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Julian Wangler (jw)29.12.09

Die Welt durch einen Spiegel

Das Spiegeluniversum in Literatur und Fernsehen

Kalt und grausam: Das Spiegeluniversum ist uns dank der TOS-Episode "Ein Paralleluniversum" bestens bekannt. Ein Artikel über den Zusammenhang zwischen dem TV- und dem Bücheruniversum.

Kausalität. Ein jedes Ereignis zieht eine Kette von Folgen nach sich. Dabei existieren für jedes Ereignis und jede Entscheidung mehrere Möglichkeiten. Je nach Ausgang einer Entscheidung treten für uns und andere die entsprechenden Konsequenzen ein.

Mondlandung des Terranischen Imperiums
Moderne Physiker gehen davon aus, dass neben unserem eigenen Universum unendlich viele parallele, andere Universen existieren. Versteckt in Raumtaschen und dimensionalen Blasen, sind sie unserem Kosmos verblüffend ähnlich. Bis auf einen kleinen Unterschied. Jemand bezeichnete diesen Unterschied einst als das Gesetz des Minimums. Was es bedeutet, lässt sich am Beispiel einiger dieser Universen ablesen. Wie sähe unsere Welt aus, wenn die Geschichte, wie wir sie kennen, nur geringfügig anders verlaufen, wenn unter Tausenden, Millionen tagtäglicher Entscheidungen nur eine gravierend abgewichen wäre?

Die Antwort auf diese Frage könnte gefährlich sein.

Die Welt durch einen dunklen Spiegel

Es gibt ein Phänomen, das sich seit einer Weile bei modernen PC-Spielen Platz gegriffen hat. Angefangen mit der "Command & Conquer"-Reihe machen sie genreübergreifend heute oftmals von der Eigenart Gebrauch, gleich zwei Spielmodi mitzubringen. Mit dem Ersten spielt man das Game auf eine gute, mit dem zweiten auf eine böse Weise durch. Je nachdem ändert sich der komplette Verlauf der Storyline. Damit verbunden ist ein weiteres Phänomen: Wenn man die Spieler fragt, welcher Seite sie sich lieber verschreiben, dann macht sich eine große Unentschlossenheit breit. Irgendwie macht ihnen erst beides zusammen Freude. Irgendwie sind es die zwei Seiten von ein- und derselben Medaille.

Es ist überhaupt ein Prinzip der modernen Welt, in verschiedene Rollen zu schlüpfen, und "Star Trek" mag da Vorreiter gewesen sein. Wer sich erinnert, dem wird einfallen, dass vor sage und schreibe 42 Jahren sich James T. Kirk mit einem Außenteam an Bord der Enterprise zurückbeamen ließ - und sich auf einem Schiff wiederfand, das seines war und doch wieder nicht. Die Episode "Ein Paralleluniversum" zeigte uns, dass in einer anderen Realität für jede Figur ein Duplikat existiert. Aber wo sie drüben noch rechtschaffen war, ist sie hier wenigstens wild und ungezähmt, wenn nicht sogar durch und durch bösartig.

Als trete man durch einen dunklen Spiegel

Das ist übrigens unser Stichwort. Das so genannte Spiegeluniversum ist bei vielen "Star Trek"-Fans ein beliebtes Thema. Warum eigentlich? Sicher jedenfalls nicht wegen besonders ausgeklügelter Storybögen. Was den spezifischen Reiz von Abenteuern im Paralleluniversum ausmacht, betrifft vielmehr die Charaktere. Es ist die Mischung aus Vertrautheit und Fremdheit, das Spielen mit Erwartungshaltungen. Es geht um einen Kosmos, in dem alles so ähnlich und die meisten unserer kühnen Helden doch so "evil" sind. Böse. Wie sieht eigentlich der böse Jonathan Archer aus, wie die böse Kira Nerys? Was ist nötig, um einen guten Kern zu korrumpieren? Inwiefern sind es die Anlagen, die unter anderen Umständen bloß anders angesprochen wurden, sodass das Saatkorn einer Persönlichkeit auf veränderte Weise zur Entfaltung kam?

Es ist ein Experiment mit den Bestandteilen von Charakteren, Studien der anderen Art. Denn wie heißt es so schön: Manchmal kann der Flügelschlag eines Schmetterlings dazu führen, dass die Welt einen anderen Verlauf nimmt. Ständig geschehen um uns herum Dinge, die jederzeit alternativ verlaufen könnten. Das Spiegeluniversum ist nun eine Ode an das fleischgewordene Was-wäre-wenn.

