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Henning Koonert (hk), Anne-Kathrin Schulz (sz) "Spiegelbilder" Scott & David Tipton Inhalt In der Classic-Folge "Ein Paralleluniversum" erfahren wir vom Schiffscomputer der I.S.S. Enterprise, dass Kirk in diesem Universum durch die Ermordung seines Vorgängers Christopher Pike das Kommando über das Raumschiff erlangt hat. Später erzählt Marlena Moreau, dass Kirk seinen Aufstieg dem Tantalusstrahler zu verdanken hat. Wie genau der Kirk des Spiegeluniversums seinen Vorgänger aus dem Weg räumte und zum Kommandanten der Enterprise wurde, erzählt dieser Comicband, von dem vier Kapitel als Vorgeschichte zu der beliebten Folge aus der Classic-Serie dienen. Ein Zwischenspiel in der Mitte des Heftes unterbricht diese Geschichte für einen Augenblick und springt 70 Jahre in die Zukunft. Auf der I.S.S. Starbreaker wird der Leser Zeuge eines bestimmenden Augenblicks im Leben von Lieutenant Jean-Luc Picard in den ersten Tagen des Krieges zwischen dem Imperium und der cardassianisch-klingonischen Allianz. Eine Art Gallery mit Porträts zu Spiegel-Spock und -Kirk und mehreren Konzeptzeichnungen von David Messina sowie mit den von Joe Corroney gezeichneten ursprünglichen Covern der einzelnen Hefte, die in diesem Band gebündelt sind, runden den Comic ab. Kritik 1. Henning Koonert Diese Rezension bezieht sich auf die englischsprachige Originalausgabe.
Schön gemacht ist die kurze Einleitung auf der ersten Seite. Sie erklärt auch Lesern, welche die Ausflüge in die oft besuchte "Star Trek"-Parallelwelt nicht kennen, was es mit dem Spiegeluniversum auf sich hat. Das Verhalten der Charaktere ist stimmig und gut wiedererkennbar: Es herrschen Intrigen, Mord und Folter und alles ist ein bisschen mehr sexy als im gewohnten "Star Trek"-Universum. Von Beginn an stehen sich Kirk und Pike im Comic als Gegner gegenüber, spannend bis zum Ende bleibt für den Leser jedoch die Frage, auf wessen Seite die übrigen Charaktere wie Spock, McCoy und Scotty stehen. Das Spiel der Autoren mit ihrer Loyalität beschert dem Comic am Ende von Kapitel 1 seinen besten Cliffhanger. Spock sticht unter der Mannschaft der Enterprise wie schon in der Fernsehfolge dadurch hervor, dass er weniger brutal als der Rest aber dennoch entschlossen seine eigenen Ziele verfolgt. Angenehm fällt einem auch die Einarbeitung von Scottys Akzent auf. Kirks List, um den Tantalusstrahler an den wachsamen Augen von Sicherheitschef Sulu vorbei zu schmuggeln, hatte ich zwar schnell durchschaut, aber sie mit anzusehen war wahrlich eine Augenweide! Wer Sulu in "Ein Paralleluniversum" erlebt hat, nimmt Kirk sofort ab, wie er hier zielsicher die Schwächen des Mannes mit der Narbe im Gesicht ausnutzt. Ach, hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass das Spiegeluniversum sexy ist...? Ein paar weitere Markenzeichen des Spiegeluniversums dürfen auch im Comic nicht fehlen und die Erwartungen werden im letzten Kapitel zumeist doch noch erfüllt: Agonie-Simulator? Check. Der Bunker mit den Schmerzröhren zur Folter? Check. Schade, dass Marlena Moreau keinen Auftritt hat, aber dafür bekommen wir zum ersten Mal die Spiegelversion von Schwester Chapel zu Gesicht. Und natürlich orionische Sklavenmädchen. Nie verkehrt. Völlig unnötig ist in diesem Comicband hingegen der inhaltliche Bruch der Geschichte mit der eigens als "Zwischenspiel" eingefügten