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Melanie Brosowski (mb)01.06.08

"Ich schreibe, weil ich Geschichten erzählen will"

TZN-Interview mit Schriftsteller und Herausgeber Armin Rößler

Wer ist Armin Rößler? Wie steht es um den deutschen Sci-Fi-Büchermarkt? Was muss ich machen, wenn ich selbst ein Buch schreiben will?

TrekZone Network: Wer ist Armin Rößler?

Armin Rößler: Ich bin 36 Jahre alt, Redakteur bei einer Tageszeitung und lebe mit meiner Familie in Rauenberg im Rhein-Neckar-Kreis. Wenn ich nicht für die Zeitung unterwegs bin, höre ich leidenschaftlich gern progressive Rockmusik (was sich zu einer fast peinlich großen CD-Sammlung ausgewachsen hat), schaue Fußballspiele von Bayer Leverkusen, lese mich quer durch die Spielarten der phantastischen Literatur (unnötig zu sagen, dass die Bücher längst noch mehr Platz wegnehmen als die CDs), wobei die Science-Fiction mein Favorit ist, und schreibe in schöner Regelmäßigkeit eigene Geschichten. Bis heute sind ungefähr 35 Kurzgeschichten in den verschiedensten Verlagen veröffentlicht wurden, außerdem drei Romane, die alle im Wurdack Verlag erschienen sind: "Das vergessene Portal" (Fantasy, 2004), "Entheete" (Science-Fiction, 2006) und "Andrade" (Science-Fiction, 2007). Mit "Argona" ist der nächste SF-Roman für September 2008 in Vorbereitung.

Daneben bin ich Herausgeber der Science-Fiction-Reihe des Wurdack Verlags und habe dort gemeinsam mit Heidrun Jänchen und Dieter Schmitt bislang acht Anthologien mit SF-Kurzgeschichten und Novellen deutschsprachiger Autoren zusammengestellt; ich bin seit 2003 in der Story-Redaktion des "Corona Magazines" und seit 2007 auch für die Auswahl der Kurzgeschichten in der Zeitschrift "phantastisch!" verantwortlich. Und wenn dann noch Zeit übrig bleibt, stehe ich einmal in der Woche selbst auf dem Fußballplatz und versuche, mindestens einmal im Winter einen Berg mit genügend Schnee zum Skifahren zu finden.

TZN: Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Rößler: Seit ich lesen kann, habe ich auch immer den Wunsch verspürt, selbst zu schreiben. Das fing mit den "Erlebnisaufsätzen" in der Grundschule an (da wäre mal eine Entschuldigung bei Karl May für diverse Ausleihen fällig...), setzte sich später über Songtexte fort, von denen sogar eine Hand voll vertont wurden (leider hat es keine der Bands zu größerem Bekanntheitsgrad gebracht), und ging hin bis zu zahllosen Entwürfen für Geschichten und dem, was ich damals für Romane hielt. So richtig ernsthaft war das aber alles nicht, zumindest ist mir aus dieser Zeit keine Geschichte in Erinnerung, die jemals wirklich fertig geworden wäre.

Das hat sich dann aber eines Tages schlagartig geändert, genauer gesagt in der Endphase meines Studiums. Ich hatte mir im Wintersemester reichlich selbst Druck gemacht, indem ich nicht nur meine Magisterarbeit geschrieben (übrigens über ein Science-Fiction-Thema: nämlich Carl Amerys großartigen Roman "Der Untergang der Stadt Passau"), sondern auch noch praktisch gleichzeitig die Prüfungen in Germanistik und Anglistik hinter mich gebracht habe. Danach war die Luft ziemlich raus, trotzdem standen im Sommer 2000 noch die Prüfungen in Politik an.

Keine guten Vorzeichen, und ich habe auch prompt nach jeder Möglichkeit gegriffen, mich irgendwie von der Lernerei abzulenken. So bin ich im Internet über die Ausschreibung für einen Kurzgeschichten-Wettbewerb gestolpert: Die so genannte Story-Olympiade stand damals unter dem Thema "Traumpfade", die besten Einsendungen sollten in einem Buch veröffentlicht werden. Das klang deutlich spannender als der Vergleich der politischen Systeme der USA und Deutschland, mit dem ich mich eigentlich hätte beschäftigen sollen. Also habe ich mich hingesetzt und eine Kurzgeschichte geschrieben. "Fließende Übergänge" hat zwar den Wettbewerb nicht gewonnen (es war Platz fünf), wurde aber trotzdem 2001 im Buch "Traumpfade" veröffentlicht. Und ich hatte Blut geleckt, was das Schreiben weiterer Geschichten anging. Die Politik-Prüfung habe ich übrigens trotzdem bestanden.

