Daily Trek Cast & Crew Focus & Background Franchise & Fandom
Star Trek Into Darkness Star Trek XI Enterprise Universum
SF-Zone Raumfahrer.net
GameZone Literatur
Trek BBS Quark's Bar Star Trek Rollenspiel

Seitenoptionen



News & StoriesSerien & FilmeScience & FictionMediaCommunity

Portal Facebook Twitter YouTube Flickr Chat Trek BBS

 
Daily Trek News
SF-Zone News

Julian Wangler (jw)09.03.08

Fan-Fiction zum "Enterprise"-Relaunch

Welche Ideen haben die Fans?

Das "Star Trek"-Universum ist riesig, womöglich größer, als man sich anfangs bewusst war. Über 700 TV-Episoden und bald elf Kinofilme sind Teil von dem Ungreifbaren, an dem wir Fans uns orientieren, erfreuen oder uns gedanklich anlehnen. Es ist kaum vorzustellen, aber mit diesen 700 Abenteuern ist noch nicht alles erzählt, was es zu erzählen gilt.

Der Himmel ist die Grenze - Zur Frage einer Fortsetzung von "Star Trek: Enterprise"

Wir haben in Literatur-Letter-Ausgabe Nummer eins bereits darüber berichtet: Das frühzeitige "Enterprise"-Finale "Dies sind die Abenteuer" war wohl die am kontroversesten diskutierte "Star Trek"-Episode überhaupt. Sie bildete nicht nur das Schlusskapitel für die fünfte Franchise-Serie, sondern war von Berman und Braga gleichsam als Hommage auf "Star Trek" als Ganzes entworfen worden. Beides geriet ungemein heftig in die Kritik, obschon viele Fans sicherlich mit einer Abschiedsfolge im Hinblick auf die vorläufige Einstellung des Franchise im TV gut hätten leben können. Kristallisationskern allen Aufstoßens war, ist und bleibt, dass "Dies sind die Abenteuer" polarisierte, weil es das Ende von "Enterprise" in einer Art brutalem Schnelldurchlauf vorwegnahm - etwas, das es streng genommen bei keiner Vorgängerserie gegeben hat. Diesen gewagten Schritt konnten viele Fans in der Kürze einer Dreiviertelstunde (abzüglich so einiger Troi-Riker-Szenen) nicht wirklich nachvollziehen. Umso weniger, weil "Dies sind die Abenteuer" in mehr als nur einer Sicht vollendete Tatsachen schuf und das ab der dritten und besonders vierten Staffel eingesetzte Entwicklungspotential der Serie schlagartig unter sich begrub.

Was von "Enterprise" blieb, das ist eine Serie, die Anlaufschwierigkeiten hatte, sich zu guter Letzt fing und emanzipierte, nur um dann in Bälde von den Schirmen der Zuschauer wieder zu verschwinden. Jemand, der Episode um Episode verfolgte und mit den Abenteuern von Archer und Kohorten allmählich warm wurde, hat wohl nur ein Wort für diese Entwicklung parat: unbefriedigend. Doch genau die unglimpflich verlaufene Evolution von "Enterprise" könnte ein unerwarteter Glücksfall sein.

Bekanntermaßen - das zeigen gerade die Erfahrungen mit den kommerziellen oder Fan-Fiction-Fortsetzungen zu "Deep Space Nine" - liegen für Relaunch-Projekte zum Thema "Star Trek" besonders solche Serien hoch im Kurs, die es am Ende nicht schafften, alle offenen Fragen hinreichend zu beantworten. Dieser Reiz liegt wohl in der Natur der Sache - und ist, so seltsam es sich anhören mag, das verborgene kreative Kapital von "Enterprise". Denn offen geblieben ist bei dieser Serie - trotz des (Spannungs)Bogens von "Dies sind die Abenteuer" - eine ganze Menge.

Und wer "Star Trek"-Romane gerne hat, der weiß, dass ihr größter Wert darin liegt, wenn sie im Zeichen des Kanon (also der offiziellen Linie) neue Querverbindungen schaffen, Widersprüche bereinigen und größere Zusammenhänge produzieren sowie natürlich auch die Charaktere ein gutes Stück weiterbringen. Ein nahezu mustergültiges Werk dieser Schule, soviel sei an dieser Stelle erwähnt, ist beispielsweise "The Art of the Impossible" von Keith R.A. DeCandido.

Nichtsdestotrotz gibt es eine Reihe wichtiger Fragen, die ein Autor im Vorfeld für sich beantworten muss, will er "Enterprise" eine Fortsetzung geben. Diese Fragen sollen nun in einem theoretischen Vorlauf vorgestellt werden, um im zweiten Teil dieses Artikels auf ein paar praktische Umsetzungen eines "Enterprise"-Relaunch zu blicken. Dabei wird explizit Wert darauf gelegt, auch nicht-kommerzielle Fan-Fiction-Produktionen gebührend zu berücksichtigen.

