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Melanie Brosowski (mb)02.03.11

"Sind Frauen die besseren Herrscherinnen?"

Karen Siewers über ihren Debütroman "Thala: Die phantastische Reise einer mutigen Frau"

Karen Siewers spricht im Interview über ihre Zeit in der Bundeswehr, Frauen als Herrscherinnen über Planeten, Gesellschaftskritik in der heutigen Zeit und warum ihre Kinder ihre Bücher nicht lesen dürfen.

TrekZone Network: Wer ist Karen Siewers?

Karen Siewers: Gleich am Anfang so 'ne schwere Frage. Genau wie mein Alltag, mein Leben, sehr vielschichtig ist, so vielschichtig ist auch meine Persönlichkeit. In einem Lebenslauf schreibt sich das ganz einfach:

Geboren 1964, aufgewachsen in einem kleineren Ort in Niedersachsen, Abitur und direkt im Anschluss das Medizinstudium in Hannover. In Hannover bin ich dann erst mal noch ein paar Jahre geblieben und habe dort im Fachbereich Anästhesie gearbeitet.

Nach all der Schichtarbeit und den Routinen sehnte ich mich irgendwann mal nach was anderem und ging als Freiwillige Ärztin zur Bundeswehr. War irgendwie 'ne klasse Zeit. Dennoch, aber das nur am Rande, bin ich froh, dass die Wehrpflicht gerade abgeschafft wurde und meine drei Söhne dort nicht mehr hin müssen. Es ist nämlich ein großer Unterschied, ob man dort als Flottillenarzt (einer der höchsten Offiziere) arbeitet oder als einfacher Soldat. Aus meiner Sicht, und ich habe ja all die Soldaten behandelt, die nicht damit zurechtkamen, ist der Spaßfaktor "unten" deutlich geringer.

Was dann? Ja, ich lernte meinen Mann kennen, heiratete, bekam vier Kinder in fünf Jahren, zog etliche Male um und arbeitete vorwiegend im Bereich der Erwachsenenbildung, das heißt Med. Fachschulen, an denen ich quasi als Lehrer die klinischen Fächer unterrichtete. War auch nett! Dann vor acht Jahren der Umzug hierher und seither arbeite ich bei der KVSH im Notdienst, Teilzeit, versteht sich, bei der Anzahl an Kindern.

So viel also Leben in Zahlen und Fakten. Ja, wo ich da bin? Irgendwo dazwischen. Mal bin ich Mutter, mal Ärztin, mal Frau, mal unglaublich mutig, mal verängstigt, mir würde alles über den Kopf wachsen, mal irritiert, weil Projekte besser laufen, als ich dachte, mal einfach nur ich, wenn ich die Geschichte weiter schreibe.

Genauer geht es nicht. Deshalb ist die Geschichte ebenfalls vielschichtig. Mein Wesen ist so. Es lässt sich nicht auf einen Punkt fixieren. Ich weiß daher auch nicht, ob ich die gute Thala bin oder ihre böse Gegenspielerin Farah. Vielleicht bin ich am ehesten die mutige und manchmal fiese Kathleen, die in Band zwei auftritt?

TZN: Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Siewers: Das war nicht einfach. Die Geschichte von oder besser um Thala herum gibt es schon sehr lange in meinem Kopf. Der Grund: In meinem Leben liefen viele Dinge nicht so wie sie sollten oder wie ich es mir gewünscht habe. Das betrifft nicht nur mein Leben als Erwachsene. Nein, das begann alles lange davor. Thala und das, was sie erlebt, hat mich als eine Art Parallelgesellschaft begleitet. Wenn es mir schlecht ging, so musste es jemandem in der Geschichte schlechter gehen, damit relativierte ich mein Leben.

Hört sich gruselig an, ich weiß, ist es auch. Dennoch hat mir die Geschichte geholfen, mein Leben selber in die Hand zu nehmen, mich aus allem zu befreien.

Irgendwann habe ich daran gedacht, sie aufzuschreiben. Ich habe es versucht, aber es ging nicht. Ich habe es nicht geschafft, meinen eigenen Schreibstil zu finden. Weitere zwei Versuche gingen dem Sommer 2008 voraus, bevor ich es schaffte, es wirklich aufzuschreiben. Als der Bann einmal gebrochen war, lief es immer weiter. Seite um Seite füllte sich, so als müsse die Geschichte mich dringend verlassen. Ich konnte gar nicht so schnell tippen, wie die Gedanken kamen. Es war eine tolle Zeit und sehr befreiend.

