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Christian Freitag (cf)19.04.14

Staffel 3: Vom Ende der Unschuld

Eindrücke zur 3. Staffel von "Enterprise" in High Definition

Im März ist nunmehr die dritte und vorletzte Staffel der Serie "Star Trek: Enterprise" auf Blu-ray erschienen. Christian Freitag prüft die Veröffentlichung in seiner ausführlichen Rezension auf Herz und Nieren.

Inhalt

Immer dann, wenn eine Serie nicht die gewünschten Einschaltquoten erzielt oder sonst etwas im Busch ist wie ein Schauspielerwechsel, erfährt sie tiefgreifende Veränderungen. So war es bereits bei "The Next Generation" mit dem Ausstieg zweier Schauspieler (Denise Crosby und Gates McFadden, wobei erstere ab und an wiederkam und letztere erneut einstieg) in der ersten zur zweiten Staffel. Wenn man bemerkt, dass das Serienkonzept nicht die gewünschte Wirkung erzielt, kann die Veränderung tiefgreifender sein. Während TNG glimpflich davonkam, erwischte es alle Nachfolgeserien schwerer.

Staffel 3 von "Enterprise" auf Blu-ray
Es sah so aus, als habe man sich nicht genügend vorbereitet. So war das Publikum nicht bereit für eine stationäre Raumbasis (DS9), es musste ein Schiff her. Die Voyager hatte das Problem, nicht interessante Geschichten zu erzählen und aufgewärmte Feinde zu haben. Also holte man sich die Borg ins Haus beziehungsweise aufs Schiff. Da Sex sells, durfte es dank Seven of Nine auch mal etwas Babe-iger werden.

Was in der Vorserie zog, hat man dann auch übernommen. Das Babe-Konzept blieb mit T'Pol auch bei "Enterprise" von Anfang an, aber mit der Storyfindung haperte es etwas. Vielen gefiel die Vorstellung vom temporalen kalten Krieg nicht. Die Crew ging - verständlicherweise - unbeholfen an ihre Abenteuer heran und etwas unsicher. Damit war die Reihe näher an unserer Zeit und die Charaktere wie ich finde menschlicher und nachvollziehbarer als in den Folgeserien, in denen sich die Menschheit moralisch - meistens jedenfalls - weiterentwickelt hatte.

Wie im ersten Special von Produzent Rick Berman erklärt, wollte man dies ändern, der Serie aber treu bleiben. Man wollte die Charaktere etwas verändern, sie selbstsicherer ins Unbekannte schicken. Dabei war die Geschichte um den temporalen kalten Krieg nicht uninteressant. Im Gegenteil. Es wäre sogar schön gewesen, wäre die Auflösung durch den späteren Chefautoren Manny Coto gleich im Zuge späterer Staffeln im Sinne eines möglichen Gerüchts, dass der Future Guy ein Romulaner sei, der Unfrieden in der Vergangenheit stiftet, sogar sinniger gewesen als den Weg zu gehen fürs Fernsehen die Story urplötzlich in der vierten Staffel zu beenden und romantechnisch einen vollkommen Unbekannten dafür zu nutzen. Welche Ideen man zum Future Guy letztlich hatte, überraschte mich dann doch. Man erfährt es auf der sechsten Scheibe.

Nun hatte man den temporalen kalten Krieg nicht vergessen, sondern der Angriff auf die Erde war letztlich Folge einer immer heißeren Phase davon. Dank der völligen Abschottung der Enterprise geriet das aber allmählich in den Hintergrund. Äußere Einflüsse wie der Krieg in Afghanistan und im Irak ließen die Enterprise unter Archer mit seinen Marines-artigen MACOS als Soldaten im Kampf gegen den Terror agieren. So hatte die Erde ihren 11. September, den man - auch notfalls mit Gewalt - aufklären und rächen wollte. Außerdem wollte man weiteren Angriffen entgegentreten. Die Enterprise hatte ihre Forschungsmission mit dem Mysteryeffekt des kalten Krieges à la "Akte X" an den Nagel gehangen, um wie bereits zuvor in "Deep Space Nine" gegen das Dominion und in "Voyager" gegen die Borg in den Krieg zu ziehen - eine Tatsache, die einigen Fans aufgestoßen ist, die aber teilweise ihrerseits vergessen haben, dass es bei DS9 und "Voyager" nicht anders war.

Die Veränderungen machten auch vor dem Vorspann nicht Halt. So wurde der - bereits nicht von allen Fans akzeptierte - Titelsong durch eine schnellere Klangfolge aufgepeppt, was ebenfalls bei DS9 schon geschah. Und die Reihe bekam erstmals das Präfix "Star Trek". Zuvor war man davon ausgegangen, dass es auch ohne ging.

