Daily Trek Cast & Crew Focus & Background Franchise & Fandom
Star Trek Into Darkness Star Trek XI Enterprise Universum
SF-Zone Raumfahrer.net
GameZone Literatur
Trek BBS Quark's Bar Star Trek Rollenspiel

Seitenoptionen



News & StoriesSerien & FilmeScience & FictionMediaCommunity

Portal Facebook Twitter YouTube Flickr Chat Trek BBS

 
Daily Trek News
SF-Zone News

Henning Koonert (hk)30.01.11

"Denkmäler muss man auch umstoßen"

TZN Exklusiv-Interview mit Comickünstler David Messina

David Messina, der Comic-Künstler, der das Aussehen von "Star Trek" in diesem Medium stärker als jeder Andere in den letzten Jahren geprägt hat, legt den Zeichenstift fürs Erste aus der Hand. Die Comic-Umsetzung des neusten Kinofilms ist die vorerst letzte Arbeit des Künstlers im "Star Trek"-Universum. In Deutschland hat der Cross Cult Verlag bisher fünf seiner Bücher ("Countdown", "Tor zur Apokalypse", "Spiegelbilder", "Nero" und "Spock") herausgebracht. Bei seinem letzten Deutschland-Besuch gönnte David Messina sich eine kurze Pause vom Signieren am Cross-Cult-Stand und sprach mit Henning Koonert fürs TrekZone Network über seine Arbeit an "Star Trek", die Gründe für seinen Abschied und sein Nachfolgeprojekt: einen "True Blood"-Comic.

TrekZone Network: David, seit unserem letzten Gespräch haben Sie drei weitere "Star Trek"-Comics gezeichnet, geinkt und koloriert – "Spock", "Nero" und die Umsetzung des Kinofilms. Sowohl "Spock" als auch "Nero" rücken einen einzelnen Charakter in den Vordergrund. Wie sind die Ideen zu diesen Geschichten entstanden?

David Messina: Die Idee für das Buch über Nero hatten Roberto Orci und Alex Kurtzman. Sie wollten eine Geschichte über Neros verlorene Jahre erzählen und schlugen das [dem amerikanischen Trek-Comic-Verlag] IDW vor. Im Film bekommen wir Nero schließlich über 25 Jahre lang nicht zu Gesicht. Sie wollten den Zuschauern zeigen, wie es Nero in der Zeit im klingonischen Gefängnis ergangen ist.

Als ich gerade mit diesem Buch angefangen hatte, kam IDW die Idee für ein Buch über den anderen Hauptcharakter, Spock, und sie besprachen das mit Paramount. "Countdown" zeigte diese Freundschaft zwischen Spock und Nero, die sich in etwas wirklich Schlimmes und Schreckliches kehrte. Sie hielten es für eine gute Idee, zwei Geschichten zu erzählen, eine über Nero und eine darüber, warum Spock auf Romulus ist. Weil sie eine deutliche Verbindung zum Film und zu "Countdown" wollten, nahmen sie mich für beide Bücher unter Vertrag. Am Ende musste ich an beiden Büchern zur selben Zeit arbeiten. Das war richtig hart.

TZN: Sie haben bekanntgegeben, dass die Umsetzung des Kinofilms Ihr letzter "Star Trek"-Comic sein wird. Was hat Sie dazu bewogen, mit diesem Kapitel abzuschließen?

Messina: Ich habe fast drei Jahre Vollzeitarbeit an "Star Trek" hinter mir. Es schien mir die richtige Zeit zu sein, jetzt etwas anderes zu machen. Ich denke, mit der Trilogie aus dem Kinofilm, "Nero" und "Countdown" habe ich alles gesagt, was über dieses "Star Trek"-Universum zu sagen ist. Ich musste jetzt einfach etwas anderes machen, denn mit Ausnahme von "Spock" habe ich für beinahe ein ganzes Jahr nur an der neuen Zeitlinie gearbeitet. Ich war wirklich erschöpft, weil ich all meine Energie in diese Arbeit gesteckt hatte. Ich habe "Nero", genau wie "Countdown", fast komplett alleine gezeichnet. Ich habe auch einige Seiten koloriert, weil ich eine sehr klare Vorstellung davon hatte, wie meine Arbeit erscheinen sollte. Für "Spock" habe ich die Bleistiftzeichnungen und die Cover gemacht und ich habe viel Arbeit aufgewendet, um es an "Countdown" anzugleichen.