Die Fragen der Fragen - Vorüberlegungen zu einem "Enterprise"-Relaunch

Wir waren bei "Dies sind die Abenteuer", der letzten Episode von "Enterprise". Erweitern wir nun den betrachteten Ausschnitt Pi mal Daumen auf die letzten beiden Seasons, dann wird schnell ersichtlich, welche Entwicklungen sich im Vergleich zu den recht konventionellen ersten zwei Jahren der Serie ergeben haben. Es sind dies die theoretischen Anknüpfungspunkte für eine literarische Fortsetzung von "Enterprise", wobei hier davon ausgegangen wird, dass sie unmittelbar an den "Terra Prime"-Zweiteiler andocken soll.

Trips Tod

Einer der beliebtesten Stammcharaktere war zweifellos der Enterprise-Chefingenieur Tucker, weil er das Lebensgefühl der Serie - diesen Schuss Weltraumromantik - gut reflektieren konnte. Gleichzeitig entwickelte sich kaum jemand so stark weiter wie Trip: Tappte er mit seiner charmanten Leichtigkeit zu Beginn der Serie nicht selten ins Fettnäpfchen, wandelte er sich in der zweiten Halbzeit zu einem verantwortungsvollen Offizier mit urpersönlichem Schmerz. In "Dies sind die Abenteuer" beschlossen Berman und Braga, ihn kurz vor Föderationsgründung den Tod finden zu lassen, vielleicht um die Serie gemeinsam mit ihrem Fleisch gewordenen Feeling zu beerdigen, wer weiß.

Insofern scheint es, als wäre das Ende der gewohnten Crewkonstellation, zumal mit dem erklärten Einmotten der Enterprise zehn Jahre nach ihrem Stapellauf, vorgezeichnet. Soviel zur vermeintlichen Faktenlage. Nun könnte man sagen, knüpft eine fünfte Season unmittelbar an "Terra Prime" an, ergibt sich kein unmittelbares Problem für den Umgang mit dem Protagonisten Trip. Das ist sicherlich richtig, und doch mag die Hinleitung auf die Zeit, in der "Dies sind die Abenteuer" spielt, sehr wichtig sein. Zum einen hat sich da gezeigt, dass Trip sich aus Stolz und Verehrung für seinen Captain geopfert hat, was ein Fingerzeig auf das Verhältnis zu Archer ist (jemand nannte es mal "lebenslange Mitgliedschaft im Jonathan-Archer-Fanclub"). Auf der anderen Seite - und das ist sogar noch gewichtiger - kann ein fantasiebegabter Geist vieles bewirken: Vielleicht ist Trip ja nur augenscheinlich gestorben und gar nicht wirklich tot. In diesem Fall wäre das Gebot der Stunde, die Faktenlage und die Charaktergestaltung so zu massieren, dass dem Warp-fünf-Maschinenwart ein neues Leben geschenkt wird. Soviel als Denkanstoß.

Beziehung von T'Pol und Trip

Ein nächster Punkt und überdies eng mit dem Tode Trips verknüpft, ist die in "Dies sind die Abenteuer" angedeutete Einstellung des romantischen Verhältnisses zwischen ihm und der Vulkanierin T'Pol. Hier ist es scheinbar eindeutiger: Nimmt man das im "Enterprise"-Finale Gesagte für bare Münze, so ergibt sich tatsächlich eine qualitative Veränderung ihrer Beziehung, die womöglich von den Erfahrungen mit ihrem ungewollten Baby Elizabeth beeinflusst wurde. Es ginge aber auch anders: Wer sagt nämlich, dass die Datenbank eines Holodecks im 24. Jahrhundert über alle Intimitäten so genau Bescheid weiß (vorausgesetzt, auf der Enterprise saß nicht irgendwo Big Brother)? Das wäre ein - übrigens auch auf Trip Tod übertragbarer - Ansatz, gesetzte Fakten zu revidieren und einen neuen Weg einzuschlagen. Ein Mittelweg zwischen diesen beiden Extremen bestünde vielleicht darin, diese Liebe in ganz neue Bahnen zu lenken, und da vor allem ist Kreativität das Gebot der Stunde.

