand?« viel zu simpel aus. Da war Quarks Erkenntnis schon zutreffender: »Aber wenn du [den Menschen] ihre leiblichen Genüsse entziehst, ihnen zum Beispiel die Nahrung vorenthältst, den Schlaf und die Schallduschen, dann wird das ihr Leben für einen längeren Zeitraum in Gefahr bringen, und genau dieselben freundlichen, intelligenten und überaus zuvorkommenden Menschen, die werden plötzlich so gefährlich und so gewalttätig wie der schlimmste, blutrünstigste Klingone« (DS9: The Siege of AR-558). Deep Space Nine (In the Pale Moonlight/The Siege of AR-558) und Enterprise (Anomaly) waren diesbezüglich konsequenter und ehrlicher, auch wenn insbesondere Archers Vorgehen 2003 im Fandom heftig diskutiert wurde.

Wenn man sich schon an ein derart schwieriges Thema heranwagt, dann sollte man auch mehr zu bieten haben als eine große Portion Idealismus und eine an den Haaren herbeigezogene Ad-hoc-Konfliktlösung. Sonst droht nämlich die Gefahr, dass die in Star Trek geäußerte Gesellschaftskritik ins Lächerliche gezogen wird. Und bei »Will You Take My Hand?« ist genau das leider der Fall.

Es gab und gibt leider Konflikte, die sich mit Diplomatie und gutem Willen alleine nicht friedlich lösen lassen. Mit liberalem Pathos und diplomatischen Charmeoffensiven haben die Alliierten NS-Deutschland jedenfalls nicht zu Fall gebracht. Und den War on Terrorism wird man wohl auch nicht ausschließlich diplomatisch lösen können. Extremisten sind leider nicht empfänglich für rationale Argumente. Deshalb werden sie ja auch als »extrem« klassifiziert. Querdenker und Lichtblicke wie L’Rell sind in der Realität leider selten Personen mit politischem Einfluss. Abgesehen davon muss man fragen, wie »liberal« Burnhams Lösung am Ende wirklich ist. Was wäre denn, wenn der Hohe Rat sich weigert, L’Rell zu folgen: Zündet sie dann doch die Bombe? Und hat die Föderation dann nicht doch das Blut eines Genozids an ihren Händen kleben?

Der Konflikt mit den Klingonen wird nur deshalb gelöst, weil die Föderation nicht so idealistisch ist, wie sie vorgibt zu sein. Und weil die Klingonen scheinbar nicht so extremistisch sind, wie man uns zu Beginn der Staffel noch glauben machen wollte. Daher ist die Friedenslösung in »Will You Take My Hand?« schon eine kleine Mogelpackung seitens der Autoren.

Ich denke schon, dass man eine optimistische Botschaft vermitteln kann, ohne die Realität vollkommen auszublenden. Daher hätte ich mir für »Will You Take My Hand?« eine etwas realistischere Lösung für den Krieg mit den Klingonen gewünscht. Zum Beispiel ein militärisches Patt (Balance of Threat), das den Klingonen aufzeigt, dass sie diesen Krieg in absehbarer Zeit nicht gewinnen können, ohne sich dabei selbst zu vernichten. Denn schon Kahless wusste: »Ein Reich zu zerstören, um einen Krieg zu gewinnen, ist kein ehrenvoller Sieg. Einen Krieg zu beenden, um ein Reich zu retten, ist keine Niederlage.« (DS9: The Way of the Warrior). Vielleicht hätten die Autoren besser in diese Richtung gehen sollen.

Nichtsdestotrotz kann ich »Will You Take My Hand?« durchaus etwas abgewinnen. Denn eine Botschaft dieser Episode besagt, dass sich auch liberale Demokratien stets hinterfragen müssen, ob sie den moralischen Ansprüchen, die sie an ihre Gegner (oder Feinde) stellen, auch selbst gerecht werden.

Cornwell und Sarek sind verzweifelt und daher blind für eine Konfliktlösung jenseits einer völligen Vernichtung der klingonischen Heimatwelt. Burnham ist da schon einen Schritt weiter, denn sie sucht nach Alternativen in einer vermeintlich alternativlosen Lage. Sie will sich mit der allseits angenommenen Alternativlosigkeit eben nicht arrangieren. Captain Kirk würde es so formulieren: »Ich denke gern an die Chance einer Möglichkeit!« (Star Trek II: The Wrath of Khan).

