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Henning Koonert (hk)23.12.08

To boldy go - Kakan ni Shinkou

"Star Trek" als Manga

Große Augen, kindliche Gesichter, Schweißtropfen auf der Stirn. So kennt man sie, die Mangas, Comic-Erzählungen im japanischen Stil. Und das im "Star Trek"-Universum? Ja. Es ist gewöhnungsbedürftig, aber wer sich darauf einlässt, wird mit einigen schönen Geschichten belohnt.

Zwei Firmen halten derzeit Lizenzen für die Herausgabe von "Star Trek" in Comic-Form. Während der amerikanische Verlag IDW Publishing "Star Trek"-Geschichten im traditionellen westlichen Comic-Stil veröffentlicht, hält das japanische Verlagshaus Tokyopop seit 2006 die Rechte für Erzählungen mit den Charakteren aus der Classic-Serie und der "Next Generation" im Manga-Stil. Seither ist in jedem Jahr ein neuer Band mit Captain Kirk und seiner Crew erschienen, für April 2009 ist ein erster Band mit Abenteuern der TNG-Charaktere angekündigt.

Cover des ersten "Star Trek"-Mangas "Shinsei Shinsei"
In Japan sind Mangas seit langem eine der Hauptsäulen des Verlagswesens, statistisch kauft sich laut Wikipedia jeder Japaner 15 Stück im Jahr und insgesamt machen sie dort fast 40 Prozent aller Drucksachen aus. Während die Mangas im Land der untergehenden Sonne schon lange ein fester Bestandteil der Kultur sind, haben sie sich auch in westlichen Ländern mittlerweile zu weit mehr als einem Nischenmarkt entwickelt. Angesichts dieser wachsenden Beliebtheit war es im Grunde nur eine Frage der Zeit, bis "Star Trek" sich diesem neuen Medium öffnen würde.

Die Frage ist: War das auch eine gute Idee? Ich meine: Ja, wenn auch mit Abstrichen. Wer Mangas mag und "Star Trek" auch, der wird seine Freude an den Abenteuern haben. Wenn Sie "Star Trek" mögen, aber dem Franchise schon in Comic-Form nie etwas abgewinnen konnten, dann werden Sie auch an den Mangas kaum Gefallen finden, denn gegenüber gewohnten Comics muss man hier einige Abstriche machen. Wenn Sie sich nun denken: "Star Trek" kenn ich, Mangas nicht so, klingt aber ganz interessant, dann können ein paar weitere Informationen nicht schaden. Werfen wir also einen genaueren Blick auf das, was einen in "Star Trek: The Manga" erwartet. Die Manga-Hefte tragen zwar stilgerecht japanische Titel, es handelt sich aber in Wirklichkeit um OEL Mangas, also solche, die im Original auf Englisch erscheinen. Wer nicht auf Englisch lesen möchte, schaut allerdings bei den Mangas ebenso wie bei den Trek-Comics zurzeit in die Röhre. Obwohl Tokyopop auch zahlreiche Manga-Reihen auf Deutsch herausbringt, ist über Pläne für eine Übersetzung der "Star Trek"-Reihe derzeit nichts bekannt.

Mit "Shinsei, Shinsei", was auf Deutsch soviel heißt wie "Neues Leben, neuer Stern" feierte "Star Trek" im September 2006 seine Manga-Premiere. Die war für den Comic-Leser aber Manga-Neuling erst einmal gewöhnungsbedürftig. Das Cover kommt zwar schmuck in Farbe daher, der Innenteil jedoch ist komplett in Schwarzweiß gehalten. Auch die Papierqualität ist nicht die aus Comics gewohnte, sondern lässt sich eher mit der der Trek-Romane vergleichen. Fairerweise muss man sagen, dass sich das auch im Preis widerspiegelt, so ist jeder der Trek-Mangas derzeit bei Amazon für unter zehn Euro erhältlich.

Aus Wil Wheatons Geschichte im zweiten Manga
Dazu muss der Trek-Fan als Leser neben den gewohnten Spitzohren bei den Geschichten einiger Zeichner auch mit spitzen Nasen und kantigen Kinns fertigwerden, bei anderen hingegen schauen Kirk und Spock so jung aus, als hätten sie gar erst vor kurzem Schnuller und Windel beiseite gelegt. Nun ist einem auch als Comic-Leser eine gewisse Bandbreite in der Darstellung etablierter Charaktere bekannt, im Medium Manga scheinen den Zeichnern allerdings noch weitere Freiräume gewährt worden zu sein, die Charaktere wirken deutlich stilisierter. So ist der einzig vernünftige Lackmustest: Erkennt man, wen die gezeichnete Person darstellen soll? In den allermeisten Fällen stellt das kein Problem dar, ab und an muss man ein zweites Mal hinschauen und nur ganz selten konnte ich beim besten Willen nicht ausmachen, ob dort vor mir Chekov, Sulu oder Scotty gezeichnet steht.

