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Julian Wangler (jw)09.09.07

Der "Enterprise"-Relaunch

"Enterprise: History Fake? - Auf dem Schiff ist alles möglich"

"In gewisser Weise repräsentiert 'These Are The Voyages...' die ersten Staffeln von Enterprise gut", titelte The Daily Trekker im letzten Jahr scharfzüngig. "Wir haben ein an sich gutes Konzept mit viel Potential, das aber vollkommen falsch angegangen und verhunzt wird."

Aussagen wie diese sind seit dem 13. Mai 2005 - der US-Erstausstrahlung von "Dies sind die Abenteuer" - keine Seltenheit, doch fanden sich auf der anderen Seite genauso löbliche Worte. Wie auch immer: Festzustehen scheint, dass die finale Episode - die eine Hommage auf das ganze "Star Trek"-Universum darstellen sollte - bei zahlreichen Fans hitzige Kontroversen auslöste, und das nicht nur, weil ein Hauptcharakter schier leichthin verpulvert wurde. Äquivalentes gilt unweigerlich für "Star Trek: Enterprise" als Ganzes.

Keine Frage, der jüngste "Star Trek"-Abkömmling hat eine tiefe Schneise im Franchise hinterlassen, eine Polarisierung sondergleichen. Ursprünglich als Prequel und gleichsam Neuanfang für "Star Trek" geplant, bekam "Enterprise" alsbald Schwierigkeiten mit den Quoten, wenngleich sich ein gewisser harter Fan-Kern über die Jahre herauskristallisierte. Gründe hierfür wurden mannigfaltig diskutiert: eine zu übereilte Produktion, das Remake altbackener "Star Trek"-Abenteuer plus nackte Haut als Entschuldigung für neue Einfälle, eine Vergewaltigung an der "Star Trek"-Kontinuität, lieblose Protagonisten, eine gänzlich rückwärtsgewandte Show?

"Last Full Measure": Aufbruch zum Relaunch
Zieht man eine Bilanz, dann bleiben bei "Enterprise" am langen Ende Würfe von Schatten und Licht. Denn wie keine andere "Star Trek"-Serie vor ihr machte sie binnen ihrer kurzen vier Staffeln doch massive plottechnische Entwicklungen durch, zweifelsohne eine Reaktion der Macher auf die sinkenden Quoten. Aber immerhin: Not macht kreativ. Diese Besonderheit unter ihren älteren Brüdern und Schwestern lässt sich "Enterprise" doch nicht absprechen. Huschten in den ersten beiden Jahren noch recht gewöhnliche Einzelabenteuer über die Leinwand, ging das Team in Staffel drei ein Wagnis ein, indem es eine durchgehende Geschichte erzählte und "Star Trek" in ein dunkleres Ambiente rückte. Staffel vier unter Manny Coto wiederum wartete mit einer deutlich verstärkten Hinwendung zu TOS auf, eingerahmt in eine Reihe von dreiteiligen Episoden.

Unterm Strich bleibt der - durchaus zu kritisierende - Versuch, "Star Trek" von seinen zuweilen verblümten Wurzeln zu lösen und in einen neuen Zeitgeist zu überführen. Und genau hier endete die Serie mit "Dies sind die Abenteuer" auf ziemlich brutale Art und Weise. Manch einer ließ verlautbaren, die Folge sei mehr ein Denkmal für Berman und Braga gewesen als für Franchise oder Fans. "Enterprise" blieb trotz aller Niveauzuwächse so zurück wie es angefangen hatte: unruhig und aufwühlend.

Wer hier keine Gelegenheit sieht, profitabel einzusteigen, der ist es wohl selber schuld. Aber soweit kam es nicht, denn in einer gewissen Tradition zwischen Muse und Markt ist Pocket Books wieder einmal zur Stelle. Hatte das Team um Marco Palmieri samt einiger renommierter "Star Trek"-Autoren seit dem Millennium bereits "Deep Space Nine", "Voyager" und "The Next Generation" einen - mehr oder minder erfolgreichen - Relaunch (also eine achte Staffel in literarischer Form) verpasst, war es nur eine Frage der Zeit, bis die fünfte Serie an die Reihe käme.

Doch anders als bei den Vorgängerserien ist die Gemengelage bei "Enterprise" enorm schwierig. Ein Vergleich: "Deep Space Nine" fand seinen Abschluss mit dem Ende des Dominion-Kriegs, weshalb man sich einem gänzlichen Neustart der Serie annehmen konnte; bei der Voyager galt Ähnliches, erreichte sie doch im Finale endlich die Erde; "The Next Generation" hingegen steht nach "Nemesis" abermals in der Tradition effekt- und um nicht zu sagen Picard-lastiger Einzelabenteuer. Aber "Enterprise"? Wohin soll die Reise gehen?

