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Julian Wangler (jw)20.07.12

2156-60: Irdisch-Romulanischer Krieg

Politik, Kultur und Geschichte in den Trek-Books

Die als Irdisch-Romulanischer Krieg in die historische Begriffssystematik eingegangenen Ereignisjahre bezeichnen einen schweren bewaffneten Konflikt im mittleren 22. Jahrhundert, der in erster Linie zwischen den Streitkräften der Vereinigten Erde und des Romulanischen Sternenimperiums ausgetragen wird. Konsequenz des vierjährigen Kriegs ist nicht nur die Einrichtung einer Neutralen Zone als Puffer zwischen den beiden Territorien, sondern insbesondere die Gründung der Vereinigten Föderation der Planeten, wodurch die politische Ordnung im Alpha- und Beta-Quadranten nachhaltig revolutioniert wird.

Ursachen

Begegnung im Minenfeld
Bevor der Krieg zwischen Menschen und Romulanern ausbrach, gab es nur wenige Begegnungen zwischen beiden Parteien. Der Erstkontakt lässt sich auf das Jahr 2152 datieren, als die Enterprise NX-01 während eines Explorationsflugs in unerforschtem Raum mit einem getarnten Minenfeld kollidierte. Letzteres diente, wie sich später herausstellen sollte, als Testgebiet für zwei neue romulanische Kriegsschwalben-Prototypen.

Bei dieser Begegnung kam es zwar noch zu keinem bewaffneten Konflikt, allerdings machten die Romulaner ihre territorialen Ambitionen klar. Überdies wurden sie in besonderem Maße auf die Menschen aufmerksam, weil sie zufällig auf das neueste Projekt der romulanischen Navy gestoßen waren. Vor allem aber bestärkte das Auftauchen der Vereinigten Erde als neuer Akteur in der stellaren Region das romulanische Expansionsstreben. Welche weiteren Gründe es dafür geben mochte, dass das Sternenimperium die Menschheit schnell als elementaren Antagonisten verstand, ist weitgehend ungeklärt.

In jedem Fall meldeten sich die Romulaner etwa zwei Jahre später zurück. In der Zwischenzeit hatten sie die diplomatischen Fortschritte der Erde genau beobachtet. Als die Wahrscheinlichkeit mehr und mehr zunahm, sie könnte in absehbarer Zeit das Scharnier eines tragfähigen Bündnisses aus mehreren regionalen Mittelmächten werden, entstand eine neuartige Bedrohungsperzeption, die der romulanischen Politik das Handeln diktierte, mit ganz konkreten Maßnahmen der Entstehung einer Interspeziesallianz zuvorzukommen. Da sie nicht nur xenophob waren, sondern genauso bemüht, Identität und Herkunft nicht preiszugeben, versuchten sie im Laufe des Jahres 2154 über verborgene Operationen, die Machtblöcke in der stellaren Region der Erde auseinanderzudividieren.

Die Undercoveraktion über Mittelsmänner, welche Vulkan insgeheim der politischen Kontrolle des Sternenimperiums unterwerfen und zudem einen Krieg zwischen Vulkan und Andoria anzetteln sollte, erfuhr jedoch durch das Vorgehen der Sternenflotte ihr vorzeitiges Aus. Einige Monate später unternahmen die Romulaner einen neuerlichen Versuch, das mögliche Zustandekommen einer Planetenallianz um jeden Preis zu unterbinden. Anlässlich eines diplomatischen Gipfels zwischen Andorianern und Tellariten begannen sie mithilfe eines speziellen Drohnenschiffes, verdeckte Angriffe auf eine Reihe von Spezies zu verüben, um sie so gegeneinander aufzuhetzen. Jedoch traf auch diesmal das Gegenteil des intendierten Ziels ein: Unter der Führerschaft der Menschen kooperierten die verschiedenen Rassen enger denn je zuvor. Es kam sogar zu einem exklusiven Militärbündnis zwischen Sternenflotte, vulkanischem und tellaritem Militär sowie imperialer Garde, um das Drohnenschiff zu zerstören. Die weiteren Ereignisse führten in der ersten Babelkonferenz zu einer Aussöhnung zwischen Andorianern und Tellariten.

