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Melanie Brosowski (mb)07.08.09

"Keine Geschichte sollte unerzählt bleiben!"

Das TZN im Interview mit dem Autor Harald Jacobsen

Wieder einmal hatte Melanie Brosowski Gelegenheit, mit einem deutschen Autor zu sprechen. Diesmal im Interview: Harald Jacobsen. Sein Roman "Das Geheimarchiv" erschien 2008, demnächst schreibt er auch für die Heftromanreihe "Sternenfaust".

TrekZone Network: Wer ist Harald Jacobsen?

Harald Jacobsen: Ein glücklich verheirateter Endvierziger, der in einer wunderschönen landschaftlichen Umgebung seiner Phantasie freien Lauf lassen kann.

TZN: Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Jacobsen: Zunächst wurde ich zum Vielleser und träumte mich täglich in wilde Abenteuer in weit entfernten, fremden Ländern. Als Teenager erwachte der Gedanke, dass ich meine eigenen Ideen doch auch zu Papier bringen könnte. Zum Glück sind diese "Frühwerke" verloren gegangen. Neben entnervten Deutschlehrern (14 Seiten pro Aufsatz waren ihrer Auffassung nach eindeutig zu viel!) folgte bald darauf das komplette Lehrerkollegium, da ich mir als Mitwirkender in der Schülerzeitung einen gewissen journalistischen Freiraum verschaffte. Es folgte eine Phase der "Normalität" mit ehrbaren Berufen wie Kaufmann und Soldat, wo ich Familienvater wurde und wirtschaftliche Zwänge eine große Rolle spielten.

Doch ab dem Jahre 2003 änderte sich nach einer Krankheit meine Lebenseinstellung und Dank meiner wunderbaren Frau traute ich mir einen radikalen Wechsel zu. Ich schrieb meinen ersten "richtigen" Roman und fing bei einer Zeitung in der Redaktion als freier Mitarbeiter an. Dann kam eine Zeit der Ernüchterung, als der Roman irgendwie unfertig erschien und ich mir Gedanken zu meinen Fähigkeiten machte. Als Resultat folgte eine intensive Ausbildung im Handwerk des Schreibens, wonach ich den Roman vollkommen neu schrieb und im August 2008 unter dem Titel "Das Geheimarchiv" veröffentlichen konnte. Zwischenzeitlich gelang mir es immerhin, den Bastei-Verlag von meinen Fähigkeiten als Schriftsteller zu überzeugen und ich durfte in der Reihe "Chicago" den Roman "Mit harten Bandagen" veröffentlichen. Es kam das leider frühe Ende dieser Reihe und das überraschende Angebot, bei "Jerry Cotton" ins Autorenteam einzusteigen. Dort konnte ich mittlerweile mehr als 30 Romane zu der Reihe beitragen und bleibe Jerry Cotton sicherlich treu.

Daneben arbeitete ich für den VPH-Verlag als Schriftsteller, in dem vier eBooks unter dem Pseudonym Ben Ryker erschienen. Ausflüge zu weiteren Verlagen in der Kleinverlagsszene waren nicht ganz so erfreulich, gehören aber zum Lernen einfach dazu. Zukünftig wird es neben verschiedenen Reihen des Bastei-Verlages auch immer wieder eigenständige Romane geben.

TZN: Wie vereinbarst du Familie (Job?) und die Schreiberei?

Jacobsen: Da meine Frau ein eigenes Unternehmen hat, gibt es wenige Probleme mit ungewöhnlichen Arbeitszeiten. Sie muss oft auch am Abend oder am Wochenende geschäftlich aktiv sein, so dass wir uns leicht abstimmen können. Gleichzeitig teilen wir viele Interessen und planen danach die verbleibende Freizeit. Zudem kann ich durch meine kaufmännische Qualifikation in einigen Dingen meiner Frau zur Seite stehen, wodurch eine große Unabhängigkeit besteht und ich somit keiner sonstigen Anstellung nachgehen muss.

TZN: Hast du ein schriftstellerisches Vorbild?

Jacobsen: Es gibt natürlich eine Menge Autoren, die mich stark inspirieren. Stellvertretend für den Thrillerbereich seien hier nur Robert Ludlum und Tom Clancy genannt. Alle tollen Autoren jetzt aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen, da gibt es schlicht zu viele Kollegen mit großen Fähigkeiten. Deswegen lese ich nach wie vor mit Leidenschaft und genieße das Können der anderen Autoren.

TZN: Wer ist dein schärfster Kritiker und warum?

Jacobsen: Das ist ein sehr geschätzter Kollege von mir, nämlich Jean-Pierre Paulisch. Uns verbindet eine Freundschaft, die offene und ehrliche Kritik nicht nur zulässt, sondern speziell fordert. Wir nutzen uns gegenseitig als Testleser und achten das Urteil des Anderen.

