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Julian Wangler (jw)19.01.11

2151-2382: Spiel mit Glaskugeln

Kleine Geschichte der intergalaktischen Beziehungen

Teil 2 unserer "Space Politics"-Reihe befasst sich mit der Außenpolitik der Föderation vom 22. bis ins 24. Jahrhundert. Statt Zukunftsutopie ist hier knallharte Realpolitik gefragt, meint Julian Wangler.

Holodecks, Replikatoren, Transporter, Warpantriebe, Subraum und Wurmlöcher. In wissenschaftlicher Hinsicht ist nahezu alles, was wir in "Star Trek" zu Gesicht bekommen, utopisches Wunderwerk. Und schaut man auf die Föderation, ihre Prinzipien und ihre Verfassung (vgl. Roman "Die Gesetze der Föderation"), hat man es hier mit einer Gesellschaft zu tun, die in vielfältiger Weise geläutert und über das hinausgewachsen ist, was früher einmal für Konfliktstoff zwischen einzelnen Völkern gesorgt hätte.

"Spiel mit den Glaskugeln": Föderationsaußenpolitik über drei Jahrhunderte
Wie aber verhält es sich mit der Außenpolitik im Zeitalter von "Star Trek"? Vieles spricht dafür, dass an dieser Stelle die hehre Utopie unterbrochen wird. Die intergalaktischen Beziehungen des 22., 23. und 24. Jahrhunderts sind angefüllt mit Realpolitik: Mächte schmieden Zweckbündnisse, führen Scharmützel, ganze Kriege oder intrigieren. Auf der bunten politischen Sternenkarte wetteifern sehr unterschiedliche Blöcke um mehr Einfluss und eine Verbreitung ihrer eigenen Wertvorstellungen.

In unserer realen Welt nannte jemand wie Bismarck es das "Spiel mit den Glaskugeln". Gemeint waren fünf Großmächte in einem sich anbahnenden imperialistischen Zeitalter, die einander ebenso belauerten wie benutzten. Selbst in der weit entfernten Zukunft ist dieses Prinzip offenbar unangetastet geblieben. Die Föderation kann - anders als ihrem Innern - keine Schönwetterpolitik betreiben, sondern muss herunterkommen in die Niederungen knallharter Interessenkonflikte, um ihre Stellung zu verteidigen.

Dieser Essay will sich - auch unter Zuhilfenahme der "Star Trek"-Romane - folgender Fragen annehmen: Welche Mächte bestimmen maßgeblich die Geschicke des Quadrantengefüges? Welches sind die zentralen Konflikte in den drei Jahrhunderten, in denen "Star Trek" sich bewegt? Welche Akteurskonstellationen sind festgefahren, welche eher im Fluss? Schließlich gilt es zu klären: In welche Richtung entwickeln sich die Quadranten - und steuern sie gar auf neue Kriege zu?

22. Jahrhundert: Gründungsgewitter

Nimmt man die Sicht der Menschen und der späteren Föderation ein, ist das mittlere 22. Jahrhundert Ausgangspunkt für alle weiteren außenpolitischen Entwicklungen. Es wird bestimmt von einem eher lokalen und einem überregionalen Konfliktfeld. Die Erde, die gerade zu einer zivilen Mittelmacht in den sie umgebenden Stellargraden aufsteigt, kommt im Laufe der Reisen der Enterprise NX-01 in Kontakt mit einer Reihe von Völkern. Dabei ereignen sich, bedingt durch die Auswirkungen des Temporalen Kalten Kriegs, bereits mehrere Zusammenstöße mit dem klingonischen Reich (vgl. "Enterprise"-Folge 1x01/02: "Aufbruch ins Unbekannte") oder den Tholianern (vgl. "Enterprise"-Folge 2x16: "Die Zukunft").