Der Ausbau des Spiegeluniversums im TV

Es war die genannte TOS-Folge, die das Paralleluniversum erstmals im "Star Trek"-Diskurs etablierte. Kirk und seine Leute kehrten am Ende zwar in ihren eigene Wirklichkeit zurück, aber der Enterprise-Captain hatte vorher nicht darauf verzichtet, seine eigene Spur zu hinterlassen. Ihm erschien der Spock im Spiegeluniversum als integer genug, um in den letzten Minuten an ihn zu appellieren, eine Veränderung zu initiieren. Kirk forderte den Vulkanier mit dem Henriquatre indirekt dazu auf, das Terranische Imperium, das im Spiegelkosmos anstelle der Föderation mit harter Hand herrschte und unterjochte, zu Fall zu bringen und eine neue Gesellschaftsordnung hochzuziehen. Der Keim des ersten Einflusses war gelegt - die Episode endete geradezu in einem Cliffhanger.

Der Spock des Spiegeluniversums
Zwar bekamen wir nie zu sehen, wie der andere Spock das Kommando der Enterprise an sich riss und sich der Revolutionierung des politischen Systems zuzuwenden begann, dafür aber wurde die Geschichte des Paralleluniversums in "Deep Space Nine" wieder weitererzählt, diesmal über ein Jahrhundert später. Die großen Linien wurden erkennbar - und auch eine große Ironie. Gerade die Freiheit und Selbstbestimmung, die Spock, als er sich zum Herrscher aufschwang, den Welten des Imperiums schenkte, führte zum Verderben der Menschen, Vulkanier und anderer Völker. Denn es war ja nicht nur das Imperium, das kaustische Züge besaß, sondern auch der Rest des Spiegeluniversums.

Irgendwann im 24. Jahrhundert zerschmetterte eine Allianz aus Klingonen und Cardassianern das schwach gewordene Imperium und verleibte sich seine Konkursmasse ein. Die Rebellion gegen den terranischen Imperator, von der in TOS noch die Rede war, verwandelte sich nun in eine Rebellion der letzten freien Menschen gegen die übermächtigen klingonischen und cardassianischen Unterdrücker. Anders ausgedrückt: Das alte Muster ging weiter, nur eben in einer anderen Ausprägung. Kirk hatte, als er Spock seinen Tipp in eigener Sache gab, nicht gewusst, welche zentrifugalen Kräfte im Paralleluniversum greifen. Sehr wahrscheinlich hatte er einen Fehler begangen und dazu beigetragen, dass in der anderen Dimension aus dem kleineren ein noch größeres Übel wurde.

Das letzte Mal, dass der Fan ein Abenteuer im Spiegeluniversum zu sehen bekam, war in der vierten Staffel von "Enterprise". Die Doppelfolge "Im finsteren Spiegel" Teil eins und zwei entbehrte diesmal einer direkten Begegnung von Charakteren aus beiden Universen. Stattdessen schwappte nur ein mächtiges Raumschiff der Constitution-Klasse in den parallelen Kosmos herüber, das sich Jonathan Archer - ein Jahrhundert, bevor Kirk mit dem bärtigen Spock zusammentraf - einverleibte.

Obwohl der größenwahnsinnige Archer am Ende selbst seinem Stolz erlag, erfuhren wir, wie das Imperium seine Grundlagen legen konnte für eine beispiellose Expansion. Mit der U.S.S. Defiant verfügte es über ein Schlachtschiff aus der Zukunft der anderen Realität. Ebenfalls zeigte sich, dass das Imperium im Gegensatz zur Föderation neue Technologien, die weiteren Eroberungen dienlich sein können, nicht erfand, sondern stahl.

Die Entdeckung der Spiegelschriften

Drei Zeitepochen wurden also bislang in Episoden über das Paralleluniversum abgedeckt. Dabei wurde wenig über historische Entwicklungen konkret erklärt als vielmehr angedeutet. Dennoch blieben viele Fragen offen. Es wäre zu reizvoll gewesen, mehr über die Welt jenseits des Spiegels in Erfahrung zu bringen.

Im Spiegeluniversum stoßen die bekannten Helden auf verzerrte Versionen ihrer Selbst
An dieser Stelle kommt – wie könnte es anders sein - die "Star Trek"-Literatur ins Spiel. Ungewöhnlich für ihre gemeinhin experimentierfreudige Art, hat sie das Spiegeluniversum erst sehr spät als Themenkomplex für neue Abenteuer entdeckt. Erstmals aufgegriffen wurde das Feld 1993 im "The Next Generation"-Roman "Dunkler Spiegel", wo es dazu genutzt wurde, eine Lücke zu schließen. Bislang gab es in jeder "Star Trek"-Serie das Spiegelpendant des Captains zu sehen - in "Voyager" zumindest eine durch andere Zusammenhänge bösartig gemachte Janeway -, nur der noble Picard wurde ausgespart. "Dunkler Spiegel" ist also ein erzählerisches Exempel über einen zynischen und wahnsinnigen Kommandanten im 24. Jahrhundert.