Bis auf wenige Ausnahmen ("Exil", "Faustrecht" "Ebenbild", "Das auserwählte Reich", "Der Vorbote") und "Auf ärztliche Anweisung") sind die 24 Episoden straff erzählt und führen direkt auf den Konflikt mit den Xindi und den Sphärenbauern zu. Die gesamte Staffel bietet einen einzigen großen Handlungsbogen. Die Ausrutscher dabei und teilweise sogenannten Bottle Shows sind dann auch den aufwändigeren Episoden und größeren SFX-Spektakeln geschuldet aber auch anderen Überlegungen, die in den Extras zur Sprache kommen. Insbesondere "Azati Prime" bietet eine längere Kampfsequenz, die den Vergleich mit Kinoproduktionen nicht scheuen muss.

Mit der dritten Staffel "Enterprise" hat "Star Trek" letztlich vollkommen seine Unschuld verloren, die bereits bei DS9 und "Voyager" mehr und mehr ins Wanken kam. Der Kampf ums eigene Überleben der Spezies Mensch wurde zur Verzweiflungstat und forderte unter der Crew nicht nur ein hohes Maß an Opferbereitschaft, es war das verlustreichste Jahr für die Besatzung der NX-01, die in den beiden Vorjahren recht unbeschadet wegkam. Bereits in zwei der ersten vier Episoden verliert Archer fünf Leute! Auch die Offiziere selbst haben ihre Unschuld verloren. Aus den Forschern wurden kampferprobte und knallharte Soldaten, die selbst über das Ziel hinausschossen, wenn es das Überleben sicherte.

Bereits in der ersten Episode der dritten Staffel wurde für eine Befreiungsoperation tödliche Gewalt angewandt - eine Haltung, die Archer bereits in der letzten Episode der zweiten Staffel seinem klingonischen "Freund" Duras angedeihen ließ. Um die Effizienz der MACOs darzustellen, waren hier diverse Fern- und Nahkämpfe gezeigt worden, die im Höhepunkt in einem Genickbruch und einem Kopfschuss über Zielfernrohr geendet haben ("Die Xindi"). Und dabei war das nicht einmal der Gegner, den man seit Wochen suchte. Mit dem Einsatz der MACOs war klar: Jetzt war Schluss mit lustig! Die Betäubungsfunktion der Waffen wurde nur noch im Ausnahmefall eingesetzt ("Faustrecht"). Es hieß bei den Xindi: shoot to kill!

Bereits zu Anfang schlägt Archer gewaltig über die Stränge. Der Captain ist dergestalt unter Druck, dass er Folter als legitimes Mittel ansieht und auch durchführt ("Die Anomalie"). Da wird das Gedächtnis manipuliert ("Kriegslist"), notwendigerweise eine unbewaffnete Station dem Erdboden gleichgemacht ("Azati Prime") und es gipfelt in einem brutalen Raubüberfall durch Archer auf ein vollkommen unbeteiligtes Schiff ("Beschädigungen"). Der Zweck heiligt immer die Mittel und da es keine andere Möglichkeit gibt sich herauszureden, ist Gewalt die einzige Möglichkeit, die Archers Besatzung sieht. Zugegebenermaßen stellt man sich auch auf der Gegenseite nicht gerade als diskussionsfreundlich raus. Dass es auch anders geht, zeigen jedoch diverse Mitglieder der Spezies Xindi wie Degra.

Da "Star Trek: Enterprise" eine amerikanische Serie war, brachte sie dem Zuschauer auf unheilvolle Weise nahe, wie die Amerikaner über den Krieg gegen den Terror denken und dank diverser Ereignisse ist diese Thematik auch heute noch aktuell. So wird jede "kleine Schweinerei" für legitim erklärt und als Entschuldigung angeboten, sofern es nur - vermeintlich - der eigenen Sicherheit dient/dienen könnte. "Star Trek" war schon immer ein Abziehbild der Zeit und hat natürlich auch immer aktuelle Themen verarbeitet. Obwohl mir die Serie sehr gut gefallen hat und ich sie für die beste aller "Star Trek"-Serien halte, kann man die Haltung als äußerst fragwürdig bezeichnen, die "Enterprise" darstellt, da sie nicht als Kritik gedacht war sondern durchaus legitim kritiklos.