TZN: Wie wird aus einem Autor ein Herausgeber?

Rößler: Da sind wir wieder bei der Story-Olympiade. Ernst Wurdack, der vom ursprünglichen Team, das den Wettbewerb ins Leben gerufen hatte, irgendwann als Einziger übrig blieb, wollte es nicht bei den Büchern zu den jährlichen Story-Wettbewerben belassen. Er startete einen Versuch ("Düstere Visionen"), danach eine Horror- und Phantastik-Reihe ("Pandaimonion"), schließlich eine Fantasy- und auch noch eine Märchen-Reihe. Ich war bei vielen dieser Projekte als Autor dabei, und nachdem ich Ernst für einen der Horror-Bände eine lupenreine Science-Fiction-Story geschickt hatte, kam auf einmal die Frage: Ob ich nicht Lust hätte, einen Band mit SF-Kurzgeschichten zusammenzustellen? Klar hatte ich Lust. Und Ernst hatte mit Dieter Schmitt (der sich vorher in der Jury der Story-Olympiade getummelt hatte) auch noch gleich den richtigen Mann an der Angel, der das Projekt mit mir zusammen angehen wollte. Daraus wurde 2004 "Deus Ex Machina", der erste Band der Wurdack-SF-Reihe. Weitere Verstärkung fanden wir mit Heidrun Jänchen, die uns schon am Anfang bei der Story-Auswahl unterstützt hat, dann immer stärker auch ins Lektorat eingebunden wurde und heute die Wurdack-SF-Anthologien mit mir zusammen herausgibt.

Im März dieses Jahres ist mit "Lotus-Effekt" der elfte Band der Reihe erschienen, neben den Anthologien gehören dazu auch zwei Romane von mir (die oben erwähnten "Entheete" und "Andrade"), der Episodenroman "Die Zyanid-Connection" von Desirée und Frank Hoese sowie seit Mai auch der erste SF-Roman von Heidrun Jänchen, "Simon Goldsteins Geburtstagsparty", unser zwölftes SF-Buch. Das machen wir anscheinend ganz gut: Zumindest hat es uns für verschiedene Storys und Bücher bislang mehrere Nominierungen für den Deutschen Science-Fiction-Preis, den Kurd-Laßwitz-Preis und den Deutschen Phantastik-Preis eingebracht. Darauf ruhen wir uns aber nicht aus. Im Herbst geht es mit weiteren Büchern weiter - "Argona" aus meiner Feder und dem Roman "Das Ardennen-Artefakt" von Bernhard Schneider, einem Stammautor unserer Reihe, der übrigens damals den "Traumpfade"-Wettbewerb gewonnen hat... Daneben ist inzwischen außerhalb der Reihe der erste Science-Fiction-Sonderband erschienen (die Story-Collection "Prothesengötter" von Frank Hebben) und ab Herbst startet im Wurdack Verlag die Neuauflage der legendären "Weltraumpartisanen"-Reihe von Mark Brandis. An all diesen Büchern bin ich auf die eine oder andere Art und Weise beteiligt, sei es als Lektor, Herausgeber oder eben Autor.

TZN: Dein neustes Projekt ist "Argona", das wie von dir erwähnt im September im Wurdack Verlag erscheint. Worum geht es in diesem Roman?