Erste Kontakte baute man zu den Vulkianiern auf.
Intensivere Kontakte ergeben sich aber vorerst nur zu den Nachbarstaaten, vornehmlich den Vulkaniern und Andorianern (vgl. "Enterprise"-Folge 1x07: "Doppeltes Spiel"; 1x15: "Im Schatten von P'Jem"). Beide Völker tragen seit Jahrzehnten einen erbitterten territorialen Konflikt aus. Die Erde, die sehr genau weiß, dass sie als neuer Akteur von anderen Welten kritisch ob ihrer politischen Motivationen und ihrer bisherigen Abhängigkeit von den Vulkaniern beobachtet wird, kann dank Jonathan Archers Einsatz geschickt die Gelegenheit nutzen, sich in einer Streitschlichtung zwischen Andoria und Vulkan zu engagieren (vgl. "Enterprise"-Folge 2x15: "Waffenstillstand").

Hier sind es vor allem persönliche Kontakte, die es ermöglichen, Einfluss auf die vulkanische und andorianische Politik auszuüben. Bereits 2152 gelingt es der Sternenflotte so, einen vorläufigen Waffenstillstand zwischen beiden Mächten zu erwirken, was ihr erste Reputation in diplomatischen Angelegenheiten einspielt und eine politisch unabhängige Stellung gegenüber den lange Jahre vulkanischen Vormündern begründet. Hier wird das Fundament für ein erfolgreiches Verhandlungssystem gelegt, das später - unterbrochen von der Xindi-Krise - durch einen dauerhaften Dialog zum Beispiel mit den Tellariten (vgl. "Enterprise"-Folge 4x13: "Vereinigt"), aber auch anderen Rassen, erweitert wird. Es führt zur Gründung der Koalition der Planeten, eines friedlichen, dialogorientierten Interessenvermittlungs- und Ausgleichssystems.

Schon früh bildeten sich Spannungen zu den Romulanern heraus.
Das zweite Konfliktfeld hängt eng zusammen mit dem romulanischen Sternenimperium. Bereits frühzeitig ist diese stellare Großmacht aus dem Beta-Quadranten bestrebt, eine Blockbildung der kleineren Mittelstaaten im Umfeld der Erde zu verhindern. Die im Jahr 2154 stattfindende Marodeur-Krise (vgl. "Enterprise"-Folge 4x12/13/14: "Babel"/"Vereinigt"/"Die Aenar") ist ebenso ein Beispiel hierfür wie die romulanische Einmischung in die vulkanische Politik (vgl. "Enterprise"-Folge 4x07/08/09: "Der Anschlag"/"Zeit des Erwachens"/"Kir'Shara").

Obwohl nicht abschließend geklärt werden kann, weshalb das Sternenimperium eine Allianz der von den Menschen zusammengeführten Spezies so sehr fürchtet - und inwiefern dies eher militärisch-strategische oder weltanschauliche Gründe hat -, ist das Scheitern seiner Bemühungen, die Blockbildung zu vereiteln, Anlass, einen umfassenden Krieg gegen die Koalition der Planeten loszutreten. Das Ergebnis dieses Konflikts besteht in einer noch engeren Verbindung der Erde und ihrer Verbündeten, die schon ein Jahr nach Kriegsende in der Gründung der Vereinigten Föderation der Planeten aufgeht (vgl. "Enterprise"-Folge 4x22: "Dies sind die Abenteuer").

23. Jahrhundert: Chauvinistische Klingonen und revanchistische Romulaner

Als das 23. Jahrhundert anbricht, sind die Romulaner als feste Kontrahenten der Föderation gesetzt, obwohl nicht klar ist, wie sie sich in Zukunft verhalten werden und ob sie aktiv auf eine Revanche ihrer Kriegsniederlage aus sind. In den kommenden Jahrzehnten sind sie damit beschäftigt, sich die Wunden zu lecken, sodass die Phase 2200 bis 2250 ohne größere Auseinandersetzungen mit anderen Mächten verläuft. Die Föderation konzentriert sich auf sich selbst, auf den Ausbau ihrer Institutionen, die Aufnahme neuer Mitglieder und die Verbreiterung ihrer Handelsrouten (vgl. Classic-Roman "Burning Dreams").