Wir erinnern uns: In den ersten drei Staffeln setzte man dem Zuschauer als zentrales Element den Temporalen Kalten Krieg vor - ein Konzept, das aufgrund seiner bestenfalls spekulativen Logik kaum aufging und unrühmlich mit dem "Sturmfront"-Zweiteiler abgesägt wurde. Bleibt die vierte Staffel, die gemeinhin von den Fans als Richtschnur für "Enterprise" gelobt wurde, vor allem im Hinblick auf den Vulkan- und Romulaner-Dreiteiler. War da was? Natürlich, die Romulaner! Laut offizieller Trek-Timeline bricht im Jahre 2156 der irdisch-romulanische Krieg aus, ein vierjähriger Nuklearkonflikt. Und mit dem "Terra Prime"-Cliffhanger - situiert Anfang 2155 - wurden die Grundlagen für eine Koalition der Planeten gelegt, zaghafte erste Schritte in Richtung Föderationsgründung (die, wie wir wissen, sich 2161 nach Kriegsende vollziehen wird). Da gibt es also zwei miteinander in Beziehung stehende Leitlinien, auf denen sich "Enterprise" bewegen kann; so weit, so gut.

Tatsächlich aber liegt der Teufel im Detail: Wie nämlich weitermachen mit einer Serie, die fast deterministisch auf jene Ziele zuläuft, die dem Trekker bestens bekannt sind? Wo liegt da eigentlich noch die Überraschung, die Würze? Der prinzipielle Fluch des Prequels wird hier um das Vorweggenommene in "Dies sind die Abenteuer" ergänzt, und das gewiss nicht zum Besseren. Aber, aber, wer wird gleich verzagen! Schließlich gibt es immer Möglichkeiten - sagte schon der legendäre Spock und spreizte die Finger. In diesem Fall liegen die Möglichkeiten zunächst wohl darin, sich die letzte "Enterprise"-Folge noch einmal genauer anzusehen.

Relaunch-Roman Nummer 2: "The Good That Men Do"
Das Ganze fand auf einem von William Riker und Deanna Troi im 24. Jahrhundert besuchten Holodeck statt, nicht wahr? Und Holodecks sind gewissermaßen nicht mehr als die moderne Form der Geschichtenerzählung, audiovisuell und dreidimensional. Doch wer sagt eigentlich, dass Geschichten immer richtig überliefert werden? Wer sagt, dass die Herrschaften auf der Enterprise-D wirklich darüber Bescheid wissen, wie es sich mit der aller-aller-aller-ersten Enterprise wirklich zugetragen hat? Vielleicht stimmen die Aufzeichnungen nicht, und vielleicht sogar sind nicht bloß seichte Blähungen der Historie dafür verantwortlich, sondern eine ganz handfeste Intention. Nämlich die Geschichte falsch zu erzählen, während hinter den Kulissen die Wirklichkeit ganz anders verlief. Wenn das nicht der Stallgeruch von Sektion 31 ist...

Dieses Gedankenspiel, auf dem Mist der Autoren Martin Mangels und Michael A. Martin gewachsen, war es denn auch, was Palmieri auf die Idee brachte, einen Anknüpfungspunkt an die TV-Serie zu schaffen - der "Enterprise"-Relaunch ward geboren! Obwohl: So leicht dann doch nicht, denn zum ersten Mal begeht Pocket Books an dieser Stelle einen fast wagemutigen Bruch mit dem Canon, indem durch ein Hintertürchen die Geschichte von "Dies sind die Abenteuer" revidiert wird. Das ist das Novum des vierten Relaunches: Offenbar gab es keine Möglichkeit, die Story auf normalem Wege weiterzuspinnen. Das Rad wird zurückgedreht, bis zum Ausgang von "Terra Prime", und darauf wird eine Revision aufgesetzt, frei nach dem Motto: "Jetzt hört euch mal an, wie's wirklich war..."

Wohl wahr, das bietet die Chance, die Polarisierung von "Enterprise" zu beenden und die Serie für eine große Gruppe leseinteressierter Trekker zugänglich zu machen, indem man das Spektrum der Serie in verschiedene Richtungen erweitert: ein bisschen Agentenstory, noch etwas mehr TOS-Flair, die berühmt-berüchtigte Ruhe vor dem Sturm, viele, kleine, gepflegte und in Ehren gehaltene Details... Einmal kräftig umrühren, und mit etwas Glück wird etwas daraus. Selbstverständlich darf man bei alledem auch nicht vergessen, die irgendwie seltsam "stecken gebliebenen" Charaktere weiterzuentwickeln; man denke nur an das ungenutzte Potential Reeds oder an die vernachlässigte Beziehung zwischen T'Pol und Trip, ganz zu schweigen von Hoshi und Travis, seit Staffel drei zusehends zu Statisten verdonnert.

Damit muss der "Enterprise"-Relaunch auf vielen Hochzeiten tanzen, um sich über die Serie hinauszubewegen und Eindruck zu schinden. Durch Fehler, Unvollständigkeiten und latente Orientierungslosigkeit in der TV-Serie, aber auch durch die angesprochene Revisionshypothek sind die Anforderungen an die fünfte (Buch)-Staffel von "Enterprise" sicherlich so schwierig wie bei keinem anderen Relaunch.

Vorhang auf für Martin Mangels' und Michael A. Martins Startschüsse, "Last Full Measure" und "The Good That Men Do"!

(jw - 29.12.09)

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