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Henning Koonert (hk) Eine verrückte Idee wird wahr TZN-Exklusiv mit Markus Rohde, Cross Cult Eine gefühlte Ewigkeit war "Star Trek" von dem deutschen Büchermarkt verschwunden - bis ein gewisser Markus Rohde dafür sorgte, dass die womöglich erfolgreichste Sci-Fi-Romanserie wieder nach Deutschland kommt. Henning Koonert hatte die Chance, mit Markus Rohde zu sprechen. TrekZone Network: Markus, seit 2008 erscheinen wieder "Star Trek"-Romane auf Deutsch. Daran bist du ja nicht ganz unbeteiligt - erzähl unseren Lesern doch mal, wie es überhaupt dazu gekommen ist.
TZN: Nach dem Testballon "Vanguard" ging es relativ schnell mit den "Titan"-Romanen weiter, dann mit TNG und DS9. Wie sehen auf kurze und auf lange Sicht die Pläne für weitere "Star Trek"-Romane bei Cross Cult aus? Rohde: Die Pläne für das erste Halbjahr 2011 sind ja bereits von uns auf startrekromane.de veröffentlicht worden. Ich denke, wir haben da ein recht buntes Programm zusammengestellt, das für jeden etwas bietet. Es sollen ganze drei neue Reihen bei uns starten. "Star Trek: Enterprise" feiert im nächsten Jahr zehnjähriges Jubiläum. Im Zuge dessen möchten wir mit der Serie im April loslegen. Schon im Januar wollen wir mit "Star Trek: New Frontier" beginnen, die bereits früher als "Die neue Grenze" bei Heyne erschien. Damit nach immerhin ca. zehn Jahren auch Neuleser eine Chance haben, bringen wir die ersten Bände erneut, haben aber fest vor, die Serie fortzusetzen. Ein weiteres Jubiläum (45 Jahre) feiert die Originalserie "Star Trek". Und so soll unser nächstjähriges Sommerhighlight (so wie dieses Jahr "Destiny") der "Feuertaufe"-Dreiteiler (im Original "Crucible") werden, der je einen Band Kirk, Spock und McCoy widmet. Davon abgesehen werden natürlich TNG, DS9, "Titan" und "Vanguard" fortgesetzt. Ansonsten habe ich den großen Masterplan bis ins Jahr 2020 in meinem Safe. Aber die Kombination hab ich leider vergessen. TZN: Die Auswahl der Romane, die noch nicht in Deutschland erschienen sind, ist groß. Wie sucht ihr da die Bücher - sowohl die Serien, als auch einzelne Romane (wie zum Beispiel bei der Classic-Reihe) aus, die übersetzt werden?
Und nun hat man natürlich wirklich die Qual der Wahl. Obwohl wir bei den Serien schon auch erst einmal chronologisch vorgehen wollen, was nicht immer ganz einfach ist, da wir in Deutschland ja einiges aufzuholen haben. Gerade deswegen haben wir zunächst ältere Bücher ausgespart, um das nicht zu sehr ausufern zu lassen und versuchen da jetzt am Ball zu bleiben. Bei "Classic" bot sich der Dreiteiler (der auch inhaltlich wirklich toll und groß ist) als Sommerevent an. Zudem kann man mit dem Ikonentrio (Kirk, Spock, McCoy) immer noch am Besten das Jubiläum zelebrieren. TZN: Für die Classic-Serie sind also zunächst nur diese drei Romane geplant? Rohde: Zunächst ja. Was aber nicht heißen soll, dass dann damit die Classic-Veröffentlichungen bei uns beendet sein sollen. Es sind bloß derzeit keine weiteren Titel ausgesucht. TZN: Kannst du uns verraten, welche der Roman-Reihen derzeit die beliebteste in Deutschland ist? Rohde: Hm, wenn ihr mit "beliebteste" meint, welche sich am besten verkauft, dann ist dies definitiv "Star Trek: Destiny". Der Dreiteiler von David Mack ist mit seinen ersten beiden Bänden, die bisher erschienen sind, ein kleiner Bestseller für uns. Die Leser haben - so wie es aussieht - ganz schön darauf hingefiebert. Bislang erfolgreichster Roman ist allerdings der Filmroman zum letzten Kinofilm von J. J. Abrams. TZN: Mit dem neuen Verlag für deutsche Romane musste auch eine neue Übersetzermannschaft zusammengestellt werden. Wie hat sich die aktuelle Riege zusammengefunden? Rohde: Das war im Prinzip ein fließender Prozess. Zu Beginn wählte ich bewusst "Gast"-Übersetzer, deren Namen im Fandom dem ein oder anderen bekannt sein konnten. Mike Hillenbrand war und ist Chefredakteur des Corona Magazines und "Star Trek"-Sachbuchautor. Claudia Kern übersetzte zu der Zeit auch "Battlestar Galactica" für Panini und hatte zahlreiche "Star Trek"-Sachbücher (u.a. "Star Trek Enzyklopädie") ins Deutsche übertragen. Ich selbst war Chefredakteur der "SpaceView".