TZN: Was sagen deine Freunde zu deinem Hobby?

Jacobsen: Es bleibt den meisten Menschen in meiner näheren Umgebung ein ewiges Rätsel, wie mir ständig neue Geschichten einfallen können. Dass ich mittlerweile als Schriftsteller lebe und trotzdem ein fast langweiliges Leben führe, stört ab und an das Vorurteil über den "typischen" Schriftsteller.

TZN: Wie siehst du die derzeitige Situation von Jungautoren/Kleinverlagen?

Jacobsen: Die Vielzahl kleiner Verlage macht es jungen Autoren sicherlich ein wenig leichter, um überhaupt einmal eine Veröffentlichung zu erzielen. Diese Kleinverlage sind in der Regel jedoch mehr Leidenschaft als kommerzielles Wirken, denn mit kleinsten Auflagen kann kein Verleger ernsthaft Gewinne erzielen. Es ist diesen Verlegern also besonders hoch anzurechnen, dass sie vielen von uns durch ihr Engagement einen Weg zur Veröffentlichung ermöglichen. Ich hoffe daher sehr, dass es noch lange solche engagierten Menschen gibt und bin ihnen sehr dankbar für diese Belebung der Verlagsszene. Junge Autoren müssen sich jedoch bewusst machen, dass auch kleine Verlage auf das Handwerk achten. Eine tolle Idee alleine reicht einfach nicht aus und daher muss jeder Autor ständig an seinen handwerklichen Fähigkeiten arbeiten.

TZN: Hat die derzeitige Wirtschaftskrise deiner Meinung nach auch Auswirkungen auf die Autorenszene?

Jacobsen: Die Zahl der Autoren, die in Deutschland vom Schreiben leben kann, nimmt schon seit vielen Jahren beständig ab. Das zeigen die Erhebungen des Deutschen Schriftstellerverbandes und beweisen mir die Gespräche mit Kollegen und Kolleginnen. In diesem Zusammenhang kann die Wirtschaftskrise bei den Autoren direkt vielleicht gar nicht mehr so stark zum Tragen kommen, aber über den Weg der Kleinverleger schon eher. Geht diesen engagierten Menschen das Kapital aus ihrem eigentlichen Brotberuf aus, können sie sich den Verlag nicht mehr leisten. Geht der Verlag in der Szene verloren, fehlt eine Möglichkeit der Veröffentlichung. Auf diesem Umweg trifft die Krise dann auch uns Autoren.

TZN: Glaubst du, dass das eBook eines Tages das gebundene Exemplar ablösen wird?

Jacobsen: Nein. Es wird sich als weiteres Medium mit der Zeit sicherlich etablieren, aber nicht das gedruckte Buch ablösen. Mit dem iPhone kommt jetzt schon ein zusätzliches Medium für Veröffentlichungen hinzu, ohne dass ich von einem Verschwinden des gedruckten Buches ausgehe.

TZN: Hat deine Dienstzeit bei der Bundesluftwaffe beziehungsweise dein Faible für "Star Trek" Einfluss auf deine Geschichten?

Jacobsen: Ja, da bestehen keine Zweifel. Die langjährige Dienstzeit in einer Aufklärungseinheit der NATO hat mir viele interessante Eindrücke verschafft und dient auch heute noch als Reservoir im Thrillerbereich. Die "Star Trek"-Serien haben mir Lust auf SF gemacht und letztlich zur Entwicklung eigener Ideen in diesem Umfeld geführt. Der erste Teil eines SF-Romans liegt zurzeit bei einem Verlag, der nach Ansicht der Textprobe großes Interesse an einer Veröffentlichung zeigt. Weitere Ideen werden sich demnächst in der Reihe "Sternenfaust" umsetzen lassen, da ich ab dem nächsten Zyklus zum Autorenteam dazukomme.

TZN: Du hast das Schreiben bei professionellen Schreibern gelernt. Bist du der Meinung, dass man das Schreiben wirklich lernen kann oder muss eine gewisse Veranlagung dazu schon gegeben sein?

Jacobsen: Es gibt kein Schreiben ohne Talent und keine gut erzählte Geschichte ohne gekonntes Handwerk. Wer als Autor nur auf sein Talent setzt, droht an mangelnder Technik zu scheitern. Genauso wenige Chancen hat ein fleißiger Handwerker, dem leider das nötige Talent fehlt. Alle Technik der Welt kann keine tolle Idee/Inspiration ersetzen.

TZN: Warum liegt dein Schwerpunkt ausgerechnet bei Krimi und Thriller?

