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Henning Koonert (hk), Jörn Podehl (jp)03.10.11

David Mack spielt gern Gott

"Star Trek"-Romanautor David Mack im TZN-Interview

Den deutschen Trek-Fans ist David Mack als Mitschöpfer und Autor der "Vanguard"-Serie und als Verfasser der "Destiny"-Trilogie bekannt, die das literarische "Star Trek"-Universum grundlegend verändert hat. Außerdem schrieb Mack unter anderem für "Deep Space Nine" den Roman "Warpath" und gemeinsam mit John J. Ordover das Drehbuch zur Fernsehfolge "Das Wagnis" und die Story zur Episode "Leben in der Holosuite". Das TrekZone Network traf den Autor am Rande der FedCon XX in Düsseldorf zum Exklusiv-Interview.

TrekZone Network: Herr Mack, welchen Eindruck haben Sie von der FedCon, sehen Sie einen Unterschied zu den amerikanischen Conventions?

David Mack im TZN Interview auf der FedCon XX
David Mack: Die FedCon scheint mir eine sehr gut organisierte Convention zu sein, die läuft wie eine gut geölte Maschine. Die Erfahrungen, die ich auf der Convention selbst mache, sind denen auf amerikanischen Cons bemerkenswert ähnlich. Das zeigt mir, dass ein Geek ein Geek ist und ein Geek bleibt, egal in welchem Land man sich befindet, welche Sprache man spricht oder an welchen Gott man glaubt. Auf jeder Convention begegnet man der gleichen Mischung aus Kostümierten, Leuten, die einfache Fans sind und sogar Leuten, die selbst gar kein Fan sind, aber welche begleiten. Man trifft auch eine ähnliche Mischung von schockierten Hotelangestellten, die keine Ahnung hatten, was ihnen blühen würde, als sie sich zum Wochenenddienst meldeten. Das ist immer unterhaltsam.

Die Opening Ceremony war eine große Überraschung für mich. So etwas habe ich noch auf keiner anderen Convention erlebt, dass sie so alle Stargäste zugleich auf die Bühne bringen. Man hatte mich nicht darauf vorbereitet, wie die Opening Ceremony ablaufen würde. Mir wurde gesagt, dass man meinen Namen aufrufen würde, dann solle ich auf die Bühne kommen, Applaus kriegen und dann wie ein dressierter Affe herumstehen. Also trat ich durch das Stargate, als mein Name aufgerufen wurde, bekam höflichen Applaus vom Publikum - und dann sah ich, dass man uns ein Mikrofon reichte. Das hatte mir niemand gesagt! Sonst hätte mich wohl etwas vorbereitet. Vor mir sagte die deutsche Autorin Claudia Kern etwas auf Deutsch, rapide schnell, und ich kann kein einziges Wort Deutsch. Dann reichte sie mir das Mikrophon ...

Das einzige, was mir da in den Sinn kam, war zu sagen: "Ich weiß nicht, was ich da noch hinzufügen könnte ... weil ich keine Ahnung habe, was sie gerade gesagt hat." Dafür erntete ich Gelächter und sagte dann noch: "Hi, ich bin David Mack, es ist schön hier zu sein, danke für die Einladung." Dann gab ich Garrett Wang das Mikro, der meinte: "Kurz und schmerzlos", was die höfliche Wortwahl für "Er hatte ganz klar nichts zu sagen." ist. Ich versuche mir für die Closing Ceremony etwas einfallen zu lassen. Bei meinem Glück habe ich dann wahrscheinlich etwas Brillantes vorbereitet und dann sagen sie mir, ich soll einfach rausgehen, den Mund halten und stillstehen. [Genau so kam es, Anm. d. Red.]

Mack schrieb auch für "Voyager" und DS9 im TV.
TZN: Bevor Sie sich als "Star Trek"-Romanautor etabliert haben, haben Sie gemeinsam mit John Ordover für "Star Trek" im Fernsehen geschrieben. Außer den beiden "Deep Space Nine"-Storys haben Sie auch ein "Voyager"-Skript verfasst, das aber abgelehnt wurde ...

Mack: Das wurde nicht abgelehnt! Das haben sie tatsächlich gekauft. Kein Drehbuch, nur einen Story-Vorschlag. Während mein Partner John Ordover und ich versuchten, die Storys für DS9 in der vierten Staffel zu verkaufen, stellten wir auch etwas bei "Voyager" vor. Zunächst gelang uns der Abschluss bei "Voyager", danach bei "Deep Space Nine", weil wir Jeri Taylor [Executive Producer bei "Voyager"] ein Beispiel-Drehbuch namens "Crown of Iron" geschickt hatten, das ihr sehr gefiel. Als sie dann über den Flurfunk hörte, dass wir auch eine Story an "Deep Space Nine" verkauft hatten, nahm sie unser Beispiel-Drehbuch mit runter zu [dem DS9-Produzenten] Ira Steven Behr und sagte ihm: "Ich höre, du hast eine Story von Mack und Ordover gekauft. Ich denke, du solltest ihr Beispiel-Drehbuch lesen, das ist wirklich gut. Du könntest in Erwägung ziehen, ihnen den Auftrag für ein Drehbuch zu geben." Sie gab ihm unser Beispiel-Drehbuch und das DS9-Autorenteam war mit ihr einer Meinung. So haben wir den Auftrag für unser erstes Drehbuch bekommen.

Die Story, die wir an "Voyager" verkauft haben, hieß "Krankenstation" und war wie eine Folge von "M*A*S*H" aufgebaut. Es gab eine "M*A*S*H"-Folge, die im OP spielt, während die M*A*S*H-Einheit unter Artillerie-Feuer steht. Das Ärzte-Team im OP weiß nicht, was draußen vor sich geht. Sie wissen nicht, warum sie beschossen werden oder von wem. Die einzigen Informationen, die sie bekommen, kriegen sie durch die Leute, die auf die Krankenstation kommen, einige davon sind ihre eigenen Leute, die getroffen worden sind. Wir dachten, das wäre die perfekte Geschichte für "Voyager". Eine spannende Folge, die auf nur einem einzigen Set spielt. Die absolute Sparfolge. Es gibt nichts billigeres, als eine ganze Folge auf einem Set ohne große Spezialeffekte zu drehen. Na ja, jedenfalls nicht viel.

