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Melanie Brosowski (mb)03.12.08

Eine Badewanne als intergalaktischer Transportbehälter

Das TZN im Interview mit Sci-Fi-Autor Lutz Schafstädt

Wieder einmal hatte das TZN Gelegenheit, mit einem Autor der deutschen Science-Fiction-Szene zu sprechen. Über Badewannen, wie man Beruf, Familie und Hobby vereint und vieles mehr.

TrekZone Network: Wer ist Lutz Schafstädt?

Lutz Schafstädt: Oh, die größte und schwerste Frage zuerst. Versuchen wir es einmal mit einigen Raum-Zeit-Koordinaten als Antwort: 1960 geboren, Wohnort Potsdam, Familiengründung 1985, beruflich wechselhaft, heute Mitarbeiter in einer Kommunikationsagentur. Erste Veröffentlichung in einer Anthologie 2003. Was sich sonst noch über mich sagen lässt, werden vielleicht die nächsten Fragen zeigen.

TZN: Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Schafstädt: Ich kam zum Schreiben, das Schreiben kam zu mir. Eine rückblickend sehr unstete Beziehung, manchmal mit hoher Intensität, doch zwischendurch riss die Verbindung auch immer wieder ab. Bereits als Kind spielte ich mit Sprache. Meine ersten Versuche rankten sich um Weltraumabenteuer, stark geprägt von Figuren und Episoden der "Raumpatrouille Orion". Frühe, naive Fanfiction, würde man im heutigen Sprachgebrauch wohl dazu sagen. Liegt lange zurück, dieser Anfang. Und natürlich wollte ich als Zehnjähriger Schriftsteller werden. Als Jugendlicher begann ich, das Schreiben ernsthafter zu betrachten, interessierte mich für theoretische Fragen und war, wenn ich es heute recht bedenke, bis zu meiner Zeit als junger Erwachsener ziemlich produktiv. Geschichten, Romananfänge, Gedichte, Theaterstücke entstanden, ich wagte sogar einige Veröffentlichungsversuche, die zwar scheiterten, aber doch mit ermunternden Rezensionen verbunden waren.

TZN: Was bewegt Sie zum Schreiben beziehungsweise zum Veröffentlichen?

Schafstädt: Zum Schreiben führen die unterschiedlichsten Impulse. Da ist zunächst der Spaß am Erzählen. Sich auf eine Idee einzulassen und eine Geschichte daraus zu formen, ist pures Vergnügen. Und ein spannendes dazu, weil längst nicht alles glückt. Sprache ist ein sehr eigenwilliger Werkstoff und Schreiben ist ein äußerst emotionaler Prozess höchster mentaler Anspannung. Diese Erfahrung selbst ist ein wichtiges Motiv. Sie liefert, glaube ich, den inneren Antrieb, um über lange Zeit die Kraft und Geduld aufzubringen, bis sich endlich das - zugegeben subjektive - Gefühl einstellt, die handwerklichen Feinheiten des Schreibens verinnerlicht zu haben.

Das Veröffentlichen ist eine Frage für sich. Natürlich hat man immer auch den imaginären Leser im Sinn, den Traum, veröffentlicht zu werden. Es ist das Ziel, zu dem man unterwegs ist und das hohe qualitative Anforderungen stellt. Mir war immer klar, dass dies ein langer Weg ist, an dessen Rand keine Wunschbäume wachsen.

TZN: Sie bezeichnen sich auf Ihrer Homepage als Schreiberling und Lesewesen, arbeiten in einer Agentur und befassen sich mit Öffentlichkeitsarbeit. Haben Sie den Eindruck, dass früher oder später jeder, der beruflich schreibt, es auch in seiner Freizeit tut oder tun wird?

Schafstädt: Das kann ich nicht beurteilen. Zudem gilt bei mir wohl der umgekehrte Fall. Ich habe eine technische Ausbildung, habe viele Jahre in der Elektronik-Industrie gearbeitet und mich schrittweise zum "beruflichen Schreiben" hin entwickelt. Unterschwellig strebte ich schon immer danach, konzeptionell und mit Sprache zu arbeiten. Das Ende der DDR hat diesen Prozess beschleunigt und auch völlig neue Möglichkeiten eröffnet. Denn vorher gab es hier keine Medien-, Werbe- oder Agenturlandschaft oder vergleichbare Chancen, um zum Beispiel als Texter einen Quereinstieg zu wagen. Ein wenig Mut und Selbstvertrauen sowie viel Neugier und Lernbereitschaft - eine Mixtur aus diversen Zutaten brachte mich dahin, wo ich heute beruflich bin.

Auch den umgekehrten Weg kann ich mir gut vorstellen. Wer beruflich an Fachtexten, Berichten, Broschüren oder was auch immer arbeitet, verspürt ganz bestimmt irgendwann den Wunsch, einmal die formalen Fesseln von Sachtexten abzustreifen und sich auf kreativen Spielplätzen auszutoben.

TZN: Ihre Kurzgeschichte "Expedition" in der Anthologie "Man gönnt sich ja sonst nichts..." hebt sich durch ihren leichten, humorvollen Unterton von anderer Science-Fiction-Kost ab. Wie kommt das? Wie entstand diese Geschichte?

Schafstädt: Eine Badewanne zum intergalaktischen Transportbehälter zu machen, halte ich für eine nahe liegende Idee. Sie plausibel zu vermitteln, geht ohne Augenzwinkern gar nicht, obwohl im Grunde von einer furchtbaren Tragödie berichtet wird. Aus solcher Ambivalenz beziehen viele Geschichten ihren Unterhaltungswert, nicht nur meine. Schreiben und Lesen müssen Spaß machen, Ersteres kann ich bestätigen.

