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Julian Wangler (jw)22.09.08

2373 - 2375: Dominion-Krieg

Politik, Kultur und Geschichte in den Trek-Books

Der Dominion-Krieg in der ersten Hälfte der 2370er-Jahre war der bislang größte Konflikt im Alpha-Quadranten mit den verheerendsten Folgen für die in ihn verwickelten Parteien. Seine Folgen veränderten die Mächtekonstellation im Quadrantengefüge nachhaltig und schufen zudem eine verstärkte Friedensbestrebung der großen Blöcke, der Vereinigten Föderation der Planeten, dem Romulanischen Sternenimperium und dem Klingonischen Reich.

Ursachen

Als 2369 Commander Benjamin Sisko im bajoranischen System das erste stabile Wurmloch entdeckte, welches in den Gamma-Quadranten führte, begann eine neue Ära von Forschung, Handel und Diplomatie für die Föderation im Allgemeinen und ihren im Bajor-System gelegenen Grenzposten Deep Space Nine. Doch nur zwei Jahre später stellte sich heraus, dass das Vordringen der Planeten-Allianz und ihres Sternenflotten-Arms in diesen unerforschten Bereich der Galaxis nicht toleriert wurde. Eine mysteriöse Supermacht, die sich selbst als Dominion bezeichnete, und offenbar über einen beträchtlichen Teil des Gamma-Quadranten herrschte, verstand das Agieren der Föderation als feindseligen Akt und zerstörte mit einem Schlag sämtliche ihrer zivilen Kolonien, Relaisstationen und sogar Sternenflotten-Einheiten, um unmissverständlich klarzumachen, dass es keine weiteren Vorstöße in ihren Hoheitsraum mehr dulden würde.

Jem'Hadar - die Krieger des Dominion
Erst im Verlauf des Jahres 2371 stellte sich heraus, dass dem Dominion und seinem gezüchteten, rücksichtslosen Heer – den Jem'Hadar – ein relativ kleines Volk von Formwandlern vorstand, das sich selbst als die Gründer bezeichnete. Ihrem Selbstverständnis nach empfanden sich die Wechselbälger auserkoren, eine Galaxis von Solids, wie sie der Formwandlung unfähige Spezies bezeichneten, nach ihren Vorstellungen zu ordnen und zu kontrollieren. Die Möglichkeit zur Expansion in den Alpha-Quadranten, welche das Bajoranische Wurmloch eröffnet hatte, erschien verlockend.

Allerdings begingen die Gründer nicht den Fehler, eine vorzeitige Invasion durchzuführen. Stattdessen infiltrierten vereinzelte Wechselbälger neuralgische Punkte des Quadrantengefüges und schufen in der Rolle von Pionieren gewisse Vorbereitungen für Späteres. Dazu zählte nicht nur Spionage, sondern unter anderem psychologische Kriegsführung auf der Erde (2372) und die Ersetzung eines namhaften Generals im klingonischen Reich durch einen Formwandler. Es ging nicht bloß darum, unauffällig Einfluss zu nehmen, sondern gleichermaßen die eigenen Spielräume zu ermitteln und auszutesten.

Das Schüren einer regelrechten Infiltrationsparanoia kulminierte 2372 in einem kriegerischen Feldzug der Klingonen gegen die cardassianische Union, deren politische Führung aus Sicht des klingonischen Kanzlers Gowron seit geraumer Zeit von Gründern unterwandert worden war. Weil die Föderation den Akt des klingonischen Militärs aufs Schärfste verurteilte und sich protegierend auf cardassianische Seite stellte, zog sie sich den Zorn Gowrons und des Hohen Rats zu, was in die Annullierung der Khitomer-Verträge und die Ausrufung eines Kriegs mündete.

