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Randolph Sutter (su)24.04.13

"Star Trek" - Live to Projection

Ein besonderes Konzert in Luzern

Mitte April fand in Luzern eine ganz besondere Aufführung statt: Während auf der Leinwand "Star Trek XI" lief, spielte ein Symphonieorchester mit Chor live und punktgenau die Filmmusik ein. Exklusiv fürs TZN berichtet Randolph Sutter von dem Konzert.

Wie sagte einst Frank Zappa? "Über Musik zu reden, ist wie über Architektur zu tanzen." Und doch muss man über Musik reden, da sie für jeden einzelnen Menschen wichtig ist, egal welcher Rasse er angehört, welcher Religion oder welcher Zeit. Darüber zu resümieren, was nun gute oder schlechte Musik ist, erscheint irrelevant, bedeutet sie doch für jeden von uns etwas anderes. So gesehen ist es auch nicht von Bedeutung, ob das noch junge Schaffen von Filmkomponist Michael Giacchino mit denjenigen Komponisten mithalten kann, die bereits den früheren "Star Trek"-Kinofilmen zu mehr Dramatik verholfen haben. Seien es nun Legenden wie Jerry Goldsmith, Veteranen wie James Horner oder eher unbekannte Musiker wie Cliff Eidelman. Wichtig ist nur, dass seine Musik mitgeholfen hat, dem Zuschauer noch stärkere Gefühle während des Filmes zu entlocken.

Als im Jahre 2009 der elften "Star Trek" Film erschien, wurde viel über die Arbeit von Michael Giacchino gesprochen, dem Hauskomponisten von Regisseur J. J. Abrams. Doch alle, die wir im Kino saßen oder uns den Film auf dem heimischen Bildschirmen angeschaut haben, hatten nie die Möglichkeit, einen solchen Film anzusehen, während ein fast 90-köpfiges Symphonieorchester live die Filmmusik übernimmt; den Chor, bestehend aus 60 Personen, nicht eingerechnet. Das sollte sich nun ändern.

Bild: Randolph Sutter

Nachdem Pirmin Zängerle von 21st Century Productions bereits 2012 mit den Konzerten von "The Music of Michael Giacchino" sowie "Lost in Concert" eine tolle Zusammenarbeit mit dem Komponisten und Oscarpreisträger ("Up") feiern durfte, entstand schnell der gegenseitige Wunsch, diese fortzusetzen, und da Paramount Pictures selbstverständlich gerne bereit war zusammenzuarbeiten, war es möglich, an drei Abenden "Star Trek" in einem Konzertsaal als "Live to Projection"-Vorführung im schönen Luzern zu präsentieren. Glücklicherweise war auch J.J. Abrams mehr als angetan von der Idee, weswegen man sich auch auf einen musikalischen Spoiler freuen durfte. Lediglich die Tatsache, dass das Publikum zu sehr auf die Musik achten könnte und weniger auf den Film als solches, ließ sich ein augenzwinkernder Kommentar verständlicherweise nicht verhindern.

Michael Giacchino ließ es sich nicht nehmen, an allen Abenden anwesend zu sein, freute er sich doch außerordentlich, die bei einem Cocktail entstandene Idee wahr werden zu lassen. Als Giacchino in den 70er-Jahren aufwuchs, war er ein riesiger Fan der originalen "Star Trek"-Serie: so groß, dass er sogar an seinem ersten Schultag in der zweiten Klasse ein entsprechendes Shirt trug. Diese Begeisterung war vor, während und nach dem Konzert jederzeit spürbar. Allerdings hatte er während dem damaligen Komponieren reichlich Probleme. "Dass ich nun für das Franchise Musik schreiben sollte, für deren ersten beiden Filme bereits Goldsmith ('Alien', 'Basic Instinct', 'Planet of the Apes') und Horner ('Titanic', 'Avatar') schrieben, konfrontierte mich mit einer fast schon grauenvollen Herausforderung", so Giacchino, welcher bereits ein Jahr vor dem Kinostart mit dem Komponieren begann.