Diverse Themenbereiche hat auch "Enterprise" in seiner dritten Staffel aufgegriffen, allerdings ebenfalls einseitig wie in der Realität. Nur dann und wann gab es einen kleinen Durchbruch in die richtige Richtung. Und "Star Trek" wäre nicht "Star Trek", wenn alles schwarzweiß wäre. Archer hält trotz allem in "Azati Prime" eine Ansprache, dass man nach der Xindi-Krise wieder zur friedlichen Erforschung übergehen wird. Zwecks Äktschn gibt es die richtigen Bösewichter wie Dolim, die sich - trotz aufkeimender Zweifel (!) - überhaupt nicht bekehren lassen und so ist auch die tödliche Gewalt das einzige Mittel, das ihn zur Räson bringt. Andere wiederum wie Degra haben durchaus positive Seiten, auch gelingt es, Gnade vor Recht ergehen zu lassen. So dürfen die Piraten aus "Die Anomalie" unbeschadet abziehen. Ironie des Schicksals: "Die Anomalie" lässt Moralvorstellungen schnell über Bord werfen und so wird aus dem einst vom Piraten beraubten Archer wenige Episoden in "Beschädigungen" später selbst ein Pirat.

Trailer


Bild

Das Bild ist bei den SFX teilweise richtig knackig und plastisch. Man sieht viele Details, die einem früher im Fernsehen vielleicht gar nicht so aufgefallen sind. Allerdings muss ich sagen, dass wer die DVDs hat, alleine wegen der Bildschärfe hier nicht unbedingt auf Blu-ray umsteigen muss. Zwar sticht gegenüber einer Fernsehausstrahlung natürlich eine ungeahnte Schärfe hervor, aber wie gesagt, die DVDs waren bereits optisch ganz gut.

Was mir nämlich wieder aufgefallen ist: Je dunkler das Bild während einer Spielszene ist, beispielsweise im Bereitschaftsraum des Captains, desto körniger wird es. Und das war DVD-Qualität beziehungsweise teilweise sogar VHS-Qualität und für eine Blu-ray etwas enttäuschend. Ist eine Lichtquelle in der Nähe, wie eine Lampe innerhalb eines Quartiers, oder während einer Besprechung außerhalb des Bildes und das Set gut beleuchtet, fällt jede Hautunreinheit auf und die Uniformen (zum Beispiel Kontrast der Abteilungsstreifen zum Rest des Overalls) wirken gestochen scharf. Auch große Landschaftsaufnahmen wirken gestochen scharf und weisen eine ungeahnte Detailfülle auf, so zum Beispiel die Stadt in "Transformation". Die Quittung für diesen Detailreichtum und die Schärfe bekommt man allerdings auch gleich. Es sieht teilweise schon sehr nach Computeranimation aus (was es auch letztlich war).

Ton

Ich habe mir mal den Spaß gemacht, während des Ansehens diverse Sprachen auszuprobieren. So kann man natürlich im originalen Englisch sich die Episoden anhören wie natürlich auf Deutsch, Französisch oder gar Japanisch.

Extras und Ausstattung

Die Blu-ray-Box kommt in einem schicken Schuber daher. Der hässliche FSK-Flatschen ist ablösbar. Die Discs haben eine Farbe und keinen sonstigen Aufdruck und wirken damit etwas billig. Was der Unterschied zur erhältlichen Special Edition sein soll, bei dem man eine Plakette bekommt, wenn man alle vier Boxen gekauft hat, kann ich nicht sagen. Das Inlay muss man herausziehen, wenn man wissen will, was auf den Discs ist. Ein Beiheftchen gibt es leider nicht, was sehr schade ist.

Disc 1

Disc 1 enthält die ersten vier Episoden der Staffel "Die Xindi","Die Anomalie", "Transformation" und "Rajiin". Bis auf "Transformation" haben mir die drei Episoden sehr gut gefallen, allen voran "Rajiin". Etwas störend wirkt hier, dass die Untertitel der Aquarianer und der Insektoiden auf Englisch sind - bei deutschem Ton! Hier muss man zusätzlich bei den Untertiteln herumfummeln.

Die Aufteilung des Startbildschirms beginnt mit einem spannungsgetriebenen Sound, der schematische Bilder untermalt. Die einzelnen Episoden erhalten dann im Menüpunkt ein kleines Bild. Hat mir eigentlich ganz gut gefallen. Kein großer Schnickschnack, sondern stringent anwählbar ohne große Durchklickerei.

Es ist jetzt vielleicht kein Extra, aber bereits die erste Blu-ray fängt nach dem Durchrattern ohne Vorspulen mit Werbungen für die ersten beiden Staffeln von "Enterprise" auf Blu-ray an und auch die fünfte Staffel von TNG nebst dem einzelnen Zweiteiler "Wiedervereinigung" auf Blu-ray werden beworben.