Bis zum Sommer des Jahres 2373 herrschte ein kräftezehrender Konflikt zwischen Föderation und Klingonen – genau jene Schwächung, welche die Gründer sich als lachende Dritte erhofft hatten. Erst wenige Monate vor der eigentlichen Invasion schlossen Föderation und Klingonen Frieden, weil sie erkannten, dass die große Bedrohung unmittelbar bevorstand und unabwendbar schien. Zu diesem Zeitpunkt war das Dominion jedoch bereits einen Schritt weiter. Es hatte sich einen wertvollen Verbündeten im Alpha-Quadranten gesichert: die cardassianische Union, deren Selbstwertgefühl seit Ende der Besatzung Bajors – insbesondere nach der klingonischen Invasion im vergangenen Jahr – schwer angekratzt worden war. Das Dominion sicherte ihr und ihrem neuen Militärführer, Gul Dukat, als Gegenleistung für die cardassianische Unterstützung mehr Macht und Einfluss im Alpha-Quadranten zu.

Das bajoranische Wurmloch diente dem Dominion als Tor zum Alpha-Quadranten
Als immer mehr und mehr Dominion-Konvois durch das Wurmloch nach Cardassia flogen und das Unaufhaltsame nur mehr eine Frage der Zeit zu sein schien, sah sich die Föderation gezwungen, dem nicht enden wollenden Strom von Jem'Hadar-Kriegsgerät durch die Anomalie ein vorläufiges Ende zu setzen. Im Rahmen einer Notfallaktion führte die Crew von Deep Space Nine eine völlige Blockade des Wurmlochs mithilfe selbstreplizierender Spezialminen durch. Der weitere Vorstoß des Dominion in den Alpha-Quadranten war vorerst gestoppt, doch dauerte es nicht lange, bis dieses getriebene Verhalten der Sternenflotte eine Reaktion seitens der Dominion-Vertretung auf Cardassia Prime provozierte. Da Captain Sisko eine Räumung des Minenfelds kategorisch ausschloss, befand das Dominion den Zeitpunkt Ende Dezember 2373 für günstig, den Krieg zu beginnen.

Kriegsverlauf

Der erste Schritt bestand darin, Deep Space Nine unter Kontrolle zu bringen, was binnen kurzer Zeit, bedingt durch die Übermacht der Dominion- und cardassianischen Verbände, gelang. Allerdings war es den Invasoren bis auf weiteres nicht möglich, das technologisch raffinierte Sternenflotten-Minenfeld abzutragen, womit der Krieg zunächst unter Aussparung weiterer Jem'Hadar-Verstärkung aus dem Gamma-Quadranten fortgeführt wurde.

Das Dominion setzte auf einen Blitzkrieg, der die Föderation und ihre Alliierten mit ganzer Wucht traf. Trotz anfänglicher militärischer Erfolge zeichnete sich immer deutlicher ab, dass die Planeten-Allianz den zahlenmäßig unterlegenen Flotten des gegnerischen Bündnisses nicht viel entgegenzusetzen hatte. Während bedeutsame Sternenflotten-Verbände in Hinterhalte gerieten und schwere Verluste zu beklagen hatten, konnte das Dominion Jem'Hadar mit großer Geschwindigkeit nachzüchten. Binnen weniger Monate schien die Auseinandersetzung bereits entschieden, und der Alpha-Quadrant sah einem finsteren Zeitalter der Unterdrückung entgegen.

Als im Frühjahr 2374 ersichtlich wurde, dass das Dominion kurz davor stand, das Minenfeld zu deaktivieren, wurde auf Drängen Captain Siskos hin zu einem letzten, verzweifelten Schlag gegen das Dominion ausgeholt - mit dem Ziel, Deep Space Nine zurückzuerobern. In der kommenden Schlacht verloren Zehntausende ihr Leben. Als einziges Sternenflotten-Schiff gelang es der U.S.S. Defiant unter Siskos Befehl, bis ins bajoranische System vorzudringen. Da sie zu spät kam und das Minenfeld soeben vernichtet worden war, flog sie in einem Akt der Verzweiflung ins Wurmloch.

Dort ereignete sich eine unvorhergesehene Wende für das gesamte Kriegsgeschehen: Die Wurmlochwesen, selbst ernannte Beschützer des bajoranischen Volks und von ihm als Propheten bezeichnet, weigerten sich zuzulassen, dass Bajor Leid zugefügt würde. Unter Mobilisierung unerklärlicher Kräfte vernichteten sie den gesamten Dominion-Nachschub im Kanal des Wurmlochs und brachten den Gründern eine desaströse Schwächung bei. Die Sternenflotte und die Klingonen konnten Deep Space Nine wieder einnehmen und die Position am Wurmloch befestigen.

