Melanie Brosowski (mb)
01.05.08
"Gute deutsche SF findet man in Kleinverlagen"
TZN-Interview mit Schriftsteller und "Geisterspiegel"-Chefredakteur Gunter Arentzen
Wer ist Gunter Arentzen? Und was ist der "Geisterspiegel"? Antworten zu diesen und vielen anderen Fragen finden Sie hier.
TrekZone Network: Gunter, was ist der "Geisterspiegel"?
Gunter Arentzen: Der "Geisterspiegel" ist ein Online-Magazin für Spannungsthemen. Auch wenn
es der Name nahelegen würde, konzentrieren wir uns dabei nicht nur auf
Horror, sondern decken alle Bereiche dieser Thematik ab. So haben wir
zum Beispiel eine recht aktive Western-Sektion, während unsere eigene Serie
"Timetraveller" eher im SF-Sektor angesiedelt ist. Daneben haben wir auch
Fantasy- und Horror-Serien von engagierten Hobby-Autoren im Angebot,
Rezensionen zu Filmen, Büchern und Hörspielen und natürlich Artikel, die
sich mit Events et cetera befassen.
TZN: Wie bist du dort eingebunden?
Arentzen:
Inzwischen bin ich Chefredakteur des "Geisterspiegels". Ich bin für die
Rezensionen - auch jene von Redakteuren - zuständig, koordiniere die
"Timetraveller"-Serie und schreibe eine eigene kleine Kolumne, die sich
mit meiner Serie "Christoph Schwarz - Detektiv des Übersinnlichen"
befasst. Wobei ich betonen möchte, dass wir ein sehr gutes Team sind, in
dem jeder etwas zum Erfolg des "Geisterspiegels" beiträgt. Ohne die
Herausgeber, den Webmaster und die Redakteure wäre all das nicht zu machen.
TZN: Wer ist Gunter Arentzen?
Arentzen:
Ein Autor, der das Glück hat, seine Gedanken und Ideen in Texte fassen
und so den Lesern näherbringen zu können. Viele Menschen haben etwas zu
sagen, aber es hört ihnen keiner zu. Autoren sind hier privilegiert,
denn ihnen hört man zu. Aus diesem Privileg ergibt sich jedoch auch die
Verantwortung, Stellung zu beziehen. Daher sind manche meiner Texte
unbequem, aber dies nehme ich in Kauf. Dabei habe ich auch das Glück,
dass mir meine Verlage hierzu die Möglichkeit geben. In einer Zeit der
künstlerischen Selbstzensur ist dies keine Selbstverständlichkeit.
Daneben bin ich Ehemann, Stiefvater und Katzenbesitzer. Ein ganz
normaler Mensch eben, wie es auch auf meiner Homepage zu sehen ist.
TZN: Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Arentzen:
Bis zur siebten Klasse hasste ich das Schreiben und war überzeugt,
dass alle Autoren mächtig einen an der Waffel haben müssen. Dann
entdeckte ich durch Zufall den Horror in Form eines Larry-Brent-Romans,
und ab diesem Moment schlug mein Herz für Grusel. Nach Larry Brent war
es John Sinclair und irgendwann, es war in der 9. Klasse, kam ich zu der
Überzeugung, dass ich ebenfalls solche Horror-Geschichten schreiben
könne. Vor allem wollte ich meine eigenen Charaktere, meine eigenen
Feinde und meine eigenen Waffen erschaffen. Natürlich waren es klägliche
Versuche, die heute zum Glück verschollen sind. Aber sie stachelten
meine Leidenschaft für das Schreiben an. Im Laufe der Zeit schrieb ich
für meine Freunde, für die Abschlussfeier meiner Ausbildung ein kleines
Musical und anschließend für Mitarbeiterzeitungen. Dann erfolgten erste
Veröffentlichungen von Kurzgeschichten... Der Rest ist Geschichte.
TZN: Wie bist du/seid ihr auf die Idee gekommen, einen
Anthologie-Wettbewerb auszuschreiben?
Arentzen:
Mir kam die Idee, zum zweiten Geburtstag des "Geisterspiegels" etwas
Besonderes zu machen. Wir befassen uns ständig mit Büchern und
Kurzgeschichten, also lag es nahe, selbst eine Anthologie auf den Markt
zu bringen. Die Herausgeber des Geisterspiegels waren sofort
einverstanden. Auch von meiner Idee, zweigleisig zu fahren. Zum einen
eine Ausschreibung, zum anderen aber auch Einladungen an mir bekannte
Autoren. Wir haben in Deutschland sehr gute Autoren, die meist bei
Kleinverlagen veröffentlichen. Der in meinen Augen beste Autor
phantastischer Kurzgeschichten ist zum Beispiel Markus K. Korb. Es wäre
lächerlich, jemanden wie ihn an einer Ausschreibung teilnehmen zu
lassen. Ebenso ist es bei anderen gestandenen Autoren. Sie erhielten
eine Einladung, neue, junge Autoren konnten sich über die Ausschreibung
qualifizieren. So bietet sich auch dem Leser eine gute Mischung.
TZN: Wie war die Resonanz darauf?