Macks nie produzierte Folge hätte Kes und den Doktor in den Mittelpunkt gestellt.
Das wäre die Prämisse gewesen: Das Schiff leidet unter Angriffen, wir wissen nicht von wem und die einzigen Berichte, die wir bekommen, sind diese lückenhaften, sich teils widersprechenden Details von den Leuten, die verwundet reinkommen und dann nach der Behandlung wieder entlassen werden. Gegen Ende der Folge wäre dann Folgendes passiert - das war, als Kes noch dem Holodoc als Krankenschwester assistiert hat: Neelix wird tödlich verwundet eingeliefert und als der Doktor sich auf die Operation, die Neelix' Leben retten soll, vorbereitet, wird das Schiff an kritischer Stelle vom Feind getroffen, das Holoprogramm des Doktors verschwindet und lässt Kes mit dem Operationsbesteck in der Hand führungslos zurück, während Neelix aufgeschnitten auf dem Tisch liegt. Dann schaffen sie es, das Programm des Doktors wiederherzustellen, aber nur die Stimme. Der Doktor führt sie dann als körperlose Stimme durch die Operation. Kes muss den Mann, den sie liebt, operieren, während Torpedos auf dem Schiff einschlagen.

Wir waren sehr aufgeregt, wir rechneten fest damit, dass das problemlos durch die Produktion segeln würde. Dann passierte Folgendes: Es gab einen Executive Producer bei "Voyager" namens Michael Piller, der inzwischen verstorben ist. Er hatte die Serie irgendwann während der ersten Staffel oder vielleicht gleich nach der ersten Staffel verlassen, um eine Serie, ich glaube zusammen mit seinem Sohn, zu produzieren. Die wurde dann abgesetzt und er machte von einer Klausel in seinem Vertag Gebrauch und kam als oberster Executive Producer zu "Voyager" zurück. Er stand in der Hierarchie über Jeri Taylor, weil er mit Rick Berman an DS9 gearbeitet hatte.

Das Erste, was er nach seiner Rückkehr tat, war, sich die ersten zehn Folgen anzuschauen, die Jeri für die zweite Staffel eingekauft hatte und alle, die nicht von jemandem aus dem Autorenstab stammten, alles, was von freien Autoren kam, schmiss er raus, einfach so. Ohne Erklärung. Wir bekamen einen sehr entschuldigenden Anruf von Jeri Taylor, die sagte, es läge nicht an der Qualität unserer Arbeit, habe nichts mit uns zu tun, sei eine komplett interne Angelegenheit, aber sie könne nichts daran ändern. So war das. Die Story wurde nicht abgelehnt, die Story wurde gekauft und wir haben unser Geld bekommen. Sie wurde nur nie produziert. Sehr selten im Fernsehen.

TZN: Das klingt sehr überraschend, da Michael Piller derjenige war, der den Autorenstab damals bei "The Next Generation" für freie Autoren öffnete.

Mack: Wir wissen nicht, welche Überlegungen dahinterstecken, wir wissen nicht, was genau passiert ist - ob es einfach eine Angelegenheit kreativer Differenzen war, aber von dem, was uns gesagt wurde - und natürlich sind das inzwischen alles Informationen aus zweiter Hand - ich weiß nur, dass sie uns abgespeist haben. Vielleicht wollte Jeri ihm nur die Schuld in die Schuhe schieben, wer weiß? Im Wesentlichen hat sie uns gesagt, dass es Michael Piller war, der die Entscheidung getroffen hatte und dass unsere Folge abgesägt war. Wir konnten nichts daran ändern.

TZN: Kommen wir zu Ihren Romanen. Sie haben für "The Next Generation", "Deep Space Nine" und "Destiny" für bereits bestehende Charaktere geschrieben, während Sie für "Vanguard" Ihre eigene Reihe von Persönlichkeiten erschaffen konnten. Woran haben Sie größeren Spaß und was ist einfacher?

Eines von Macks Lieblingen: "Destiny"
Mack: Das ist beides gleich schwierig. Ein jedes ist eine andere Herausforderung. Wenn man für bestehende Charaktere schreibt, ist die Herausforderung, nicht nur der Persönlichkeit der Person treuzubleiben, zu denken, was diese Person in einer Situation tun würde, sondern auch die eigene Stimme des Charakters zu treffen, ihre Art zu sprechen, die Art von Wörtern, die sie im Dialog verwendet. Die Fans sind, was das angeht, sehr eigen. Sie melden sich oft bei mir, wenn sie meine Interpretation eines Charakters als nicht passend zu dem, wie der Charakter in den Folgen oder Filmen gezeigt wurde, erfahren.

Schreibt man für eigene Charaktere, ist die Herausforderung, einen Charakter, den die Leser nie gesehen haben, auf der Seite zum Leben zu erwecken und jeden dieser Charaktere markant zu gestalten, sodass die Leser jeden für einzigartig halten, mit seiner eigenen Art zu sprechen, als ob sie ihn mit eigenen Ohren gehört haben, obwohl sie es nur auf der Seite gelesen haben. Man muss dennoch das Gefühl einer Person mit eigenem Stil erschaffen. Das ist eine komplett andere Herausforderung, die der, einen von Grund auf eigenen Roman zu schreiben, sehr ähnlich ist, man nutzt nur das "Star Trek"-Universum als Hintergrund.

Was den Spaß angeht, gibt mir ein jedes eine Art von Freude. Ich habe die "Destiny"-Trilogie so gern geschrieben, weil es immer Spaß macht, Geschichten im Leben der Charaktere zu erzählen, die man im Fernsehen gesehen hat, deren Abenteuer einem als Fan gefallen haben. Dann die Möglichkeit zu bekommen, neue Geschichten für sie zu erschaffen und die Geschehnisse in ihrem Leben zu bestimmen! Gleichzeitig, bei etwas wie "Vanguard", wo ich den Leitfaden zur Serie entworfen habe und den Handlungsbogen geplant und wo ich den Prozess der Entwicklung von Handlungen für die nächsten drei Bücher zu steuern helfe, liebe ich es, Gott zu spielen. Man kann kaum woanders so Gott spielen, als beim Entwerfen einer eigenen Buchreihe. Selbst wenn man sich das teilt, wie ich mit Dayton Ward und Kevin Dilmore, die, das will ich nicht versäumen hinzuzufügen, viele kreative Ideen beigesteuert haben, die die Serie meiner Meinung nach besser haben werden lassen, als sie es durch mich allein je hätte werden können.