TZN: Woran schreiben Sie gerade?

Schafstädt: Ich bereite einen Roman vor, schon seit mehreren Jahren beschäftige ich mich damit, doch es geht nur in sehr kleinen Schritten voran. Er wird sich mit der Wendezeit beschäftigen. Klar, da wurde schon sehr viel geschrieben und veröffentlicht, aber ich glaube, es gibt noch einiges darüber zu sagen. Mal sehen, ob es glückt.

TZN: Würden Sie gerne vom Bücher-Schreiben leben können?

Schafstädt: Sicher doch, und noch lieber würde ich wie ein Bücher-Schreiber leben wollen, mich morgens an einen Tisch im Schatten einer Linde in den Garten setzen und dichten, bis der Horizont die Sonne schluckt. Aber im Ernst, zunächst sollte die wichtigste Bedingung nicht übersehen werden: Um davon leben zu können, muss man ein Buch geschrieben haben, das einen Verlag und ein Publikum findet. Manchmal soll schon eines reichen, hört man, doch im Normalfall gehen dem viele Fehlversuche als Lehrgeld voraus. Diese Investition ist scheinbar unvermeidlich, es sei denn, man ist ein Naturtalent.

TZN: Wie vereinen Sie Beruf, Familie und Hobby? Geht das überhaupt?

Schafstädt: Nun, es gelingt anderen Leuten mit anderen Hobbys ja auch. Natürlich muss man sich dabei den Realitäten fügen. Derzeit bin ich beruflich äußerst stark eingespannt und auf absehbare Zeit wird mein Freizeitschreiben auf Sparflamme geschaltet bleiben müssen. Es gab auch in der Vergangenheit immer wieder solche Phasen, in denen sich die Prioritäten verschoben haben. Ich sehe mich als Hobbyautoren, das ist ein wichtiger Aspekt dabei. Stünde mir der Sinn nach schriftstellerischem Ruhm, müssten die Entscheidungen anders fallen.

TZN: Auf Ihrer Homepage gibt es auch Bilder und kurze Reiseberichte. Sind das Schreibübungen, öffentliche Gedanken - was verbirgt sich dahinter, ein großes Stück Privatleben, Erlebtes, Gefühltes der breiten Masse zugänglich zu machen?

Schafstädt: Meine Homepage soll mir helfen, auch in Phasen mit wenig freier Zeit produktiv zu bleiben und die Verbindung zum Schreiben nicht abreißen zu lassen. Eine halbe Stunde reicht allemal, dachte ich mir, ein paar Eindrücke zu verarbeiten oder eine Rezension für ein Buch zu schreiben. So gesehen sind es wirklich Fingerübungen, mit denen man gleichzeitig ein wenig über mich erfährt.

TZN: Wie sehen Sie die derzeitige Szene auf dem Sci-Fi- und dem allgemeinen Buchmarkt?

Schafstädt: Im Wettbewerb mit Fantasy und History hat die Sci-Fi es schon eine Weile recht schwer. Da behaupten sich vor allem die Klassiker. Die Leser mögen es derzeit gern mystisch, archaisch und in Brokat gehüllt. Aber Vorlieben und Märkte ändern sich. In der Zwischenzeit pflegt die jeweilige Szene ihr Genre und ihre Helden. Ich bin da ziemlich optimistisch: Was gut ist, spricht sich schnell herum, Trends wandeln sich. Und Neuerscheinungen gibt es schließlich auch weiterhin in allen Sparten.

TZN: Wie sehen Sie die derzeitige Situation für Neuautoren?

Schafstädt: Wenn "Situation" einmal den kommerziellen Erfolg außen vor lässt, dann war die Situation für Neuautoren niemals besser. Grund ist das Internet. Es beschleunigt den Reifeprozess der Nachwuchsschreiber. Was früher einsam im stillen Kämmerchen geschrieben und dann verschämt guten Freunden zur Begutachtung vorgelegt wurde, kann heute unmittelbar mit Gleichgesinnten im Internet besprochen werden. Da gibt es klare und offene Worte, die erst ernüchternd und dann erfrischend wirken, weil sie das Gespür für Schwächen und Stärken schärfen. Ich kenne die Gruppe Schreib-Lust und die Leselupe recht gut und kann sie für die ersten Schritte nur empfehlen. Dort kann man in kürzester Zeit sehr viel lernen, wofür man andernorts so manchen Spargroschen pulverisieren muss.

TZN: Welche Erfahrungen haben Sie mit Verlagen gemacht? Ist es einfach für einen "Neuautoren", etwas zu veröffentlichen?

Schafstädt: Auch hier halte ich die Rahmenbedingungen für gut, wenn man die eigenen Fähigkeiten realistisch einschätzt, die Erwartungen nicht zu hoch steckt und vor allem geduldig einen Schritt nach dem anderen macht. Wer einen Text in eine Schreibgruppe ins Internet stellt, hat auch veröffentlicht. Und er findet kritische Leser, die ihm entweder in den Sattel oder vom hohen Ross herunter helfen. Beides ist nützlich. Ganz automatisch schließt man dabei Bekanntschaften mit anderen Autoren, kann deren Erfahrungen und Kontakte nutzen. Und schon erfährt man von Ausschreibungen und Wettbewerben, lernt kleine Verlage kennen, wird in eine Anthologie aufgenommen und fügt sich ein Baustein des großen Traumes zum nächsten. Diese Gruppen und Netzwerke funktionieren. Wenn man sich aktiv einbringt und kontinuierlich schreibt, sind die ersten Erfolgserlebnisse fast nicht zu verhindern.

TZN: Vielen Dank für das Interview!

(mb - 05.12.08)

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