Weiterentwicklung der anderen Charaktere

Verlassen wir den unmittelbaren Einflussbereich von "Dies sind die Abenteuer" und widmen uns der Frage nach dem Entwicklungspotential der anderen Personen, zunächst den Nebencharakteren. Diese sind - mit der Ausnahme von Reed, der gegen Serienende eine maßgebliche Erweiterung erfuhr - recht statisch geblieben. Auf den ersten Blick scheinen sich weder Hoshi noch Phlox oder Travis großartig weiterentwickelt zu haben. Die Produzenten scheinen sich von Anfang an - in Analogie zu TOS - dem Trio Archer, T'Pol, Trip gewidmet zu haben. Aber so ganz und gar vernachlässigt hat man auch die zweite Reihe nicht. Denn schaut man da einmal genauer hin, fällt auf, dass gerade in den Folgen "Exil" und "Beobachtungseffekt" besondere Aussagen über Hoshi gemacht werden, die ein charakterliches Spannungsverhältnis konstituieren. Einerseits ihre oftmalige Einsamkeit und ihr Genie, andererseits die Tendenz zu offenbar leicht reizbarem und risikolustigem Verhalten, von dem wir jedoch zeit der Serie so gut wie nichts mitbekommen haben. Hier deutet sich, wenn auch leise, eine Entfaltungsmöglichkeit der Hoshi-Figur an.

Für Phlox gilt Ähnliches. Zwar scheint kaum ein Gemüt gefestigter zu sein als jenes des denobulanischen Bordarztes, aber hinter der Fassade gibt es Themen, die ihn bewegen. In diesem Zusammenhang machen die Folgen "Eine Nacht Krankenstation" und "Böses Blut" auf das nicht immer einfache Verhältnis zu seiner großen Familie aufmerksam, insbesondere zu seinen Söhnen. Auch das bis zum Serienende durchgehaltene Verhältnis mit seinem Brieffreund und Austauscharzt Jeremy Lucas erscheint entwicklungswürdig, denn auch hier gibt es einen Konnex nach Denobula. Überhaupt bietet sich eine stärke Versenkung auf Denobula geradezu für den Phlox-Charakter an und erschlösse ihm neue Möglichkeiten. Und da Manny Coto ohnehin zu Protokoll gab, er habe in einer fünften Staffel Denobula zeigen wollen, gibt es sozusagen ein logisches Gebot der Stunde für Phlox.

Schwieriger als bei Hoshi und Phlox verhält es sich mit Mayweather. Der Steuermann ist nämlich von den Produzenten durchweg am stiefmütterlichsten behandelt worden. Von ihm haben wir eigentlich nur seinen Hintergrund als Weltraumnomade, geboren und aufgewachsen auf einem Frachter, wo seine Familie weiterhin lebt und arbeitet. Hier, wie von den Episoden "Familienbande" und "Horizon" präsentiert, verläuft denn auch die einzige innere Konfliktlinie: Einerseits war es immer sein großer Wunsch, eines Tages in der Sternenflotte zu dienen, andererseits hat er sein schlechtes Gewissen nie ganz überwunden, dass er dafür seine Familie verlassen musste. Ob man diese Möglichkeitskategorie aufgreift oder sich doch eher auf seine im "Terra Prime"-Zweiteiler begründete Beziehung zur geheimdiensttauglichen Journalistin Gannet Brooks konzentriert - oder auf beides? -, das ist eine Frage der Wahl.

Reed fällt bei den Nebencharakteren auf fruchtbarsten Boden, denn sein in "Die Heimsuchung" eingefädeltes Verhältnis zum Sektion-31-Vorläuferbüro und dessen Agenten Harris zeigt gleich in zwei Richtungen: Reed das Image des braven, geradlinigen Briten in Anbetracht seiner Begeisterung für verdeckte Operationen zu nehmen (Schwenker Richtung Julian Bashir) und in einem zweiten Zug dadurch für "Enterprise" die Welt der Spionage zugänglich zu machen.

Rolle Archers

Kommen wir in einem gesonderten Teil zu Jonathan Archer. Als Captain und Kopf des ganzen Unterfangens hat er in den vier Staffeln eine beachtliche Gratwanderung hingelegt, die immer konform ging mit den strukturellen Neuausrichtungsprozessen der Serie als Ganzem. Kurzum: vom (manchmal naiven) Forscher, der hinter jedem Stern etwas "Nobles vermutet" zu einem innerlich zerrissenen Militärmann, der für ein höheres Gut moralisch fragwürdige Entscheidungen zu treffen hat, hin zu einem Diplomaten, der eine Koalition der Planeten möglich macht. Das ist viel Futter für einen Relaunch, und doch wirkt es auf den ersten Blick nicht wirklich miteinander vereinbar. Man kann den Produzenten hier mit Fug und Recht vorwerfen, dass die Integration der charakterlichen Elemente Archers nicht ganz geglückt ist, womit es am Autoren einer Fortsetzung liegt, diese Problematik zu beseitigen.

