Daily Trek Cast & Crew Focus & Background Franchise & Fandom
Star Trek Into Darkness Star Trek XI Enterprise Universum
SF-Zone Raumfahrer.net
GameZone Literatur
Trek BBS Quark's Bar Star Trek Rollenspiel

Seitenoptionen



News & StoriesSerien & FilmeScience & FictionMediaCommunity

Portal Facebook Twitter YouTube Flickr Chat Trek BBS

 
Daily Trek News
SF-Zone News

Melanie Brosowski (mb)01.07.08

Sci-Fi-Autoren, wo seid ihr?

TZN-Interview mit Heike Gerdes vom Leda-Verlag

Der Leda-Verlag ist einer der wenigen Verlage, der Science-Fiction-Neuautoren eine Chance gibt. Heike Gerdes war so nett, sich unseren Fragen zu stellen.

TZN: Wer sind die Menschen hinter dem Leda-Verlag?

Heike Gerdes: Auf den ersten Blick ist der Leda-Verlag ein Ein-Frau-Betrieb, seit ich ihn vor gut acht Jahren gegründet habe. Aber im Hintergrund wirken eine Menge Leute, ohne die es nicht laufen würde. Mein Mann Peter Gerdes, dessen Krimis auch überwiegend im Leda-Verlag erscheinen, unterstützt die Arbeit vor allem dadurch, dass er Krimifestivals wie die Ost-Friesischen Krimitage und jetzt auch den Ost-Friesischen Krimisommer und andere Lesungen organisiert. Unsere freie Lektorin Maeve Carels, selbst Krimiautorin, arbeitet mit den Autoren an den Texten. Wichtig sind mir auch die Covers, denn ein schönes Umschlagbild ist die Eintrittskarte zum Buch. Unsere werden vor allem von Carsten Tiemeßen und Andreas Herrmann gestaltet. Im vorigen Jahr habe ich mich außerdem der Verlagsauslieferung Prolit angeschlossen, die meine Bücher lagert und verschickt - was für meinen Rücken eine wirkliche Erleichterung ist. Und last but not least stecken dahinter natürlich die vielen Autoren, die für uns spannende Romane schreiben. Ohne die wäre ich wirklich aufgeschmissen!

TZN: Wie wird man Verleger/Herausgeber?

Gerdes: Ich weiß nicht, wie andere Verleger werden - ich habe es einfach gemacht. Ich habe ein Gewerbe angemeldet, die ersten Bücher drucken lassen und mich ans Telefon gehängt, um Buchhändler und die Einkäufer der Großhändler dazu zu bringen, mir diese Bücher abzukaufen. Eigentlich bin ich Journalistin und habe nach meinem Volontariat lange bei verschiedenen Tageszeitungen als Redakteurin gearbeitet. Es ist allerdings noch immer schwierig, mit drei Kindern in einer Redaktion zu arbeiten, weil vor allem kinderlose Kolleginnen gelegentlich zur Stutenbissigkeit neigen. Außerdem war ich immer zu aufmüpfig, um ein bequemer Untergebener zu sein, da war es konsequent, mein eigenes Ding durchzuziehen.

Im Laufe der Zeit musste ich eine Menge Dinge lernen - es hängt ja eine Menge Arbeit dran. Ich lese die Manuskripte, verschicke die Zu- oder Absagen, entscheide übers Programm. Wenn ich den Text von der Lektorin zurückbekomme, setze ich ihn und bereite die Daten so weit vor, dass ich nach den Korrekturdurchgängen der Druckerei ein fertiges PDF-Dokument schicken kann. Daneben verhandele ich mit Autoren, Buchhändlern, Druckereien, Grafikern, gestalte Anzeigen für die Bücher, bastele pro Jahr zwei Kataloge zusammen. Bis voriges Jahr musste ich außerdem noch Rechnungen schreiben und oft hinter dem Geld hertelefonieren, Pakete packen und zur Post schleppen. Und wenn neue Bücher aus der Druckerei kamen, stand ich stundenlang im Lager und habe mit tonnenschweren Paletten rangiert.

TZN: Lohnt sich das oder ist es "nur" ein Hobby?

Gerdes: In der Anfangszeit war ich froh, wenn der Verlag seine Kosten wieder eingespielt hat. Inzwischen hat Leda sich vor allem in der Krimiszene einen guten Namen erworben und mit dem Schwerpunkt Inselkrimis und Küstenkrimis eine Nische gefunden. Die Leser und Buchhändler kennen uns und allmählich läuft es wirklich schön. Unsere Bücher verkaufen sich gut, erhalten positive Rezensionen und werden für Preise nominiert, unsere Festivals und Lesungen kommen gut an. Im ersten Jahr habe ich drei Bücher verlegt, inzwischen sind über hundert Bücher erschienen.

TZN: Warum ist der Verlag derzeit auf der Suche nach Sci-Fi-Manuskripten?

Gerdes: Ich gestehe: Es ist viel Neigung im Spiel. Ich mache nun mal am liebsten Bücher, die ich auch selbst gerne lese. Ich bin seit Jahren Science-Fiction-Leserin und sehe sehr gerne gut gemachte SF-Filme. Seit ein paar Jahren bin ich ja auch beim TZN dabei und lektoriere die "Daily Trek Weekend", allerdings unter meinem Pseudonym Wolke de Witt, unter dem im Herbst übrigens auch mein erster eigener Kriminalroman "Sturm im Zollhaus" erscheint.

TZN: Wie schätzt du die derzeitige Marktsituation von Sci-Fi-Literatur aus Verlegersicht ein?