Zu Beginn der zweiten Hälfte des 23. Jahrhunderts führt die aggressive Expansion des klingonischen Reichs - verstärkt um die Geschehnisse in der Taurus-Region (vgl." Vanguard"-Romane "Der Vorbote"; "Rufe den Donner"; "Ernte den Sturm") - jedoch schnell zu Friktionen, die sich schon in den 2150ern erstmals angedeutet haben. Mit dem Aneinanderstoßen der Grenzen kommt es mehr und mehr zu bewaffneten Auseinandersetzungen mit der Föderation, die sich vor dem Dilemma sieht, ihre freiheitlich-kooperativen Werte ebenso zu wahren wie die Sicherheit ihrer Kolonien. So eskalieren die Grenzkonflikte bis Mitte der 2260er immer mehr - ein offener Krieg scheint kaum noch vermeidbar.

Die Expansionspolitik der Klingonen bringt sie in Streit mit der Föderation.
Der glückliche Umstand, dass es bei einzelnen Gefechten und Schlachten bleibt und niemals zu einem Vernichtungskrieg zwischen beiden Mächten kommt, ist der rechtzeitigen Intervention der Organier anno 2267 zu verdanken (vgl. Classic-Folge 1x26: "Kampf um Organia"; "Vanguard"-Roman "Offene Geheimnisse"). Diese omnipotenten Wesen sehen in der gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen Klingonen und Föderation eine Bedrohung für die Galaxis und unterbinden den gerade ausgebrochenen Krieg. Dennoch befreit dies die Sternenflotte nicht von dem Problem, sich gegen eine äußerst territoriale und weit entwickelte Spezies im Notfall schützen zu müssen, zumal nicht sicher ist, wie lange die Organier ihre schützende Hand über die allgemeine Lage halten werden.

In etwa zur selben Zeit, als sich Föderation und Klingonen auf dem Höhepunkt ihres Konflikts gegenüberstehen, melden sich die Romulaner im galaktischen Konzert zurück. Anders als die nach offenem Kampf lechzenden Klingonen konfrontieren sie die Planetenallianz mit einem Verhalten der Hinterlist (vgl. Classic-Folge 1x14: "Spock unter Verdacht"). Anstatt einen erneuten Krieg zu riskieren, konzentrieren sie sich darauf, mithilfe einer neuartigen Tarntechnologie die Schwächen der Sternenflotte auszutesten, ebenso das Reizverhalten der Föderation, und mischen sich, möglichst unbemerkt, in zahlreiche Konflikte ein, die sie zu ihren Gunsten zu beeinflussen suchen.

Die kurzlebige Allianz zwischen Romulanern und Klingonen führt zu einem Technologieaustausch.
2268, kurz nachdem die Klingonen den angestrebten Krieg wegen der Einmischung der Organier abblasen mussten, ergibt sich eine für die Föderation äußert gefährliche Situation. Da die Kriegerrasse weiter danach strebt, ihren Einfluss zu vergrößern, denkt man auf Qo'noS nicht daran, frühzeitig aufzugeben. Plötzlich ergibt sich eine unvorhergesehene Interessenkonvergenz mit den Romulanern. Dies ist die außenpolitische Konstellation, in der Reich und Sternenimperium für einen kurzen Zeitpunkt in der Geschichte zusammenfinden, um ein strategisches Bündnis auszuhandeln. 2268 entsteht die Technologieallianz als Synergieunterfangen, das einzig und allein gegen die Föderation gerichtet ist (vgl. Classic-Folge 3x02: "Die unsichtbare Falle").

Obwohl Klingonen und Romulaner ergebnisoffen verhandeln und zunächst immerhin einen Austausch von Schiffen und mehreren Technologien durchführen, wobei unter anderem die klingonischen Streitkräfte in den Besitz der Tarnvorrichtung kommen, zeigt sich schnell, dass die traditionell schlechten und von Misstrauen zerfressenen Beziehungen zwischen Qo'noS und Romulus keine belastbare Grundlage für ein tragfähiges und längerfristiges Bündnis sind. So entpuppt sich die Technologieallianz als Episode ohne weiteres Anknüpfungspotential. Spätestens 2272, in der Schlacht von Klach D'Kel Brakt, brechen die alten Gräben zwischen den zwei Mächten wieder auf, und die leisen Anzeichen einer klingonisch-romulanischen Annäherung werden verschüttet (vgl. DS9-Folge 2x19: "Der Blutschwur"). Die Gefahr eines Schulterschlusses zweier zentraler Antagonisten ist für die Föderation gebannt.