Ich fühlte dann, dass ich weiterziehen muss, etwas Neues finden und neue Energie daraus ziehen. Vielleicht werde ich für ein Projekt im Zusammenhang mit dem nächsten Film zurückkehren, aber es ist noch viel zu früh, um darüber nachzudenken.

TZN: Ihre erste Arbeit nach "Star Trek" war ein Comic zu einer anderen Serie aus dem Genre, Alan Balls "True Blood". Können Sie unseren Lesern etwas über Ihre Arbeit an diesem Comic erzählen?

Messina: "True Blood" wurde mir von IDW angeboten, weil es sehr weit von "Star Trek" entfernt ist. Es ist dunkel, es ist gewalttätig, es ist hart, es ist Horror. Daher habe ich auch versucht, meinen Stil anzupassen. Es ist nicht ganz derselbe Stil wie bei "Star Trek", weil ich es anders aussehen lassen wollte. Ich habe eine Zeitlang gleichzeitig an der "Star Trek"-Kinofilm-Umsetzung und an den "True Blood"-Comics gearbeitet. Der "Star Trek"-Film steht in einer hellen Tradition, er ist voller Energie und Optimismus. "True Blood" im Gegensatz ist irgendwie krank und blutig.

"True Blood: All Together Now" war ein umfangreiches Projekt, genau wie "Nero" und "Countdown" und die Kinofilmumsetzung und "Spock". Und Alan Ball hat auch noch am Buch mitgearbeitet. Die Autoren, Mariah Huehner und David Tischman haben das Buch gemeinsam mit Alan Ball geschrieben, denn die Geschichte spielt innerhalb der Serie. Daher musste ich sehr detailliert arbeiten, weil "True Blood" eine Serie mit sehr starker Kreativität ist und ich nichts falsch machen darf: die Augen der Charaktere, das Aussehen von Merlotte's ...

Die Story selbst ist eine Geschichte über die Vergangenheit der Charaktere. Es geht um die Vergangenheit der Charaktere und die Geschichte erforscht etwas, das in der Serie nur angedeutet wurde, aber nicht vollständig erklärt. Jedes Kapitel handelt von einem anderen Charakter aus der Serie. Es waren sechs Hefte, die im Februar auf Englisch und im April bei Panini auch auf Deutsch als Tradepaperback veröffentlicht werden. Es hat so viele Kapitel, weil "True Blood" eine laufende Serie mit vielen Charakteren ist. Wir können nicht einfach etwas nur rund um Sookie oder zwei Charaktere machen, wir brauchen mehr Platz, mehr Raum, um die Geschichte für jeden Charakter zu erzählen.

TZN: Haben Sie "True Blood" im Fernsehen gesehen? In Deutschland lief es bisher nur im Bezahlfernsehen und wird erst dieses Frühjahr im Free TV [auf RTL 2] zu sehen sein.

Messina: Ja, ich habe bisher alles davon gesehen. Jetzt habe ich auch mit dem Buch angefangen, weil die Unterschiede zwischen dem ursprünglichen Buch von Charlaine Harris und Alan Balls Serie verstehen möchte. Ich liebe Alan Ball als Autor, ich habe "American Beauty" und "Six Feet Under" geliebt. Ich war tatsächlich überrascht, dass Alan Ball sich einem Projekt wie "True Blood" mit Vampiren und Dämonen gewidmet hat. Ich will daher die tiefere Bedeutung des Projekts verstehen, die Alan Ball mit dieser neuen Welt erreichen möchte.

