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Christopher Kurtz (ck)04.02.10

"Star Trek Online" - A First Review

Erstes Fazit nach der Beta-Phase

Nach jahrelanger Entwicklungsarbeit ist es nun erschienen, das erste Massively Multiplayer Online Roleplaying Game im "Star Trek"-Universum. Was erwartet den Trek-Fan? Das Game unter der TZN-Lupe.

2009 hat es endgültig gezeigt: Der Trend im Videospielemarkt geht weg vom Stand-Alone-Titel in der Schachtel hin zu DRM-abgeschotteten Downloadtiteln, die ständig für teures Geld mit DLC (Download Content) um einzelne Features und Level aufgerüstet werden müssen oder für die sowieso monatliche Onlinegebühren fällig werden. Freilich kein Trend, den Verbraucher gesetzt oder erfunden hätten, sondern von den taumelnden großen Publishern als nächste große Einnahmequelle identifiziert wurde: Melke deine Kunden regelmäßig und mache den Weiterverkauf auf dem Second-Hand-Markt nahezu unmöglich, um deine Einnahmesituation zu verbessern.

Dass man mit diesem Modell erfolgreich Geld verdienen kann, haben Blizzard mit "World of Warcraft" und Valve mit der Plattform "Steam" in den letzten Jahren demonstriert. Am einfachsten klappt das mit so genannten Massively Multiplayer Online Role Playing Games, also solchen Spielen, in denen man über eine lange Zeit einen Charakter spielt, der immer mächtiger, prächtiger und besser ausgestattet um immer mehr Erfahrung und Ausrüstung kämpft. Es war also nur eine Frage der Zeit, wann nach dem "Star Wars"-MMORPG, dem "Herr der Ringe"-MMORPG und selbst dem gescheiterten "Matrix"-MMORPG auch irgendwann ein "Star Trek"-MMORPG ins Haus stünde.


Die Entwicklungsgeschichte von "Star Trek: Online" war eine schwierige. 2004 sicherte sich die bis dato unbekannte Firma Perpetual die Rechte an einem "Star Trek"-MMORPG, ging aber nach mehrjähriger Entwicklung 2008 pleite. Nun bringt der MMORPG-Spezialist Cryptic Studios im Vertrieb von Atari das Spiel als Neuentwicklung auf den Markt.

Während der geschlossenen und offenen Phase des Beta-Tests konnte man bereits einige Erfahrung im "Star Trek Online"-Universum sammeln, das heißt man sollte bei dem Folgenden im Hinterkopf behalten, dass sich viele Kleinigkeiten in der Verkaufsversion noch ändern können.

Ein kurzes Wort zur Hintergrundgeschichte: Das Spiel ist im Primäruniversum des Jahres 2409 angesiedelt. Die 30-jährige Lücke von "Nemesis" über die Zerstörung Romulus' im aktuellen Film bis in das frühe 25. Jahrhundert hat Cryptic mit einer konfliktlastigen Story ausgeschmückt, die mehr oder weniger plausibel macht, dass nun quasi alle Großmächte erneut im Krieg gegeneinander stehen. Das sind hauptsächlich die Föderation und das Klingonische Imperium, auf deren Seite im Spiel auch die Gorn, Nausicaaner und Orioner kämpfen.

Man beginnt das Spiel zwangsläufig als Föderationsspieler. Das Erstellen von klingonischen Charakteren ist zwar möglich, muss aber erst freigespielt werden. Ja nachdem, wie "geschäftsmäßig" oder "gemütlich" man spielt, dauert es ca. 5 bis 10 Stunden Spielzeit, bis man auch als Klingone im Onlineuniversum herumrennen darf. Allerdings können die Krieger von Qo'noS bisher noch keine eigenständige Story erleben und sind fast ausschließlich auf den Kampf gegen andere Spieler angewiesen.