Kanzler Gorkon leitet schließlich eine Neuausrichtung der klingonischen Allianzen ein.
In den kommenden Jahrzehnten treiben Reich und Sternenimperium weiter auseinander. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Klingonen spätestens 2293 durch die Explosion des Praxis-Mondes endgültig vor dem Scherbenhaufen überbordender Militarisierung stehen und notgedrungen einen Kurs der politischen Entspannung mit der Föderation beginnen müssen (vgl. "Star Trek VI: Das unentdeckte Land"). Sie können sich die alte Feindschaft nicht länger leisten, was im Widerspruch zu den Motiven des Sternenimperiums steht.

Zu Beginn des 24. Jahrhunderts beginnt dieses nämlich einen an und für sich untypischen Kurs politmilitärischer Aggression zu fahren. Es ist nicht klar, welche Ursachen dies hat, aber in der Phase 2300 bis 2311 beginnt die imperiale Flotte eine seit dem Krieg gegen die Koalition der Planeten nicht mehr gekannte Expansionswelle und unterjocht zahlreiche Welten. Letztlich führt 2311 eine Geheimdienstoperation, in der auch Elias Vaughn und Captain John Harriman von der U.S.S. Enterprise-B einbezogen sind, zu einem abrupten Ende der Auseinandersetzungen. Dieses als der Tomed-Zwischenfall in die Geschichte eingegangene Ereignis hat vermutlich einen politischen Umsturz auf Romulus zur Folge, der dann eine neue, fünfzigjährige Isolationismusperiode des Sternenimperiums auslöst (vgl. "Lost Era"-Roman "Serpents Among the Ruins").

Im 23. Jahrhundert, soviel ist zu ergänzen, gibt es noch weitere Mächte, die der Föderation gegenüber feindlich auftreten. 2267 vernichtet die Gorn-Hegemonie ohne Vorwarnung die VFP-Kolonie auf Cestus III (vgl. Classic-Folge 1x18: "Ganz neue Dimensionen"; TNG-Roman "Requiem"). Die echsenhaften Gorn reklamieren das Cestus-System zu ihrem Territorium. Zu diesem Zeitpunkt ist noch nicht abzusehen, in welche Richtung sich die Beziehungen zu dieser Spezies entwickeln werden. Allerdings scheinen die Gorn auch kein direktes Interesse an einer machtpolitischen Herausforderung der Föderation zu haben. Noch schwieriger zu durchschauen sind die ominösen Tholianer, deren territoriale Interessen und Politik von Geheimnissen bestimmt zu sein scheinen, die in den telepathischen Netzwerken dieses Volkes ruhen (vgl. Classic-Folge 3x09: "Das Spinnennetz"; "Vanguard"-Roman "Der Vorbote").

24. Jahrhundert: Kriege, Krisen, Katastrophen

Trotz des glimpflichen Konfliktendes, welches der Tomed-Zwischenfall herbeiführte, ist die Frühphase des 24. Jahrhunderts für die Föderation außenpolitisch keineswegs gesichert. Obwohl die Khitomerverträge mit Qo'noS große Fortschritte gemacht haben, wächst die Sorge vor einer antikollaborativen Politik seitens der Klingonen, die die friedliche Ausdehnung der Planetenallianz mit großem Missfallen beobachten. Immer wieder zeigt sich, wie angespannt das Verhältnis zwischen Föderation und Klingonen - formell nun alliiert - noch ist. Anfang der 2320er bricht ein Rüstungswettlauf aus: Auf die Entwicklung der neuen Ambassador-Kreuer reagiert das Reich mit der Vor'Cha-Klasse, einem schwer bewaffneten Schlachtschiff.

Neue Großmacht: Die Cardassianer
In diesem Zeitraum betritt die cardassianische Union als neue Großmacht die galaktische Bühne und eckt sogleich mit den etablierten Blöcken an (vgl. Classic-Comic: "Enter the Wolves"). Die Cardassianer sind mitverantwortlich für den Betraka-Nebel-Zwischenfall, einen der komplexesten Konflikte in der Geschichte von Alpha- und Beta-Quadrant. Er läuft von 2328 bis 2346 und involviert neben ihnen selbst auch die Klingonen und Romulaner. Erstmals tobt ein tiefgreifender Konflikt, von dem die Föderation nicht unmittelbar betroffen ist, jedoch kraft Diplomatie alles daran setzten muss, einen Dreifrontenkrieg zwischen den anderen Großmächten zu verhindern (vgl. "Lost Era"-Roman The Art of The Impossible").

