Henning Koonert (hk)
13.05.09
Pressespiegel zu "Star Trek XI"
Überwiegend positiv wurde der neue "Star Trek"-Kinofilm von den großen deutschen Zeitungen und Magazinen aufgenommen. Einige stoßen sich an einer als dürftig empfundenen Handlung, die meisten bescheinigen dem Film aber einen gelungenen Neuanfang.
taz: "State-of-the-art-Zukunftswaffengeballer"
Die Berliner "taz" attestiert dem Film nach zehn, so die Einschätzung der Redaktion, "mehr oder minder mauen Kino-Adaptionen" Überraschungswert:
"[D]ie Geschichte ist Nebensache, wichtiger ist die Annäherung an die populärsten Figuren: [...] im Gegensatz zu manchem blutleeren Prequel schafft es 'Star Trek', die Nebenfiguren [...] als humorvolle Sidekicks elegant ins Gruppenbild zu integrieren, seine Helden sympathisch zu halten und den ganzen Trekkie-Kladderadatsch weder vor den Kopf zu stoßen, noch niveaugewohntere Science-Fiction-Fans zu langweilen."
Die vollständige Filmbesprechung der Zeitung gibt es unter taz.de.
Frankfurter Rundschau: "Das Trauma des Mr. Spock"
Die linksliberale "Frankfurter Rundschau" stellt in ihrem Bericht zum Film besonders den aus ihrer Sicht gelungen umgesetzten inneren Konflikt Spocks in den Vordergrund:
"Es gehörte zur herrlichen Lakonie von Gene Roddenberrys Fernsehserie, dass nie ganz zu klären war, wie viel Herz unter der harten Schale des Intellekts pochte. Der neue Film macht diesen Konflikt plastischer ohne ihn gänzlich aufzulösen, indem er Spock als einen Traumatisierten charakterisiert: Nie wird er überwinden, dass er das Auslöschen seines Heimatplaneten durch den Übeltäter Nero nicht verhindern kann. Die Nachhaltigkeit dieses Traumas inszeniert der Film so verwegen, wie es nur im Science-Fiction-Genre möglich ist."
Die vollständige Filmkritik des Blattes finden Sie auf FR-Online.de.
Spiegel: "Die beste Pyjamaparty im All"
Euphorisch bejubelt man bei Spiegel Online den Film, der "Star Trek" auf die Höhe der Zeit gebracht hat. Alte Genrestandards habe man höchst erfolgreich neuen Sehgewohnheiten angepasst, dabei aber nicht die Ursprünge der Saga aus den Augen verloren:
"Das erfordert einen heiklen Spagat zwischen radikaler Runderneuerung und respektvoller Restaurierung des in die Jahre gekommenen Dampfers Enterprise. Abrams und die Autoren Roberto Orci und Alex Kurtzman meistern die Herausforderung, indem sie munter den Fundus des Genres sowie der erweiterten Popkultur plündern, sich mehr für zeitlose menschliche Dramen als die idealistische Vision eines pangalaktischen Völkerbunds interessieren."
Auf Spiegel Online gibt es neben der vollständigen Filmkritik auch ein Interview mit J.J. Abrams und noch mal separat ordentlich Lob für Spock-Darsteller Zachary Quinto.
FAZ: "Die ganz große Sause im weiten, schwarzen All"
Nüchterner beurteilt die konservative "Frankfurter Allgemeine Zeitung" das neue "Star Trek"-Abenteuer. Zwar ist man von der Weiterentwicklung der Figur Uhura beeindruckt, zieht aber Bilanz:
"In vielerlei Hinsicht ist 'Star Trek 11' eine riesengroße Schießbude, ein Kindergeburtstag mit gigantischem Joystick. Warp-Antrieb, die Beam-Technologie und Zeitschleifen tragen gleichermaßen dazu bei, dass J.J. Abrams zwischen den narrativen Blöcken, aus denen der Film gebaut ist wie ein riesiges Mobile, umstandslos hin und her springen kann. Der Höhepunkt der Willkür ist dort erreicht, wo der junge Spock (Zachary Quinto) sich selbst in Gestalt des vormaligen Darstellers Leonard Nimoy gegenübersteht - aber derlei Hokuspokus gehörte immer schon zu den Bestandteilen von 'Raumschiff Enterprise', und 'Star Trek 11' hält hier nur das Niveau klassischer Abstrusitäten."
Den kompletten Artikel kann man auf FAZ.net nachlesen.