Die Station Deep Space Nine war einer der Brennpunkte des Krieges
Der Krieg lief ein halbes Jahr ohne nennenswerte Fortschritte einer der beiden Seiten fort, bis im Herbst 2374 dem Dominion eine Invasion von Betazed – Kernwelt der Föderation – gelang. Nachdem von Captain Sisko angebliche Beweise dafür erbracht wurden, dass das Dominion auch einen baldigen Angriff auf romulanisches Territorium plante, kündigte das romulanische Sternenimperium seinen Nichtangriffspakt mit den Gründern auf und schloss sich der Allianz aufseiten der Föderation und Klingonen an. Diese wichtige Stärkung der Anti-Dominion-Allianz führte schlagartig dazu, dass Betazed und Benzar zurückerobert werden konnten.

Im Dezember 2374 setzte eine neuerliche Kriegswende ein: Eine massive alliierte Flotte aus Föderation, Klingonen und Romulanern vernichtete die cardassianischen Orbitalwaffenplattformen im Chin'toka-System und setzte Bodentruppen auf cardassianischem Gebiet ab. Erstmals seitdem die Waffen sprachen, befand sich damit das Dominion auf dem Rückzug.

Der militärische Erfolg der Anti-Dominion-Allianz bei Chin'toka blieb aber auf absehbare Zeit Episode. Im April 2375 wurde deutlich, wie sich ein erbitterter Stellungskrieg herauskristallisiert hatte. Nicht nur auf AR-558, sondern auf Dutzenden strategisch wertvollen Planeten kämpften Bodentruppen beider Seiten gegeneinander.

Im Herbst 2375 kippte das Kriegsgeschehen zuungunsten der Anti-Dominion-Allianz, nachdem sich die Breen-Konföderation mit dem Dominion verbündete. Die Energiedämpfungswaffen der Breen fügten den gemischten Kampfverbänden der Allianz überall entlang der Front verheerende Verluste zu. Das Chin'toka-System – einzige Kriegsbeute im Dominion-Territorium – konnte vom Feind zurückerobert werden. Dem nicht genug: Die Breen starteten einen hinterhältigen Angriff auf die Erde und verursachten in San Francisco und beim Hauptquartier der Sternenflotte sowie auf dem gesamten nordamerikanischen Kontinent schwere Verwüstungen. Außer den klingonischen Schiffen, deren Energiesysteme nach einer Modifikation immun gegen die Breen-Waffen waren, hatte die Allianz dem Feind fürs Erste nichts entgegenzusetzen und musste sich bemühen, die Stellung zu halten.

Erst ein ziviler und militärischer Aufstand der Cardassianer auf ihrer Heimatwelt veranlasste das Dominion zu einer Kursänderung, woraufhin es sich ein Stück weit hinter seine Grenzen zurückzog. Dort wurden im Rahmen einer Strafaktion mehr als achthundert Millionen cardassianischer Zivilisten abgeschlachtet. Die alliierten Kräfte befanden die zeitweise innere Schwächung der Dominion-Stellung für richtig, mit verbleibenden Kräften die größte Streitmacht in der Geschichte zusammenzutragen und sie gegen Cardassia Prime vorgehen zu lassen. Mit erheblichen Verlusten gelang es, die cardassianische Heimatwelt zu erreichen und zu umzingeln. Die Kapitulation der Gründer war bedingungslos.

Ende und Nachkriegsphase

Der Dominion-Krieg ließ nach gut zwei Jahren, da er tobte, Verwüstungen zurück, wie sie der Alpha-Quadrant noch nie zuvor erlebt hatte. In zahllosen Systemen wurden Gräueltaten verübt; die Zahl der zivilen Opfer war immens. In den Jahren 2373 und 2375 fanden Schätzungen zufolge mehr als zwanzig Milliarden Lebewesen im Zuge der Kriegsgeschehnisse den Tod. Ironischerweise traf es Cardassia Prime – mitverantwortlich für den Beginn des Kriegs – besonders hart.