Rößler: Wie "Entheete" und "Andrade" (und eine Hand voll Kurzgeschichten) spielt auch "Argona" vor dem Hintergrund meines Argona-Universums. Die Romane sind keine echten Fortsetzungen, sie lassen sich auch ohne Kenntnis der jeweils anderen Bücher lesen, bauen aber trotzdem aufeinander auf. Der Roman erzählt von dem Argonomen Aulden (den die Leser aus "Entheete" kennen), der endlich nach Hause zurückkehrt - allerdings 1000 Jahre zu spät. Argona, seine Heimatwelt, ist hinter einem undurchdringlichen Energiefeld verschwunden. Das deutet darauf hin, dass die Kotmun, ein Volk, das der ganzen Galaxis den Krieg angesagt zu haben scheint, ohne dass jemand die Gründe dafür kennt, den Planeten erobert haben. Aulden muss nun auf die Unterstützung eines Jungen namens Paul Andrade hoffen, vor dem er eben (am Ende von "Andrade") noch - und das aus gutem Grund - geflohen ist. Dann gibt es da noch die Lotsen, die geheimnisvollen Herren der Wurmlöcher. Um es salopp auszudrücken: Sie kochen ihr eigenes Süppchen, was die ganze Situation nicht unbedingt vereinfacht...

Das ist, um die Verlagswerbung zu bemühen, wieder eine waschechte Space Opera: Ein temporeiches Abenteuer weit draußen im Weltall, das vor der bunten Kulisse fremder Planeten, exotischer Außerirdischer und kniffliger Rätsel eine spannende Geschichte erzählt.

TZN: Wie bist du auf die Story gekommen? Was steckt dahinter?

Rößler: Ich schreibe, weil ich Geschichten erzählen will - das ist mein wichtigster Antrieb. Meine "Helden" sind sich oft relativ ähnlich: Menschen oder andere Lebewesen, die nach ihrer Bestimmung suchen, nach dem Weg zu sich selbst. Das sollte allerdings in eine möglichst interessante, also auch spannende Story verpackt werden. Im speziellen Fall hat es sich so ergeben, dass das Argona-Universum gewachsen ist, mit jedem Roman und mit jeder einzelnen Kurzgeschichte. Ich bin selbst kein Freund unnötig aufgeblähter Bücher, die vor allem deshalb so dick sind, weil der Autor unbedingt gleich alles, was er sich so ausgedacht hat, an den Leser bringen will.

Im Argona-Universum kommen diese Informationen dann, wenn ich sie für notwendig erachte, schön peu à peu, immer nur dann, wenn sie auch der Geschichte dienen, die ich erzählen will. Und weil ich jetzt darüber schreibe, wie dieser Aulden nach Hause zurückkehrt, bietet es sich an, dem Leser eine ganze Reihe von Fragen zu beantworten, die "Entheete" und "Andrade" praktisch nebenbei aufgeworfen haben. Was hat es mit den Argonomen auf sich? Warum führen die Kotmun diesen erbarmungslosen Krieg? Wer sind diese Lotsen eigentlich? Ich verrate hier und heute aber lieber nicht, was ich davon dann auch wirklich in "Argona" schon preisgebe. Denn wenn der Roman bei den Lesern so gut ankommt wie seine beiden Vorgänger, wird es fast notgedrungen - und natürlich weil es einen Heidenspaß macht, diese Bücher zu schreiben - weitere Romane vor dem Hintergrund des Argona-Universums geben müssen.

TZN: War es leicht, einen Verlag zu finden?

Rößler: In meinem Fall ja. Ich habe ja 2004 schon den Fantasy-Roman "Das vergessene Portal" im Wurdack Verlag veröffentlicht, der überwiegend positive Kritiken geerntet hat und beispielsweise für den Deutschen Phantastik-Preis als "bestes Roman-Debüt" nominiert wurde. Als die SF-Reihe auf ähnlich gute Resonanz stieß, war uns irgendwann klar, dass wir neben Anthologien auch Romane machen sollten. Ich hatte dann diese Idee, das Team war angetan und so entstand "Entheete". Noch bevor ich den Roman zu Ende geschrieben hatte (es muss irgendwo zwischen Kapitel zehn und elf gewesen sein), überzeugte mich Ernst, dass mindestens ein weiterer Roman vor demselben Hintergrund her muss. Da hat er noch nicht gewusst, dass "Entheete" sowohl für den Deutschen Science-Fiction-Preis als auch für den Kurd-Laßwitz-Preis 2007 als "bester deutschsprachiger SF-Roman" nominiert werden würde. Ich habe zwar beide Preise nicht gewonnen, dass aber "Andrade" 2008 wieder auf beiden Nominierungslisten steht, ist kein schlechter Trost. Und nach "Andrade" war "Argona" einfach der logische nächste Schritt, dem weitere folgen werden. Der Verleger drängelt schon, dass ich am besten wieder drei Romane nachschiebe, die ebenfalls zumindest lose zusammenhängen. Ob das auch wirklich so sein wird, weiß ich, wenn ich das Konzept dafür zu Ende gebastelt habe...