Der Text-Kommentar von Mike und Denise Okuda aus dem Jahr 2005 zu der Episode "Die Xindi" ist gesondert wählbar. Hier erfährt man unter anderem, wo welcher Gastdarsteller mitgewirkt hat, an welchem Set gedreht wurde, welches Prop schon einmal verwendet wurde und so weiter. Interessant war auch, dass selbst nach Absetzung der Serie dieses blaue Pulverzeugs aus der ersten Episode überall im Studio noch zu finden war.

In "Die Xindi-Saga beginnt" kommt unter anderem Rick Berman zu Wort. Zwischen den Zeilen lässt sich bei den Interviewten schon erkennen, dass es zunächst keine freiwillige Entscheidung war, das Konzept der Serie zu ändern. So wurde unter anderem von enormem Druck von oben gesprochen und dass sinkende Einschaltquoten nichts mit der Qualität der Serie an sich zu tun haben müssen. In "Enterprise Momente: Staffel 3" kommen diverse Schauspieler zu Wort. Da diese allerdings noch serientechnisch recht jung aussehen, sind die Interviews noch während des Drehs zur vierten Staffel gemacht worden. So bestätigt John Billingsley alias Dr. Phlox, dass er auch immer das Gefühl hatte, dass 9/11 in "Enterprise" verarbeitet worden ist und verweist bei "Das auserwählte Reich" auch auf den Israel/Palästina-Konflikt.

Disc 2

Enthalten sind die Folgen "Impulsiv", "Exil", "Die Ladung" und "Dämmerung". Die Episode "Exil" hat mich insbesondere an "Die Schöne und das Biest" erinnert und wirkte mehr als unpassend. Sie hat mir daher auch am wenigsten gefallen. Mit "Die Ladung" lag erst die zweite Episode nach "Rajiin" der Staffel vor, in der die Enterprise-Besatzung hautnah mit dem Gegner zusammenkommt. "Dämmerung" war eine der "Was wäre wenn"-Episoden mit alternativer Zukunft, in der die Xindi die Erde zerstört haben. Neben einer düsteren Grundstimmung war die Liebesgeschichte zwischen Archer und T'Pol mehr als rührend. Im Gegensatz zu vielen Trip/T'Pol-Anhängern war ich eher der Ansicht, dass der Captain und sein Erster Offizier besser zusammenpassten.

Als Extras bietet die Scheibe insgesamt drei Kommentare, zu denen man gelangt, wenn man auf die einzelne Episode im Hauptmenü nach rechts klickt. Zu Wort kommen David Livingston, David A. Goodman und Chris Black zu "Impulsiv". Einen informativen Text-Kommentar aus 2005 gibt es von Mike und Denise Okuda ebenfalls zu der Episode. Dieser stellt wie alle Textkommentare Wissenswertes über die Darsteller und die Ausstattung heraus. Letztlich kommen Mike Sussman und Tim Gaskill zur herausragenden Episode "Dämmerung" zu Wort. Der Kommentar ist aus 2008. Was ich zu bemängeln habe ist, dass bei den Audiokommentaren keine deutschen Untertitel anwählbar sind. Hier muss man teilweise doch gut Englisch verstehen können. An sich ist das kaum ein Problem, doch nicht alle Vokabeln oder geflügelten Worte sind geläufig. Und bei diversen Audiokommentaren geht im gemeinsamen Geschnatter und Gelache doch einiges unter.

Disc 3

In einem Special auf der sechsten Scheibe wird auf die Einzelepisoden eingegangen. So kommt unter anderem John Billingsley zu Wort, dem die hiesige Episode "Faustrecht" nicht gefallen hatte. Sie mutete nach anderer Aussage - und da stimme ich zu - nach einer TOS-Episode an. Grundsätzlich finde ich solche Episoden hin und wieder nicht falsch. Doch wirkte sie aufgrund der drohenden Gefahr etwas fehl am Platze. Andererseits musste ich zugeben, dass Archer ziemlich cool als Westernheld wirkt und sehr gut in einen Western passt. In dem Special auf das noch eingegangen wird, sollten diese Einzelepisoden als Verschnaufpause dienen und man wollte sie ebenfalls einführen, falls der Xindihandlungsbogen nicht funktioniert. Die Episode bietet noch zwei weitere Kommentare auf dieser Disc, nämlich von David A. Goodman und Chris Black sowie von Mike DeMeritt aus 2005.