Von daher ist die Botschaft, die »Will You Take My Hand?« transportiert, absolut lobenswert. Denn sie besagt, dass ein vermeintliches Ultima Ratio-Szenario womöglich gar nicht so aussichtslos ist, wie man auf den ersten Blick glauben mag. Daher sollte man nie gänzlich die Hoffnung aufgeben, einen Konflikt doch irgendwie friedlich lösen zu können.

Diese Sichtweise ist zugegebenermaßen sehr optimistisch, idealistisch - womöglich sogar utopisch. Sie passt aber sehr gut zu Star Trek. Man sollte sie aber auch nur als das betrachten, was sie ist. Das Gedankenspiel einer utopischen Science-Fiction-Serie. Der Blick in den Spiegel bleibt daher getrübt. Eine Offenbarung für Friedensforscher und Diplomaten ist »Will You Take My Hand?« ganz sicher nicht.

Etwas weniger Pathos und etwas mehr Kreativität bei der Konfliktlösung hätte der Episode sicher gut getan.

Fazit: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Unter dem Strich enttäuscht das Staffelfinale »Will You Take My Hand?«, weil die zahlreichen Logiklöcher einfach zu offensichtlich und zu bedeutungsvoll sind, als dass man wohlwollend darüber hinwegsehen könnte. Die plot holes sind deshalb so ärgerlich, weil sie wie billige Taschenspielertricks seitens der Autoren wirken. Diese haben im Verlauf der ersten Staffel einfach einen handwerklichen Fehler gemacht, indem sie zu viele Subplots aufgemacht, einige von diesen aber nicht stringent weiterentwickelt haben. Und genau diesen Fehler haben die Autoren in »Will You Take My Hand?« mit unglaubwürdigen, teils lächerlichen Story-Kniffen zu kaschieren versucht. Man sollte hier aber nicht die Intelligenz und das Reflexionsvermögen der Zuschauer unterschätzen. Gerade Trekkies sind für ihr Auge zum Detail berühmt (und bei Autoren und Produzenten gefürchtet).

»Will You Take My Hand?« bleibt daher ein Epilog ohne echten Wow-Effekt. Der Klingonen-Arc wurde unbefriedigend aufgelöst und erweist sich in der Retrospektive als absoluter Rohrkrepierer. Enttäuschend ist auch Burnhams Rehabilitierung, die genauso unglaubwürdig wirkt wie ihr tiefer Fall in der Pilotfolge »The Vulcan Hello«. Zudem stellt sich die Frage, ob man der Protagonistin mit dieser Wendung nicht schon den Wind aus den Segeln genommen hat. Hier könnte es sich rächen, dass die erste Staffel Discovery im ursprünglichen Konzept von Bryan Fuller eigentlich als erstes Kapitel einer Anthologie-Serie geplant war.

Auch in Bezug auf die gesellschaftskritischen Untertöne wird die Episode ihrem eigenen Anspruch leider nicht gerecht. »Will You Take My Hand?« wandelt auf einem schmalen Grat zwischen einem optimistischen Idealismus und einem überzogenen Star Trek-Pathos. Letzterer führt dazu, dass einige Szenen unfreiwillig lächerlich wirken, da sie den Faktor »Mensch« (z.B. Selbsterhaltungstrieb, Freiheitsliebe usw.) vollkommen außer Acht lassen.

»Will You Take My Hand?« ist aber nicht nur ein enttäuschender Epilog der Premierenstaffel, sondern zugleich ein vielversprechender Prolog für die zweite Season. »Nach dem Spiel ist vor dem Spiel!«, würde Sepp Herberger an dieser Stelle sagen. Das Auftauchen der legendären U.S.S. Enterprise NCC-1701 macht jedenfalls Lust auf mehr Star Trek: Discovery. Für eine zweite Staffel wäre zu hoffen, dass wir wieder mehr Forschung und mehr Abenteuerlust zu sehen bekommen. Fakt ist aber auch, dass der Writers' Room sich in vielen Belangen verbessern muss. Die Premierenstaffel war inhaltlich überladen und das Storytelling war stellenweise unausgereift. Und dennoch darf man festhalten, dass in Star Trek: Discovery bedeutend mehr Star Trek steckt als in den Reboot-Filmen von J.J. Abrams. Einzig die Mixtur stimmt noch nicht.

Bewertung

Handlung der Einzelepisode 2/5

Stringenz des staffelübergreifenden Handlungsstrangs 3/5

Stringenz des bekannten Kanons 3/5

Charakterentwicklung 4/5

Spannung 3/5

Action 3/5

Humor 3/5

Intellektueller Anspruch 3/5

Gesamt 3/5

(mt, ms - 14.02.18)


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