TZN: Du bist Ärztin und warst viele Jahre bei der Bundeswehr, wie du schon erzählt hast. Dies ist, trotz unserer modernen Zeit, nicht gerade der typische Berufsweg einer Frau. Kannst du uns noch mehr darüber erzählen, was dich dorthin gezogen hat?

Siewers: Nun, ich erwähnte es bereits ein wenig in Punkt eins. Meine Hauptidee war das Abenteuer. Deshalb bin ich auch zu einer seefahrenden Einheit gegangen. Es waren tolle Jahre. Als ich nach vier Jahren einen Bandscheibenvorfall erlitt, war es damit allerdings vorbei. Dennoch blieb es spannend. Ich war das letzte Jahr am Schifffahrtmedizinischen Institut der Marine in Kiel. Hört sich trocken an, ist es aber nicht. Tropen - und Tauchmedizin sind spannende Fächer, in die man sonst gar keinen Einblick bekommt. Für mich war es eine schöne Zeit. Und was heißt überhaupt "typischer Weg"? Sind es nicht gerade die sich windenden Wege, die unser Leben so spannend machen? Immer nur geradeaus ist langweilig und anstrengend. Ich weiß es genau, ich habe es gelebt: Schule - Abitur - Studium in Regelzeit - Job an der Uni - ja, alles gesellschaftlich so schön opportun. Und für mich: unglaublich anstrengend, immer zu funktionieren und die Normen zu erfüllen. Das Leben ist viel bunter, wenn man sich davon verabschiedet.

TZN: Haben die Strukturen und Erlebnisse bei der Bundeswehr oder deine Passion als Ärztin dein Schreiben beeinflusst?

Siewers: Nein! Es hat Spaß gemacht, dort zu arbeiten. Es war interessant, Einblicke in eine extrem Männer-dominierte Welt zu erhalten. Von den Chirurgen, mit denen ich jahrelang zusammen gearbeitet hatte, kannte ich das bereits, aber nicht so extrem. Dennoch hat diese Zeit nichts an der Geschichte geändert. Auch die Tatsache, dass ich Ärztin bin und Thala auch, hat keinen Zusammenhang. Wenn überhaupt in anderer Richtung. Nicht ich habe die Geschichte beeinflusst, sondern sie mich. Vielleicht habe ich es mir schon als Kind gewünscht, den Beruf zu ergreifen? Unbewusst! Thala war auf jeden Fall von Anfang an Ärztin.

TZN: Wie bringst du Familie und Schreiberei unter einen Hut?

Siewers: Es ist nicht einfach, zumal wir keine Großeltern am Ort haben, die etwas auffangen könnten. Ich organisiere mich schlichtweg gut. Schreiben tue ich morgens, oder wenn ich die Kinder zu irgendetwas begleite (Sport oder ähnliches) und dort warten muss. Ansonsten plane ich langfristig, sodass mein Mann es sich einteilen kann, mich hier zu Hause zu verfangen. Der Job bei der KV war nie ein Problem, da er abends ist oder am Wochenende. Da ist mein Mann sowieso da. Der einzige Nachteil: Man, Frau, ist oft müde!

TZN: Was sagen die Kinder dazu, dass "Mama schreibt"?

Siewers: Nun, sie fanden es anfänglich irgendwie spannend. Da sie aber die Geschichte nicht lesen durften - es ist wirklich kein Kinder-Text -, wurde es schnell langweilig. Dann jedoch bekamen sie die ganze Aufregung um die Verlagsauswahl und ähnliches mit und wurden wieder interessierter. Als es dann veröffentlicht wurde, habe ich sie darauf eingeschworen, nichts davon zu erzählen. Wir wohnen in einem kleinen Ort und der Neid wächst schnell. Ich wollte nicht, dass sie dem ausgesetzt sind. Irgendwann kam es dann doch raus, und zwar so: Meine Tochter, 11 Jahre, ging mit der Schule in unseren Bücherladen, am Tag des Lesens, um über Bücher zu sprechen. Der Besitzer des Ladens fragte, ob denn jemand wisse, wie aus einem Manuskript ein Buch werde? Meine Tochter meldete sich und erzählte, wie es abläuft. Erstaunt darüber wurde sie gefragt, woher sie das denn wisse, und sie sagte freimütig, dass ihre Mutter bereits einen Roman veröffentlicht habe. Welchen denn, war die Frage, und sie sagte den Titel. Den hatte der Buchladen sogar präsent, und als der Mann das Buch aus dem Regal zog, entgleisten den begleitenden Lehrern alle Gesichtszüge. Seither ist es also bekannt.