Danach bediente sich in den Jahren 1998 bis 2000 die zweite Trilogie der so genannten Shatner-Saga - mitentwickelt von William Shatner - des Parallelkosmos. Drei Buchabenteuer ("Das Gespenst", "Dunkler Sieg" und "Die Bewahrer") lassen den im 24. Jahrhundert wiedergeborenen James Kirk zurückreisen in die feindliche Welt hinter dem Spiegel und mit seinem Gegenpart zusammentreffen, den wir in "Ein Paralleluniversum" so gut wie gar nicht zu Gesicht bekamen. Das größte Problem an den drei Romanen besteht darin, dass sie sich jedweder Einbettung in die restliche Literatur, teilweise sogar des in den TV-Folgen Gesagten, entziehen. Wem der Kanon heilig ist, wird bei den Shatner-Romanen ein bis anderthalb Augen zudrücken müssen.

Den dritten Versuch einer Fruchtbarmachung unternahm 2003 eine Einzelgeschichte der "Stargazer"-Reihe von Michael Jan Friedman. Da das Projekt sang- und klanglos in der Versenkung verschwand, blieb das Makulatur. Außerdem bot der "Stargazer"-Roman "Three" nur wenig Reiz, zumal er lediglich mit ein paar Spiegelfiguren der Stargazer-Mannschaft aufwarten konnte.

Bis ins Jahr 2006 waren die literarischen Versuche, das Spiegeluniversum zu erschließen, dürftig geblieben. Die Krux an den bisher erschienenen Büchern bestand darin, dass sie sich nur wenig um die Kontinuität gekümmert hatten - ein Prinzip, das die Romane seit dem Relaunch von "Deep Space Nine" nachhaltig verinnerlichten. Aus diesem Grund entschloss man sich in den Pocket-Books-Etagen vor gut zwei Jahren dazu, dem Paralleluniversum einen neuen Anlauf zu vergönnen. In "Warpath", dem ersten Roman der neunten DS9-Staffel, wurde das Spiegeluniversum als neues Leitthema etabliert. Es spielt auch in den nachfolgenden DS9-Büchern "Fearful Symmetry" und "The Soul Key" eine zentrale Rolle.

In einer Roman-Trilogie arbeitet sich auch William Shatner am Spiegeluniversum ab
Der besondere Wurf betraf jedoch die neue, ab 2007 auf den Markt gebrachte Reihe, die mit dem schlichten Label "Star Trek: Mirror Universe" überschrieben wurde. Die ersten zwei Bände, "Glass Empires" und "Obsidian Alliances", erzählen im Rahmen kompakter 150-Seiten-Abenteuer die Geschichten weiter, die wir in TOS und "Enterprise" verfolgen durften. Wie errichtete Imperatorin Sato ihre Herrschaft über das Terranische Imperium, welcher Handgriffe bediente sie sich, und wie ging sie mit der Rebellion um? Was tat der Spiegel-Spock, nachdem er James Kirk in sein eigenes Universum zurückgebeamt hatte? Welche Ereignisse genau brachten das Terranische Imperium schließlich zu Fall und welches war die Geburtsstunde der menschlichen Rebellion im 24. Jahrhundert?

Fragen über Fragen, und diesmal geizt Pocket Books nicht mehr mit Antworten. Die "Star Trek: Mirror Universe"-Reihe, die Anfang 2009 Verstärkung durch den Kurzgeschichtenband "Shards and Shadows" erhielt, ist die letztendliche Erfüllung für Liebhaber des Paralleluniversums. Hier werden in der Manier zeitgemäßer "Star Trek"-Belletristik provokative Ideen mit dem großen Ganzen des Serienfundus in Einklang gebracht, wodurch Komplexität, Glaubwürdigkeit und Abwechslung entsteht. Und wer den Abstecher in die Welt der Comics wagt, wird als kleines Bonbon Comics wie "Spiegelbilder" vorfinden, der mittlerweile durch den Cross Cult Verlag auf Deutsch übersetzt wurde. Er behandelt die Ausfüllung einer weiteren Lücke: den Aufstieg des Spiegel-Kirk zum Kommandanten der Enterprise.

Rückkehr durch den Spiegel?

Auf der Shore Leave Convention 2009 kündigte Pocket-Books-Editorin Margaret Clark das Portfolio für das kommende Jahr an. Wie nicht anders zu erwarten, stehen die Trek Books 2010 im Zeichen des neuen J.J.-Abrams-Streifens. Zusammen mit anderen Serien aus dem "alten" Kosmos wird auch die "Mirror Universe"-Reihe eine kreative Pause einlegen. Man darf jedoch gespannt sein, wie die Geschichten weiter gehen werden.

Wer bereit ist, sich auf ein anderes "Star Trek" einzulassen, wird im Spiegeluniversum eine Quelle schier unerschöpflicher Möglichkeiten finden und einen Spielplatz, auf dem "Star Trek" sich selbst auf den Arm nehmen kann. Damit steht es weiter in der Tradition Gene Roddenberrys, der bereits in seiner Ur-Serie den Begriff der Allegorie großschrieb.

(jw - 30.12.09)

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