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Henning Koonert (hk)07.08.10

"Ghosts"

Zander Cannon

Inhalt

Die Geschichte spielt während der 4. Staffel der "Next Generation", zwischen den Folgen "Gefangen in der Vergangenheit" und "Das Standgericht".

Ein Notruf führt die Enterprise-D nach Allios IV, einem Planeten, auf dem Bürgerkrieg zwischen der fortschrittlichen Republik Juulet und der rückständigen Kriegernation der Dorossh wütet. Die Juulet nehmen für sich in Anspruch, den gesamten Planeten zu repräsentieren und haben sich für eine Aufnahme in die Föderation beworben.

Über dem Himmel von Dorossh ist ein Schiff der Juulet in Not geraten. Für die eigene Regierung scheint das Leben des an Bord befindlichen, schwerverletzten Wissenschaftlers weniger wichtig, als die Helfer der Föderation davon abzuhalten, das Schiff genauer in Augenschein zu nehmen. Durch dies Verhalten misstrauisch geworden, beschließt Picard, der Sache auf den Grund zu gehen.

Der gerettete Wissenschaftler kann zunächst nicht viel zur Aufklärung beitragen. Ernsthaft verwundet, scheint er zu halluzinieren, wird von "Geistern" geplagt, die Unverständliches zu ihm sprechen. Schockiert reagiert der Juuletaner, als ihm plötzlich einer dieser Geister auf der Enterprise gegenübertritt: Jean-Luc Picard.

Doch hinter den Geistern steckt mehr als Halluzination. Im Lauf der Geschichte von "Ghosts" entfaltet sich, wie diese mit dem Schiffsunglück, dem juuletanischen Forscher und dem Bürgerkrieg in Verbindung stehen.

Kritik

Ich hatte nicht viel von diesem Comic erwartet, bevor ich ihn aufschlug. Nachdem die letzten beiden TNG-Storys uns die bekannten Helden in "Countdown" und "The Last Generation" jenseits der zeitlichen und räumlichen Grenzen der Serie gezeigt hatten, war "Ghosts" im Gegensatz dazu als eine klassische "Next Generation"-Story angekündigt worden. Autor und Zeichner waren Trek-Neulinge, und die starr wirkende Drei-mal-drei-Aufteilung der Bilder pro Seite sah in den Vorschauveröffentlichungen wenig dynamisch aus. Kurz: Ich erwartete einen unterdurchschnittlichen Comic - und hatte mich getäuscht.

Der Handlung merkt man an, dass Zander Cannon sie zu Beginn über alle fünf Kapitel dieses Bandes durchgeplant hat. So können anfangs gesäte kleine Hinweise am Ende schlüssig wirken, die Geschichte erscheint gekonnt aus einem Guss und ihre Auflösung wirkt nicht aufgesetzt, was passieren kann, wenn man - wie etwa bei "Tor zur Apokalypse" - anfängt zu schreiben, ohne ein Ende im Sinn zu haben.

Umrahmt werden die einzelnen Geschehnisse durch Picards und Rikers Einträge ins Logbuch und auch wenn große Teile der Geschichte aus ihrer Perspektive erzählt werden, ist es Cannon vielleicht sogar besser als bei allen TNG-Comics zuvor gelungen, diese Geschichte zu einem Ensemble-Stück werden zu lassen. Für jemanden, der nach eigener Aussage mit "Star Trek" nicht allzu sehr vertraut ist, gelingt es dem Autor verblüffend gut, die Charaktere in ihren uns vertrauten Handlungsmustern zu schildern.

So versucht Picard rational und diplomatisch zunächst, den Konflikt zwischen Juulet und Dorossh entschärfen, indem er die Beteiligten an den Verhandlungstisch bringt. Data soll derweil Informationen über die hochentwickelten Juulet sammeln - er wird am Ende einen erdrückend umfassenden Bericht abliefern -, während Worf mit der gleichen Mission zu den kriegerischen Dorossh geschickt wird.

Crusher und Troi umsorgen unterdessen den verletzten Forscher Uul Everuut. Gemeinsam mit Geordi, der das Rätsel um die durch eine seltene Energie hervorgerufenen Wunden löst, können sie ihren Patienten stabilisieren, und als Troi in Datas Lagebericht auf eine persönliche Information über Uul stößt, findet sie mit den richtigen Worten den Schlüssel zu seiner Seele, um ihn zur Zusammenarbeit zu bewegen. Am Ende rettet Riker mit seinen schneidigen Entscheidungen nicht nur die zwischenzeitlich in Gefahr geratenen Worf und Picard, sondern legt damit vielleicht auch den Grundstein zu einem Frieden zwischen den beiden Völkern von Allios IV.

Nach den zuletzt eher dünn getexteten Comics "Spock" und "Nero" war es eine Freude zu sehen, mit wie vielen Worten die vorliegende Geschichte erzählt wird. Die Letterer Robbie Robbins und Neil Uyetake machen ihre Sache gewohnt gut und erwecken vom Rotalarm bis zum Ausschalten des Sichtschirms eine angemessene Geräuschkulisse auf dem Papier.

Neben Autor Cannon macht Kolorist John Hunt den zweitbesten Job in diesem Comic-Team. Seine satten Farben, die in den Hintergründen teils in Pastelltöne abgleiten, passen wunderbar zur bunten TNG-Welt.

Abzüge gibt es für die Zeichnungen von Javier Aranda und den Inkern German Torres-Ruiz und Marc Rueda. Gut weg kommen noch Bewohner und Umwelt von Allios IV. Interessant in die Story eingebunden wird, dass die blauhäutigen Planetenbewohner über sechs Finger an jeder Hand verfügen; auch der Kontrast zwischen beiden Nationen ist zeichnerisch gut herausgearbeitet und wird durch die Panoramen noch verständlicher.

Weniger gut kommt Aranda mit der Ähnlichkeit der bekannten Charaktere zurecht. Anders als etwa David Messina, der die Figuren auf seine eigene Weise interpretiert, dabei aber konstant bleibt, schwanken Arandas Sternenflottenoffiziere stark in der Anlehnung an ihre realen Vorbilder und der eigenen Vision des Künstlers. Anders gesagt: Ein Worf oben auf der Seite ist schon mal ein ganz anderer Klingone als Worf unten auf dem Blatt.

Als störendes Merkmal vieler Köpfe erweisen sich unpassende, seltsam platzierte Schatten auf den Gesichtern der Charaktere. Ob dies Zeichner oder Inkern geschuldet ist, mag ich nicht beurteilen, mit Verwunderung jedenfalls bleiben die Leseraugen mal an Picards Wange, Worfs Augenpartie oder zwischen Datas Nase und Mund hängen, die irgendwann in tiefes Schwarz getaucht sind.

Fazit: Eine klassische TNG-Geschichte im besten Sinne. Wer diese Geister zu sich ruft, wird mit einer klugen, stimmigen Story belohnt. Nur vor den Zeichnungen nimmt man sich besser ab und an in Acht.

"Star Trek: The Next Generation - Ghosts" ist unter anderem bei Amazon.de erhältlich.

Bewertung

Weitere Infos


Originaltitel "Ghosts"

Comicreihe Star Trek

Autor Zander Cannon

Zeichner Javier Arranda

Lettering Robbie Robbins, Neil Uyetake

Preis 19,99 Dollar

Umfang 120 Seiten

Verlag IDW Publishing


ISBN 978-1600106828

(hk - 21.12.10)


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