Während der Betraka-Nebel-Zwischenfall in seiner ersten Phase vornehmlich eine bilaterale Angelegenheit zwischen Cardassianern und Klingonen ist, weitet er sich in der Schlussphase deutlich aus. 2344 beschließen die Romulaner, ihre zweite außenpolitische Isolation zu beenden, und befinden die Konfliktsituation zwischen Cardassia und Qo'noS für günstig, eine Reihe von klingonischen Kolonien anzugreifen und das Reich so zu schwächen.

Als sich in der Schlacht von Narendra III die U.S.S. Enterprise-C unter Captain Rachel Garrett bei der Verteidigung eines klingonischen Außenpostens opfert, führt dies zu einer Veränderung der Akteurskonstellationen (vgl. TNG-Folge 3x15: "Die alte Enterprise"). Die Klingonen wollen sich ihre Reibungsverluste mit den Cardassianern nicht länger leisten, nähern sich der Föderation an und beginnen sich auf den romulanischen Gegner zu konzentrieren, der 2346 mit der Vernichtung der Khitomer-Kolonie erneut brutal zuschlägt (vgl. TNG-Folge 3x17: "Die Sünden des Vaters"). Die Cardassianer wiederum, nun befreit von der lästigen Feindschaft mit Qo'noS, verlegen sich darauf, die Föderation machtpolitisch herauszufordern - der lange Betraka-Nebel-Zwischenfall endet.

Vermehrt treffen Cardassianer und Föderation im Kampf aufeinander.
In den späten 2340er und frühen 2350er Jahren kommt es vermehrt zu Zusammenstößen von Sternenflotten- und cardassianischen Schiffen. Die cardassianische Führung erachtet den Zeitpunkt für richtig, weil die Föderation parallel mit den Tzenkethi, einer anderen Mittelmacht, in Kämpfe verwickelt ist (vgl." Typhon Pact"-Roman "Rough Beasts of Empire"; DS9-Folgen 4x11/12: "Die Front"/"Das verlorene Paradies"). Das cardassianische Militär verfolgt hierbei eine gezielte Provokationstaktik, indem es immer wieder die expansive Revidierung seiner Grenzen erklärt. Die Sternenflotte versucht dieser Gefahr mit konsequenter Patrouillenpolitik zu begegnen, bleibt hinter ihren Grenzen und ist bemüht, gleichsam beschwichtigend wie ignorierend mit der cardassianischen Herausforderung umzugehen.

Langfristig kann sie jedoch nicht bei einer rationalen Politik bleiben. Immer wieder sorgen cardassianische Schiffe für Provokationen am Rand des Föderationsraums; es handelt sich um absichtliche und gut organisierte Versuche, Vergeltungsschläge herauszufordern. Da es die Cardassianer häufig mit zivilen Kolonisten anstelle von disziplinierten Sternenflotten-Offizieren zu tun bekommen, erreichen sie ihre Ziele. Aus Meinungsverschiedenheiten werden Auseinandersetzungen und führen zu Scharmützeln, die schließlich in Kämpfe und Schlachten eskalieren - jedoch ohne offizielle Kriegserklärung der beiden Seiten. Überall entlang der cardassianischen Grenze entstehen Krisenherde, bis der Föderation nichts anderes mehr übrig bleibt, als militärisch zu intervenieren.

Den Höhepunkt des zusehends emotional geführten Grenzkonflikts stellt das Setlik-Massaker dar (vgl. TNG-Folge 4x12: "Der Rachefeldzug"). Getrieben von dem Glauben, die Föderation stationiere auf ihrer entlegenen Kolonie, Setlik III, eine geheime Abschlussbasis mit Massenvernichtungswaffen, die auf empfindliche Punkte in cardassianischem Raum zielen, initiiert das cardassianische Militär eine brutal geführte Säuberungsaktion, bei der über hundert Föderationskolonisten ums Leben kommen.