Süddeutsche Zeitung: "Ich bin nicht dein Vater"
Zum ikonoklastischen Film einen Spätgeborenen erklärt man bei der "Süddeutschen Zeitung" J.J. Abrams' Umsetzung von "Star Trek", ist von der Erdung des Mythos Trek durch den neuen Macher aber durchaus angetan. Interessanterweise zieht man dort nicht den häufig zitierten Vergleich zum Obama-Optimismus, sondern sieht die Wurzeln in der Ära seines Vorgängers:
"Für seine Vorgeschichte geht J. J. Abrams ins amerikanische Herzland. Dort, in Iowa wächst der junge James Tiberius Kirk auf, ein wild one, der mit seinem Sportwagen haarscharf am Abgrund entlangschliddert, in seinen schrägen Posen an James Dean, in seiner ruppigen Art, den Proll herauszukehren, an Marlon Brando erinnert. Der Film überspringt die Sechziger, jene Dekade, als der Mythos kreiert wurde, reaktiviert die amerikanischen Träume der Fünfziger. Das war nicht selten in den Jahren der Bush-Regierung - der neue 'Star Trek' wurde um 2004 konzipiert, jetzt, im ersten Obama-Jahr kommt er in die Kinos."
Die vollständige Filmbesprechung findet man auf Sueddeutsche.de.
Die Zeit: "Vom Bub zum Captain"
Die liberale Wochenzeitung "Die Zeit" urteilt, dass eine Überarbeitung von "Star Trek" im Sinne Abrams' genau das Richtige war:
"Kenner fordern schon lange eine neue Strategie für das implodierende Kulturphänomen. Weg mit dem Spießer- und Streber-Image, der übertriebenen Kameraderie! Harmonie und heile Welt galten als Markenzeichen der Weltraum-Serie um die Captains Picard und Janeway. Gut und Böse waren fein säuberlich getrennt - 'Star Trek', das war was für die Freunde des braven Boygroup-Pop."
Den vollständigen Kommentar gibt es unter Zeit.de.
Badische Zeitung: "Ein Wiedersehen mit Captain Kirk und Spock"
Ein gelungenes Wiedersehen mit alten Bekannten für Trek-Fans sieht die "Badische Zeitung" im elften Kinofilm der Reihe:
"In ganz jung: 'Star Trek' ist ein 'Prequel', die Vorgeschichte alles dessen, was bisher von der Enterprise erzählt wurde. Nach zehn 'Star Trek'-Filmen berichtet der elfte, wie alles begann. Fast schon ironisch setzt er mit der Geburt von James Tiberius Kirk ein. Er und Spock stehen im Zentrum. Wer sie noch von damals kennt, ist hier richtig im Kino. Wenn auch die Story von 'Star Trek' eher dem Muster der Nachfolgeserien von 'Next Generation' bis 'Voyager' folgt: ein außerirdischer Feind muss bekämpft werden."
Wer die gesamte Einschätzung der Zeitung lesen möchte, findet diese auf Badische-Zeitung.de.
Die Welt: "Der elfte 'Star Trek'-Film ist völlig unlogisch"
Die sicherlich kritischste Auseinandersetzung der überregionalen deutschen Zeitungen liefert die bürgerlich-konservative "Welt". Im Gegensatz zu dem Gros der Printmedien bemängelt man hier vor allem die Handlung:
"Tatsächlich ist der Plot so unübersichtlich wie sonst nur das Universum. Es geht um eine Supernova, schwarze Löcher und einen überspannten romulanischen Weltraumrächer, der sich offenbar in der Zeit verfahren hat. In einem verblüffend kompliziert gestalteten Raumschiff, das aussieht wie eine Mischung aus einer Stahlqualle und einem besorgniserregend misslungenen Versuch beim Bleigießen, rast er durch die Galaxien, um Spock zu finden. Ab und zu macht er dann mit seinem Raumschiff halt und bohrt mit einem Riesenbohrer Löcher in Planeten. [...] Angenehmerweise ist 'Star Trek' ein Film, der nichts will, der nichts bedeutet, der einfach nur da ist und ohne Aufhebens konsumiert werden will."
Die vollständige Filmkritik gibt es auf Welt.de.
Rheinische Post: "Die neuen Gesichter der Enterprise"
Für besser als seine Vorgänger hält die "Rheinische Post" den aktuellen Kino-Ableger. Zwar bemängelt man auch dort eine etwas dürftige Handlung und einen als störend empfundenen Gastauftritt von Leonard Nimoy, urteilt aber insgesamt positiv:
"Nein, das ist tatsächlich nicht die Enterprise, wie Fans sie kennen. Sie bietet einem jungen Publikum Identifikationsfiguren, ist lebendiger geworden, überraschender und spannender. Und trotz der vielen Effekte lässt Abrams den Charakteren Zeit, sich zu entwickeln. Er schafft es sogar Nebenfiguren wie Ingenieur Scotty genug Raum zu geben, so dass sie mehr sind als nur Statisten. Etwas, das die alte Enterprise nie so ganz geschafft hat."
Die vollständige Filmbesprechung lesen Sie auf RP-online.de.
(hk - 13.05.09 - 15 Kommentare)
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