Dabei kann ein gesunder Reduktionismus durchaus hilfreich sein: In Anbetracht der Situation um die Gründung einer ersten Planetenallianz erscheint es unrealistisch, dass Archer in großem Stil zu seinen Forschertugenden zurückkehren wird. Die Diplomatie wiederum vereint gewissermaßen seine Gutmenscheneigenschaften mit jenen des Kämpfers, womit man in der Betonung dieser Staffel-vier-Persönlichkeit einen guten Mittelweg fahren würde. Bleibt noch der Militärmann Archer. In einem leider zu kurz gekommenen Auseinandersetzungsprozess mit ihm in "Zu Hause" wird unverkennbar, dass der Captain die Entwicklung, welche er in der Delphischen Ausdehnung einschlug, als seine Nemesis betrachtet. Und doch ist sie ein Teil von ihm geblieben. Archer hier eine neue Stringenz zu geben und diese durchzuhalten, dürfte die große Herausforderung des Relaunch sein.

Eng damit verknüpft ist auch die Frage, ob man ihn mehr von der Crew lösen, in Zusammenspiel mit neuen Personen bringen sollte, gerade, weil er ja für die Koalition so großes Gewicht hat und persönliche Drähte zu wichtigen politischen Akteuren (Shran, Graal et cetera) besitzt. Zwar wurde in "Dies sind die Abenteuer" behauptet, die Crewkonstellation sei schlussendlich gleich geblieben, aber es wurde nichts darüber gesagt, dass zwischenzeitlich einmal jemand wegging, um andere Tätigkeiten zu übernehmen. Das ist eine Überlegung, die womöglich auch für andere Charaktere gilt, wobei man darauf achten muss, den Interaktionskern auf der "Enterprise" nicht zu sehr einzuschmelzen, handelt es sich doch um das im Mittelpunkt stehende Schiff.

T'Pol

Der Erste Offizier der Enterprise, die Vulkanierin T'Pol, hat seit dem Aufbruch des Schiffes einen bewegten Annäherungsprozess an die Menschheit im Allgemeinen und die Schiffscrew im Speziellen mitgemacht. Dadurch wurde sie nicht selten zum Scharnier zwischen Vulkan und der Erde. Gewissermaßen spiegelt sich diese Rolle in ihrem Selbst wider, denn recht früh wird zutage geführt, dass sie eine für Vulkanier ausgesprochen emotionale Seite birgt. Die ist es aber auch, die sie nicht selten vor ihrem Volk und sich selbst in Schwierigkeiten bringt. Zu nennen wären die Infizierung mit dem Pa'nar-Syndrom, die Trellium-Vergiftung in der Ausdehnung, ihre Hingabe bezüglich Trip Tucker. Es geht so weit, dass sie ihr Patent beim vulkanischen Militär gegen eines als Sternenflotten-Commander eintauscht. In der vierten Staffel kommen dann wieder die Bindungs- und Verpflichtungsprobleme gegenüber ihrer Heimat ins Spiel, exemplarisch dargestellt am Verhältnis zu T'Les, ihrer Mutter. Deren Tod und die politphilosophische Veränderung Vulkans haben natürlich auch Auswirkungen auf ihren Charakter. Ob man sie wieder an Vulkan heranrückt oder weiter entfernt und welche Rolle sie in Bezug auf die Romulaner-Thematik spielt, das sind die großen Fragen für die T'Pol-Figur in einem "Enterprise"-Relaunch.

Wir haben uns bislang mit dem Entwicklungspotential der Personen befasst. Kommen wir nun zur übergeordneten Storylinie, in der die Protagonisten interagieren. Zu nennen wäre hier ein zentraler Dualismus, nämlich jener von Romulaner- und Föderationsplot. Aus Kanon-Informationen wissen wir, dass die Gründung der Föderation eine logische Folge des irdisch-romulanischen Kriegs war, und als eine logische Vorstufe mit der Etablierung einer Planetenkoalition hat der Romulaner-Dreiteiler ("Babel", "Vereinigt", "Die Aenar") diese Verknüpfung bestätigt.

Der Übersicht halber bietet es sich trotzdem an, die beiden Plots voneinander separiert zu betrachten. Der Romulaner-Plot ist eine delikate Angelegenheit, vor allem, wenn man sich die TOS-Folge "Spock unter Verdacht" zu Gemüte führt: Erst anno 2266 bekommen Menschen und Föderation einen Romulaner zu Gesicht. Weiterhin wurde gesagt, dass der irdisch-romulanische Krieg ein recht kalter war, der mit Langstreckenwaffe und weniger in Schiffsmassenschlachten geführt wurde. Das Ganze wird sich in jedem Fall auf einen Krieg der Informationen und Spionage stützen müssen, offene Konfrontationen sind eher Tabu, obwohl man möglicherweise zu entsprechenden Lösungen unter Wahrung des Kanons gelangen kann.