TZN: Was können Sie uns über den Entstehungsprozess von "Destiny" erzählen? Wie lange haben Sie an den Romanen geschrieben? Mit wem mussten Sie sich abstimmen?

21 Monate lang arbeitete Mack an der Trilogie.
Mack: Alles in allem, von dem Zeitpunkt, an dem ich mich zum ersten Mal mit den Redakteuren getroffen habe, um darüber zu sprechen, das Projekt anzunehmen, bis dann, als wir den letzten Satz der Rechtschreibkorrekturen abgezeichnet haben und das Buch in den Druck gehen konnte, vergingen 21 Monate, also fast zwei Jahre.

Alles begann damit, dass die Redakteure eine epische Trilogie haben wollten. Aber sie wussten nicht, was für eine. Sie hatten ein Bild aus einem Buch namens "Ships of the Line" vom Raumschiff Columbia, das in einer Wüste abgestürzt war. Das war ein Bild von einem Künstler namens Pierre Drolet und irgendwer, ich denke ein Redakteur oder vielleicht [Doug] Drexler, ich weiß es nicht genau, hatte einen Untertitel hinzugefügt, der besagte, dass das Wrack der Columbia im 24. Jahrhundert im Gamma-Quadranten gefunden wurde - ohne weitere Erklärung. Die Redakteure bekamen viele Reaktionen von Fans zu dem Bild und der Unterschrift: "Das ist eine wirklich fesselnde Idee. Verfolgt ihr das weiter?" Den Redakteuren wurde klar: "Hey, das ist echt eine fesselnde Idee, wir sollten das weiter verfolgen." Damit kamen sie zu mir und fragten: "Kannst du das ausbauen und eine epische Trilogie draus machen?", und obwohl mir das als eine ziemlich dünne Idee erschien, um daraus eine epische Trilogie zu ersinnen, bin ich darauf trainiert, dass wenn ein Redakteur fragt, ob du einen Job machen kannst, der sehr gut bezahlt wird, die Antwort immer "Ja, kann ich." ist.

Also habe ich zugesagt und von da an lag der Druck auf mir. Ich war dafür verantwortlich, mir eine Geschichte auszudenken, die den Erfordernissen entsprach, welche die Redakteure mit dieser Trilogie erreichen wollten. Die ersten Handlungsentwürfe, die wir zusammenstellten, fanden keine Zustimmung und meine Redakteure waren sich nicht einig. Zunächst gab es das zusätzliche Problem, das ich noch nie bei einem Buch gehabt habe, weder davor noch seither, dass ich zwei Redakteure für diese Trilogie hatte, Marco Palmieri und Margaret Clark. Als Autor ist es schon schwer genug, die ästhetischen Empfindsamkeiten eines Redakteurs zufriedenzustellen. Aber wenn man zwei Redakteure mit einem Vorschlag für drei Bücher zufriedenstellen muss, ist das die Hölle! Die Schwierigkeit steigt exponentiell. Ich dachte mir zum Beispiel etwas aus, mit dem Margaret leben konnte, das aber Marco kalt ließ. Ich dachte mir etwas aus, das Marco besser gefiel, das Margaret aber ohne auch nur einen Moment zu zögern ablehnte.

Schließlich begann ich zu begreifen, was ich falsch machte und mir wurde klar, dass sie eine Handlung wollten, die Folgen haben sollte, die den Status quo des "Star Trek"-Literatur-Universums verändern sollte und das war tatsächlich nötig, denn damit eine Trilogie episch wird, nachdem es mehrere Jahre lang gar keine gegeben hatte, musste sie groß sein. Es hätte keinen Sinn ergeben, eine Trilogie zu schreiben, wenn sie nicht auf lange Sicht Auswirkungen auf den Rest der Bücher haben würde. Also setzte ich mich hin, überlegte, was Bedeutung haben würde und ich schaute mir die Bücher an, die schon verfasst waren und mir wurde klar, dass sie - ob gewollt oder nicht - die Borg wieder in die Literatur-Kontinuität zurückgeholt hatten, nachdem die Borg für mehrere Jahre aus den Büchern verschwunden waren. Mir wurde klar, dass sie - metaphorisch gesprochen - den 800-Pfund-Gorilla losgelassen hatten und keinen Plan dafür hatten, ihn wieder zurück in den Käfig zu setzen und nicht wussten, was sie mit ihm machen sollten, jetzt, wo er draußen war.

In den Borg fand Mack schließlich ein episches Thema.
Ich sagte: "Das ist das Problem, dem ihr euch annehmen müsst. Jetzt, wo ihr die Borg zurück ins Spiel gebracht hat, müsst ihr das auflösen. Ihr habt J.M. Dillard diese Geschichte in 'Widerstand' mit diesem enormen Kubus oder diesem abtrünnigen Kubus schreiben lassen und Peter David hat sie exponentiell wachsen lassen, er frisst Pluto und tötet Janeway. Und jetzt? Was macht ihr jetzt? Die Borg sind ganz klar zurück im Bild. Die könnt ihr nicht einfach in der Schwebe lassen. Das wird wie ein Schatten über eurem gesamten Literatur-Programm hängen, bis ihr das aufgelöst habt." Sie fragten mich: "Schlägst du vor, das aufzulösen?", und ich antwortete: "Ja." Da sagte Margaret: "Okay, hier hast du deinen neuen Marschbefehl für den nächsten Entwurf. Ich gebe die Borg zum Abschuss frei. Ich will, dass du sie loswirst." - "Okay, das kann ich machen."