Reaktivierung der Terra-Prime-Krise
Abermals waren die Menschen die entscheidende Variable für das Fehlschlagen der romulanischen Strategie gewesen. Insofern gelangten die romulanischen Machthaber zu der Erkenntnis, dass sie ihr Ziel, Andorianer, Vulkanier und Tellariten zu einer Selbstdezimierung zu verleiten, nur erreichen konnten, wenn sie vorher die Erde als Einflussfaktor ausschalteten. Als das Aufkeimen einer Koalition der Planeten zu Beginn des Jahres 2155 nicht mehr abzuwenden war, bildeten sich zwei neue Zielrichtungen heraus: eine weitere Ausdehnung der Interspeziesallianz zu verhindern und, parallel dazu, die Erde zu schwächen.

In diesem Zusammenhang sorgten romulanische Spione für eine Reaktivierung der Terra Prime-Krise, um die Erde in den Augen der anderen Koalitionsmitglieder zu diskreditieren. Zeitgleich versuchte man auch, den verloren gegangenen Einfluss auf Vulkan zurückzuerlangen. Beide Bemühungen konnten im Zusammengehen von Sternenflotte und Vulkaniern vereitelt werden, aber diesmal besaßen die Romulaner einen Langzeitplan. Parallel hatten sie damit begonnen, ein verstecktes Relaisnetzwerk in Koalitionsreichweite zu errichten, um entsprechende Flottenbewegungen frühzeitig zu erkennen. Ebenso sicherten sie sich die Unterstützung von Teilen des Orion-Syndikats und subversiver Elemente im Borderland.

Unmittelbar darauf setzten sie die Politik auf Denobula unter Druck, einen Krieg gegen die Antaraner anzuzetteln, um den Planeten aus einer Koalitionsperspektive herauszuhalten. An dieser Stelle begann der Prozess einer allmählichen Einkreisung der Koalition, der mit der weitestgehenden Zerstörung und Eroberung Coridans, welches unter die Verwaltung der Unrothii gestellt wurde, seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte. Anfang 2156, kurz nach einem romulanischen Angriff auf Draylax, erklärte die Koalition dem Sternenimperium als erstes offiziell den Krieg und begann unter Zuhilfenahme sichergestellter Informationen über feindliches Gebiet eine koordinierte Gegenattacke.

Dieser Vorstoß, der die Errichtung eines Schutzgürtels vor der Koalition zum Ziel hatte, kam jedoch alsbald zum Erliegen. Von den Romulanern unbeeinflusste, aber für sie günstige Umstände führten dazu, dass die Koalition eine massive innere Schwächung erfuhr. Im Sommer 2156 verwickelten sich Andorianer und Tellariten in einen internen Spionageskandal, was die Beziehungen beider Staaten massiv störte. Im selben Zeitraum tobte ein Bürgerkrieg auf Vulkan, der um das Erbe Suraks aufgeflammt war, sodass der Planet auch ohne einen formellen Austritt aus dem Bündnis weitenteils auf sich selbst beschränkt war. Während die Romulaner ihre Angriffe verschärften, musste die Sternenflotte gegnerischen Verbänden oftmals allein die Stirn bieten. Obwohl die Bezeichnung "Irdisch-Romulanischer Krieg" also nicht der diplomatischen Realität entsprach, ist er trotzdem praxisnah.

Verlauf

Der Kriegsverlauf kann - anders als beispielsweise der Dominion-Krieg im 24. Jahrhundert - nur schwer in klar voneinander abgrenzbare Etappen unterteilt werden. Er stellte sich ausgesprochen langwierig dar, mit Vorstößen und Rückschlägen für beide Seiten. Aufgrund ihrer überlegenen Maschinerie schienen sich die Romulaner ab 2157 durchzusetzen, hatten jedoch an den langen Versorgungsrouten für ihre Navy mit ihrem traditionell eher schwachen Warpsystem zu leiden. Kämpfe fanden somit immer wieder verstreut und weniger koordiniert statt als geplant.