"Ebenbild" brachte dann das Problem auf, was passiert, wenn Trip nicht mehr dabei wäre. So hatte man den Chefingenieur quasi geklont. Die ethische Problematik, die damit einherging, zeigte mal wieder einen ziemlich harten Archer, dem es zwar leid tat, wozu er gezwungen wurde, der aber erneut eine fragwürdige Grenze überschreiten musste. Die Folge war neben ihrer Klonproblematik sehr rührend. Manny Coto und Connor Trinneer haben dann auch zu dieser Episode einen Kommentar gesprochen.

Ferner gab es noch eine entfernte Szene zu der Episode, die aber nicht integriert wurde. Ich finde die Handhabe mit geschnittenen Szenen eh problematisch. Sie ist nicht uniform. Entweder werden sie eingeschnitten und eingedeutscht oder eingeschnitten und im Original belassen oder bleiben gesondert als Extra vorhanden. Mir wäre es lieber gewesen, wenn diese Szenen wieder eingefügt werden. Das Medium Blu-ray zeigt zum Beispiel bei TOS, dass es möglich ist, die Episoden mit alten und wahlweise neuen SFX anzuschauen. Warum nicht auch wahlweise mit geschnittenen Szenen und originaler Ausstrahlung? Mir ist klar, dass das wieder eine Geldfrage ist, aber da das hiesige Bildmaterial nicht gerade auf dem neuesten Stand der Technik ist und man sich wohl weniger Mühe dabei gegeben hat, hätte man für den Preis ruhig etwas mehr herausholen können.

Einer meiner Lieblingsepisoden der dritten Staffel ist "Carpenter Street". "Star Trek" ist gerade bei Zeitreisen äußerst gut. So kommen Archer und T'Pol nach Detroit ins Jahr 2004 und dürfen neben zweier misslungener Autodiebstähle (einmal Parkkralle, einmal Köter), einem Guter-Cop/böser-Cop-Spiel und einem Supersize Me auch mal wieder die Lacher auf ihrer Seite haben. Angesichts einer düsteren Staffel war die Episode trotz eines bedrohlichen Untertons erfrischend.

Einen weiteren TOS-Bezug in Form von "Let This Be Your Last Battlefield" haben wir mit "Das auserwählte Reich". Hier kann man sehen, wozu religiöser Fanatismus führt. Den Gipfel der Lächerlichkeit bot der Grund hierzu. Während die Eiferer-Gruppe glaubte, dass die Sphärenbauer diese in neun Tagen erschufen, glaubten die Ketzer, es seien zehn gewesen. Das war wirklich grausig. Aber sehr gut dargestellt. Hier verlor Archer nicht nur durch religiösen Fanatismus einen weiblichen Crewman, sondern diese Idioten löschten gleich die komplette Datenbank, die er so dringend nötig hatte. Es gab zu dieser Episode eine entfernte Szene.

Disc 4

Mit "Testgebiet" haben wir einen alten Bekannten wiedergetroffen: Shran. Der Andorianer wurde trotz der eigenen Interessen seiner Regierung zu einem Freund von Archer, den er hier leider hintergehen musste. Allerdings hatte er dann letztlich doch noch eine gute Tat vollbracht.

In "Kriegslist" sah Archer Degra dann von Angesicht zu Angesicht. Hier stellte man unterschwellig dann schon fest, dass Degra nicht der schwarzweiße Bösewicht ist, für den man ihn zunächst gehalten hat. Ihm geht als Familienvater vor allem nicht aus dem Kopf, dass viele Unschuldige gestorben sind, auch Kinder. Aus seiner Sicht musste er etwas tun, was ihm aber gegen den Strich ging. Hierbei unterschied er sich von den unerbittlichen Reptilianern (oder von realen Alter Ego, die damals die Bomben auf Hiroshima und Nagasaki geworfen haben, bei denen so mancher noch stolz bis zum Lebensende auf seine Handlung war). Im Laufe der Staffel wird aber klar, dass alle Xindi-Rassen mehr oder weniger ausgeprägte Zweifel haben.

In "Der Vorbote" lernen wir nicht nur die Urheber des Ganzen kennen, die Sphärenbauer, die hier noch recht mysteriös bleiben, sondern Trip und einer der MACOs kommen sich näher - sehr zum Unmut von T'Pol. "Auf ärztliche Anweisung" bildet den Schluss von Disc 4. Der schrullige Phlox darf hier eine ganze Episode alleine tragen. Extras gibt es hier keine.