Gerdes: Ich denke, die Zeit ist wieder mal reif für gute SF-Literatur. Einige der Toptitel der letzten Jahre gehören diesem Genre an, man denke nur an Frank Schätzings Roman "Der Schwarm", der zwar nicht unter dem Label SF verkauft wurde, aber eindeutig dazugehört. Es gibt ja in der Literatur verschiedene Strömungen. Jahrelang standen die eskapistischen Werke im Mittelpunkt. In einer beunruhigenden und komplizierten Welt sehnen sich Menschen nach einfachen Lösungen und überschaubaren Bedingungen. Dann lesen sie gerne Märchen, in denen sich alles um den alten Kampf Gut gegen Böse dreht, träumen von klugen und mutigen Helden, die Drachen reiten, Orks zerschmettern oder mit dem Laserschwert finstere Gewaltherrscher bekämpfen. Auch "Star Wars" ist für mich im eigentlichen Sinne keine Science-Fiction, sondern Fantasy mit Raumschiffen.

Parallel dazu existiert aber auch der Wunsch nach Visionen und Utopien, nach dem Spiel mit möglichen Zukünften. Gute Beispiele dafür sind Autoren wie John Brunner, Stanislaw Lem und Isaac Asimov, Frederick Pohl oder William Gibson oder im deutschsprachigen Raum Andreas Eschbach, Frank Schätzing und Carl Amery. Gute Science-Fiction ist mehr als spektakuläre Weltraumschlachten, für die mir manchmal nur das Etikett "Landser im Weltall" einfällt.

TZN: Wie schätzt du die derzeitige Situation für Sci-Fi-Autoren, insbesondere -Neu- beziehungsweise -Jungautoren ein?

Gerdes: Ich habe im Krimibereich sehr gute Erfahrungen damit gemacht, die Arbeiten junger und noch unbekannter Autoren zu veröffentlichen. Leser sind neugierig und geben neuen Schreibern gerne mal eine Chance. Dass diese die dann auch nutzen müssen, steht auf einem anderen Blatt. Aber bei unseren Krimis haben wir schon einige Entdeckungen gemacht, die sich durchgesetzt haben, gut verkauft wurden und für Literaturpreise nominiert wurden. Für mich als Verlegerin ist es reizvoll, Neues zu bringen und nicht immer ausgetretenen Pfaden zu folgen, auch wenn es jedes Mal ein Risiko ist, weil man nicht vorhersagen kann, ob den Buchhändlern ein Buch so gut gefällt wie mir.

TZN: Noch ein paar abschließende Worte?

Gerdes: Ich hoffe, ich kann meinen Plan, parallel zu unseren Kriminalromanen eine Reihe mit guter utopischer Literatur aufzubauen, umsetzen. Es steht und fällt damit, ob ich genügend geeignete Manuskripte angeboten bekomme. Also: Wer auf der Suche nach einem Verlag für seinen utopischen Roman ist, melde sich bitte bei mir. Am besten ist es, wenn ich ein Exposé und eine Leseprobe von etwa 30 Seiten bekomme, gerne per E-Mail. Für Kurzgeschichten habe ich im Moment noch keine Verwendung, aber wenn die Reihe steht, werde ich sicher auch mal einen Storyband unterbringen. Für den Anfang sollen es aber längere Texte sein, so von 200 bis 400 Manuskriptseiten.

TZN: Hast du noch einen Rat für Autoren?

Gerdes: Einen Rat für Autoren soll ich geben? Schreiben, weiterschreiben, den Text Testlesern geben, die nicht zur Familie gehören. Immer wieder mal den eigenen Text laut vorlesen - das ist nicht nur eine gute Übung für die unvermeidlichen Lesungen, die später auf euch zukommen, sondern ihr merkt auch viel besser, wie eure Sprache wirklich klingt, ob die Sätze zu kompliziert oder geschraubt sind. Nicht zu viel erklären, eine gute Geschichte erklärt sich selbst (lest mal "Morgenwelt" von John Brunner, lest überhaupt alles, was ihr an guten Texten in die Finger bekommt!). Und wenn ihr dann etwas fertig geschrieben habt und vorläufig damit zufrieden seid und es veröffentlichen wollt: Bitte, bitte fallt nicht auf so genannte Verlage rein, die damit werben, dass sie Autoren suchen und euch dann euer Geld aus der Tasche ziehen, damit das Buch veröffentlicht wird. Ihr habt nämlich eure Arbeit geleistet und deshalb steht euch auch ein Honorar zu, wenn das Buch verkauft wird. Ich freue mich jedenfalls auf den Aufbruch in das unentdeckte Land - vielleicht seid ihr ja auf der Reise dabei!

TZN: Vielen Dank für das Interview!

(mb - 26.08.08)

Weiterführende Links


Nach oben

Alle Berichte sind das geistige Eigentum der Autorinnen und Autoren. Jede unautorisierte Übernahme ist ein Verstoß gegen das Urheberrecht. Für Anfragen betreffend Artikel- oder Newsübernahme wenden Sie sich bitte an den Redaktionsleiter.

"Star Trek", "Star Trek: The Next Generation", "Star Trek: Deep Space Nine", "Star Trek: Voyager", "Star Trek: Enterprise" und alle verwandten Markennamen sind eingetragene Handelsmarken von Paramount Pictures. Kopierrechtlich geschütztes Material wurde ausschließlich für nichtkommerzielle Zwecke genutzt. Dies gilt auch für alle Materialien, die aus anderen Franchises stammen und im Rahmen der TZN SF-Zone genutzt wurden.

Mitarbeit Kontakt Impressum

© TrekZone Network, 1999-2017