Fortsetzung des Romulanerplots

Für die Fortentwicklung des im Romulaner-Dreiteiler begonnenen Plots stellt sich nun die Frage, wie die Romulaner nun reagieren werden, da es ihnen nicht gelang, eine Koalition der Planeten zu vereiteln und sie diese mehr oder minder sogar befördert haben. Die Lösung mit den Drohnenschiffen war ein geschickter Griff, trotzdem der Überraschungseffekt aus dieser Sache bereits wieder heraus ist. Da der Trekker weiß, dass der irdisch-romulanische Krieg 2156 bis 2160 lief und in die Gründung der Föderation überging, wäre es zudem angebracht, die Geschichte nicht so zu erzählen, dass der Krieg als einziger Weg erscheint. Vielmehr sollte man - im Sinne des Prequel-Charakters von "Enterprise" - eine gewisse Offenheit zulassen.

Fortsetzung des Föderationsplots

Selbiges gilt auch für den Föderationsplot. Die Darstellung einer simplen, progressiven Weiterentwicklung zur Föderation, wie man sie aus dem 23. und 24. Jahrhundert kennt, erscheint wenig spannend und sollte daher gemieden werden. Vielmehr muss der Vorsatz gelten, das Unerwartete in die Geschehnisse zu bringen. Betrachtet man nun den Romulaner-Handlungsbogen als auswärtigen Haupthandlungsfaden, den Föderationsplot hingegen als rote Linie nach innen, wird es hier vor allem um Konflikte und Konfliktlösungen zwischen den Koalitionswelten gehen sowie die Frage nach der Interaktion der Koalition mit dem umliegenden Stellarraum.

Fortsetzung der TOS-Bezüge?

Unter Manny Coto hat die vierte "Enterprise"-Staffel den Versuch unternommen, möglichst viele Querverbindungen in die Kirk-Ära zu stiften. Das kann als intelligente Bereicherung für "Enterprise" angesehen werden und sollte als Element auch Einzug in eine fünfte literarische Season erhalten. In welcher Gewichtung, ist eine andere Frage. Sicherlich sollte man es damit nicht übertreiben, denn erstens sind Archer und Kirk immerhin noch 100 Jahre voneinander entfernt, zweitens sollte diese Kanon-isierung nicht zum Selbstläufer werden. Vielmehr sollten derartige Bezüge an wichtigen Punkten positioniert werden, um einen Aha-Effekt beim Zuschauer beziehungsweise Leser auslösen zu können. Mit der Befassung eines konsequenten Romulaner-Plots sowie der Thematisierung von Andorianern, Tellariten und Vulkaniern ist die Serie ja ohnehin schon auf einem guten Weg Richtung TOS, ohne zwangsläufig in die Fußstapfen der Urserie treten zu müssen.

Ausbügeln der Canon-Verletzungen

Deutlich schwerer ins Gewicht als erzwungene TOS-Bezüge fällt manche gravierende Verletzung der offiziellen Linie, die "Enterprise" in den ersten beiden Staffeln begangen hat. Nicht alle davon sind besonders wichtig, und so kann man die Problemlage hier auf ein paar entscheidende Punkte verdichten. Die Tatsache, dass die Romulaner anno 2152 über eine Tarnvorrichtung verfügen, obwohl in "Spock unter Verdacht" für die Kirk-Enterprise eine derlei Technologie völlig neu ist, stellt die wohl gröbste Verletzung dar, die auch für den kommenden Krieg zwangsläufig Thematisierungsfolgen haben muss. Überhaupt war es fragwürdig, warum in "Enterprise" bereits die Suliban mit Tarnvorrichtungen spielten.

Der zweite gravierende Einschnitt ist der Erstkontakt mit den Klingonen, der laut der TOS-Episode "Das Gleichgewicht der Kräfte" erst 2218 stattfand, in "Enterprise" hingegen 2151 in einem Kornfeld von "Aufbruch ins Unbekannte". Um Spielräume zu erschließen, diese eklatanten Widersprüche zu beseitigen, könnte beispielsweise die Auswirkung vom Temporalen Kalten Krieg massiert werden, obschon dieser - glücklicherweise - in "Sturmfront" ein Ende gefunden hat.