Nach dem Rückzug der Cardassianer errichtet die Föderation eine Präsenz auf der zurückgelassenen Station Terok Nor.
Das Verhältnis zwischen beiden Regierungen verschlechtert sich wie nie zuvor. Doch eine bewaffnete Auseinandersetzung neuer Größenordnung bleibt aus: Selbst die cardassianische Seite scheint das Setlik-Massaker aufgeschreckt zu haben, sodass sich im weiteren Verlauf der 2350er nur mehr vereinzelte Scharmützel ereignen, die zu Beginn der 2360er Jahre fast vollständig zurückgehen. Dies ist Luft, die die Föderation in Anbetracht des kurzen Kriegs gegen die Tzenkethi 2362-64 nur allzu gut gebrauchen kann (vgl. DS9-Folgen 3x26: "Der Widersacher"; 4x11/12: "Die Front"/"Das verlorene Paradies"; "Typhon Pact"-Roman "Rough Beasts of Empire").

Die Probleme, welche die Cardassianer mit der Überdehnung ihres schnell errichteten Imperiums haben, zwingen sie bald schon zu Konzessionen. 2369 ziehen sie sich von Bajor, einem fünfzig Jahre ausgeplünderten Planeten an der Grenze der Föderation, zurück. Drei Jahre zuvor haben sich Cardassianer und Föderation bereits auf die Neuordnung ihrer Grenzen und die Einrichtung einer Entmilitarisierten Zone geeinigt, was jedoch neue Probleme mit sich bringt: Ehemalige Föderationswelten liegen nun in cardassianischem Raum, und manche Siedler weigern sich, ihr Zuhause zu räumen.

Dies ist die Geburtsstunde des Maquis, einer Bewegung selbsternannter Freiheitskämpfer, die einen eigenen Krieg gegen die Cardassianer zu führen beginnt und nicht davor zurückschreckt, kriegerische Mittel einzusetzen (vgl. DS9-Folgen 2x20/21: "Der Maquis I/II"; 5x13: "Für die Uniform"). Alles in allem stellen die Probleme, die der Maquis verursacht, die Beziehungen zwischen Erde und Cardassia auf eine harte Probe. Doch die Cardassianer sind auf Entspannung angewiesen; sie nehmen die Probleme in der EMZ zähneknirschend hin.

Die Borg führen zwei beinahe vernichtende Schläge gegen die Föderation aus.
Nachdem die Föderation die zwei schwerwiegenden Borgkrisen der Jahre 2366 und 2373 überwindet (vgl. TNG-Folgen 3x26/4x01: "In den Händen der Borg"/"Angriffsziel Erde"; "Star Trek: Der erste Kontakt"), löst das im Gamma-Quadranten ansässige Dominion einen Krieg im Alpha-Quadranten aus. Die cardassianische Führung wittert im Vorfeld Oberwasser und verbündet sich mit den Invasoren. Vor und im Laufe des Kriegs sucht sich das Dominion weitere Vasallenmächte auf der anderen Seite der Galaxis, darunter die Miradorn, die Gorn und die Breen. Sogar die Romulaner unterzeichnen zunächst einen Nichtangriffspakt (vgl. DS9-Folge 5x26: "Zu den Waffen!"). Allerdings gelingt es Captain Benjamin Sisko, das Sternenimperium mit einem Trick auf die Seite der Föderation zu ziehen (vgl. DS9-Folge 6x19: "Im fahlen Mondlicht").

Wenngleich die Allianz aus Klingonen und Föderation das Dominion am Ende des zweijährigen Kriegs besiegen und in den Gamma-Quadranten zurückdrängen kann, bleiben bestimmte Akteurskonstellationen festgefahren: Während die seit dem Khitomervertrag eingesetzte Annäherung zwischen Klingonen und Föderation zu einem weit reichenden Bündnis führt, bleiben die Romulaner unberechenbar und sehen im Schulterschluss von Reich und Planetenallianz eine langfristige Bedrohung ihrer Machtinteressen im nach dem Krieg neu zu ordnenden Quadrantengefüge.