Der Charaktereditor ist umfangreich und erlaubt sehr viel Freiraum. Aber Achtung: Wer meint, mit einem kleinen, grünen, langohrigen Yoda durch die Gegend zu laufen, dem behält Cryptic sich vor, eben diesen Charakter ohne Vorwarnung zu löschen. In den ersten ein bis zwei Stunden spielt man noch fast alleine ein von Zachary Quinto gesprochenes Tutorial, in dem man zusammen mit anderen Neulingen eine Borginvasion zurückschlagen hilft. Dabei lernen Sie schon die beiden Betriebsmodi des Spiels, nämlich Außeneinsätze und Raumkampf, abwechselnd kennen. Die Borg erledigen erstaunlicherweise alle Offiziere auf dem Schiff, auf dem Sie als Ensign dienen, und aus nacktem Personalmangel befördert Sie die Sternenflotte zum Lieutenant und amtierenden Kommandanten des Potts.

Als frisch gebackener Kommandant können Sie zunächst Ihren leichten Kreuzer aus Bauteilen der Miranda-, Centauer- und einer neuen von Cryptic entworfenen Schiffsklasse zusammenbauen, mit allerlei Mustern und Farben verschönern (all dies hat keine spielerischen Auswirkungen) oder Ihren im Tutorial zugeteilten ersten Brückenoffizier in eine neue Uniform stecken oder ihm gar ebenfalls mit dem Charaktereditor ein komplettes Face- und Bodylifting verpassen.

Neben dem ganzen recht bedeutungslosen Skinning, das aber dennoch viel Spaß macht, gibt es in "Star Trek Online" aber auch handfeste spielerische Inhalte. So müssen Sie rollenspieltypisch Aufgaben (sogenannte Quests) erledigen, die Sie von Computercharakteren (sogenannten NPCs) erhalten, um Erfahrungspunkte, diverse Währungen und bessere Ausrüstung zu erhalten. Missionen führen Sie in verschiedene Szenarien. Neben dem in Episoden organisierten Inhalt, der eine zusammenhängende Geschichte erzählt, gibt es auch Erkundungs-, Patrouillen- und Kampfaufträge, aus denen Sie mit fortschreitendem Spielgeschehen weitestgehend eigenständig auswählen dürfen. Eine typische Mission wird Sie sowohl im Weltraum als auch am Boden zu abwechselndem Wegpunkteabklappern beziehungsweise -scannen und Gegnerabschießen schicken. Die Dialoge sind leider praktisch nicht vertont, da hilft es wenig, dass Zachary Quinto und Leonard Nimoy dem Spiel an sehr wenigen Stellen ihre Stimmen geliehen haben. Dabei geizt "Star Trek Online" hingegen nicht mit optischen Reizen, nur die Animationen der Spielfiguren wirken oft etwas hölzern.


Der Bodeneinsatz ist in der Tat der schwächere der beiden Spielmodi. Erstens fallen die Kämpfe recht eintönig aus, auch wenn sich Cryptic sichtlich Mühe gegeben hat, den verschiedenen Gegnertypen unterschiedliche Verhaltensmuster und Spezialfähigkeiten zu geben. Gornkrieger reißen Steine aus dem Boden und schleudern sie nach Ihnen, die Damen vom Orion machen Sie mit einem gehauchten Kuss kampfunfähig, die Klingonen führen Bat'leths und Targs in die Schlacht. Trotzdem machen die in Innenräumen oft beengten Verhältnisse das Manövrieren und Taktieren schwer und die oft schnurstracks herbei rennenden Gegner und Außenteammitglieder haben beide eine unangenehme Tendenz, den Blick der Kamera auf das hektische Geschehen zu verstellen.

Die Weltraumgefechte dagegen sind tatsächlich eine Wonne und wenn STO eine Chance hat, auf dem umkämpften MMORPG-Markt Fuß zu fassen, dann wegen deren gelungenen Umsetzung. Ständig muss man einen Blick auf die eigenen und gegnerischen Schilde haben, um die beste Angriffsposition und den besten Schusswinkel auf den Gegner zu bekommen. Die eigenen Schilde zu schützen, aber gleichzeitig mit möglichst vielen Waffen gleichzeitig die Schilde des Gegners zu durchschlagen, diese Überlegungen sorgen nach kurzer Gewöhnung für eine echte taktische Tiefe und einer großen Befriedigung, wenn das letzte Schlachtschiff endlich explodiert. Dann bloß noch schnell "Brace for Impact" klicken, sonst reißt der Warpkern des Gegners Sie gleich noch mit in den Tod.