Präsentationsform

Kommen wir, last but not least, von der inhaltlichen zur formalen Gestaltung einer solchen spekulativen fünften Season. Abgesehen von zusammenhängenden Serienpaketen in "Deep Space Nine" dominierten bei "Star Trek" seit jeher die eher zusammenhangslosen Einzelepisoden. "Enterprise" setzte dahingehend neue Maßstäbe: Waren die ersten beiden Staffeln auch formal noch recht gewöhnlich, weil sie sich aus Stand-alone- und Cliffhanger-Episoden zusammensetzten, gab es mit der Xindi-Saga ein Angebot, das sich über eine komplette Season erstreckte. Die vierte Staffel wiederum kehrte nicht zurück zum klassischen Konzept, sondern versuchte, mit Dreiteilern für Abwechslung zu sorgen. Conclusio: In "Enterprise" hatten wir also alles, was an formaler Gestaltungsvariation überhaupt möglich ist. Der Relaunch-Autor müsste sich nun die Frage stellen, wie er über die Verteilung von Haupt- und Nebenstorys denkt und, daraus folgend, eine Schlussfolgerung ziehen. Soviel scheint sicher: Eine durchgehend zusammenhängende Geschichte wie in der Xindi-Saga zu erzählen, dürfte relativ schwer fallen, insbesondere, wenn bestimmte Zeiträume übersprungen werden müssen. Möglich hingegen wäre durchaus eine Mischung von Mehrteilern und Einzelepisoden; die Paketgröße würde also schon indirekt eine Aussage über die Wichtigkeit der Folgen machen.

Umsetzungen - Beispiele für einen "Enterprise"-Relaunch

Nun, im Gefolge dieses knappen Brainstormings von Impressionen und Denkmöglichkeiten, soll noch ein Blick auf Umsetzungen von "Enterprise"-Fortsetzungen geworfen werden. Hierzu sei erwähnt, dass kommerzielle und nicht-kommerzielle Projekte herangezogen worden sind. Das ausschlaggebende Kriterium für eine Untersuchung und Vorstellung in diesem Artikel war jedoch, dass es sich nicht um Kleinstwerke oder nur ein, zwei Episoden handelt, sondern ein in Kontinuität fortgeführtes Unterfangen mit gewisser Konzeptionalität. Insofern fällt das absolute Gros von Geschichten, die "Enterprise" fortsetzen, bereits unter den Tisch. Übrig bleibt eine Reihe von sehr unterschiedlich gestalteten Projekten im amerikanischen, französisch-englischen und deutschen Raum, von denen das jeweils interessanteste jetzt erörtert werden soll.

Star Trek: Enterprise - Virtual Season (USA)

Hierbei haben wir es mit einer großen, aber lockeren amerikanischen Hobbyautorenvereinigung zu tun, die unmittelbar nach Einstellung der TV-Serie, also noch im Jahr 2005, ein Fortsetzungsprojekt begonnen hat. Die Internetpräsenz, die das Zentrum der Arbeit darstellt und von wo aus sämtliche Episoden betrachtet werden können, ist extrem schlicht gehalten, dafür aber sehr auf die Zusammentragung von relevanten Kanon-Informationen aus sämtlichen "Enterprise"-Folgen bemüht. Weil zahlreiche Mitglieder schreiben, erscheint nahezu jeden Monat eine neue Folge. Mittlerweile ist das Projekt in der siebten Season angekommen, wobei eine jede zwischen 15 und 20 Episoden aufweist. Die Folgen selbst sind in der Regel im Kurzgeschichtenstil medias-in-res gehalten, der es dem Schreibenden erlaubt, zu den wichtigsten Punkten der Handlung vorzustoßen, was durchaus mit der TV-Ebene korrespondiert.

Problematisch hingegen ist - vor allem aufgrund der großen Zahl beteiligter Autoren - ein stark schwankendes Qualitätsniveau sowie eine nicht abzusprechende Unübersichtlichkeit, was Einzelgeschichten und Hauptplot anbelangt. Zudem liegt auf der Hand, dass die Staffeln in der Regel nur selten kohärent durchgeplant wurden, sondern eher auf Basis von Momenteinfällen entstanden sind. Insofern kann man ihnen den Status ganzheitlicher Einheiten auch absprechen.

Ohne sich auf bestimmte Autoren festzulegen oder inhaltliche Aspekte vorwegzunehmen, so lässt sich sagen, dass auf wesentliche der oben genannten Entwicklungslinien eingegangen wird. Beispielsweise beobachten wir, wie sich die Koalition weiter entwickelt, die Romulaner Intrigen streuen oder Malcolm tiefer in die Wirrungen um Harris' ominöses Büro hineingezogen wird. Das sind in der Regel aber immer begrenzte Sequenzen, in der Regel Einzel- oder Doppelfolgen. Ein großer Schub Richtung irdisch-romulanischer Krieg blieb bislang aus. Auch im Hinblick auf Charaktere und Crewkonstellation können nicht allzu große Veränderungen konstatiert werden. Es wird interessant sein, wie sich dieses Projekt weiter entwickelt.