TZN: Denken Sie, dass die "Klingons: Blood Will Tell"-Comics die Ihrer Trek-Comics sind, welche Ihrer Arbeit an "True Blood" am nächsten kommen?

Messina: Ich glaube nicht, weil ich mich in dem "Klingons"-Buch mit der Darstellung von Gewalt und Wut noch etwas zurückgehalten habe und ich in "True Blood" da viel weiter gehe. Ich denke, "Nero" kommt dem "True Blood"-Gefühl am nächsten. In "Nero" ließen [die Autoren] Tim Jones und Mike Johnson mich die Gewalt wirklich entfesseln, weil Nero ein gewalttätiger Charakter ist. Sie sagten mir: "Fang mit der Gewalt an und zeig den Leuten, warum dieser Mann so voller Wut ist." Ich glaube auch, dass obwohl die Story in "True Blood" ganz anders ist und von der Vergangenheit handelt, ihr dieselbe Gewalt und dasselbe Gefühl innewohnt.

TZN: Für "Star Trek" haben Sie mit zwei Autorenteams zusammengearbeitet: mit den Tipton-Brüdern und den Leuten von Orci/Kurtzman Productions. War die Arbeit mit diesen Autoren sehr verschieden?

Messina: Ja. Sie sind sehr unterschiedlich und ergänzen sich doch gleichzeitig. Die Tipton-Brüder sind wahre "Star Trek"-Liebhaber, deren Verständnis für die Welt von "Star Trek" sehr weit reicht. Scott und David sind große, große Fans des "Star Trek"-Universums. Sie wissen alles über die verschiedenen Völker, die Vorgänge innerhalb jeden Schiffes, und über die Crews der Schiffe.

Orci und Kurtzman haben einen tiefen Respekt vor der Serie und einen tiefen Respekt vor "Star Trek", aber sie sind gleichzeitig Ikonoklasten [Ikonoklasmus = die Zerstörung heiliger Bilder oder Denkmäler der eigenen Religion, Red.]. Sie vertrauten mir, weiter zu gehen und das "Star Trek"-Franchise an einen neuen Horizont zu führen. Sie haben [im Kinofilm] etwas Neues ausprobiert, mit den Action-Szenen und den Beziehungen der Charaktere, das sind also schon zwei wirklich unterschiedliche Autoren-Teams.

Manchmal denke ich, dass "Star Trek" ohne solche Autoren verloren wäre, denn es gibt die alte Zeitlinie aus der Vergangenheit von "Star Trek", die eine wirklich starke Ikone ist, aber so ein Denkmal muss man auch umstoßen, um vorangehen zu können. Es kommt also wirklich darauf an. Meiner Meinung nach sollten das zwei Seiten von "Star Trek" sein, eine jede für sich selbst, die neue Zeitlinie und die alte Zeitlinie. Sie alle lieben "Star Trek" wirklich.

TZN: Wenn Sie auf alle Comic-Bücher, die Sie für "Star Trek" gezeichnet haben, zurückschauen, welches ist Ihr liebstes?

Messina: Von allen Büchern mag ich das letzte Kapitel des "Klingons"-Buchs am meisten. Mir hat die letzte Ausgabe wirklich Spaß gemacht, in der wir uns von der Rückschau auf die Classic-Folgen aus dem Blickwinkel der Klingonen lösen und die Story um K'Ahlynn und ihren Großvater vorantreiben. Ein anderes Buch, das ich wirklich mag, ist "Spiegelbilder", weil dieses Buch nach "Next Generation" und "Klingons" sich tiefer mit "Star Trek" beschäftigte, weshalb ich die Komplexität selbst begreifen musste. Mit "Spiegelbilder" habe ich begonnen zu verstehen, welche Art von "Star Trek" ich selbst lesen wollte, und daher auch, welche Art von "Star Trek" ich für die Leser erschaffen musste. Auf die eine oder andere Weise fühle ich mich mit diesen beiden von all meinen Büchern am meisten verbunden.

