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Melanie Brosowski (mb)10.04.09

"Wörterbuch der Science-Fiction"

Das TZN im Interview mit Prof. Dr. Peter Schlobinski

Der Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Peter Schlobinski ist Professor für Germanistische Linguistik an der Universität Hannover. Im Oktober 2008 erschien sein Buch "Wörterbuch der Science-Fiction", das er zusammen mit Dr. Oliver Siebold verfasste.

Das "Wörterbuch der Science-Fiction" umfasst genrespezifische Wörter, geordnet nach den Themenbereichen und ist somit nicht nur interessant für diejenigen, die sich mit Wortbildung und Wortsemantik oder professionell mit Science-Fiction beschäftigen, sondern für alle Science-Fiction-Leser.

TrekZone Network: Wer ist Prof. Dr. Peter Schlobinski?

Prof. Dr. Peter Schlobinski: Ich bin Sprachwissenschaftler an der Leibniz Universität Hannover, siehe auch hier.

TZN: 2008 erschienen das Buch "Wörterbuch der Science-Fiction" und "Sprachwelten, Mensch-Alien-Kommunikation und fiktionale Sprachen", ein Zeitschriftenbeitrag. Beides schrieben Sie zusammen mit Oliver Siebold. Was veranlasste Sie zum Verfassen?

Schlobinski: Zunächst: Ich bin seit vielen Jahren ein Science-Fiction-Fan und habe von daher ein ganz persönliches Interesse. Aber auch fachlich sind die Neubildungen, Neubedeutungen und so weiter spannend, sowohl von der Wortbildung her als auch semantisch. Und was mich vor einigen Jahren erstaunte: Es gibt kein Wörterbuch der Science-Fiction. Warum dann also nicht das Angenehme, nämlich Science-Fiction-Literatur lesen, mit dem Nützlichen verbinden?!

TZN: Die meisten Filme/Bücher beschränken sich auf einige erfundene Begriffe, nur selten findet man gleich eine "neu entwickelte" Sprache. Können Sie erklären weshalb?

Schlobinski: Der Aufwand, eine Sprache zu konstruieren, ist natürlich hoch und setzt beim Leser voraus, sich mit der Sprache intensiver zu beschäftigen. In der Regel aber werden SF-Romane "runtergelesen" und nicht studiert.

TZN: Sind Sie der Meinung, dass "Star Trek" da irgendwie heraussticht?

Schlobinski: "Star Trek" zeichnet sich ja unter anderem dadurch aus, dass es das Klingonische gibt, eine Kunstsprache, die von dem Linguisten Marc Okrand erfunden wurde.

TZN: Was braucht man, um eine fiktionale Sprache zu entwickeln? Kann das jeder? Und wann ist eine Sprache eine Sprache?

Schlobinski: Im Prinzip kann das jeder, man braucht nur Bauprinzipien natürlicher Sprache auf die zu erfindende Sprache anwenden. Das Klingonische beispielsweise folgt Prinzipien, die in verschiedenen Sprachen ganz gängig sind. So ist das Klingonische eine sogenannte agglutinierende Sprache. Das heißt, dass zum Beispiel am Ende der Substantive bestimmte Bausteine angehängt werden, die in einer festen Reihenfolge stehen und jede Form hat eine spezifische Bedeutung. Der deutsche Ausdruck "mein Haus" wird wie folgt ausgedrückt: "joHwI = Haus (joH) + mein (wI)". Die Basisstruktur des klingonischen Satzes ist OVS (Objekt-Verb-Subjekt), eine in den Sprachen der Welt selten vorkommende Wortstellungsregularität; das Hixkaryana (Karibik, Brasilien) weist OVS auf.

TZN: Glauben Sie, dass es eines Tages auf der Erde eine Einheitssprache geben wird?

Schlobinski: Nein, aber wer weiß, was in 10.000 Jahren sein wird. Sprache ist an Kulturen und historische Entwicklungen gebunden und deshalb wird es auch weiterhin viele Sprachen geben. Allerdings hat sich das Englische als Lingua franca herausgebildet, als eine Art Weltverkehrssprache. Nebenbei: In verschiedenen SF-Romanen erfolgt die Kommunikation unterschiedlichster Spezies im Universum durch eine Universalsprache als Verkehrssprache wie Galaktik (Isaac Asimov, "Das galaktische Imperium"), Interspeak (Larry Niven, "Ringwelt") oder Touristisch in Sergej Lukanienkos Roman "Spektrum". Das Problem der sprachlichen Kommunikation ist damit - bis auf geringe Einschränkungen in den Kommunikationsmöglichkeiten - aufgehoben.

TZN: Gibt es Unterschiede zwischen fiktionalen Science-Fiction-Sprachen und anderen fiktionalen Sprachen? Falls ja, welche wären das?

Schlobinski: Es gibt Unterschiede, wie es Unterschiede in natürlichen Sprachen gibt. Aber: Eine Konstruktion einer "völlig anderen" Sprache wäre ja denkbar, wäre dann aber völlig unpraktikabel. Man stelle sich eine Sprache im Digitalcode vor, die von einem Lebewesen realisiert wird, das in einer Atto-Welt lebt. Was ist die gemeinsam geteilte Welterfahrung, die der Leser mit diesem Lebewesen haben kann? Fiktionale Sprachen in Science-Fiction werden immer einen starken Bezug zu natürlichen Sprachen haben, da sonst nur ein Linguist Interesse an dem Werk haben würde.

TZN: Vielen Dank für das Interview!

(mb - 10.04.09)

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