Also ging ich zurück, dachte darüber nach, was das bedeuten würde und von dem Punkt an ging es ziemlich in die richtige Richtung. Es gab immer noch ein paar Volten, es gab immer noch ein paar Meinungsverschiedenheiten, wie Dinge umgesetzt werden sollten und das größte Problem war natürlich, welche "Deep Space Nine"-Charaktere ich nutzen konnte. Zu der Zeit, Ende 2006, Anfang 2007, liefen die "Deep Space Nine"-Bücher noch und auch noch unter Marcos Leitung. Er hatte eine sehr genaue Vorstellung davon im Kopf, wohin sich die Serie entwickeln sollte, wo die Charaktere enden sollten und er wollte nicht, dass ich in dieser Geschichte, die einige Jahre danach in der Kontinuität angesiedelt war, all die Überraschungen dieser Post-Finale-"Deep Space Nine"-Bücher verrate. Aber gleichzeitig konnten wir "Deep Space Nine" bei der Trilogie nicht außen vor lassen. Es ging ja schließlich um ein episches Crossover der verschiedenen Serien. Wir wollten DS9 dabeihaben.

Aber er fing an: "Du kannst Sisko nicht haben." - "Okay." - "Du kannst Kira nicht haben." ... Schließlich hatte ich genug und fragte: "Wen zum Henker kann ich haben, Mann? Wer bleibt übrig?" Er meinte: "Du kannst Dax haben." Ich dann: "Ich kann Dax haben ... na toll." Er kam dann mit: "Du kannst Sam Bowers und Doktor Simon Tarses haben ..." - "Oh, du bist zu großzügig. Du verwöhnst mich." Dann aber kam ich auf das Raumschiff und dachte, Dax hat sich in den DS9-Büchern für die Kommando-Laufbahn entschieden und in der Rolle, in der Funktion bekommt sie Wesentliches zu tun. Er sagte: "Du kannst darauf aufbauen. Es gibt ein paar beiläufige Bemerkungen, die du über das, was wir für die nächsten Bücher planen, machen kannst."

Da wurde mir klar, dass es das Potenzial gab, eine Geschichte zu erzählen, wie die junge Ezri in die Kommandorolle gezwungen wird, als ihr Captain und Erster Offizier getötet werden. Im Wesentlichen schlägt sie die Kommandolaufbahn ein, wird im Dienst auf ein Raumschiff versetzt und es ist in "Star Trek" nicht ungewöhnlich für einen 28-jährigen Lieutenant Commander zum dritthöchsten Crewmitglied, Zweiten Offizier zu werden, zum Kreis der Deck-Offiziere zu gehören, trainiert und auf die nächste Stufe der Karriere vorbereitet zu werden. Unglücklicherweise kommt die nächste Stufe ihrer Karriere sehr plötzlich, als die Borg angreifen und ihren Captain und den Ersten Offizier ausschalten und alle nun ihre Augen auf sie richten und fragen: "Und was machen wir jetzt, Sir?" Weil die Sternenflotte gerade den Hintern versohlt bekommt und die Borg überall sind, sagt die Sternenflotte: "Okay, äh, herzlichen Glückwunsch, das ist jetzt Ihr Schiff. Wir befördern Sie im Kampfeinsatz, weil wir wirklich keine Zeit haben, jemand anders vorbeizuschicken. Stocken Sie Ihre Crew auf DS9 auf, setzen Sie sich auf den Hintern und los geht's!"

Weil der DS9-Relaunch noch nicht beendet war, blieb Ezri Dax die einzige Protagonistin von der Station.
So fügte sich alles langsam zusammen und so wurde Ezri irgendwie zu unserer einzigen DS9-Vertreterin. Dann kamen Zeitreisen zur Sprache, weil wir offensichtlich die Columbia einbeziehen wollten und ich die Lücke zwischen einer Handlung im 22. Jahrhundert und einer Handlung im 24. Jahrhundert überbrücken musste. Dazu musste ich mich vom 23. Jahrhundert fernhalten, weil wir zwar wussten, dass der neue Film ["Star Trek XI"] zu der Zeit spielen würde, aber damals noch nicht bekannt war, dass es ein Parallel-Universum sein würde. Daher wurde die Entscheidung getroffen, einfach jegliche Elemente des 23. Jahrhunderts zu vermeiden, um uns nicht auf demselben Territorium zu bewegen, den der Film erforschen könnte.

Ich musste also diese Zeitreise-Elemente ausarbeiten und als ich die mit der Columbia und den Borg und diesen anderen verrückten Ideen zusammenfügte, die ich bezüglich claytronischer Atome und programmierbarer Materie hatte, die als Basis für eine neue Spezies oder Zivilisation diente, fügte sich eines in das andere. Da sah ich das Potenzial einer Geschichte, die nicht nur den endgültigen Showdown mit den Borg behandelt, sondern auch den Ursprung der Borg und die Tatsache, dass diese beiden Dinge aus derselben Reihe von Ereignissen hervorkommen und dass in Erika Hernandez ein unwahrscheinlicher Charakter die eigentliche Antriebskraft für all dies ist.

Es ist witzig, wenn man an einem Buch arbeitet und das Thema erst entdeckt, wenn man schon tief drin steckt. Dann eröffnet es dir etwas und ich habe erst spät im Prozess des Schreibens erfahren, dass es in dieser Trilogie in Wirklichkeit darum geht, dass es Dinge im Leben gibt, die wir nicht unter Kontrolle haben. Manches haben wir [unter Kontrolle] und manches nicht, und für Picard zum Beispiel sind die Borg etwas, das er nicht unter Kontrolle hat. Das ist seine Schwäche, dort ist er nicht rational, das ist der Teil seines Lebens, den er nicht kontrollieren kann, das ist die Naturgewalt gegenüber der er auf ewig verwundbar sein wird.

Ich habe von den Fans dafür viel Kritik einstecken müssen. Sie meinten: "Sie haben Picard völlig verraten, er endet heulend auf der Brücke der Enterprise." Ich dachte: "Na ja, schon, aber es geht darum, dass er im Grunde nicht der Held war. Ihr habt nur erwartet, dass er der Held ist. Erika ist die Heldin. Sie ist diejenige, die die Handlung trägt. Die anderen sind Zeugen der Geschichte." Sie meinten: "Nun, das ist nicht heldenhaft." - "Nicht für [die andern]. Aber es ist heldenhaft für [Erika]." Es ist wirklich ihre Geschichte und die anderen werden darin verstrickt, weil man manchmal im Leben in Geschehnisse verstrickt wird und manchmal nicht diejenigen die Helden sind oder die Natur der Dinge verändern, von denen man es erwartet hätte. Darin lag für mich eine lustige Umkehrung der Erwartungen. Einigen Lesern hat es wirklich gefallen und einige haben es akzeptiert und ein paar haben es richtig gehasst. Ich habe auch viel Kritik wegen der deutlich religiösen Bildsprache im Buch bekommen. Es lag nichts Subtiles in der Beschreibung, wie Erika auffährt, die Arme ausgestreckt, das Licht ... Es ist ziemlich deutlich, worauf ich damit anspiele.