TZN: Hatten Sie den Eindruck, dass man Ihnen im Laufe der Zeit mehr Freiraum gegeben hat, um auch eigene Ideen in die Comics mit einzubringen? Fand ein Entwicklungsprozess statt, in dem die Autoren Sie besser kennenlernten und Sie sich selbst stärker einbringen konnten?

Messina: Ich hatte wirklich Glück, weil sowohl Mike [Johnson] und Tim [Jones] als auch Scott und David [Tipton] mir den Freiraum gelassen haben, so zu zeichnen, wie ich es für richtig hielt – bis auf den Film-Comic, weil der Film selbst schon sehr bekannt ist. Viele Leute haben ihn gesehen, daher sind die Einstellungen und Darstellungen der Charaktere schon durch den Film gegeben. In "Spock" und "Spiegelbilder" zum Beispiel konnte ich selbst etwas einbringen, da hatte ich wirklich Glück. Beide Autoren-Teams haben mir wirklich vertraut und haben mich immer dabei unterstützt, nahe an meinem eigenen Geschmack und meiner eigenen Sichtweise auf das Universum zu bleiben.

TZN: Eine letzte Frage: Wo Ihre Zeit mit "Star Trek" nun bis auf Weiteres beendet ist, sehen Sie vergebene Möglichkeiten oder etwas, das Sie gern noch verwirklicht hätten, wozu Sie aber nicht die Gelegenheit hatten?

Messina: Nein, weil ich selbst einige Ideen hatte, über die ich mit Scott Tipton gesprochen habe und wir wussten, dass wir eines Tages zu diesen Geschichten zurückkehren würden, den Geschichten im Spiegeluniversum und im "Star Trek"-Universum. Ich sehe also keine verpassten Chancen. Im "Star Trek"-Universum habe ich die wichtigsten Geschichten erzählt und die stärksten Bücher von "Star Trek" gezeichnet. Ich bekam jede Chance. Zusätzlich waren die Fans und die Gespräche mit ihnen wirklich toll, und neu für mich. Sie haben mir geschrieben, was ihnen in den Comics und im Film besonders gefallen hat. Das fand ich richtig gut. Ich kann mich nicht beklagen. Es war eine großartige Reise mit einer fantastischen Crew.

TZN: Vielen Dank für das Gespräch.

Alle Bilder in diesem Artikel wurden dem TrekZone Network freundlicherweise von David Messina zu Illustrationszwecken zur Verfügung gestellt. Zum Vergrößern der Abbildungen klicken Sie einfach darauf. Die deutsche und englische Variante von Messinas "True Blood"-Comic kann man bereits unter anderem bei Amazon.de vorbestellen.

Dieses Interview ist vorab in der "TrekZone Weekend" erschienen. Falls Sie die "TrekZone Weekend" noch nicht abonniert haben, können Sie unseren wöchentlichen Newsletter zusammen mit dem Internet-Magazin "Incoming Message" hier kostenlos bestellen.

(hk - 04.02.11)

Weiterführende Links


Nach oben

Alle Berichte sind das geistige Eigentum der Autorinnen und Autoren. Jede unautorisierte Übernahme ist ein Verstoß gegen das Urheberrecht. Für Anfragen betreffend Artikel- oder Newsübernahme wenden Sie sich bitte an den Redaktionsleiter.

"Star Trek", "Star Trek: The Next Generation", "Star Trek: Deep Space Nine", "Star Trek: Voyager", "Star Trek: Enterprise" und alle verwandten Markennamen sind eingetragene Handelsmarken von Paramount Pictures. Kopierrechtlich geschütztes Material wurde ausschließlich für nichtkommerzielle Zwecke genutzt. Dies gilt auch für alle Materialien, die aus anderen Franchises stammen und im Rahmen der TZN SF-Zone genutzt wurden.

Mitarbeit Kontakt Impressum

© TrekZone Network, 1999-2017