Im Gegensatz zu den Zeichnungen stehen die Geschichten der Mangas, fünf an der Zahl sind es in diesem ersten Band, ganz in der Tradition der "Star Trek"-Historie. Einige stehen für sich allein, andere sind lose mit den TV-Episoden verknüpft und eine dritte Gruppe findet Antworten auf Fragen, die in der Serie selbst nicht gegeben wurden. Zu diesen zählt gleich die erste Story im Band, die eine mögliche Antwort auf den Ursprung der Borg findet, welche sich schön in den Trek-Kanon einfügt. Die zweite Geschichte spielt nach der Folge "Notlandung auf Galileo 7", danach gibt es einen Kampf der Geschlechter, gefolgt von einer Story mit Anklängen an die Folge "Brautschiff Enterprise", bevor der Manga mit einer Allegorie auf das Erwachsenwerden schließt.

Die erste Geschichte hat mir von allen im Band am besten gefallen, doch auch die übrigen waren interessant genug, sodass ich mir ein Jahr später den zweiten Manga aus der Trek-Reihe bestellte. Dieser trägt den Titel "Kakan ni Shinkou", was nichts anderes als die japanische Übersetzung des "Star Trek"-Mottos "To boldy go" ist. Von der Aufmachung her ist er mit dem ersten Band vergleichbar und auch diesmal gibt es fünf voneinander unabhängige Geschichten. Dabei finden sich unter den Autoren diesmal zwei bekannte Gesichter: Das vierte Abenteuer stammt aus der Feder von Trek-Roman-Autorin Diane Duane und die erste Geschichte stammt von niemand anderem als Wil Wheaton, der Trek-Fans natürlich als Wesley Crusher aus "The Next Generation" bekannt ist und hier sein Talent als Autor beweist. Er schickt die Enterprise-Crew auf die Suche nach neuen Dilithium-Kristallen, wobei sie sich inmitten eines Kriegsgebiets wiederfindet.

Auch die dritte Geschichte aus diesem Band bleibt im Gedächtnis: Sie spielt nach der Folge "Ich heiße Nomad" und stellt Uhura in den Mittelpunkt, die nach ihrem Gedächtnisverlust ihren Nutzen für das Schiff unter Beweis stellt. Besonders dumm hingegen fand ich die letzte Story aus dem Band. Dass auf Vulkan unter anderem durch Übertragung von tierischen Genen auf einen vulkanischen Jungen eine Massenhysterie ausbricht, in Folge derer sich vulkanische Horden zombiehaft in stumpf mordende Aggressionsbündel verwandeln, mag einfach nicht so recht in meine Vorstellung vom Trek-Universum passen...

Cover des ersten TNG-Magas
Der im Sommer 2008 erschienene dritte Band, mit dem Titel "Uchu" oder "Universum" auf Deutsch, war für mich der bisher beste der Reihe und wer einen Trek-Manga mal zum Probieren lesen möchte, sollte zu diesem Exemplar greifen. Perfekt hingegen ist er nicht, denn drei richtig guten Storys steht eine in meinen Augen fürchterlich schreckliche gegenüber. Beginnen wir mit dem Guten: Wil Wheaton hat erneut eine Geschichte geschrieben und sein Abenteuer, in dem Kirk und ein Klingone sich für ihre gegenseitige Überlebenshilfe verantworten müssen, stellt die verschiedenen Weltsichten von Föderation und Klingonen schön dar. Die dritte Story im Band ist eine wunderbare Charakterstudie (Ja, auch im Comic-Format ist das möglich!) zu Spock, der in einer Kommandosituation mit seiner Menschlichkeit konfrontiert wird. Das letzte Abenteuer im Band greift in alter Trek-Tradition eine gesellschaftlich relevante Frage auf und beleuchtet anhand einer außerirdischen Zivilisation die Frage nach der Gleichstellung verschiedener Gruppen in einer Gesellschaft.

Den Wehrmutstropfen in diesem Band bildet die Story von "Kennen Sie Tribbles?"-Autor David Gerrold, wobei das zu gleichen Teilen Autor und Zeichner anzulasten ist. Sie basiert auf einem von Gerrold verfassten Drehbuch für die Classic-Serie, das nie umgesetzt wurde, und handelt von einem niedlichen außerirdischen Geschöpf, das von den Gefühlen der Enterprise-Crew beeinflusst wird. Während ich das Konzept allein schon nicht aufregend fand, geben die Zeichnungen dem Ganzen den Rest, denn dieses Geschöpf schaut auch noch ähnlich aus wie Bussi Bär.

Abschließend bleibt nach drei erschienenen "Star Trek"-Mangas zu sagen, dass das Franchise mit diesem Medium verdient um eine Facette reicher geworden ist. Die Zeichenstile sind gewöhnungsbedürftig, doch dadurch auch frisch und während die Geschichten nicht alle überdurchschnittlich sind, ist die Mehrzahl doch so interessant, dass ich mich auf den vierten "Star Trek"-Manga freue: "Boukenshin" soll er heißen, im April 2009 erscheinen und erstmals die Crew um Captain Picard in den Mittelpunkt stellen. Eine der Storys stammt dabei erneut von David Gerrold - ich hoffe nur, dass dann nicht auch wieder Bussi Bär mit von der Partie ist.

(hk - 29.12.09)

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