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Christopher Kurtz (ck)07.10.18

Kurzrezension "Star Trek: Short Treks" 1.01 "Runaway"

Unter Ausschluss der Weltöffentlichkeit ist die erste Episode der "Star Trek"-Kurzfilmreihe in Nordamerika ausgestrahlt worden. Der solide Einstand wirft jedoch zugleich die Frage auf, warum "Runaway" nicht einfach eine richtige Folge "Discovery" sein durfte.

In "Runaway" trifft Ensign Tilly eine Außerirdische, die sich an Bord der Discovery gestohlen hat. Während der Auftakt der Folge kurz Erinnerungen an "Predator" weckt, wechselt sie schnell und souverän in eine optimistische, geradezu komödiantische Tonlage. Die wohl unvergesslichste Szene der Folge ist vermutlich die beste Slapstick-Einlage in Star Trek seit Captain Kirk unter einem Berg von Tribbles begraben wurde.

Mary Wiseman als Sylvia Tilly und dem Gast-Star Yadira Guevara-Prip als Po liegen die heitere Tonlage, was beide durch perfektes Timing und eine gute Leinwandchemie unter Beweis stellen. Auch am Rest der Produktion ist wenig zu meckern. CBS hat genug Budget bereit gestellt, der Kurzfilm darf genug Schauwerte auffahren, um nicht auffallend gegenüber "Discovery" abzufallen.

Die eigentliche Handlung ist etwas vorhersehbar, aber wurzelt ganz klar in klassischen Star-Trek-Erzählungen. Und während das konfliktlastige "Discovery" sich damit schwer tat, unsere Helden vom Start weg als idealistische Entdecker zu porträtieren, darf sich Tilly in "Runaway" mutig dem Fremden stellen. So werden beiden Frauen - wenig überraschend - feststellen, dass sie mehr eint als trennt. Auch wenn die äußere Handlung nicht sonderlich originell ist, so stellt diese Folge "Short Treks" doch unter Beweis, dass "Discovery" das Zeug hätte, sehenswerte und unterhaltsame "Moral Plays" in klassischer Trek-Manier zu inszenieren.

Yadira Guevara-Prip als Me Hani Ika Hali Ka Po und Mary Wiseman als Sylvia Tilly

Ebenfalls erfrischend nach der plotlastigen ersten Staffel ist es, nah an den Charakteren zu bleiben und einen Spalt weit in Tillys Familienleben blicken zu dürfen. Kontaktarier wird das ganze Unternehmen jedoch durch die kurze Spieldauer. Während die erste Hälfte als toller erster Akt einer regulären Folge hätte dienen können, zwingt das nahe Ende dann zu einer überhasteten und geradezu unglaubwürdigen Zuspitzung und Auflösung. Die Beziehung zwischen Tilly und Po bekommt nicht die Chance, sich über eine knappe Stunde zu entwickeln, und so bleibt das emotionale Finale weitgehend unverdient.

Was sich CBS bei dem Format gedacht hat, ist nicht ganz nachvollziehbar. Auf der einen Seite scheint man auf Kritik an der düsteren ersten Staffel reagieren zu wollen, andererseits verschwendet man hier bereitwillig in 15 Minuten das Potential einer guten, regulären Folge. Nimmt man dann noch die Vertriebsprobleme außerhalb Nordamerikas hinzu, bleibt trotz des absolut sehenswerten Einstands ein fahler Nachgeschmack.

(ck - 07.10.18 - Keine Kommentare)

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