TZN: Wie siehst du die derzeitige Sci-Fi-Situation auf dem deutschen Buchmarkt?

Rößler: Die großen Verlage wollen in erster Linie Geld verdienen. Das ist für den Genre-Leser nicht gut. Die Zeiten, in denen ein Wolfgang Jeschke im Heyne Verlag mit Büchern, die sich prächtig verkauften, weniger umsatzträchtige, aber dafür für den SF-Liebhaber umso wichtigere Projekte mitfinanzieren konnte, sind heute längst vorbei. Was sich nicht in genügend großer Anzahl verkauft, fliegt aus den Programmen. Echte Bestseller - nehmen wir von den deutschen Autoren Frank Schätzings "Der Schwarm" oder die Bücher von Andreas Eschbach - werden schon gar nicht mehr als Science-Fiction verkauft.

Zum Glück hat sich in den letzten Jahren eine gerade in der SF sehr rege Kleinverlagsszene entwickelt. Auch hier sind Ladenhüter nicht gern gesehen, das ist sicher jedem einleuchtend. Aber es sind Leute mit viel Enthusiasmus am Werk, die Gewinnmaximierung ist nicht das oberste Ziel. So sind zuletzt eine ganze Reihe von Büchern erschienen, die sich qualitativ vor den Produkten der großen Verlage nicht verstecken müssen. Ich nehme meine eigenen Sachen da ausdrücklich nicht aus, so viel Selbstbewusstsein muss sein. Natürlich gibt es das Problem des deutlich schlechteren Vertriebs, diese Bücher stehen längst nicht in jeder Buchhandlung: Welcher SF-Leser, der sich nicht regelmäßig im Internet und dann dort auch noch auf den richtigen Seiten tummelt, weiß, dass es den Wurdack Verlag gibt und dass dort zwölf Science-Fiction-Bücher erschienen sind, die in seiner Sammlung nicht fehlen sollten? Aber wir arbeiten daran...

TZN: Und was bedeutet das für Neu-Autoren?

Rößler: Junge Autoren sollten nicht unbedingt darauf hoffen, gleich mit ihrer ersten Geschichte den großen Bestseller zu landen. Aber sie sollten die Augen offen halten: Sich das nötige Handwerkszeug aneignen, indem sie etwa in den zahlreichen Kurzgeschichten-Foren im Netz ehrliches Feedback schlucken, indem sie sich an Story-Wettbewerben beteiligen, wie sie etwa das "Corona Magazine" regelmäßig anbietet, oder sich ihre ersten Sporen in den diversen Fanzines verdienen - und vor allem, indem sie lesen, was andere Autoren schreiben. Nur dann kann man sich auch wirklich realistisch einschätzen und weiß, wo man steht. Und wenn man dann denkt, dass man gut genug ist, sollte man es versuchen. Bei welchem Verlag auch immer. Wer gut ist, wird genügend Möglichkeiten finden, seine Geschichten zu veröffentlichen.

TZN: Noch ein paar abschließende Worte?

Rößler: Wer jetzt neugierig auf das geworden ist, was ich schreibe, darf gerne beim Wurdack Verlag vorbeischauen. Dort werden nicht nur gute Bücher verkauft, es gibt auch eine Download-Seite, auf der sich beispielsweise Leseproben aus Romanen finden, aber auch (kostenlose) E-Books, in denen komplette Storys versammelt sind (nicht nur, aber auch von mir). Das ist vielleicht eine ganz nette Möglichkeit, da mal hineinzuschnuppern. Und wer - ebenfalls umsonst - mal eine längere Geschichte von mir aus dem Argona-Universum lesen will, der kann einen Blick in die 200. Ausgabe des "Corona Magazines" werfen. Dort gibt es meine Erzählung "Martys Weg", die einen guten Eindruck davon vermittelt, was ich so schreibe.

TZN: Vielen Dank für das Interview!

Rößler: Ich habe zu danken.

(mb - 26.08.08)

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