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Melanie Brosowski (mb)01.08.08

"Das wahre Ungetüm ist und bleibt der Mensch"

TZN-Interview mit Autor Torsten Scheib

Nur wenigen Menschen ist es vergönnt, dass ihre Werke veröffentlicht werden. In diesem Interview stellt sich der Autor Torsten Scheib den Fragen von Melanie Brosowski.

TrekZone Network: Wer ist Torsten Scheib?

Torsten Scheib: Gute Frage, manchmal weiß ich das selbst nicht so ganz genau ... Nein, ernsthaft: Geboren wurde ich 1976 in Ludwigshafen am Rhein, wo ich auch noch heute lebe. Nach einer kurzen "Karriere" am Gymnasium beendete ich schließlich 1994 die Realschule und schmiss mich gleich ins Berufsleben - großer Fehler. Handwerkliche Berufe sind nun mal nichts für Menschen mit zwei linken Händen, eine Tatsache, die ich auf höchst unschöne Art und Weise erfahren durfte.

"Geläutert" erlernte ich letztlich den Beruf, den ich auch noch heute ausführe: Verkäufer im Groß- und Außenhandel, genauer gesagt für Baustoffe. Und im Großen und Ganzen macht mir der Job eigentlich auch meistens Spaß. Tja, was gibt es sonst noch groß über mich zu erzählen? Ist es erwähnenswert, dass ich unheimlich gerne düstere Phantastik (man könnte auch Horror dazu sagen) lese und seit mittlerweile auch schon knapp fünf Jahren Kurzgeschichten und Erzählungen schreibe?

TZN: Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Scheib: Ich glaube, jeder, der gerne und viel liest, kommt eines Tages an einen Punkt, an dem er sich selbst fragt: "Könnte ich so was vielleicht auch...?" So ungefähr war es auch bei mir. Außerdem gehörte ich schon während meiner Schulzeit stets zu den schreibfreudigsten Aufsatzschreibern in der Klasse. Wenn es hieß "maximal drei Seiten" wurden bei mir meistens locker doppelt so viele daraus ... An die mürrischen Gesichter meiner damaligen Lehrer kann ich mich noch lebhaft erinnern.

Die Schreibwut von damals hätte rückblickend für mich auch ein Hinweis sein können, wurde aber nicht erkannt. Typisch... Andernfalls hätte ich vielleicht schon viel früher mit dem Schreiben angefangen. Als 2003 der - inzwischen nicht mehr existierende - Lacrima-Verlag im Netz die Ausschreibung für die Fantasy-Anthologie "Avalon 1" (ein zweiter Band sollte nicht mehr folgen) bekannt gab, versuchte ich einfach mein Glück - und hatte selbiges. Insofern ist es schon etwas ironisch, dass meine erste Veröffentlichung ausgerechnet eine Fantasy-Story war, da ich zugegebenermaßen nie besonders viel mit dem Genre anfangen konnte ("Herr der Ringe" mal ausgenommen). Und von da an hatte ich Blut geleckt und kann mittlerweile auf zirka 30 Geschichten und Erzählungen zurückblicken, die in weiteren Anthologien beziehungsweise Fanzines oder anderen Publikationen erschienen sind.

TZN: Deine aktuellste Veröffentlichung ist "Gesichter einer Stadt" in der Anthologie "Dark Future". Wie ist diese Geschichte entstanden? Und wie waren die Reaktionen darauf?

Scheib: Zuerst aufgefallen ist mir natürlich die Ausschreibung, die unter anderem auch im Horror-Forum gepostet wurde, wo ich seit mehreren Jahren Mitglied bin. Außerdem übte der Titel - "Dark Future" - einen gewissen Reiz auf mich aus. Gewissermaßen sah ich hier eine Möglichkeit, meinen Horror-Background mit einem düsteren, futuristischen Setting zu verknüpfen. Dabei kam mir als Erstes der Anblick eines Molochs von Stadt in den Sinn; vergleichbar vielleicht mit den urbanen Alpträumen und Visionen, die man aus Filmen wie "Blade Runner", "Jahr 2022 ... die überleben wollen" oder "Star Wars" kennt. Wo sich in den höchsten Türmen die Reichen und Schönen selbst feiern und immer dekadenter werden, während es unten ums bloße Überleben geht und Gewalt an der Tagesordnung steht.