TZN: Nach all den Geschehnissen, die Sie in dieser Trilogie erzählen, lassen Sie die Föderation am Ende in Trümmern zurück ...

Mack: Einen guten Teil, also nicht so viel. Also, genaugenommen ist das nicht so viel, wie man meint. Es war ein Schlag. Es war kein folgenloser Schlag. Es entspricht etwa einem Schlag, bei dem vielleicht eine oder zwei große Städte in den Vereinigten Staaten ausgelöscht würden.

TZN: So einen Schlag hat es im "Star Trek"-Universum nicht häufig gegeben. Die Nachwehen lassen die Föderation verändert und vielleicht verzweifelter als je zuvor zurück. Sie haben erzählt, dass das, was Sie an dem "Star Trek"-Universum fasziniert hat, was Sie zum Fan gemacht hat, sein Optimismus war. Erscheint Ihnen das angesichts Ihrer Schilderungen in "Destiny" ironisch?

Mack: "Destiny" endet mit dem Gefühl von Hoffnung. Lesen Sie die letzte Szene. Nur weil die Föderation Schaden davongetragen hat, heißt das nicht, dass sie nicht optimistisch bleiben können, heißt das nicht, dass sie die Hoffnung verloren haben. Ganz im Gegenteil, die Erfahrungen, die Picard im Verlauf der Trilogie macht, stellen seine Hoffnung, da wo er sie verloren hatte, wieder her. Nur weil die Föderation geschwächt ist und jetzt mit Mangelwirtschaft zurechtkommen muss statt der Überflusswirtschaft, der sie sich zuvor erfreute, heißt das nicht, dass sie nicht mehr an die Zukunft glauben. Es bedeutet nur, dass sie ein bisschen härter arbeiten müssen. Es bedeutet, dass die Dinge jetzt nicht mehr einfach daherkommen. Vorher brauchten sie sich nie zu fragen: Wird es genug Energie geben? Werden wir genug zu essen haben? Wird es genug Raum geben? Jetzt sind da hunderte Milliarden heimatloser Flüchtlinge, 63 Milliarden Tote, 40 Prozent der Sternenflotte ist zerstört.

Also sind wir jetzt ausgedünnt, wir sind ein bisschen schwerer in Bedrängnis und jetzt schließen sich unsere Feinde zusammen. Nein, Feinde ist das falsche Wort, unsere Rivalen verbünden sich und üben politischen und auch wirtschaftlichen Druck auf uns aus. Das sind Herausforderungen. Die Frage ist: Wie reagiert die Föderation darauf? Reagiert die Föderation, indem sie ihre Werte opfert und ihre Ideale aufgibt und sich im Namen der Zweckdienlichkeit in etwas verwandelt, das eine Perversion ihrer selbst ist? Oder strebt sie danach, sich wieder aufzubauen und ihrer Identität treu zu bleiben, trotz dem, was passiert ist?

Ich denke, bei "Star Trek" geht es darum ... was wir in den Büchern versuchen, ist zu zeigen, dass es schicksalshafte Herausforderungen gibt und dass sie manchmal schwierige Entscheidungen treffen müssen, die vielleicht längst keine idealen Entscheidungen sind, aber dass sie danach streben, als Volk, als Zivilisation, als Kultur zu bewahren, wie sie sind, während sie diese sehr wirklichen Probleme angehen, die einen Schraubenschlüssel ins Paradies geschmissen haben. Sie bleiben optimistisch. Das ist so ungefähr wie der Schwarze Ritter in "Monty Python", dem sein Arm abgehackt wird und der sagt: "Nur eine Fleischwunde!" Okay, vielleicht verdrängt er es ein wenig, aber wenn er da aufgehört hätte, wär's im vielleicht gutgegangen.

TZN: Welcher Charakter in "Star Trek" ist Ihr Liebling und warum?

Der Autor hat eine Schwäche für Worf.
Mack: Das könnte ich gar nicht beantworten. Es gibt zu viele, die ich aus den unterschiedlichsten Gründen mag. In der engeren Auswahl sind wahrscheinlich zwei aus der "Vanguard"-Serie: T'Prynn, die ich - obwohl ich sie nicht selbst erschaffen habe - doch deutlich stärker entwickelt habe als sonst irgendjemand. Ihren ersten Auftritt hatte sie glaube ich im [dritten "Mission Gamma"]-Buch "Das kleinere Übel". Es war eines der DS9-Bücher, es war eine Geschichte mit Vaughn, es war eine Rückblende und in der Tat wurde ihr der erste Auftritt zum Verhängnis. Sie stirbt nämlich gleich. Kein sehr günstiger Anfang für einen Charakter. Daher habe ich sie mir nicht ausgedacht, aber ich habe sie entwickelt.

Mein zweiter Favorit aus "Vanguard" ist Cervantes Quinn, ein seltsamer, vielschichtiger, bizarrer kleiner Mann, Glücksritter, Säufer, zwanghaft, eingefleischter Romantiker, aber auch ein Zyniker mit gebrochenem Herzen. Er hat einen ziemlich interessanten Handlungsbogen, der sich über den gesamten Verlauf der "Vanguard"-Serie zieht. Ihm stehen interessante Zeiten bevor - und das ist nie ein gutes Zeichen, wenn man einer meiner Charaktere ist. (lacht)

Was die bereits bestehenden Charaktere angeht: Ich habe Worf immer gemocht, bin immer ein Fan von Kira gewesen und hatte schon immer etwas für Ezri übrig.

TZN: Das nächste "Vanguard"-Buch erscheint vielleicht ziemlich zeitgleich hier in Deutschland und in den Staaten. Können Sie uns ein wenig darüber erzählen?