Disc 5

Die Scheibe hat es in sich. Gleich mehrere gute Episoden befinden sich hierauf. In "Brutstätte" kümmert sich Archer aufopfernd um Insektoidenbabys. Deren Schutzmechanismus hatte den Captain auf die Eier geprägt. Nicht geprägt waren die MACOs. Verstörend wird hier gezeigt, dass sie die perfekten Befehlsempfänger waren: Ohne selbst darüber lange nachzudenken, zögerten sie nur kurz. Angesichts der Ehrlichkeit von Major Hayes, der ja kein dummer Mensch ist, ist diese Verhaltensweise bedenklich. Die MACOs haben hier wieder gezeigt, dass sie eine eingeschworene Elitetruppe bilden, ähnlich den Special Forces oder den heutigen Marines, deren reale Rangabzeichen sie übrigens tragen.

Meine Lieblingsepisode ist "Azati Prime". Diese Folge hat wirklich Kinoniveau und bietet einen umfassenden Angriff auf die Enterprise mit verheerenden Folgen. Alles im allem verliert Archer bei diesem Angriff fast ein Viertel der regulären Besatzung (ohne MACOs, die zahlenmäßig die ganze Staffel lang unklar blieben).

In "Beschädigungen" sehen wir nicht nur das Ausmaß der Zerstörungen, sondern der Captain überschreitet hier eine klare Grenze. Schön wird dargestellt, wie leicht es wird, zum Piraten zu werden. Der Kreis zu "Anomalie" schließt sich hier, als der Captain sich gezwungen sieht, eine vollkommen unbeteiligte Partei anzugreifen und deren Warpspule zu klauen. Die Ausgleichszahlung wirkt dahingehend zu den drei Jahren, die man die Besatzung stranden lässt, wie Hohn. Wenn Archer in der Situation gewesen wäre, wäre ihm auch nicht ganz wohl dabei. Auch hier wurde klar, dass der Zweck die Mittel heiligte. T'Pols Drogenabhängigkeit wurde hier ausführlich thematisiert.

"Die Vergessenen" handelte dann von den Verlusten, die man innerhalb des letzten Angriffs zu beklagen hatte. Stellvertretend für die vielen Opfer dient eine bislang noch nicht gezeigte Ingenieurin als Verarbeitung für Trips noch anhaltende Trauer um seine kleine Schwester. David A. Goodman, Chris Black und Connor Trinneer liefern einen Kommentar zur Episode.

Den Abschluss bietet wieder eine alternative Realitätsepisode: "". Die Enterprise trifft hier auf sich selbst als Generationenschiff. Es gibt hier auch den einen oder anderen Schmunzler, wenn man sieht, wie sich Dr. Phlox so vermehrt hat. Rührend ist Reeds Erkenntnis, dass er alleine bleibt und dann daraufhin schnell eine blonde Crewman an seinen Tisch bittet. Die Episode hat dann auch eine entfernte Szene zu bieten.

Disc 6

Der staffelweite Handlungsbogen findet sein Ende, um in einen anderen Cliffhanger zu münden. "Der Rat" spaltet sich. Die Reptilianer und Insektoiden wenden sich von den übrigen Mitgliedern ab. Das ist auch das Ende von Degra, der die gesamte Staffel dabei war. Außerdem erwischt es erneut einen MACO, der ebenfalls am Anfang der Staffel bereits zu sehen war.

Inkonsequent ist dann Reeds Aussage, bislang 21 Crewmitglieder verloren zu haben. Alleine in "Azati Prime" verlor die Enterprise 14 Crewmitglieder und stockte dann die Verluste auf 18 insgesamt auf. Bereits in "Anomalie" starb ein Crewmitglied, gleich vier in "Rajiin" und in "Das auserwählte Reich" hatte es wieder jemanden erwischt. Wenn ich mich nicht verzählt oder einen vergessen habe, komme ich da schon auf insgesamt 25 mit dem hiesigen Opfer. Die nächsten beiden Episoden waren auch verlustreich. So stirbt Major Hayes in "Countdown", gleich ein Crewmitglied und zwei MACOs in "Stunde Null", was außer Sim die Anzahl auf 29 steigen lässt. Irgendwo hatte ich gelesen, dass die Verluste aus "Azati Prime" diese umfassen, das wäre aber inkonsequent, da bei aktuellen Verlustmeldungen ja wohl kaum die Verluste der letzten Monate mitgemeldet werden.