Gleichzeitig büßen sie durch innenpolitische Konflikte, die in der Spaltung ihres Reichs münden, stark an Handlungsfähigkeit ein (vgl. Roman "Die Gesetze der Föderation"). Gorn und Breen sind ebenso wie die Tholianer und Tzenkethi als kleinere Mächte potentielle Rivalen der Föderation, wohingegen die cardassianische Union aus der Riege der Großmächte herausfällt und ein Vakuum hinterlässt, in das andere Staaten stoßen wollen.

Unter Kanzler Martok gehen die Beziehungen zwischen Föderation und klingonischem Reich in eine neue Phase über.
Die Jahre 2376 bis 2382 bilden eine Phase des Wiederaufbaus und der wenig eindeutigen Verhältnisse (s. Romanreihe DS9-Relaunch). Es gibt ebenso Anzeichen für außergewöhnliche Kooperationen zwischen ehemaligen Feinden wie auch für rücksichtslose Eroberung. Die Klingonen versuchen erstmals, ihre Freundschaft mit der Föderation zu halten und gleichzeitig im Kavrot-Sektor massiv zu expandieren (s. Romanreihe "Gorkon/Klingon Empire").

Erst die letzte große Borginvasion, die eine Schneise der Verwüstung in Alpha- und Beta-Quadrant zurücklässt, bewirkt eine nachhaltige Veränderung der politischen Verhältnisse (s. Romanreihe "Destiny"). Nachdem die Borg besiegt sind, ergreift das geschwächte romulanische Sternenimperium hinter den Kulissen die diplomatische Initiative. Es gelingt, ein umfassendes Bündnis zu schmieden, zu dem eine Vielzahl kleinerer und mittlerer Mächte zählen und die Föderation und ihre klingonischen Alliierten nahezu auskreisen. Ein neuer kalter Krieg bahnt sich an (vgl. unter anderem die Romane "Einzelschicksale"; "Typhon Pact: Zero Sum Game"; "Seize the Fire"; "Paths of Disharmony").

Schlussfolgerungen

Die Erde und spätere Föderation befand sich mit jeder Großmacht in Alpha- und Beta-Quadrant irgendwann im Konflikt: den Romulanern, Klingonen und der cardassianischen Union. Während die Feindschaft mit Qo'noS sich binnen eines Jahrhunderts in eine feste Allianz verwandelte, verblieb das Verhältnis zu Romulus schwierig und weit unberechenbarer. Die Cardassianer leisteten sich vor allem durch den Dominion-Krieg eine erbitterte Gegnerschaft mit der Föderation, sodass abzuwarten bleibt, wie das Verhältnis zum neuen, zivilen Cardassia sich entwickeln wird.

Mit dem sich bildenden Typhon-Pakt als Gegenüber steuert die Föderation einer ungewissen Zukunft entgegen.
Bislang konnte sich die Föderation glücklich schätzen, dass sie in verschiedenen außenpolitischen Großwetterlagen meistens immer nur einen zentralen Gegner hatte. Waren es mehrere, dann befanden diese sich auch untereinander im Konflikt, oder ihr Bündnis stellte sich als nicht tragfähig heraus. Abgesehen von einer kurzen Phase im 23. Jahrhundert, in der die Gefahr bestand, Klingonen und Romulaner könnten gemeinsame Sache machen, verknüpften sich erst im Dominion-Krieg mehrere Akteurskonstellationen miteinander, was auf die geschickte Interessenvermittlung der Gründer zurückging.

Auch wenn die Supermacht vom anderen Ende der Galaxis eine Niederlage einstecken musste, verblieb eine extreme Polarisierung im interstellaren Gefüge von Alpha- und Beta-Quadrant, die sich Anfang der 2380er erheblich ausweitete. Das Prinzip der verknüpften Akteurskonstellationen verstärkt sich jetzt noch mehr: In "Einzelschicksale" erleben wir, wie das Quadrantengefüge, das bislang aus einer Vielzahl unterschiedlich großer und einflussreicher Mächte bestand, in zwei antagonistische Blöcke aufgeht. Eine Revolution auf der politischen Sternenkarte. Die weitere Entwicklung ist unklar.

Hinweis: Dieser Artikel ist auch erschienen im "Star Trek"-Roman "Einzelschicksale" (Cross Cult 2010).

(jw - 23.07.12)

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