Jacobsen: Wie die meisten Deutschen habe ich ein Faible für Krimis und da liegt es sicherlich nahe, eigene Fälle zu konstruieren und zu erzählen. Ich lese Kriminalromane immer noch sehr gerne und sehe mir viele Krimis im Fernsehen an. Bei den Thrillern liegt es zum Teil an Robert Ludlum, der mir in meiner aktiven Militärzeit in die Finger gefallen ist. Seine treffenden Geschichten, die im Nachrichtenwesen und deren Schnittstellen zum Militär sowie Politik angesiedelt sind, haben mich begeistert. Ich wollte unbedingt ähnliche Geschichten erzählen und entwickle aktuell einen neuen Roman dazu, in dem die "wahren" Hintergründe der Finanzkrise aufgedeckt werden.

TZN: Du hast auch Western veröffentlicht. Nun ist das ein Genre, das in Deutschland schwer zu verkaufen ist, außer es ist die 77. Auflage von "Lassiter". Hast du das zu spüren bekommen? Wie haben die Verlage reagiert?

Jacobsen: Hier kam mir meine Zusammenarbeit mit Dr. Marzin vom Bastei-Verlag zu Gute. Als die Reihe "Western-Legenden" entwickelt wurde, bot mir der Lektor Holger Kappel die Mitwirkung an, nachdem Dr. Marzin ihn auf mich aufmerksam gemacht hatte. Ich habe mich mit Begeisterung in die Recherchen zu den beiden Romanen gestürzt und dabei erkannt, wie gut der Autor sich in diesem Genre auskennen sollte. Neben dem speziellen Wissen (einmal zum Leben von Doc Holliday im Roman "Flucht aus Fort Griffin" und dann über den Whitneyville Walker Colt für den Roman "Gegen jede Chance") muss ein umfassendes Wissen über das Leben zu der Zeit kommen. Westernautoren sollten also schon sehr viele Kenntnisse mitbringen, die in ihren Werken spürbar sind.

Leider hat der Western seine große Blütezeit hinter sich und findet nur noch wenig Beachtung in den diversen Medien. Verlage wie der Bastei-Verlag oder der Kelter Verlag setzen daher auf wenige Reihen oder Nachdrucke älterer Romane. Ich finde dabei übrigens langlebige Reihen wie "Lassiter" oder "Jack Slade" sehr gut, auch wenn die Art der Romane nicht jeden Westernfan erreicht. Es gibt daneben immer noch Verlage wie den Persimplex Verlag, der stärker auf die konventionellen Romane mit exakten historischen Hintergründen setzt. Autoren wie Alfred Wallon halten den Western zum Glück am Leben. Ich verfüge über einige Ideen im Westernbereich, aber deren Umsetzung fällt mangels Erfolgsaussichten leider den anderen Projekten derzeit zum Opfer.

TZN: Was ist dein aktuelles Projekt?

Jacobsen: Ich verfolge immer mehrere Projekte nebeneinander, um den kreativen Output zu bewältigen. Viele Ideen bleiben auf der Strecke, aber einige finden ihren Weg in fertige Romane. So arbeite ich aktuell an Ideen für den Einstieg in die Reihe "Sternenfaust" und präsentiere sowohl einen SF-Roman als auch einen Actionroman bei unterschiedlichen Verlagen. Daneben überarbeite ich einen Krimiroman, entwickle einen Thriller und schreibe natürlich einen "Jerry Cotton"-Roman. Zudem erscheinen seit Juni in einer Regionalzeitung Fortsetzungskrimis von mir, die ich monatlich schreibe.

TZN: Einige abschließende Worte?

Jacobsen: Ich habe das große Glück, regelmäßig Romane auch veröffentlichen zu können. Doch allein die Möglichkeit, eigene Ideen in fertige Geschichten umzusetzen, ist ein unglaubliches Gefühl. Ich empfehle jedem Autor, der vielleicht noch nicht das Glück der Veröffentlichung hatte, einfach nicht aufzugeben. Mein Weg führte über das Internet und eBooks, weshalb ich diese Methode durchaus auch für gut halte. Dazu gibt es viele Plattformen im Internet, die offen für neue Autoren und deren Werke sind. Keine Idee/Geschichte sollte unerzählt bleiben! Sie ist es wert, das Licht der Öffentlichkeit zu erblicken. Niemand sollte sich von irgendwelchen selbst ernannten Qualitätsgutachtern abhalten lassen, solange Talent und Handwerk vorhanden sind.

TZN: Vielen Dank für das Interview!

Jacobsen: Ich habe zu danken und wünsche eurem Magazin weiterhin viel Erfolg, sowie euch den erforderlichen Spaß an der Mitwirkung dabei.

Dieser Artikel ist auch zusammen mit weiteren Texten rund um "Star Trek" und das phantastische Genre in der August-Ausgabe unseres monatlichen Magazins "Incoming Message" erschienen. Falls Sie die "Incoming Message" noch nicht abonniert haben, können Sie das Internet-Magazin zusammen mit unserem wöchentlichen Newsletter "TrekZone Weekend" hier kostenlos bestellen.

(mb - 07.08.09)

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