Nihilistisch geprägte Zeitgenossen werden jetzt vielleicht denken, dass wir ja inzwischen zumindest stellenweise schon solche Verhältnisse haben ... nun, dem kann ich zwar nicht hundertprozentig zustimmen, verneinen will ich es aber auch nicht ganz. Jedenfalls war dieses Bild die Ausgangssituation meiner Geschichte, die während des Schreibens praktisch ein Eigenleben bekam. Die Pro- und Antagonisten musste ich mir jedenfalls nicht aus den Fingern saugen; die waren plötzlich da. Hört sich merkwürdig an, entspricht aber definitiv der Wahrheit. Was die Reaktionen betrifft, so weiß ich bislang von mindestens einer Person, der die Story gut gefallen hat... Auf weitere Kritiken bin ich gespannt, aber da "Dark Future" erst unlängst erschienen ist, wirds wohl noch ein Weilchen dauern.

TZN: Wenn man sich so deine Homepage ansieht, merkt man sofort, dass dein Schwerpunkt auf Horror liegt. Warum?

Scheib: "Homepage" ... das hört sich so professionell an, und wenn ich nicht so geizig und faul wäre, wäre meine Seite das auch... Horror fasziniert und begeistert mich im Grunde schon seit Kindheitsbeinen an. Erst waren es die düsteren LP-Cover diverser Hard-Rock- und Heavy-Metal-Bands aus der Plattensammlung meines großen Bruders, schließlich die "Gespenstercomics" und die Romanhefte von Dan Shocker, gefolgt von Autoren wie Stephen King. Ich kann es mir auch nicht erklären, aber sobald irgendwo der Begriff Horror fällt, horche ich auf. Man kann also sagen, dass ich mich gerne grusle.

Allerdings hat das Genre - ähnlich wie die Science-Fiction - meiner Meinung nach wesentlich mehr zu bieten als Gänsehaut und kalte Schauder. Wenn zur Furcht auch noch beispielsweise subtile Anspielungen - etwa zu diversen gegenwärtigen Zuständen - hinzukommen, kann Großartiges entstehen, das oftmals aussagekräftiger und kraftvoller in seiner Aussage sein kann als so manches hochgelobte Werk der allgemeinen Belletristik. Auch in meinen jüngsten Werken finden sich immer mehr dieser Elemente wieder. Für mich sind sehr viele der gegenwärtigen nationalen und globalen Entwicklungen mindestens genau so furchteinflößend wie blutsaugende Vampire oder menschenhassende Dämonen. Das kann und darf man einfach nicht ignorieren, wie ich finde. Aber mal davon ganz abgesehen, habe ich mich zwar auch schon in anderen Genres versucht, doch am trittsichersten bin ich nun mal im Horror. Aber vielleicht ändert sich das ja auch noch eines schönen Tages, wer weiß...?

TZN: Verkauft es sich gut?

Scheib: Wenn damit die "Dark Future"-Anthologie gemeint ist, bitte die Herausgeber fragen. Gleiches gilt im Grunde auch für alle anderen Geschichten, die ich bislang veröffentlicht habe und die ausschließlich in diversen Kleinverlagen erschienen sind. Allgemein bin ich der Meinung, dass die Leute wieder vermehrt zum Horror greifen, was wohl auch - und damit kehren wir wieder zur letzten Frage zurück - an den gegenwärtigen Lagen liegt, die wir erleben. Es mag sich ironisch anhören, aber ich glaube, dass es da draußen sehr viele Leser gibt, die im Lesen und Erleben eines Horrorromans oder -films auch eine gewisse Erlösung und/oder Bestätigung suchen, dass es immer noch schlimmer sein könnte. Angesichts von Fanatikern, die Flugzeuge in Wolkenkratzer jagen oder kranken Individuen, die ihre Töchter jahrelang in Kellern einsperren, sicherlich keine leichte Aufgabe; zugegeben. Das wahre Ungetüm ist und bleibt nun mal der Mensch.

TZN: Mit "Unter Monstern" (Erzählung) in "Liberate Me" (2006) belegtest du den 5. Platz beim Deutschen Phantastik-Preis 2007. Was ist das für ein Wettbewerb und was ist es für ein Gefühl, so weit nach vorne gekommen zu sein?

Scheib: Das wäre schön gewesen, stimmt aber nicht ganz. Die Anthologie belegte letztes Jahr den 5. Platz beim DPP, genauer gesagt in der Kategorie "Beste Original-Anthologie/Kurzgeschichten-Sammlung". Von ganzem Herzen hätte ich den Machern, Sven Kössler, Werner Placho und Walter Diociaiuti einen Sieg gewünscht. Allerdings nicht, weil ich dort vertreten war, sondern weil die drei einfach sehr viel Arbeit und Herzblut in das Projekt investiert hatten. Vielleicht gelingt ihnen ja mit ihrer neusten Veröffentlichung "Creatures" der große Wurf. Ich bin dort übrigens auch wieder vertreten, falls es von Interesse ist...