Bild: KKL Luzern

Dabei führte der Versuch, eine Filmmusik im Stil der bekannten Vorgängerkompositionen und dem legendären Titelthema von Alexander Courage zu schreiben, in eine künstlerische Blockade. "Dieses filmmusikalische Vermächtnis wurde für mich zu einer unüberwindbaren Herausforderung", wie er gestand. Giacchinos erste Kompositions-Skizzen waren irgendwo in "Space Opera"-Gefilden zwischen Goldsmiths "Star Trek" und John Williams' "Star Wars" anzusiedeln. "Es war mir unmöglich, etwas zu komponieren, mit dem ich vollständig zufrieden war, bis ich eine Unterhaltung mit Produzent Damon Lindelof ('Lost') hatte", erinnert sich Giacchino. "Damon sagte zu mir: 'Vergiss das alles, unser "Star Trek" Film erzählt letzten Endes einfach die Geschichte einer entstehenden Freundschaft zwischen zwei Menschen.'"

Nun ja, zwischen Kirk und Spock, aber wie auch immer, diese neue Sichtweise löste Giacchinos Schreibblockade und das erste Stück, welches er dann komponierte, wurde zum Hauptthema des Filmes. Die vorher geschriebenen 30 anderen Themen wanderten zu den Akten. Für den Film selbst wurden drei musikalische Themen entworfen. Eines für Kirk, eines für den Widersacher Nero und eines für Spock, bei welchem ein zweiseitiges chinesisches Streichinstrument verwendet wurde, das Erhu. "Ich wollte einen ebenso traurigen wie ehrfürchtigen Klang", erzählte Giacchino. "Einen Klang, der diese antiquierte Note enthält und außerirdisch klingt. Diese Eigenschaften habe ich in der Musik des Erhus gefunden, wobei dieses Thema gleichzeitig auch die Geschichte eines stolzen antiken Volkes zu erzählen scheint."

Video: TrekMovie

Selbstverständlich durfte auch das bekannte Titelthema der Originalserie nicht fehlen, allerdings waren sich Abrams und Giacchino einig, dass sich die neue Besatzung diese weltberühmte Kultmelodie erst verdienen musste. Wie der Komponist erzählte, bezog er dieses Thema von Alexander Courage erst ein, als die Besatzung vollständig ist. "Für mich war klar, dass diese Melodie erst ganz am Ende des Filmes erklingen konnte", so Giacchino, "denn diese Melodie ist 'Star Trek' für mich."

Aber zurück zum Konzert, dessen Premiere am 12. April 2013 stattfand. Wer sich etwas vor Beginn im Kultur und Kongresszentrum einfand, erhielt im Konzertsaal die Möglichkeit, Michael Giacchino bei einer Frage- und Antwort-Runde beiwohnen zu können. Charmant, äußerst sympathisch, mit großer Freude und ohne den Hauch von jeglichen Starallüren erzählte er bereitwillig von seinem Schaffen und erklärte, dass man an einem Soundtrack für gewöhnlich lausige sieben Wochen Zeit hat, obschon er sich immer 16 Wochen wünschen würde.

Vielleicht umso beindruckender, dass er für den Pixar Streifen "Up" je mit einem Oscar, Golden Globe, BAFTA-Awards, Broadcast Film Critics' Choice Award und mit zwei Grammy Awards ausgezeichnet wurde. Seinen ersten Job als Komponisten hatte er übrigens Steven Spielberg zu verdanken, welcher ihn 1999 verpflichtete, für das Videospiel "Medal of Honor" zu komponieren.

Nachdem sich am Abend dann das eigentliche Publikum einfand, welches, wie mir schien, tatsächlich eher aus Musik-Liebhabern statt aus "Star Trek"-Fans bestand, wurde das Licht gedämpft und die zahlreichen Musiker traten inklusive dem Chor-Ensemble ein. Ein paar Minuten später dann, wie es sich gehört, mit angespannter Stille der Dirigent, Ludwig Wicki. Wicki selbst ist Stiftskapellmeister an der Hofkirche der Stadt Luzern, Gastdirigent bei verschiedenen Orchestern sowie künstlerischer Leiter des 21st Century Symphony Orchestra. Sein Repertoire umfasst Renaissance-Musik bis zur zeitgenössischen Musik, und er arbeitete auch bereits für bekannte Komponisten wie Randy Newman ("Toy Story") oder Howard Shore ("Lord of the Rings").