Der Krieg endete mit der bedingungslosen Kapitulation des Dominion
Fast eine Milliarde Cardassianer starben während der Säuberungsaktion des Dominion in den letzten Kriegstagen, und die kommenden Jahre würden, bedingt durch Seuchen- und Armutskrisen, zahlreiche weitere Einwohner um ihr Leben bringen. Im militärischen Bereich waren die Verluste nicht minder katastrophal. Alleine die Sternenflotte büßte binnen vierundzwanzig Monaten mehr als ein Drittel ihrer gesamten Flottenstärke ein, die Klingonen noch mehr. Der Wiederaufbau stellte die verbliebenen Mächte in vielen stellaren Regionen vor einen kompletten Neuanfang, der bis ins 25. Jahrhundert hineinreichte.

In politischer Hinsicht brachte der Ausgang des Dominion-Kriegs gravierende Konsequenzen mit sich: Nicht nur konnten die Föderation und ihre Alliierten ihre Stellung behaupten und das Dominion zwingen, sich vollständig in den Gamma-Quadranten zurückzuziehen. Auch wurde die cardassianische Union – bis dato eine bedeutende Zweitmacht im Quadrantengefüge – endgültig aus der Riege der Großmächte verbannt.

Eine Reihe kleinerer Mächte wurde an den Rand des Zusammenbruchs oder wenigstens in die politische Bedeutungslosigkeit gedrängt, während das Verhältnis zu den einstmaligen Dominion-Verbündeten im Alpha-Quadranten, den Breen und Gorn, schwierig blieb. Das klingonische Reich verbuchte, auch bedingt durch den vorangegangenen Krieg mit den Cardassianern und den anschließenden mit der Föderation, nach dem Dominion-Krieg die größten Flottenverluste und sah sich einer Infragestellung seiner Position ausgesetzt. Dadurch rückten das romulanische Imperium und die Föderation zu den zwei zentralen Flankenmächten der fragilen Nachkriegsordnung auf. Von ihren Entscheidungen würde die weitere Zukunft maßgeblich abhängen.

Einordnung

Der Dominion-Krieg ist als Ereignis singulär, denn vor ihm hinterließ kein anderer Konflikt im Quadrantengefüge derartige Zerstörungen. Er kann als Selbstbehauptungskrieg zweier diametral verschiedener Ordnungsethiken angesehen werden. Auf der einen Seite die Gründer mit ihrem Anspruch, die Galaxis beherrschen zu wollen, auf der anderen Seite die Föderation als Bündnis freier Welten, addierte sich zu diesem – wenn man so will – ideologischen Konflikt, wie so oft, eine unbedingte machtpolitische Komponente hinzu. Dies zeigt sich vor allem am Agieren der cardassianischen Union, bei der ohnehin schwelende Konflikte und Unzufriedenheit (Einrichtung einer Entmilitarisierten Zone, Maquis-Rebellion) schlagartig wieder virulent wurden.

Gleichsam ist der Dominion-Krieg in der Retrospektive die Wasserscheide zu einer neuen Ära. Anstatt einer multilateralen Ordnung mit vormals vielen politischen Akteuren, Mittelmächten und Blöcken ist die Zeit danach zunächst geprägt von einer Übergangsphase der Tripolarität, in der das Mächtekonzert aus Föderation, Klingonen und Romulanern rahmengebend ist.

Zu Beginn der 2380er-Jahre findet bereits ein Übergang zur Bipolarität statt, die fortan von zwei politischen Lagern bestimmt wird: Das romulanische Imperium gründet zusammen mit anderen Völkern wie den Breen, Gorn und Tholianern den so genannten Typhon-Pakt als Gegenbewegung zur Föderation, während die Planeten-Allianz mit den Klingonen weiter zusammenrückt und sich ihr auch die cardassianische Union anschließt. Dieser Konzentrationsprozess zwingt auch viele der verbliebenen kleinen Staaten dazu, sich zugunsten eines Weltenbündnisses zu positionieren. Spätfolge des Dominion-Kriegs ist also auch ein neuer kalter Krieg.

(jw - 23.07.12)

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