TZN: Woran schreibst du gerade?

Scheib: An mehreren Sachen gleichzeitig. Da sind zum einen zwei Kurzgeschichtensammlungen, die hoffentlich demnächst das Licht der Welt erblicken werden und sich allmählich auch mit Inhalten füllen. Zum anderen ist für 2009 ein drittes Projekt vorgesehen, das zwar inzwischen angelaufen ist, über das ich allerdings noch nicht sprechen möchte.

TZN: Hast du schon mal daran gedacht, statt Kurzgeschichten ein Buch zu veröffentlichen?

Scheib: Und ob! In meiner Schreibtischschublade gibt es ein kleines schwarzes Notizbuch, das gefüllt ist mit diversen Einträgen und Ideen - darunter auch mehrere, jedoch bislang nur grob entworfene Plotentwürfe für Romane. Allerdings sehe ich mich noch nicht reif dafür. Noch fehlen mir einfach Ausdauer und Beharrlichkeit. Mit der Betonung auf "noch."

TZN: Wie siehst du die derzeitige Szene auf dem Sci-Fi/Fantasy-Buchmarkt?

Scheib: Dass mittlerweile deutlich weniger gelesen wird als noch vor etwa zehn Jahren, ist ja allgemein bekannt; ganz abgesehen von der zweiten Tatsache, dass die Leute immer weniger in ihrem Geldbeutel haben und Papier nun mal keinen Magen füllen kann. Außerdem sind Medien wie DVDs oder Spielekonsolen natürlich mächtig auf dem Vormarsch. Allerdings bin ich der Meinung, dass alles, was gut war, auch irgendwann mal wieder zurückkehrt. Man sieht sich im Leben immer zweimal. Und eines schönen Tages wird die Generation von Gamern schlichtweg übersättigt sein, sich etwas Neues suchen - und das geschriebene Wort von Neuem entdecken. Hoffe ich mal...

Aber bevor ich völlig abschweife: Ich denke, dass die wahren Perlen der Genreliteratur größtenteils nicht bei den großen Verlagshäusern zu finden sind. Die verlassen sich immer mehr auf altbekannte Namen und Konzepte (wobei Ausnahmen natürlich die Regel bestätigen, keine Frage) und hinken somit der Entwicklung meilenweit hinterher. Die wahren Impulse setzen immer mehr die engagierten Kleinverlage, die mutig frische Autoren - auch deutsche! - präsentieren und glücklicherweise dafür auch immer mehr Lohn und Anerkennung ernten. Ich kann jedem, der es bislang noch nicht getan hat, nur empfehlen, sich mal intensiv mit den Programmen dieser Häuser auseinander zu setzen - und besonders mit der deutschen Szene, die randvoll gepackt ist mit beachtenswerten Talenten! Als Leser und Fan staune ich jedenfalls immer wieder über die Vielfalt und den Einfallsreichtum, den deutsche Autoren imstande sind zu fabrizieren. Und das Ende der Fahnenstange ist noch längst nicht erreicht, wenn man mich fragt!

TZN: Wie siehst du die derzeitige Situation für Neuautoren?

Scheib: Schwer, aber nicht völlig hoffnungslos. Auch hier muss ich wieder auf die Kleinverlage verweisen und natürlich auch auf die diversen Foren, die regelmäßig Ausschreibungen einstellen. Ich sehe es jedenfalls nicht als das Allerschlimmste an, wenn man sich seine Sporen zunächst mit dem Schreiben von Kurzgeschichten verdient. So hab ich es auch gemacht beziehungsweise mache es teilweise immer noch und unzählige andere auch. Wer allerdings glaubt, gleich mit seiner ersten Veröffentlichung zu Ruhm, Ehre und dem großen Geld zu gelangen, der sollte erst gar nicht damit anfangen. Die wenigsten in der Szene können vom Schreiben alleine leben. Für die meisten ist es schlicht und ergreifend ein Hobby beziehungsweise eine Herzensangelegenheit. Bei mir ist es ähnlich. Eine gelegentliche Beharrlichkeit und/oder Ellbogenmentalität kann allerdings durchaus hin und wieder von Vorteil sein (bitte nicht mit Egoismus oder Arroganz verwechseln).

TZN: Einige abschließende Worte?

Scheib: Ich hoffe, dass den Lesern "Dark Future" und natürlich auch meine Story gefallen hat, möchte mich ganz herzlich für das Interview bedanken und über Einträge im Gästebuch meiner Homepage würde ich mich sehr freuen. Ansonsten: Bleibt sauber, immer lächeln und mindestens eine gute Tat täglich!

(mb - 26.08.08)

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