Video: TrekMovie

Unter tosendem Applaus begann die Vorführung von "Star Trek" in der Originalfassung und Wicki und sein Orchester konnten bereits zu Beginn punkten, da es eine Szene gab, bei der im Film jeglicher Ton abgedreht wurde und der Film allein durch die Musik getragen wurde. Persönlich war ich sehr skeptisch, ob es einen großen Unterschied machen würde, wenn nun ein Live-Orchester die Musikbegleitung macht. Fazit: absolut. Der Film wirkt bombastischer, dramatischer wie auch realer. Allerdings soll nicht unerwähnt bleiben, dass das Orchester verständlicherweise auch vom Film ablenkt. Klar, der Hauptdarsteller bei solch einer Aufführung ist die Musik an sich. Vielleicht war es also ein Vorteil, wenn man den Film bereits gekannt hat. Das Publikum selbst schien sich davon nicht beirren zu lassen, lachte an den richtigen Stellen, nahm Anteil und wurde in den Bann gezogen. Man verzeihe mir diese Bemerkung, aber es war schön zu sehen, wie ein offensichtlich weitgehend Trek-fremdes Publikum auf einen modernen Science-Fiction-Film eingeht.

Eine Livevorführung birgt natürlich auch Tücken. Für die Veranstaltung wurde der Film nochmals überarbeitet und eine neue Tonabmischung gemacht. Die Effekte wurden stellenweise stark zurückgeschraubt (fast schon dezent eingesetzt), um der Klarheit der Musik mehr Raum zu gewähren. Dieses durchaus sinnvolle Vorgehen beeinträchtigte jedoch zuweilen (wenn auch selten) den Dialog. Am offensichtlichsten war dies bei Nimoys Schlussmonolog "These are the voyages" der Fall, welcher vom motivierten und sekundengenauen Orchester so gnadenlos torpediert wurde wie Neros Schiff kurz vor der Zerstörung.

Video: Stefan Schuler

Der Dirigent sorgte nach dem ersten Akt für die Überraschung des Abends, grinsend und in goldener Captains-Uniform trat er zurück auf sein Podest, um die Enterprise zum siegreichen Finale zu führen. Leider stoppte kurz darauf eine technische Panne an seinem Notebook das Konzert. Auf diesem Notebook lief der Film inklusive visuellem Taktgeber der Partitur und lieferte dem Dirigenten einen Countdown bis zum nächsten Stück. Nur dadurch war es überhaupt möglich, dem Film absolut punktgenau zu folgen.

Glücklicherweise war Michael Giacchino sofort zur Stelle, um das Publikum mit Witz und Charme in seinen Bann zu schlagen. Dies machte er so gut, dass der Produktionsleiter nach behobener Panne meinte, sie hätten jetzt das Problem, dass das Problem behoben sei. Sprich, man nun eigentlich weitermachen könnte. Eine Frage durfte das Publikum aber noch stellen. Nämlich ob Giacchino als nächstes Projekt die Musik zu "Star Wars" schreiben würde. Immerhin hat er noch jeden Film von Abrams vertont. Seine Antwort war fast beinahe schweizerisch. Er liebe die Musik von John Williams und er könne sich niemand besseren für einen "Star Wars"-Soundtrack vorstellen. Er hoffe inständig, dass Williams aus seinem Ruhestand komme und den Job übernehme. Und wenn man einigen Publikationen glauben darf, steht Williams bereits zur Stelle. Giacchino braucht sich über Arbeit jedoch nicht zu beklagen und wird dem Science-Fiction-Genre auch weiterhin verbunden bleiben. Als Nächstes wird er "Jupiter Ascending" von den Wachowskis musikalisch unterlegen und danach folgt Brad Birds "Tomorrowland".

Nachdem der Abspann über die Leinwand lief und minutenlanger Applaus eintrat, gefolgt von Standing Ovations, gewährte uns das Orchester eine eindrückliche, düstere Komposition aus "Star Trek Into Darkness", welche im entfernten Sinne an die Bedrohlichkeit von Cliff Eidelmans Prolog zu "The Undiscovered Country" erinnerte.

Video: Stefan Schuler

Abschließend lässt sich sagen, dass es ein fantastischer Abend war. Im Konzertsaal des KKL finden immer wieder spezielle Filmvorführungen statt und man kann allen nur raten, sich bei allfälligem Interesse auf der entsprechenden Website zu informieren.

Ach ja, und Luzern ist natürlich auch immer eine Reise wert.

Bild: Tourismusverband Luzern

Bericht im Schweizer Fernsehen

Interviews mit Michael Giacchino


Videos: Stefan Schuler

(su - 25.04.13)

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