Arentzen:
Sehr gut. Viele Newcomer beteiligten sich an der Ausschreibung. Die von
mir eingeladenen Autoren nahmen sämtlichst teil. Dafür hier noch einmal
meinen Dank.
TZN: Seid ihr mit dem Ergebnis zufrieden?
Arentzen:
Ja, sind wir. Wir haben uns die Auswahl der Geschichten nicht leicht gemacht, sind aber nun überzeugt, eine gute Mischung und auch
interessante, spannende Geschichten zusammengetragen zu haben.
TZN: Wann wird die Anthologie "Dark Future" erscheinen?
Arentzen:
Im Juni, pünktlich zum zweiten Geburtstag des "Geisterspiegels".
TZN: Was hältst du von der momentanen Lage, was Sci-Fi-Print-Bücher betrifft?
Arentzen:
Es gibt einige Autoren, die spannende und unterhaltsame SF-Literatur
schreiben, auch hier in Deutschland. Mein Gefühl ist aber, dass dies
zwar im Fandom wahrgenommen wird, im Großen aber kaum Beachtung findet.
Zumindest nicht, wenn der Autor nicht zufällig Eschbach oder Schätzing
heißt. Dabei ist mein Eindruck, dass gute deutsche SF in Kleinverlagen
zu finden ist.
TZN: Was hältst du von eBooks? Sind sie eine Alternative oder vielleicht
sogar besser als Printmedien?
Arentzen:
Ich mag eBooks sehr, und dies aus verschiedenen Gründen. Zum einen sind
sie sehr praktisch - einen PDA haben viele Menschen ohnehin.
Eine Datei aufzuladen, geht schnell, man kann das Gerät auch im Gedränge
in der Bahn zücken und lesen. Das Gleiche gilt für das Bett. Der Partner
schläft, schwere Bücher sind unhandlich - der PDA löst all diese
Probleme. In der Produktion sind eBooks zudem günstiger, sodass auch
Autoren eine Chance erhalten können, die im Printbereich diese Chance
vielleicht nicht bekämen. Das größte Argument gegen eBooks ist, dass
viele Leute das Gefühl von Papier zwischen den Fingern brauchen, wenn
sie etwas lesen. Selbst SF-Fans geben dies an, obwohl in den Romanen,
die sie lesen, meist eBooks genutzt werden.
Der Gedanke, dass es auf den
Text ankommt, nicht auf die Verpackung, ist noch nicht zu den Lesern
durchgedrungen, darum haben es eBooks schwer. Es gibt eine definierte
Zielgruppe, die eBooks liest. Daher gibt es keine Verdrängung von eBooks
und Printwerken. Der Verlag Peter Hopf (vph) hat als eBook-Verlag
begonnen und hat nun auch Taschenbücher im Angebot. "Die Türen der
Unterwelt", ein Horror-Roman von mir, erschien sowohl als Taschenbuch
wie auch als eBook. Beides nimmt sich nichts. Besser oder schlechter ist
nicht die Frage, wie ich denke. Es kommt darauf an, wo man ein Buch
lesen möchte.
TZN: Wie schätzt du die derzeitige Situation für Autoren-Newcomer ein?
Arentzen:
Dank der Kleinverlage ist es für Newcomer heute leichter,
Kurzgeschichten oder auch mal Romane unterzubringen. Moderne
Druckverfahren vereinfachten vieles und machten das Entstehen der
Kleinverlagsszene erst möglich. Dadurch sind die Chancen für Jungautoren
größer, als sie es früher waren. Zumal sich einige Verlage aktiv auf
Talentsuche begeben, wie etwa die Story-Olympiade des Wurdack-Verlags
zeigt. Natürlich müssen Newcomer verstehen, dass es für
Veröffentlichungen Regeln gibt. Es ist unabdingbar, sich über ein
Verlagsprogramm zu informieren, ehe man einen Text einschickt. Auch
nützt es nichts, gleich den gesamten Roman einzureichen. Viele Verlage
schreiben auf ihren Webseiten genau, was sie erwarten. Exposé,
Leseprobe, Vita sind in der Regel die drei wichtigsten Punkte. Bei
Ausschreibungen ist es zudem zwingend erforderlich, sich an die dort
genannten Vorgaben zu halten. Länge, Thema, Format.
Man sollte nicht
glauben, wie viele Autoren gegen diese grundlegenden Punkte verstoßen.
Manchmal sogar mit Ansage. Während der Ausschreibung zur
"Geisterspiegel"-Anthologie erhielt ich eine Teilnahme. "Ich weiß, dass
Sie Dark Fiction ausgeschrieben haben, Aber Fantasy ist ohnehin besser
und meine Geschichte..." Im Anhang eine Fantasy-Geschichte, die im
Grunde eine Inhaltsangabe von "Herr der Ringe" war.
Als Jungautor hat man heute bessere Chancen als früher. Aber nur, wenn
man auch weiß, was man tut. Dank des Internets kann man das sehr einfach
nachlesen. Eine gute Anlaufstelle sind hier Schreibforen wie
kurzgeschichten.de.
TZN: Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!
(mb - 25.08.08)
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