Mack: Die Geschichtensammlung "Enthüllungen" soll im Juni oder Juli in den USA erscheinen und wahrscheinlich, wenn wir Glück haben, kommt sie dann auch in Deutschland raus. Ich will noch nicht zu viel verraten. Ich sage nur, dass meine Geschichte nach den Geschehnissen des letzten "Vanguard"-Romans "Vor dem Fall" spielt und dass sie sich um einen meiner Lieblingscharaktere, Cervantes Quinn, dreht. Er ist wieder in Aktion und verursacht aufs Neue Chaos. Die Geschehnisse in der Geschichte werden in den nächsten zwei Romanen fortgesetzt, für die sie auch bleibende Konsequenzen haben.

Das neuste "Vanguard"-Buch "Enthüllungen"
Die andere Geschichte, die auch nach "Vor dem Fall" spielt, ist Marco Palmieris Geschichte "Die letzten edlen Männer". Die andern zwei Geschichten sind "Schlechte Nachrichten" von Kevin Dilmore, die kurz nach "Ernte den Sturm" spielt und Dayton Wards Geschichte "Beinahe Morgen", die kurz vor dem ersten Buch angesiedelt ist. Ich müsste das noch mal nachschauen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es beinahe wie eine Prequel-Story ist. Meine, "Und die Sterne blicken herab", ist die letzte Geschichte im Buch. Wir haben sie chronologisch angeordnet, also ist die Reihenfolge "Beinahe Morgen", "Schlechte Nachrichten", "Die letzten edlen Männer" und "Und die Sterne blicken herab". Meine stellt dann den aktuellen Punkt in der "Vanguard"-Kontinuität dar und die nächsten zwei Bücher setzen das fort.

TZN: Sie haben diese Roman-Serie miterschaffen. Haben Sie auch einen Abschluss für sie im Kopf?

Mack: Wir hatten von Anfang an einen. Ich habe den Leitfaden zur Serie gemeinsam mit Marco Palmieri geschrieben. So ein Leitfaden beschreibt nicht nur die Hauptcharaktere und Handlungsorte der Serie, er beschreibt oft auch den übergreifenden Handlungsbogen für die Serie und das war auch hier der Fall. Er war etwas über 40 Seiten lang und hat alle Hauptcharaktere genau beschrieben und die Art des politischen Wettstreits, der sich zwischen den Klingonen, den Tholianern, der Föderation und den Romulanern entspinnen würde. Er beschrieb, was die Shedai waren, wie sie zu den anderen Völkern in der Geschichte in Verbindung standen, er hat die tiefe Geschichte der Taurus-Region beleuchtet. Er zeigte auch auf, wozu all das führen würde, dahingehend, welchen Einfluss diese Geschehnisse auf die spätere "Star Trek"-Historie haben würden, wofür wir die Bühne bereiteten. Wir haben im Grunde beinahe eine geheime Geschichte des Technologiesprungs der Föderation zwischen der Classic-Serie und der "The Next Generation"-Ära gezeigt.

Auch Teil des Leitfadens war ein Handlungsbogen für ungefähr sechs oder sieben Bücher, den ich schrieb: Dies sind die sechs oder sieben Meilensteine in der Serie, die wir treffen müssen, um eine vollständige Saga zu erzählen, mit Anfang, Mitte und Ende. Aber zwischen ihnen lag genügend Raum, sodass wir bestimmte alleinstehende Geschichten erzählen konnten oder eine Abzweigung nehmen und in andere ungeplante Richtungen vorstoßen, wenn sich die Möglichkeit bot. Es gab also genügend Flexibilität, falls wir unsere Pläne ändern oder eine Zeitlang etwas anderes erforschen wollten. Aber von Anfang an wussten wir: Hier beginnt es aufgrund von diesen Ereignissen und die führen zu diesen Ereignissen und dieser sich entwickelnden Krise und das wird dann schlussendlich zu dieser Auflösung führen.

Der erste "Vanguard"-Roman stammt ebenfalls aus der Feder Macks.
Ich habe auch einige Vorschläge abgeliefert, wer die richtigen Autoren sein könnten, um mich bei dieser Serie zu begleiten und die ersten beiden, die ich Marco vorschlug, waren Dayton und Kevin. Nachdem sie das zweite Buch geschrieben hatten und ich das dritte, sah Marco die Dynamik, die sich zwischen uns entwickelt hatte und er dachte, dass es interessant wäre, wenn wir uns bei den Büchern abwechseln würden, weil es das bei den "Star Trek"-Büchern bisher noch nicht gegeben hatte. Das hat eine Energie losgelassen, weil wir versuchten uns gegenseitig zu übertreffen oder uns gegenseitig frustrierende Cliffhanger schufen, um zu sehen, wohin das in der nächsten Geschichte führen würde. Das hat zu ein paar wirklich interessanten Entwicklungen geführt. Das hat Spaß gemacht und hat uns so einige Dinge beschert, über die wir bei einem Drink auf Conventions lachen konnten.

TZN: Wie viele dieser sechs oder sieben Punkte haben wir denn schon erreicht?

Mack: Wir kommen dahin. Wir kommen dahin ...

TZN: Lesen Sie die "Star Trek"-Bücher anderer Autoren und vergleichen Sie Ihre eigenen Werke auch mit ihnen?

Mack: Wenn ich sie lese, dann normalerweise nur, um über die aktuellen Geschehnisse auf dem Laufenden zu bleiben. Die verschiedenen Autoren haben unterschiedliche Stile. Ich mag, wie Chris Bennett die reale, existente Wissenschaft mit der eher phantasievollen Trek-Technologie zu mischen vermag. Ich mag es, wie David R. George III die politischen Machenschaften und dunklen Entscheidungen unserer Hauptcharaktere erforscht. Ich mag es, wie Dayton Ward eine ganze Zahl von Action-Handlungen in der Balance halten und Leute gegeneinander ausspielen kann. Peter David kann natürlich lustiges Geplänkel wie kaum ein anderer schreiben. Da gibt es also verschiedene Dinge zu schätzen. Man muss sich nur darüber klarwerden, dass jeder seinen eigenen Stil hat, jeder seine eigene Herangehensweise an das Material mitbringt.