TZN: Worum geht es in der Geschichte?

Siewers: Thala ist die Heldin meines Romans. Sie ist eine Frau von der Erde, eine "Normalofrau", die scheinbar durch Zufall auf einen fernen Planeten gerät, in eine andere Gesellschaft. Dort herrschen die Frauen. Sie sind grausam, brutal, arrogant und herrschsüchtig. Dennoch sieht es am Anfang so aus, als gefalle es Thala. Sie steht ja auch auf der richtigen Seite. Ihr Leben ist bestimmt von Vorteilen, Luxus und erfüllten Wünschen. Dann jedoch passiert etwas, das sie zum Nachdenken anregt, und eben darum geht es: Um das Miteinander, um das Hinsehen und Verstehen. Ist jemand wirklich wichtiger, weil er Arzt ist oder Apotheker? Ist er wirklich bedeutender, weil er Geld hat oder Einfluss? Ist das wirklich die Gesellschaft, die wir wollen? Ist nicht ein Bäcker, der ein tolles Brot backt, genauso wichtig und bedeutsam?

Sind Frauen die besseren Herrscherinnen? Das ist ja ganz aktuell in diesen Tagen. Nun, wer wissen will, wie gut oder schlecht Frauen das mit der Macht halten, lese das Buch! Da Thala sich auf einem fernen Planeten befindet, kann man mit den Ideen spielen. Sie sind dann nicht so real gesellschaftskritisch.

Eines sei noch besonders erwähnt. Jeder der hört: Frauen an der Macht, denkt, es sei feministisch. Das ist es in keinster Weise. Es ist nur sehr kritisch!

TZN: War es schwer, einen Verlag zu finden?

Siewers: Nein! Ich habe mein Manuskript an nur neun Verlage geschickt. Mutig wie ich bin, an die größten! Von drei Verlagen kam eine Zusage. Ich habe mir dann ausgebeten, die Leute kennen zu lernen. Wie ich später erfuhr, war das ungewöhnlich. Normal sei, dass ein Erst-Autor den Vertrag nimmt, unterschreibt und sofort zurückschickt. Ich jedoch rief an, vereinbarte einen Termin und lernte die Leute kennen. Diesem Anliegen kam man auch problemlos nach. Der Verleger und sein Team hatten sich vorbereitet. Die Lektorin erzählte über mein Buch, es war alles sehr nett gemacht. Von ablehnend meinem Verhalten gegenüber konnte gar keine Rede sein.

Natürlich hatte ich auch Fragen. Zuerst natürlich, wieso ich? Wieso wollte er gerade mein Buch veröffentlichen? Ganz einfach, erklärte der Verleger: Der Vertrieb sei das Ausschlag gebende. Für die Geschichte in meinem Buch gäbe es drei Vertriebsgruppen: Einmal die geschiedenen Frauen, also 50 Prozent der weiblichen Bevölkerung, zumeist mit schlechter Scheidung. Sie hassen die Männer und werden ein Buch lieben, in dem die Männer mal so richtig schlecht wegkommen. Zweitens: Die älteren, meist bleiben auch da nur Frauen übrig. Sie lesen seit mehreren Jahren gerne Fantasy. Der Gedanke: Oma und die Heimatmelodie sei lange abgehakt. Die Alten mögen es spannend und fantasievoll. Und zuletzt die dritte Gruppe: Zwischen 16 und 25 Jahren. Die Jungen, beiderlei Geschlechts, lieben seit der Renaissance von "Herr der Ringe" vor ein paar Jahren Fantasy. Also drei Gruppen, auf die man den Vertrieb lege. Es gehe weder um mich, noch um mein Buch oder um die Geschichte meiner Heldin. Es gehe nur um den Vertrieb. Harte Worte!