Aber auch im Weltraum gibt es ein paar Kleinigkeiten, die sich ein "Star Trek"-Fan noch wünschen kann. Da wäre zum einen ein besseres Schadensmodell. Wenn die viergeteilten Schilde einmal unten sind, gibt es dahinter nur noch eine Hülle, die auf 0 Prozent Integrität zu bringen ist. Einzelne Systeme gezielt und dauerhaft wie in "Starfleet Command" oder "Bridge Commander" zu zerstören, geht nicht. Genauso wenig sagt der optische Zustand Ihres Schiffes etwas über dessen tatsächliche Gesundheit aus. Bei 75 Prozent Hüllenintegrität klaffen plötzlich tiefere Risse in der Hülle, als in der NX-01 am Ende der Folge "Azati Prime". Prozedurale Schadendarstellung wie in "Bridge Commander" und "Legacy" oder die gelungene vorberechnete Darstellung aus "Klingon Academy" dürften gerne in einem der nächsten Updates implementiert werden.

Leider haben auch die prächtigen Asteroiden und Nebelschwaden, denen Sie im Weltraum begegnen, selten spielerische Auswirkungen. Trotz Kollisionserkennung nehmen Sie keinerlei Schaden, wenn Sie Asteroiden oder andere Raumschiffe rammen. Nur gelegentlich schwächt ein seltener Nebel ihre Schilde oder den Impulsantrieb. Dagegen ist eine Mission im Briar Patch in der Beta fast unlösbar gewesen, da plötzlich auftauchendes Metreongas im Feuergefecht eine ebenso plötzliche Zerstörung Ihres Schiffes nach sich zog. Die Mission soll jedoch inzwischen deutlich entschärft worden sein.


Für alle Einsätze und Gefechte erhalten Sie Erfahrungspunkte in zweierlei Form: Einmal für sich, einmal für Ihre Brückencrew. Jedes Besatzungsmitglied hat je vier Spezialfähigkeiten am Boden und im Weltraum, die Sie mit Erfahrungspunkten verbessern und durch Beförderungen freischalten können. Aber Achtung: Sie können natürlich nur Offiziere unterhalb ihres eigenen Rangs befördern, eine Enterprise-A mit drei Captains an Bord (Kirk, Spock und Scotty) wird es in STO nicht geben.

Genau wie Ihre vom Computer gesteuerten Begleiter erhalten auch Sie Erfahrungspunkte, die Sie über eine anfangs völlig unüberschaubare Vielzahl von Fähigkeiten verteilen müssen. Sobald Sie genug Punkte zugewiesen haben, werden Sie automatisch zur Beförderung zurück ins Raumdock bestellt und haben dadurch Zugriff auf bessere Schiffsklassen und noch mehr Fähigkeiten. Schade, dass das Spiel bei vielen Fähigkeiten nicht ausreichend erklärt, wozu sie gut sind, und worin der konkrete Bonus besteht. Oder wüssten Sie auf Anhieb, dass mit "+10" auf "Strahlenwaffen" eine zehnprozentige Erhöhung des zugefügten Schadens gemeint ist?

Ausrüstung sammeln Sie in STO nicht nur für sich und Ihre Begleiter, damit Sie immer gut vorbereitet auf Außenteams gehen können, sondern auch für Ihr Schiff. Dabei gibt es an sich keine obere Grenze dessen, was ein Raumschiff an Ausrüstung verträgt. Sie können durchaus Ihre Mark I Photonentorpedos auf Ihrer Miranda als Admiral durch Mark X Quantentorpedos ersetzen. Allein entscheidend für die verwendbare Ausrüstung ist Ihr Rang. Allerdings kommen größere Schiffe mit mehr Platz für mehr Waffen und Brückenoffiziere, so dass Sie ohnehin immer am besten mit Ihrem aktuell größten verfügbaren fliegenden Untersatz unterwegs sind.