Positiv

  • Hohe kontinuierliche Publizität
  • Kompakte Episoden
  • Fortentwicklung wesentlicher Storybögen

Negativ

  • Stark schwankendes Qualitätsniveau
  • Rege Unübersichtlichkeit
  • Keine gesamtheitliche Konzeption der Staffeln

Enterprise Virtual Season 5 (Frankreich)

Beim zweiten Projekt haben wir es mit einer französischen Internetseite zu tun, welche aber ausschließlich auf Englisch schreibt. Sie ist zweifellos ansehnlicher gestaltet als jene des ersten Relaunch-Unterfangens aus den USA. Das ist aber nur der augenscheinlichste Unterschied: Denn gekoppelt mit hoch interessanten Visualisierungen und Promos, verfolgt der (allem Anschein nach) einzelne Autor ein reflektiertes Konzept für seine fünfte Season, die bereits abgeschlossen worden ist.

15 Episoden, klar ersichtlich in Haupt- und Nebengeschichten untergliedert, werden in gutem Englisch angeboten und ähneln, obwohl ein Kleinwenig umfangreicher, in der Ausgestaltung der amerikanischen Hobbyautorenseite. Inhaltlich gibt es manche Auffälligkeiten, die sich die Wage halten. Gelegentliche Logik- und Kanonfehler fallen weniger ins Gewicht als ein Hang dazu, bestimmte Charaktere ihres aus der Serie gewohnten Verhaltens zu entfremden.

Auch kommt die Entwicklung des romulanischen Plots nur in kleineren Schritten voran, was auch an der Entscheidung für eine Reihe von Füllepisoden liegt. Schließlich scheinen auch die Charaktere, denkt man an neue Situationen, Bewusstseins- und Handlungsprozesse, ziemlich zu stagnieren, es gibt wenig Überraschungen oder neue Konstellationen, abgesehen einmal von Sonderrollen, die T'Pol und Reed einzunehmen beginnen. Trotzdem ist alles in allem das inhaltliche Niveau größer als beim vorher dargestellten Projekt. Insofern ist es bedauerlich, dass zwar mit einer sechsten Staffel begonnen wurde, die Tätigkeiten des Autors aber seit über einem Jahr eingeschlafen sind und eher nicht mehr mit einer Fortsetzung zu rechnen sein wird.

Positiv

  • Kompakte Episoden
  • Klare Abgrenzung von Haupt- und Nebenstory
  • Attraktive Internetpräsenz mit guten Visualisierungen

Negativ

  • Gelegentliche Logik- und Kanonfehler
  • Wenig Charakterentwicklung
  • In letzter Zeit keine veröffentlichten Episoden mehr

Enterprise Season 5 (Deutschland)

Auch im deutschen Raum hat sich seit der Beendigung der TV-Serie etwas getan. Da nämlich ist seit dem Frühjahr 2007 ein Fan-Fiction-Projekt für eine fünfte Staffel angelaufen, vollständig auf Deutsch geschrieben. Bezeichnend sind hier von vorneherein ein literarischer Schreibstil und ein Niveau von Tiefe, was möglicherweise nicht für jeden Trekker auf Anhieb etwas ist, weil es große Aufmerksamkeit, Reflexion und Detailwissen verlangt. Wer sich aber darauf einlässt, wird die Vorzüge dieser Umsetzung zu schätzen wissen.

Gleichzeitig wird der Kanonbezug groß geschrieben, was einen fließenden Übergang zur TV-Serie mit vielen überraschenden Wendungen ermöglicht. Auch positiv anzumerken ist, dass letztlich innerhalb der Staffel - trotz einiger weniger Einzelepisoden - eine zusammenhängende Geschichte erzählt wird, die sehr stark auf die Föderations- und Romulanerthematik hinausarbeitet und dem Leser die Frage erspart, worauf er sich konzentrieren soll.

Die Werke sind extrem umfangreich, vergleichbar eher mit den Pocket-Books-Lösungen und beleuchten Facetten der Serie vor allem im charakterlichen und politischen Bereich. Persönlichkeitsdarstellung und -entwicklung sind ebenfalls eine Stärke und verzahnen sich mit dem Fortgang der Staffel gut mit der Rahmenhandlung. Gewöhnungsbedürftig hingegen dürfte sein, dass sich die Romane stark von der gewohnten Personenkonstellation der Serie unterscheiden und die Crew stärker zerstreut wird und neue Interaktionsfelder erschließt. Zwar blutet die Enterprise nie aus - es kommt sogar ein neuer Stammcharakter hinzu -, aber neben ihr gibt es jetzt auch andere Schauplätze, auf die es ankommt. In diesem Zusammenhang ist die Erde zu nennen, auf der Archer eine interessante Weiterentwicklung zum Diplomaten durchmacht. Auch dieses Projekt wird weiter zu verfolgen sein.