Wenn man es aber mal genau betrachtet, so sind die Worte wenigstens ehrlich. Ich persönlich mag es nicht, wenn man mir Honig um den Bart schmiert und hinterher nichts passiert. Die Leute von der Frankfurter Verlagsgruppe sind nicht deshalb so groß, weil sie so nett sind. Sie verstehen ihr Handwerk, machen ihre Arbeit konsequent und das ist ja, was ich möchte. Ich möchte, dass die Geschichte im Buch bekannt wird. Dass vielleicht ein paar Menschen anfangen, darüber nachzudenken? Da habe ich mit einem internationalen Konzern sicherlich größere Chancen. Und für den Fall, dass was schief geht, habe ich mir einen Urheberrechtsanwalt genommen, aus einer großen, ebenfalls international agierenden Kanzlei, der dann für mich sprechen wird!

TZN: 24,80 Euro für ein Taschenbuch finde ich schon ziemlich viel. Bist du zufrieden mit den Verkaufszahlen?

Siewers: Ja! Das ist eine von den Kröten, die ich schlucken musste. So etwas legen die fest, und es ist nicht diskutierbar. Dennoch scheint es auf den Vertrieb nicht viel Einfluss zu haben, denn die Verkaufszahlen sind gut.

TZN: Du warst auch beim Lesemarathon am Stand der Frankfurter Verlagsgruppe mit dabei. Was war das für ein Gefühl?

Siewers: Ja, zweimal im vergangenen Jahr. Zuerst im März in Leipzig, das war natürlich besonders aufregend, da ich noch nie eine Lesung hatte. Sicher, ich habe schon sehr viele Vorträge gehalten, aber das ist was ganz anderes. Im Oktober in Frankfurt dachte ich dann, ich wüsste alles und mutig, wie ich bin, ging ich darauf los. Dass Frankfurt nicht nur viel größer sein würde, dass der Stand größer sein würde und dass es diesmal ein richtiges Auditorium gaben würde und meine Lesung auf Plakaten angekündigt sein würde, wusste ich nicht. Das war dann mehr als spannend, aber ich habe es geschafft und viel Beifall bekommen.

TZN: Wie empfindest du die derzeitige Situation für "Neu-Autoren"?

Siewers: Dazu kann ich wenig sagen, da es bei mir auf Anhieb geklappt hat. Ich vermute mal, es ist schwer, da die Verlage lieber Lizenzen kaufen. Sie sagen, ein Buch, das anderswo bereits erfolgreich ist, wird es auch hier werden. So sind die Investitionskosten, so ist das Risiko abzuschätzen. Ja, hört sich logisch an, aber ist Geld alles? Vermutlich schon in einer Gesellschaft, in der die Börsennachrichten vor den gesellschaftlichen Neuigkeiten geschaltet werden!

Übrigens, etwas, das auch meinem Buch passieren wird. Der Verlag wird es im April in London international vermarkten. Sicherlich auch toll, aber in jedem Fall etwas, gegen das ich nichts tun kann. Ist wieder so eine Kröte im Vertrag!

TZN: In Zeiten von iPad und Co.: Glaubst du, das gedruckte Buch hat noch eine Zukunft?

Siewers: Ja, es hat beste Chancen. Ein Buch in der Hand zu haben ist immer etwas anderes, als es am Monitor zu lesen, und das wird auch so bleiben.

TZN: Einige abschließende Worte?

Siewers: Die letzte Frage scheint genauso schwierig wie die erste! Vielleicht ein bisschen Werbung. Wer mehr über die Geschichte lesen möchte, gehe auf die Website oder lese den Blog, den ich täglich schreibe. Dort geht es um die Geschichte hinter der Geschichte. Geheimnisse und Gesellschaftskritik. Außerdem findet man mich in etlichen bekannten Netzwerken wie Facebook, Twitter und ähnlichem, aber auch auf Xing, add public und LinkedIn. Ich würde mich über Zuschriften, Kommentare und Anregungen freuen.

Dieses Interview ist auch zusammen mit weiteren Texten rund um das phantastische Genre in der März-Ausgabe unseres monatlichen Magazins "Incoming Message" erschienen. Falls Sie die "Incoming Message" noch nicht abonniert haben, können Sie das Internet-Magazin zusammen mit unserem wöchentlichen Newsletter "TrekZone Weekend" hier kostenlos bestellen.

(mb - 14.04.11)

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