Sei's drum, Major Hayes stirbt in "Countdown" und damit ein relativer Hauptcharakter der dritten Staffel. Das ist schade, da ich den MACO-Chef sympathisch gefunden hatte. In schöner Running-Gag-Manier wird dagegen ein weiblicher MACO verletzt, der fast immer in jeder Episode, in der sie auftritt, angeschossen wird. Sie überlebt es auch dieses Mal. Chris Black und André Bormanis liefern einen Kommentar zu der Episode; einen Text-Kommentar bieten Mike und Denise Okuda. Erneut erfährt man hier informatives über Nebendarsteller und Props. Welche Darsteller waren schon mal wo zu sehen und welche Anzeigentafel hat es in welche Episode geschafft. So ist "Star Trek" ein Refugium der Wiederverwertung gewesen. Der Bildschirm der Defiant aus DS9 hat es in die Xindibrücke geschafft, Voyager-Bildschirme und Konsolen auf die Enterprise und so weiter.

In "Stunde Null" erfahren wir, dass auch die Insektoiden trotz allem Zweifel und Bedenken haben. Doch das kommt leider für sie zu spät. Selbst in Commander Dolim regt sich als letztem nach diversen Zweifeln seiner Untergebenen so mancher Zweifel. Doch anders als die anderen springt er nicht über seinen Schatten, was ihm zum gerechten Verhängnis wird und so bekommt der Mistkerl, was er verdient. Die Sphärenbauer greifen hier direkt in das Geschehen ein und bekommen auch ihre Quittung. Die Ausdehnung löst sich in Wohlgefallen auf. Die Staffel endet mit einem Cliffhanger (die letzten Sätze sind auch im Original mit englischen Untertiteln in deutscher Sprache gesprochen und wirkten nicht allzu gestelzt).

Schön ist, dass man auch Shran ins Boot geholt hat, weniger schön fand ich, dass man die Erde angesichts der Bedrohungssituation durch die Xindi komplett ungeschützt gelassen hat. Man hätte meinen können, dass man aufgerüstet habe, aber da war bis auf einen zivilen Außenposten nichts (komischerweise unterließ man den Hinweis auf die Flottenwerft, in der die Columbia gebaut wurde). Da die Scheibe nur drei Folgen enthält, konnte man hier einige Extras unterbringen. So ist die Dokumentation "In einer Zeit des Krieges" in drei Teilen in HD enthalten. Hier erfährt man von Machern und Schauspielern viel mehr Hintergrundinfos als mir zunächst bekannt waren. Rick Berman und Brannon Braga, die einigen Fans ein Dorn im Auge sind, geben sich hier sehr pflegeleicht. Berman gesteht Fehler ein, Braga entschuldigt sich zwischen den Zeilen für seine Art. Damit waren sie erfrischend ehrlicher als die heutigen Autoren der Filmserie, die mir manchmal zu selbstsicher sind.

Beide standen unter enormen Druck durch den Sender. Obwohl man die zweithöchsten Zuschauerquoten gegenüber einer anderen Serie hatte, hatte man jene gelobt und "Enterprise" immer bedroht. Das Verhältnis zwischen Sender und Machern war schlecht. Braga schmiss viele Leute raus. Und wir erfahren, dass so mancher Autor vorgab, Fan zu sein und es nicht war. Manny Coto hingegen wusste alles, was Braga zunächst seltsam vorkam, aber die Einstellung zahlte sich aus. Unter Coto wurde "Enterprise" stabil und Braga entspannte sich zusehends. Nur hat der Sender der Serie keine Chance mehr gegeben. Managementwechsel und Verschiebung auf einen miesen Sendeplatz taten ihr Übriges. Einschaltquoten sanken trotz höherer Qualität weiter und obwohl sich fast alle darüber einig sind, dass die vierte Staffel die beste war, gab man der Serie den Gnadenschuss.

Billingsley äußert sich kritisch über "Der Zweck heiligt die Mittel", der hier einige Male zur Schau gestellt wurde. Scott Bakula sah hier schon ziemlich verbraucht aus. Anders als die Aussagen von Anthony Montgomery kommt es einem nicht so vor, als habe er sich großartig beschwert. Die recht schüchterne Jolene Blalock hat hier richtig vom Leder gezogen. So seien die Macher nicht für ihre Einwände zu sprechen gewesen. Brannon Braga weiß von dieser Unstimmigkeit zwischen den beiden und machte aber auch keinen Hehl draus, dass er anderer Meinung war. Autor Goodman bekam die Krise, dass die Enterprise ständig alleine war und wollte auch mal eine Flotte haben. Außerdem seien die Xindi zwar toll gewesen, aber nichts gegen einen romulanischen Konflikt. Da stimme ich voll zu, weil der irdisch-romulanische Krieg sicherlich nicht von heute auf morgen kam und wenn man der Serie die Chance gegeben hätte, hätte man diesen auch bestimmt gezeigt.

Interessant sind die Ansätze dazu, wer der Future Guy war. Das hatte mich die ganze Zeit am Anfang schon beschäftigt. Es ist schade, dass es nie richtig zur Auflösung kam.