Episode um Jean-Luc Picard. Ob man hier zu spät gemerkt hat, dass die eigentliche Story nur für vier Teile reicht, aber schon fünf Hefte in Auftrag gegeben hatte? Die kurze Geschichte zeigt einfallslos, wie sich Picard zum Captain der Starbreaker (sic!) befördert (auf die Standardmanier des Paralleluniversums halt). Seine folgende Tat versöhnt ein wenig, immerhin wird uns hier das Pendant eines bedeutenden Einfalls gezeigt, mit dem auch der Picard des gewohnten Universums in die Geschichtsbücher einging. Leider ist dies zeichnerisch ungenügend auf eine Weise umgesetzt, die die Dynamik des Augenblicks überhaupt nicht einfängt. Wirkt die Geschichte um Picard schon allein durch den Zeitsprung wie ein Fremdkörper im Heft, wird das durch ihre Platzierung in der Mitte der eigentlichen Story noch verstärkt. Unverständlich, warum man diese Geschichte nicht ans Ende des Heftes gesetzt hat. Lesern von "Mirror Images" ist zu empfehlen, das dritte Kapitel zunächst zu überspringen und am Ende nachzuholen. David Messinas Zeichenstil mit seinen starken, teils groben Linien passt gut zur rauen und dunklen Art des Spiegeluniversums. Diese Atmosphäre wird durch die Platzierung der einzelnen Bilder auf schwarzem Hintergrund und die Verwendung von dunklen und gedeckten Farben noch weiter verstärkt. Bei Messinas Zeichnungen wurde von deutschen Trek-Fans nach dem Erscheinen von "Countdown" des Öfteren mangelnde Ähnlichkeit zu den Originalen beanstandet. In "Mirror Images" schwankt diese teils gewaltig. Seinen Protagonisten Jim Kirk trifft Messina spot on, auch McCoy ist wunderbar getroffen. Der Rest der bekannten Enterprise-Crew ist ordentlich umgesetzt, auch wenn Scotty öfters irgendwie bedröppelt aus der Wäsche guckt. Auffallend wechselhaft ist die Qualität von Pikes Antlitz. Wer sich auf den ersten Seiten (zurecht) fragt, wen er da vor sich hat - beim zähnefletschenden Bild auf Seite 9 wurde es mir geradezu flau im Magen -, der möge sich gedulden. Übung macht hier offenbar den Meister und mit Verlauf der Handlung wird Pikes Aussehen zunehmend erkennbarer, Seite 104 zum Beispiel ist wunderbar gelungen. Wer sich an kantigen Männern nicht stört und sich stattdessen an kurvenreichen Frauen erfreuen möchte, für den lässt Messina im Spiegeluniversum keine Wünsche unerfüllt. Ob Yeomen oder Orionerinnen: gekonnt gemacht! Durch Messinas harten Zeichenstil werden die Kontraste zu den detailreichen, feineren am Computer generierten Bildern, die hier und da in den Comic eingestreut sind, besonders groß und so fügen sich die Anzeigen zum Beispiel auf Bildschirmen nicht immer harmonisch ins Gesamtbild ein. Ein Lob geht an die Letterer, die sich nicht nur darauf beschränkt haben, die Sprechblasen zu füllen, sondern auch von Phaserstrahlen bis hin zum Beamvorgang passende Geräuschkulissen aufs Papier bringen. Weitere Pluspunkte gibt es wie immer für Anlehnungen an den Trek-Kanon. Hier kann "Mirror Images" mit einem Cameo von Lieutenant Kelso punkten, genauso wie mit der Erwähnung von McCoys Vorgänger Doktor Piper. Auch die Büste, die Spocks Quartier in "Ein Paralleluniversum" ziert, entdeckt der aufmerksame Leser. Zum Schluss, für Trivia-Freunde: Die Klingonen des Spiegeluniversums sind offenbar nicht Opfer des Augments-Virus geworden. Fazit: Das düstere, gewalttätige und sexy Setting des Spiegeluniversums eignet sich hervorragend für