Umstieg auf Herstellung einfacher Schiffsklassen
Die Erde reagierte auf die Bedrohung, indem sie nach und nach auf Kriegswirtschaft umstellte, die Massenherstellung einfacher Schiffsklassen forcierte und sich auf die Verbesserung ihrer Warpantriebe konzentrierte, um die Schwäche des Gegners auszunutzen. Trotzdem erlitt sie die deutlich größeren Verluste. Erwähnenswert erscheint auch, dass in historischer Rückschau die Geheimdienste und Undercoveroperationen beider Seiten eine größere Rolle spielten als bislang angenommen.

Mit Fortgang der militärischen Auseinandersetzungen machten Verschleiß, Geräte- und Ressourcenknappheit beiden Kriegsparteien mehr und mehr zu schaffen. Hatten die Romulaner bereits vor und zu Beginn des Kriegs auf Massebeschleuniger und nukleare Waffen zurückgegriffen, ging auch die Erde aus Verzweiflung dazu über, einfachere Atomwaffen zu verwenden. Die Sternenflotte konnte sie hauptsächlich auf Vorposten und Konstruktionsanlagen abfeuern, während die Romulaner eine Reihe namhafter irdischer und erdnaher Kolonien schwer in Mitleidenschaft zogen. Auch setzten die Romulaner mit zunehmender Verfahrenheit der Kriegssituation verstärkt remanische Kampftruppen ein, welche in ihrer Rolle als Kanonenfutter die Sternenflotten-Verbände aufreiben sollten. Dieser entschlossene strategische Schwenk ermöglichte es dem Sternenimperium, deutliche Fortschritte zu erzielen und ins Kernterritorium der Vereinigten Erde einzufallen.

Glücklicherweise gelang es den Menschen zur selben Zeit, das Bündnis mit ihren Partnern zu erneuern, indem Captain Jonathan Archer die Auseinandersetzungen zwischen Andoria und Tellar schlichtete und auch mithalf, Vulkan zu befrieden. Als 2159 zunächst andorianische, später vulkanische und tellarite Verbände gegen die Invasoren in den Kampf geschickt wurden, wendete sich das Blatt allmählich.

Das romulanische Militär indes ließ die Alliierten für jedes System teuer bezahlen, das sie ihm abnahmen. Im Herbst 2160 endete der Krieg mit der legendären Schlacht von Cheron, bei dem die Romulaner mit ihrer Streitmacht eine empfindliche Niederlage erlitten und zur Kapitulation gezwungen werden konnten.

Ende und Nachkriegsphase

Die romulanische Heimatwelt im 22. Jahrhundert
Die Heimatwelten bekamen vom sich vier lange Jahre hinziehenden Krieg außer dem regelmäßigen Eintreffen von beschädigten Schiffen und verwundeten Offizieren sowie ständig erhöhter Alarmbereitschaft nur verhältnismäßig wenig mit. Trotzdem war die Opferzahl, die Raumkonfrontationen und Überfälle auf koloniale Standorte forderten, hoch. Das langwierige Kriegsgeschehen wurde gerade auf den demokratischen Koalitionswelten zu einer Belastung für die Bevölkerung, provozierte vielfältige Proteste und führte zu Erschütterungen im politischen System.

Auf der Erde reagierte die politische Führung angesichts des Drucks der Öffentlichkeit mit einem Schlingerkurs: Mal pochte man auf eine Intensivierung der Konfrontationen und bemühte sich um Sammlung, mal auf das Erschließen neuartiger Friedensinitiativen. Beides fand im sehnsüchtigen Wunsch seinen Ausdruck, den Krieg zu einem raschen Ende zu bringen. Auf Romulus kam es mit dem Stocken anfänglicher Erfolge vermehrt zu innenpolitischen Krisen, die sich wiederum auf die militärische Leistungsfähigkeit der romulanischen Flotte auswirkten.