Positiv

  • Kontinuierliche Publizität
  • Anspruchsvolles Qualitäts- und Sprachniveau mit ständigem Kanonbezug
  • Konzentration auf ausgewählte Handlungsbögen

Negativ

  • Manchmal sehr hohe Komplexität (setzt detailgenaues Wissen voraus)
  • Sehr umfangreiche Episoden
  • Zeitweise zu starke Zerstreuung der Protagonisten

Star Trek: Enterprise Relaunch (Pocket Books)

Wer unseren Literatur-Letter "Unendliche Seiten" regelmäßig verfolgt, der weiß, dass wir in der Debütausgabe ausführlich auf die kommerzielle Pocket-Books-Fortsetzung von "Enterprise" eingegangen sind, welche dem renommierten "Star Trek"-Autoren-Tandem Michael A. Martin und Andy Mangels überlassen worden ist. Trotzdem soll, um einen Vergleich der Angebote zu gewährleisten, an dieser Stelle noch einmal ein Abriss mit den wichtigsten Charakteristika dieses Projekts getätigt werden. Das ist wichtig, weil sich dieser Relaunch maßgeblich von den nicht-kommerziellen Fortsetzungsgeschichten unterscheidet.

Zunächst einmal: Es handelt sich um große Romane, die der Bezeichnung "Episoden" im Prinzip nicht gerecht werden und auch nur etwa jedes Jahr einer erscheinen. Daher lässt sich auch nicht von einer wirklichen Season 5 sprechen, sondern einer Fortsetzungsminiserie im besten Falle. Ihr zugrunde liegt, dass sie von vorneherein das in "Dies sind die Abenteuer" Gezeigte infrage stellt und behauptet, Trip sei nur offiziell gestorben, um hinter den Kulissen Geheimagent zu werden. Die Ereignisse, wie sie auf dem Holodeck um den Zeitraum der Föderationsgründung erzählt wurden, erfahren eine gründliche Revidierung, womit Martin und Mangels defacto Geschichtsrevisionismus betreiben und zudem die gewohnte Crewkonstellation beenden.

Das ist in jedem Fall eine gravierende Neuerung und verschiebt "Enterprise" stärker in die Gefilde der Spitzelei und Spionage, schafft einen düsteren Flair um die Serie. Im Herbst 2008 wird - nach "The Good That Men Do" - der zweite Band erscheinen, der sich bereits dem irdisch-romulanischen Krieg stark nähern wird. Für 2009 dann wird es allem Anschein nach einen Epos aus diesem Krieg geben. Für Martin und Mangels spricht, dass es ihnen gelingt, in ihren Werken die wichtigsten Linien von "Enterprise" herauszuarbeiten und zu etwas Neuem zu vermengen, ohne dabei den ominös-verlockenden Teil unter den Tisch fallen zu lassen. Man darf gespannt sein, was ihr Relaunch in Zukunft noch alles wird auf die Beine stellen können.

Schlussfolgerung - UMUK im besten Sinne

Wir haben es gesehen: "Enterprise" eine Fortsetzung zu geben, erscheint in Anbetracht der vielen Spannungsfelder und offenen Fragen, in denen sich die Serie bewegte, regelrecht geboten. Doch in welcher Weise man sie fortsetzt, unterliegt vielen wichtigen Einzelfragen, die hier abrissartig dargelegt wurden. Die größte Herausforderung besteht gewiss darin, mit Trips (vermeintlichem) Tod umzugehen und auch Föderations- und Romulanerthematik frisch und unvorhersehbar zu halten - und nicht zuletzt die Attraktivität der Charaktere für den Fan zu steigern, indem man auch hier für Abwechslung sorgt.

In der konkreten Gestaltung einer fünften Staffel zeigt sich eindrucksvoll die große Bandbreite an Möglichkeiten, die ausgeschöpft werden kann und wird. Surak, Urvater aller unendlicher Mannigfaltigkeit in unendlicher Kombination, wäre jedenfalls stolz.

(jw - 29.12.09)

Weiterführende Links


Nach oben

Alle Berichte sind das geistige Eigentum der Autorinnen und Autoren. Jede unautorisierte Übernahme ist ein Verstoß gegen das Urheberrecht. Für Anfragen betreffend Artikel- oder Newsübernahme wenden Sie sich bitte an den Redaktionsleiter.

"Star Trek", "Star Trek: The Next Generation", "Star Trek: Deep Space Nine", "Star Trek: Voyager", "Star Trek: Enterprise" und alle verwandten Markennamen sind eingetragene Handelsmarken von Paramount Pictures. Kopierrechtlich geschütztes Material wurde ausschließlich für nichtkommerzielle Zwecke genutzt. Dies gilt auch für alle Materialien, die aus anderen Franchises stammen und im Rahmen der TZN SF-Zone genutzt wurden.

Mitarbeit Kontakt Impressum

© TrekZone Network, 1999-2017