Damit im erfolgreichen Föderations-Quasisozialismus nicht jeder dahergelaufene Möchtegern-Captain vom Start weg zwei Quantentorpedolauncher in seinem Schiff verbauen kann, gibt es eine Ersatzwährung, nämlich Energiepunkte, die Replizierungskosten angeben. Sie können immer, wenn Sie auf Ihrem Schiff oder bei einem Händler sind, unnütze Gegenstände für die Hälfte der Erzeugungskosten zurück in Energie umwandeln und zum vollen Preis Equipment replizieren lassen. Günstiger fahren Sie aber meist mit der "Exchange", einer Spieler-zu-Spieler-Börse, in der begehrte Waffen auch mal gerne zum zehnfachen der Replikatorkosten gehandelt werden - wenn es keinen Händler gibt, der den Gegenstand im Angebot - pardon - im Musterpuffer hat.

Alternative Einnahmequellen sind auch Reputation für die Erforschung unbekannter (das heißt zufallsgenerierter) Welten und absolvierter PvP-Kämpfe (also Kämpfe gegen andere Spieler). Und zu guter Letzt gibt es da noch die Möglichkeit, herkömmliche Gegenstände durch sogenanntes Crafting, das heißt bei STO dem Scannen zahlreicher Weltraumanomalien, in besondere und seltene Gegenstände umwandeln zu können. Leider sind die so erlangbaren Boni so unspektakulär und das Scannen so mühselig, dass viele Spieler die Möglichkeiten zum Crafting schlicht ignorieren.

Als Fazit kann man festhalten, dass Cryptic der Lizenz treu geblieben und gerecht geworden ist. Sogar die Sektoren und Sternensysteme sind fast millimetergenau dem Atlas von Geoffrey Mandel entlehnt. Leider macht das Spiel technisch und spielerisch nur einen soliden, aber noch keinen perfekten Eindruck. So sind während der Beta praktisch täglich der Spielserver für mehrere Stunden ausgefallen, und die Hardwarevoraussetzungen für Außeneinsätze sind so astronomisch wie für Crysis (ohne an dessen visuelle Qualität heranzureichen). Auch die fehlende Vertonung praktisch aller Dialoge ist nicht wirklich zeitgemäß. Last, but not least, dürfte es mehr und einfallsreichere Missionen geben, die ohne Ballerei auskommen, von der fehlenden Klingonenstory ganz zu schweigen.


Cryptic verspricht bereits, dass es bald mehr Inhalt geben soll, um diese Lücken zu schließen, aber für 13 Euro im Monat, die zu den Anschaffungskosten von 50 Euro hinzukommen, ist das wohl auch nicht zu viel verlangt. Allerdings werden Sie nicht alle Zusatzinhalte umsonst bekommen. Cryptic hat bereits einen Shop im Spiel implementiert, in dem Sie für Kleinstbeträge echten Geldes neue Uniformen, spielbare Rassen, Charakterslots (davon bekommen Sie nämlich nur drei umsonst) und ähnliches kaufen sollen. Ganz schön dreist. Außerdem werden große Neuerungen sicher zu einer kostenpflichtigen Erweiterung zusammengefasst, die ähnlich wie bei "World of Warcraft" einzeln zugekauft werden muss.

Ob man sich darauf einlassen möchte, um es sich im gemütlichen "Star Trek"-Universum einzurichten, muss jeder für sich selbst entscheiden. Am meisten Spaß macht "Star Trek Online" natürlich mit einem guten Freund, da sich viele Missionen, wie für ein MMORPG üblich, kooperativ bewältigen lassen. Wer ganz mutig war, durfte bis zum 2. Februar die Katze im Sack kaufen, um bei einer Vorbestellung ein "lebenslanges" Spielabonnement für 240 Dollar (das heißt inkl. Steuern circa 205 Euro) zu erwerben.

Die Screenshots in diesem Artikel stammen von Martin Ackermann.

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"Star Trek Online" ist unter anderem bei Amazon.de erhältlich - als Standard, Silver oder Gold Edition. Der Onlinehändler bietet auch eine Game Time Card für 60 Tage an.

(ck - 08.02.10)


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