Bemerkenswert ist, dass bis zum Ende des Kriegs - zumindest laut offizieller Berichte - kein Mensch je einen Romulaner zu Gesicht bekam. Das galt auch darüber hinaus, denn die Friedensverhandlungen wurden lediglich über Subraumkommunikation geführt. Die romulanische Politik willigte ein, keine weitere Expansion mehr in Richtung Alpha-Quadrant zu betreiben, und man verständigte sich auf die Einrichtung einer Neutralen Zone zwischen den Territorien der Alliierten und dem Sternenimperium. Dieser Puffer wurde kurz darauf verbindlich im Vertrag von Algeron festgelegt und anschließend ratifiziert.

Für die Romulaner bedeutete die Niederlage nicht nur eine Konsequenz zu längerfristiger Konsolidierung, sondern vielmehr eine tief greifende Identitätskrise, weil die alten Gebote unbegrenzter Expansion plötzlich nicht mehr uneingeschränkte Geltung beanspruchen konnten. Für das kommende Jahrhundert zogen sie sich hinter ihre Grenzen zurück und traten nicht mehr in Erscheinung. Einige Föderationsdiplomaten, die an der Aushandlung des Waffenstillstands federführend beteiligt gewesen waren, kritisierten, der Frieden sei mit einer Einmauerungstaktik erkauft worden und hätte jenseits des Bollwerks Neutrale Zone keine nachhaltigen Grundlagen für eine allmähliche Annäherung der beiden Parteien gelegt. Umso mehr schossen Gerüchte, Spekulationen und Befürchtungen ins Kraut, wie sich die Romulaner wohl künftig verhalten würden.

Der Irdisch-Romulanische Krieg als eine Keimzelle der Vereinten Föderation der Planeten
Vorerst waren die Folgen für die Erde und die anderen Kriegsgewinner allerdings äußerst positiv: Mit der gemeinsam gemeisterten Krise unmittelbar vor Augen, entstand ein finales Verständnis für die Wichtigkeit eines umfassenden Zusammenwirkens. Nur ein Jahr später verständigte man sich reibungslos darauf, die weit gediehenen Konzepte einer umfassenden politischen Union wieder aufzugreifen und ging sogar darüber hinaus. Als größte multilaterale Allianz im erforschten All entstand am 11. Oktober 2161 die Vereinigte Föderation der Planeten maßgeblich aus den Erfahrungen des Irdisch-Romulanischen Kriegs.

Einordnung

Im Lichte der Konfliktentwicklung ist es besonders verlockend, den Irdisch-Romulanischen Krieg als machtpolitisches Ausgreifen von romulanischer Seite (und demzufolge Selbstbehauptung vonseiten der Erde) zu deuten. Eine Frage stellt sich nämlich fast zwangsläufig: Hätte die Enterprise den Erstkontakt im Minenfeld nicht zufällig herbeigeführt, wie lange hätte es gedauert, bis es zu einer kriegerischen Auseinandersetzung beider Mächte gekommen wäre? Meinungsführer und die Mehrzahl der Historiker sehen im romulanischen Verhalten eine Zwangsläufigkeit und Konfrontationsnatur, und auch die Überlieferungen von Maximen um unbegrenzte Ausdehnung sprechen sicherlich dafür. Allerdings wäre es möglicherweise überstürzt, die romulanischen Ambitionen lediglich auf blanke Machtpolitik zu reduzieren, da gerade an dieser Stelle noch Forschungsbedarf besteht.

Es ist bekannt, dass dieses Volk Leidenschaft und Reflexion pflegt, um sich daraus ständig selbst zu beweisen. Provokante Theorien einzelner Geschichtswissenschaftler verweisen dahin, dass die Erde und ihre Scharnierrolle in einer aus romulanischer Perspektive antagonistisch anmutenden Allianz zu einer alten mythologischen Parabel referierten und daraus erst als besonderer Gegner perzipiert werden konnten. Denn trotz der allgemeinen Gier nach Ausdehnung, so ist doch fast von vorneherein die Verbissenheit und Fokussierung bemerkenswert, mit denen die Romulaner ihr Vorgehen gegen die Menschen lancierten. Ist eine Ideologie nun Kristallisationspunkt für dieses Verhalten oder gibt es andere Gründe? Die Kontroverse in der Historikerzunft hält an.

(jw - 28.07.12)

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