Jetzt gerade habe ich nur zur Entspannung Chris Bennetts "The Buried Age" auf meinem Zimmer liegen, das ich bisher nur überfliegen konnte und in das ich mich seither schon immer vertiefen wollte. Da ich auf meinem Weg von der FedCon nach Hause einen fünfstündigen Aufenthalt in Dublin habe, nehme ich mir das als Flughafenlektüre mit. Wenn ich dann zu Hause angekommen bin, muss ich sehr genau das neue Manuskript für das neue "Vanguard"-Buch "What Judgments Come" von Dayton Ward und Kevin Dilmore lesen. Ich habe den Entwurf gelesen, aber ich will wirklich ihr Buch lesen und ein Gefühl dafür bekommen und den Aufbau, die Dialoge, die Beschreibungen im Kopf haben, bevor ich mit dem Schreiben des Buches danach beginne. Der Entwurf liegt zur Abnahme bei CBS, die Redakteure haben es schon für gut befunden, also warten wir jetzt nur noch auf die Unterschrift von CBS.

TZN: Wie sieht es mit "More Beautiful Than Death", Ihrem Roman, der im durch "Star Trek XI" etablierten Universum spielt, aus? Vier solche Romane wurden geschrieben und dann vor der Veröffentlichung zurückgezogen.

Mack: Den werden wir nie zu Gesicht bekommen.

TZN: Keine Chance, denken Sie?

Macks Abenteuer auf der neuen alten Enterprise wird wohl nicht veröffentlicht.
Mack: Nein, ich glaube nicht, dass er jemals erscheinen wird. Ich habe den Eindruck, dass die Leute von [Abrams' Produktionsgesellschaft] Bad Robot nicht wollten, dass wir an ihren Charakteren herumpfuschen, bevor sie nicht selbst die Gelegenheit bekommen haben, sie und ihre Kontinuität richtig zu erforschen. Im Ergebnis mussten die vier Bücher, die wir zusammengestellt hatten, dann zurückgerufen werden. Ich denke, sie wollten die Illusion einer stimmigen Kontinuität nicht zerstören, indem die Bücher mit diesen vier Geschichten erscheinen. Denn zu dem Zeitpunkt hatten sie noch nicht einmal entschieden, was sie im Film ["Star Trek XII"] erzählen wollten und sie wollten durch uns nicht behindert werden.

Sie wollten nicht, sollten sie zufällig etwas machen wollen, das etwas von dem ähnelt, was wir gerade gemacht hatten, dass es so ausschaut, als würden sie bei uns abschreiben. Und sollten sie eine völlig andere Richtung einschlagen, die den Büchern widerspricht, dann sähe das so aus, als wären wir nicht im Bilde, als würden wir nicht miteinander sprechen. Daher denke ich, haben sie beschlossen, dass die einfachste Lösung wäre, einfach bei diesen vier Büchern den Stecker zu ziehen. Das Problem ist, dass, was immer sie im nächsten Film machen, ziemlich sicher bestimmte Zusammenhänge etabliert, die wahrscheinlich im Widerspruch zu dem stehen, was wir mit unseren Büchern gemacht haben. Ich halte es daher für sehr unwahrscheinlich. Es ist natürlich nicht unmöglich, es gibt immer noch eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass diese Bücher eines Tages erscheinen. Mein Eindruck ist aber, dass sie es nicht werden.

TZN: Als Sie das Buch geschrieben haben, haben Sie für die Charaktere, wie sie im Film gezeigt wurden, geschrieben - nicht für die aus der Classic-Serie. Können Sie ein paar Unterschiede nennen, die Ihnen diesbezüglich in den Sinn kommen?

Mack: Nun, offensichtlich hatten sich die Charakterisierungen geändert. Die Stimmen waren anders. Im Wesentlichen habe ich, als ich "More Beautiful Than Death" schrieb, mich bewusst darauf konzentriert, wie Chris Pine seine Worte als Kirk vorträgt. Wie spricht er, was für eine Einstellung hat er? Ich stellte mir Zachary Quinto anstatt Nimoy als Spock vor, Zoe Saldana als Uhura und natürlich habe ich die neue Dynamik beachtet. Um mich noch stärker in die Geisteshaltung hineinzuversetzen, habe ich den Soundtrack zum neuen Film gekauft und ihn angehört, während ich das Buch schrieb. Statt alter "Star Trek"-Musik hörte ich neue "Star Trek"-Musik.

"Ein Punker mit Potenzial"
Ich glaube, ich habe den neuen Kirk in einem TV-Bericht, zu dem ich für den Biography Channel in den Vereinigten Staaten beigetragen habe, so beschrieben: Er ist ein Punker, aber ein Punker mit Potenzial. Er gerät schnell in ein Handgemenge und als Captain stelle ich ihn mir jung vor. Dies ist ein Jim Kirk, der in den Rang und die Position eines Raumschiffcaptains befördert wurde ohne die jahrelange Lebenserfahrung und die harten Proben, die der ursprüngliche Jim Kirk bestehen musste. Der ursprüngliche Jim Kirk ist nicht mit seinem Stiefvater auf der Erde aufgewachsen und hat Corvettes in Schluchten gefahren, der ursprüngliche Jim Kirk ist auf der Tarsus-IV-Kolonie aufgewachsen, wo Gouverneur Kodos, der Henker wegen einer Hungersnot jeden zweiten Kolonisten töten musste. Er hat einen Völkermord durchlebt. So eine Art von Erlebnis beeinflusst zweifelsohne, wie Jim Kirk das Universum erfährt: Es ist gefährlich, es ist harsch, es ist voller Ungerechtigkeit. Jemand muss dem die Stirn bieten.

Im Gegensatz dazu steht der neue Kirk, der seinen Vater am Tag, vielleicht im Augenblick, wenige Augenblicke nach seiner Geburt verloren hat. Er ist auf der Erde mit einer ganz anderen Erziehung, anderen Erlebnissen aufgewachsen. Und dann bekommt er das Kommando über ein Raumschiff übertragen, streng genommen sogar bevor er überhaupt seinen Akademie-Abschluss macht. Er war nicht auf der Mission der Farragut, auf der das Dikironium-Wolkenwesen einen Großteil der Crew und Captain Garrovick tötet und er einer der wenigen, wenn nicht der einzige Überlebende ist. Er musste nicht die Entscheidung treffen, ob er Finney meldet und damit Finneys Karriere beendet. Ihm fehlen all diese Lebenserfahrungen, die das Urteilsvermögen und das Wesen des ursprünglichen Kirk beeinflusst haben. Das hier ist ein junges Kind, er teilt schnell mal aus, er ist ein kleiner Hitzkopf, er ist ungeprüft, er ist ein bisschen unsicher über sich selbst. Er hat den Schleudersitz ergattert, ohne sich je bewiesen zu haben außer in diesem einen Vorfall mit Nero. Er schaut also immer über die eigene Schulter und denkt: Sagt jemand, dass ich hier nicht hingehöre?

