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Thomas Götz (tg)19.01.18

"Divided States of America"

Claudia Kern

Inhalt

Joseph Johnson, der neue Präsident der USA, polarisiert. Der Wahlkampf war hart und schmutzig, das Land ist gespalten. Extremistengruppen profilieren sich und die Menschen sind verunsichert. Johnson sucht die Schuld beim Terror und will die Spreu vom Weizen trennen. Dafür erlässt er ein Dekret, das alle legalen Einwanderer zum Tragen eines Ausweises verpflichtet. Als hätten die Nationalisten nur darauf gewartet, schlägt der Beschluss ein wie eine Bombe. Plötzlich ist es politisch korrekt, ein Rassist zu sein. Washington State, Oregon und Kalifornien weigern sich, das Dekret umzusetzen, und die große Völkerwanderung beginnt. Der Gouverneur von Arizona schließt die Grenzen, um die Flüchtlingsströme aufzuhalten, obwohl er selbst nicht hinter dem Dekret steht. Doch unter den Wirrungen der Politik werden manche Ideale bedeutungslos. Die Flüchtlinge stauen sich in Arizona, es werden mehr und mehr, Aktivistengruppen nutzen die Situation als Bühne für ihre eigenen Agendas, dann treten auch noch Nazis auf den Plan. Johnsons Machtbasis bröckelt, als die Zustände im Land außer Kontrolle geraten. Gewalt bricht aus, das Militär wird eingeschaltet – und dann tötet ein Anschlag in Seattle Tausende. Spätestens jetzt wird klar, dass die Vereinigten Staaten sich im Todeskampf befinden.

Kritik

Nun ist er also erschienen, der berühmte "Trump-Roman", der im edlen gebundenen Hardcover vorliegt und es auf über 600 Seiten bringt. Damit ist das Buch sicher eines der dicksten im CrossCult-Portfolio. Und um ehrlich zu sein, Trump kommt gar nicht vor, aber die Ausgangslage der Geschichte passt wie die Faust aufs Auge zu unserer heutigen Zeit (und womöglich spielte ein gewisser realer Präsident hier durchaus eine Rolle als Vorbild, Parallelen sind zu erkennen).
Ein Roman, der von der Realität nicht allzuweit entfernt ist und die Geschehnisse in einem alternativen Amerika zeigt.

Doch beginnen wir am Anfang, bzw. mit der Einsicht, das die 600 Seiten für die Geschichte auch bitter nötig sind. Denn vor allem zu Beginn werden die Charaktere eingeführt, die aber derart reichlich sind, das es eine Weile dauert, um mit ihnen warm zu werden. Da sind zum einen die Spanier, die sich im Lauf des Buches Rassenhass ausgesetzt sehen, eine Gruppe von Neonazis, hinter denen ein wenig mehr steckt, eine Polizistin und natürlich der Präsident und einige "feindliche" Gouverneure selbst. All diese Charaktere müssen erstmal vorgestellt und ihre Situationen geschildert werden, wobei man vor allem Anfangs etwas den Überblick verlieren kann.

Dies ist aber im Grunde das einzige Manko des Romans, denn spätestens ab Seite 100 ist man in den Geschichten der jeweiligen Charaktere gut genug verankert, um sich mitreißen zu lassen. Sicher, einige der Geschichten verbinden sich im weiteren Verlauf mit der Hauptgeschichte, dem großen Ganzen, manche mehr, manche weniger. Einige Figuren bleiben eher Spieler am Spielfeldrand, allen ist aber gemein, das sie benutzt werden, um zu beschreiben, was sich im einfachen Volk abspielt. Hier bleibt nicht nur die politische Ebene oder die großen Ereignisse (Stichwort: Terroranschlag) im Vordergrund, hier wird der 'kleine Mann' gezeigt und wie er in einem Amerika überleben muss, das langsam zerfällt.

Auch das tut nicht nur der Geschichte gut, sondern ist auch etwas, das man so vielleicht nicht in anderen Romanen sieht. Dabei sollte man sich aber klar vor Augen halten, das es auf diesen 600 Seiten eher wenig Action gibt. Klar, es gibt ein paar rasantere Szenen hier und da, in denen es etwas mehr zur Sache geht, das Buch ist aber eher eine Charakterstudie - oder, um es anders auszudrücken, ein Mahnmal gegen Rassismus. Denn das ist die Kernaussage: Wohin blinder Rassismus führen kann - bis hin zur Zerstörung eines Staates.

Ob wirklich alles so kommt (oder kommen würde), wenn Präsidenten so handeln, wie hier geschildert, steht auf einem anderen Blatt. Falsche Personen in falschen Ämtern haben aber schon immer mehr Schaden angerichtet und so ist der Zerfall des mächtigsten Landes der Welt durchaus realitätsnah und sicher mit ein Grund, warum das Buch auf seinen 600 Seiten so gut funktioniert. Hier wird auch aufgezeigt, wie sich Hass immer weiter hochschaukelt bis hin zu Gewalt, die beide Seiten teilweise sogar zu vertuschen suchen. Und genau dort drin steckt auch der normale Bürger, der in dieser Welt leben muss.

Doch genug an dieser Stelle mit der Philosophie und noch ein paar Worte zum Rest der Handlung, vor allem auch der politischen Ebene. Hier haben wir einen Präsidenten, der sich von einer einfachen Fotografin letztlich in seinen eigenen Untergang (und dem des Landes) manipulieren lässt. Einen Gouverneur als Gegenkandidat, der vielleicht nicht immer strahlend ist, aber die Fallstricke geschickt zu umgehen bzw. zu nutzen weiß. Auch hier wieder die Frage, ob es in der Politik wirklich so zugeht, aber zumindest in diesem Buch greifen die Rädchen exzellent ineinander.

Zuguterletzt sollte vielleicht auch noch die Polizistin erwähnt werden, die den Rassisten auf die Schliche kommt, später aber unter die Mühlen des neuen Hassapparates des Staates gerät. Auch ihre Szenen vermögen zu überzeugen und in diesem Zusammenhang sind auch die Einblicke in die Terrorgruppe interessant, gibt es hier etwa einen Jungen, der sich diesen gar nicht anschließen will. Auch hier wird quasi wieder - subtil - auf den Extremismus verwiesen und wie er selbst Kinder zu radikalisieren vermag.

Man sieht also, es ist schwer über die Handlung des Buches zu schreiben, ohne sich in Diskussionen zu den moralischen Aspekten zu begeben, die hier aufgezeigt werden. Aber gerade das macht ja irgendwo den Charme der Geschichte aus. Und obwohl einiges am Ende offen bleibt und man gerne mehr von den Charakteren und ihren Schicksalen lesen würde, ist es vielleicht auch nicht verkehrt, das dieses Buch nicht unbedingt eine Fortsetzung braucht, da gerade auch dieses Ende noch einmal zusätzlich zum Nachdenken anregt.

Fazit: Claudia Kern ist erneut eine gute Geschichte gelungen, die vor allem mit Aktualität und Authentizität zu punkten weiß. Ein Actionfeuerwerk sollte man hier zwar nicht erwarten, aber die Handlung regt zum Reflektieren über die Welt und den Rassismus an - und das allein ist durchaus etwas Wert.

Bewertung

Weitere Infos


Titel "Divided States of America"

Autor Claudia Kern

Preis 24 Euro

Umfang 625 Seiten

Verlag CrossCult

ISBN 978-3-95981-499-7

(tg - 19.01.18)


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