eine stimmige Umsetzung als Comic, die in "Mirror Images" gelungen ist. Die Handlung der Vorgeschichte zu "Ein Paralleluniversum" wird munter erzählt, bleibt dabei allerdings etwas dünn. Der Ausflug ins 24. Jahrhundert des Spiegeluniversums bleibt ein Fremdkörper in der Geschichte. Der Comic ist auf Deutsch unter dem Titel "Spiegelbilder" erschienen und bei Amazon.de als Hardcover wie auch als Softcover mit neuen, eigens von David Messina gestalteten Titelbildern, erhältlich. Natürlich gibt es den Comic dort auch weiterhin auf Englisch. 2. Anne-Kathrin Schulz Diese Rezension bezieht sich auf die deutsche Ausgabe des Comics. Ich persönlich bin kein großer Fan vom Spiegeluniversum, habe mir dann aber den Comic doch recht unvoreingenommen durchgelesen und natürlich angesehen. Es hat mich gefreut, dass David Messina wieder den Stift geschwungen hat. Meines Erachtens hat er auch schon mit "Countdown" eine gute Arbeit abgeliefert. Bemängelt wurde, dass die dargestellten Charaktere den Originalen nicht allzu nahekommen würden. Ich jedoch finde, dass in "Spiegelbilder" aber auch in "Countdown" die Charaktere ein wenig alternativ und doch sehr ansprechend dargestellt wurden. Mir gefällt Messinas Stil in "Spiegelbilder". Die ersten Seiten wirken sehr grob, die Figuren scheinen sehr einfach und beinahe ein wenig übertrieben dargestellt. Dies ändert sich aber mit jeder folgenden Seite. Im Laufe des Comics werden die Personen immer feiner und detailreicher. Es scheint, als würden mit ihrer Darstellung auch ihre Motive deutlicher werden. Die Darstellung der einzelnen Personen passt sehr gut ins Spiegeluniversum. Die männlichen Offiziere stellen harte und kantige Kerle dar, die Frauen jedoch sind sehr sexy und sinnlich zugleich. Eine gute Mischung, die diesen Comic optisch ansprechend macht. Was auch zu erwähnen wäre, ist die Farbgebung der Hefte. Angepasst an die Geschichte, das Universum und die Charaktere ist auch die Farbgestaltung. Dunkle Farben dominieren, und doch scheint nichts verschleiert. Im Gegensatz dazu stehen starke Rot- und Gelbtöne, welche die Bilder dramatisieren. Zudem wird die Mimik der einzelnen Personen durch ausgeprägte Licht-Dunkel-Kontraste unterstrichen. Die Story der Hefte wird für die einen neu und erfrischend sein, für andere altbekannt und eventuell langweilig. Ich zähle mich zu den ersteren. Ich bin mit der Geschichte mitgegangen, habe versucht, mich hineinzuversetzen uns muss sagen, dass es doch einige Überraschungsmomente gibt, die der Geschichte eine völlig neue Wendung geben und auch die Motive der einzelnen Personen optimal darstellen - sofern das in einer verzwickten Dimension wieder dieser überhaupt möglich ist. Fazit: "Star Trek: Spiegelbilder" gestaltet sich als spannend und anregend, und das wird erreicht durch Messinas passenden Zeichenstil, die dunkle und kontrastreiche Farbgebung aber auch durch die überraschende und ausgefeilte Geschichte. Der Comic ist in mehreren Varianten erhältlich. Die deutsche Version ist im Cross Cult Verlag erschienen und als Soft- und Hardcover unter Amazon.de zu bekommen. Vor allem für Sammler ist es schön, dass Messina für die deutschen Ausgaben neue Coverzeichnungen entworfen hat, aber auch die Portraits der einzelnen Charaktere dürften für Fans und Freunde von "Star Trek" interessant sein. Bewertung
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