Seit diesem Jahr ist Anika Klüver neu im Übersetzerteam. Sie ist seit Längerem feste Lektorin der zahlreichen Reihen und wacht wie der Schießhund darüber, dass alle Begriffe passen. So besteht der derzeitige feste Übersetzerstamm aus vier Leuten: Stephanie Pannen, Christian Humberg, Bernd Perplies und Anika Klüver. TZN: Der langjährige Heyne-Trek-Übersetzer Andreas Brandhorst hat uns erzählt, dass er manchmal einen Roman ganz schön umschreiben musste, weil er die Vorlage unglaublich schlecht fand. Korrigiert ihr beizeiten auch inhaltliche Fehler, wenn es gar nicht mehr anders geht? Rohde: Oh ja, wir korrigieren durchaus schon einmal ganz ordentlich. Völlig umschreiben mussten wir bisher nicht, aber Kleinigkeiten kommen eigentlich ständig vor. Das reicht von Quartieren, die sich auf falschen Decks befinden, bis hin zu leicht haarsträubenden biologischen Theorien. TZN: ... leicht haarsträubende biologische Theorien? Rohde: Ja, an Details erinnere ich mich nicht mehr, aber im zweiten TNG-Band "Widerstand" wurden diverse Dinge über Bienen fabuliert, die schlicht nicht mit heutigen biologischen Erkenntnissen übereinstimmten, so wurden es bei uns dann andorianische Bienen - bei denen sind die Theorien eindeutig schlechter zu widerlegen. Gerade jetzt im neuen "Destiny 3" gab es "unbefruchtete Eizellen in Ihrem Uterus". Hmm, die sind eigentlich eher in den Eierstöcken als in der Gebärmutter. Aber größere Änderungen gab es bislang erst einmal: bei dem kommenden "Deep Space Nine"-Band 8.04. Wir mussten tatsächlich vier oder fünf Stellen etwas gröber umschreiben. Dort ging es mit den Schilden verschiedener Schiffe ziemlich durcheinander. Von Kontinuitätsfehlern abgesehen, wären manche Dinge nach "Star Trek"-Vorgaben gar nicht möglich gewesen. Aber das soll nun auch nicht in Kollegenschelte enden, denn Fehler passieren - genauso ja uns - nun einmal. Umso besser, wenn sie einer entdeckt und ausbügelt. TZN: In wieweit haben die Übersetzer denn in ihren Texten freie Hand? Rohde: Die Übersetzer sollen sich schon an den Originaltext halten. In der Regel läuft es so, dass sie im Falle des Falles Hinweise geben und die Sache dann im Team (Redakteur, Lektor, Übersetzer) geklärt wird. TZN: Seit einiger Zeit erhalten viele Romane für die deutsche Fassung ein neues Coverbild. Sind die Originale etwa so schlecht, dass man sie in Deutschland nicht zeigen kann oder was ist der treibende Grund hinter den neuen Covern?
TZN: Mit den zusätzlichen Roman-Reihen wird das Trek-Programm bei Cross Cult nun stark ausgeweitet. Wie wollt ihr vermeiden, dass man am Ende die Leser übersättigt, wie es bei Heyne zuletzt geschehen ist? Rohde: Die Gefahr besteht sicherlich immer. Aber umgekehrt bekommen wir häufig Zuschriften, dass sich die Leser über die Erweiterungen sehr freuen und die größere Abwechslung begrüßen. Sicherlich kauft auch nicht jeder Leser alle Reihen und so kann es sich letztlich ein wenig verteilen. Aber natürlich müssen wir das im Auge behalten. TZN: Neben den Romanen hat Cross Cult, angefangen mit "Countdown", eine Reihe von Comicbänden aus der Feder von David Messina auf Deutsch veröffentlicht. Wie sieht die Zukunft der Trek-Comics beim Verlag aus? Rohde: Leider müssen wir dort derzeit erst einmal pausieren. Die Verkaufszahlen von "Countdown" waren super; die hat aber leider nicht jeder Band erreicht. Comics sind da das deutlich schwierigere Feld. Es ist allerdings geplant, spätestens zum nächsten Film wieder neue Titel ins Programm zu nehmen. TZN: Im Gegensatz zu den Romanen, bei denen man ja im bestehenden Fundus sozusagen aus dem Vollen schöpfen kann, wurden die Trek-Comics teilweise schon für Deutschland angekündigt, bevor sie in den USA vollständig erschienen waren. Hat man hier am Ende die Katze im Sack gekauft?
TZN: Ein drittes Medium, auf dem Trek-Literatur nach Deutschland kommt, sind seit dem vergangenen Jahr die "Titan"-Hörbücher von Audible. Nach den ersten vier Romanen war dann in diesem Frühjahr erst mal Schluss. Gibt es Neuigkeiten zu Trek als Hörbuch? Rohde: Hier sind wir, wie ihr schon sagt, nicht der Herausgeber, sondern vergeben nur die Unterlizenz an Audible, die dann auch unsere Übersetzungen nutzen. Inzwischen hat der Hörbuchspezialist bereits vier Bände einer weiteren Reihe lizensiert. Etwa im November dieses Jahres soll es mit "Star Trek: Vanguard" losgehen. Weitere Details sind leider noch nicht bekannt. Ich halte das Ganze aber wirklich für ein sehr schönes Projekt. Schließlich gab es etwas in dieser Form noch nicht in Deutschland. Mal schauen, wohin sich das entwickelt. TZN: Vielen Dank für das Interview, Markus! (hk - 07.09.10) Weiterführende Links
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