"Ein vollständig anderer Spock"
Natürlich ist auch Spock ein vollständig anderer Spock. Dieser Spock hat zusehen müssen, wie seine Heimatwelt vernichtet wird, er hat seine Mutter auf die erdenklich schrecklichste Weise verloren, er hat ein Verhältnis mit Uhura, die seine Studentin sein sollte. Es ist deutlich, dass Spock sich da ein paar ethischen Fragen stellen muss. Das ist ein ganz anderer Charakter. Er scheint mehr mit den menschlichen Gefühlen seiner Persönlichkeit im Einklang zu sein als der alte Spock es war. Er scheint seine Wut nicht ganz so gut im Griff zu haben wie der klassische Spock. Dies ist ein jüngerer, unbesonnener, etwas leichter zu provozierender Spock als wir es gewöhnt sind. Das ist mehr wie der Spock in "Der Käfig", der immer alles angeschrien hat: (schreit) "Captain auf die Brücke!" Spock hat in der Folge jedes Mal geschrien, wenn er das Interkom angestellt hat. Er spielt in der Folge mit Blumen und lächelt, was irgendwie witzig war.

Dann Uhura. Uhura ist dahingehend anders, dass sie in der Classic-Serie ein vorbildlicher Offizier war, aber nicht gerade Kommando-Material. Aber im neuen Universum ist sie ein taffes Mädel. Sie kann sich wenn nötig im Kampf behaupten. In einer der Szenen aus diesem Buch, das nie ans Tageslicht kommen wird, muss sie das Kommando übernehmen, weil etwas passiert und allen klar wird: Moment, Uhura ist in der Tat der ranghöchste Offizier auf der Brücke. Das sind nicht Sulu oder Chekov, die sind Ensigns. Sie ist ein Lieutenant. Uhura sitzt im Kommandosessel, nicht Sulu, und sie gehört da hin und sie ist stark genug, das zu schaffen.

Dann gibt es Scotty, der früher den Alkohol und die Maschinen geliebt hat und jetzt ist Scotty eine richtig witzige Quasselstrippe. Der einzige Charakter, der fast identisch daher kommt, ist McCoy, der ein hämischer, zynischer, leicht verbitterter Landarzt bleibt. McCoy scheint daher das beständige Element zwischen den beiden Universen zu sein. So bin ich an die Charaktere herangegangen.

TZN: Zum Abschluss: Woran arbeiten Sie gerade mit Bezug zu "Star Trek"?

Mack: Ich habe gerade meinen "Mirror Universe"-Roman "Rising Like Lions" beendet. Der wird in den Vereinigten Staaten am Ende des Jahres erscheinen. Das ist im Wesentlichen die langersehnte Revolution im Spiegeluniversum, die das Angesicht des Spiegeluniversum verändern wird.

Macks nächster Roman "Rise Like Lions"
Das erste, was ich danach machen werde, wenn ich von der FedCon nach Hause komme, ist mit "Vanguard: Storming Heaven" zu beginnen.

Danach stehe ich unter Vertrag, eine neue Trilogie zu schreiben, die Ende 2012 erscheinen soll. Ich weiß noch nicht genau, wovon sie handeln wird. Sie hat noch keinen Namen. Ich habe einige Ideen für die Arbeitstitel der drei Bücher, aber ich habe noch nichts zu Papier gebracht, nichts ist abgesegnet, daher kann ich wirklich nicht darüber sprechen. Ich habe noch nicht einmal Zeit gehabt, mit meinen Redakteuren darüber zu sprechen. Ich weiß nur, dass sie erwarten, dass mir etwas Brillantes einfällt und das hoffe ich auch, weil ich ihnen sonst all das Geld zurückgeben muss.

Ich habe einen Monat Zeit, um mir einen Entwurf für das erste Buch der Trilogie einfallen zu lassen. Danach habe ich einen weiteren Monat für den Entwurf zum zweiten Buch und noch einen Monat danach für den Entwurf zu Buch drei. Daher muss ich das möglichst schnell anpacken, noch während ich gleichzeitig am nächsten "Vanguard"-Buch schreibe. Derzeit sieht es danach aus, als dass die Trilogie sich auf "Next Generation"-Charaktere konzentrieren und nach "Destiny" spielen wird. Ich denke, ich werde sie einige Zeit danach ansiedeln, was Kontinuität und Zeit angeht.

Ich möchte etwas ganz anderes machen als mit "Destiny". Während "Destiny" eine Geschichte, verteilt auf drei Bücher war, würde ich diesmal wohl am liebsten drei eigenständige Geschichten schreiben, die durch einen gemeinsamen Faden verbunden sind. Vielleicht ist das ein Thema, vielleicht ein dramatisches Element, aber ich würde gern, dass jedes Buch seine eigene, in sich abgeschlossene Geschichte hat, die aber gleichzeitig Teil dieser größeren Idee ist. Darüber hinaus muss es, wie ich schon bei "Destiny" sagte, folgeträchtig sein. Aber gleichzeitig würde ich gern einmal etwas machen, das nicht den gesamten Status quo des "Star Trek"-Universums aufbricht und all den anderen Werken der übrigen Autoren in die Quere kommt. Ich würde es ihnen gönnen, dass sie sich einmal keine Sorgen darüber machen müssen, ob das all ihre Pläne und Story-Vorschläge völlig über den Haufen wirft.

Mal sehen, vielleicht entscheide ich mich auch dafür, das Universum noch mal abzureißen. (lacht)

TZN: Na, in dem Fall Hals- und Beinbruch! Ganz herzlichen Dank für das Gespräch.

Mack: Danke Ihnen. Es war mir ein Vergnügen.

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(hk, jp - 04.10.11)

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