Fazit

Viele halten dieser Staffel vor, dass sie zu actionlastig und düster ist und den Weg der USA nach dem 11. September als eine Art Entschuldigung für alles bietet. Es ist wirklich so wie aus dem Special hervorgeht, dass die Macher von dem Ereignis bereits seit der ersten Staffel betroffen waren. Die Serie war anders konzipiert im Stil der 90er-Jahre. Durch den Terrorakt änderte sich auch das Zuschauerverhalten und es erforderte ein Umdenken, wie in dem Special auf Disc 6 auch zur Sprache gebracht wird. Der 11. September hatte "Enterprise" ebenfalls verändert und eine Richtung teilweise auch aufgezwungen, die die Serie ansonsten so nicht eingeschlagen hätte. Es ist schade, dass man nie erfahren wird, was aus der Serie geworden wäre, wenn man ihr die Chance gegeben hätte, die sie verdient hatte.

Trotz aller Unkenrufe gegen Berman und Braga, die sicherlich teilweise berechtigt sind, haben sie jedoch fast zwei Jahrzehnte "Star Trek" die Stange gehalten und ein eigenes Universum geschaffen, das seinesgleichen sucht, das trotz einiger Ungereimtheiten aufeinander aufbaut und teilweise von Fans (Coto) für Fans geschrieben wurde. Dies vermissen heute einige Fans bei den jetzigen Autoren, die keine Fans sind, was man den heutigen Rebootfilmen auch anmerkt.

Mit "Enterprise" und "Nemesis" endeten die regulären "Star Trek"-Geschichten. Das Lager ist aufgelöst und deshalb wird es unwahrscheinlich, dass das "alte Trek" jemals zurückkehren wird. Trekkern wird vorgeworfen, sie würden alles sofort angreifen. Ein Widerspruch zur Kernaussage von ihrer Lieblingsserie. Diese Diskussion füllt Foren. Ich kann mir den Reboot durchaus ansehen, aber "Star Trek" ist für mich anders und mein aktives Fansein neuer Folgen in Form der neuen Filme - obwohl ich es noch bin, aber eben nicht mehr so wie früher - endete mit dem alten Trek.

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Macher haben mit diesem Handlungsbogen einen hohen Qualitätsstandard gesetzt. Es gab einzelne Ausrutscher nach unten, aber Action und Gewalt zeigten, dass "Star Trek"-Enterprise die Unschuld verloren hat, die die Serie zunächst hatte. Die dritte Staffel war ein langer Erzählstrang, der spannend und dramatisch zugleich war. Ich bin dankbar für eine so interessante und mitreißende Geschichte.

Blu-ray-technisch hätte man vielleicht noch etwas aufrüsten müssen. Das Bild ist alles andere als hohe Blu-ray-Qualität. Für den regulären Preis grobkörnige Bilder herauszuwerfen, finde ich frech. Hier hätte man entweder mehr Arbeit reinstecken müssen oder den Preis um die Hälfte reduzieren sollen. Es fehlte ein Booklet, die Discs waren eintönig bedruckt, die Untertitel nicht vorhanden, wo es um Audiokommentare ging oder die außerirdischen Untertitel wurden gleich auf Englisch dargestellt. Demgegenüber waren die meisten Specials sehr interessant und informativ, da wo man aus dem Bild eine Menge rausgeholt, ist es auch sehenswert geworden. Während die Staffel mit Extras an sich von mir volle fünf Sterne bekäme, bekommt sie aufgrund der diversen technischen Mankos dreieinhalb.

Die 3. Staffel von "Enterprise" auf Blu-ray ist bereits im Handel und kann unter anderem bei Amazon.de zum Preis von derzeit 61,99 Euro bestellt werden. Exklusiv bei Amazon ist auch die Collector's Edition der 3. Staffel auf Blu-ray zum Preis von derzeit 69,99 Euro erhältlich. Wer alle vier Staffeln in der Collector's Edition erwirbt, erhält eine personalisierte Widmungsplakette der NX-01 aus Aluminium.

Technische Daten


Produktionsjahr Staffel 3 2003 - 2004

Erscheinungstermin auf Blu-ray März 2014

Sprache Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1), Französisch, Japanisch (Stereo)

Untertitel Deutsch, Englisch, Französisch, Niederländisch, Japanisch

Bildformat 1080p High Definition 16:9 - 1.78:1

Altersfreigabe (FSK) Freigegeben ab 12 Jahren

Spieldauer ca. 1026 Minuten

(cf - 19.04.14)

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