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Anne-Kathrin Schulz (sz), Henning Koonert (hk), Matthias Wieprecht (we) "Tor zur Apokalypse" Scott & David Tipton Inhalt "Der Weltraum, die letzte Grenze. Dies sind die Reisen des Raumschiffs Enterprise. Seine fortwährende Mission: fremde, neue Welten zu erforschen, neue Welten und Zivilisationen aufzuspüren und mutig dahin vorzustoßen, wo bislang niemand zuvor gewesen ist." Ein neues Abenteuer erwartet die Besatzung des Raumschiffs Enterprise, und wie so oft beginnen die ganz großen Geschichten ganz einfach. Commander Riker will sich entspannen, in einer Simulation auf dem Holodeck. Doch daraus wird nichts. Commander Riker und Data werden zu Captain Picard gerufen, welcher ihnen ihre neue Mission offenbart: Es gibt Probleme auf Daystrom One. Die Föderation möchte dort eines der größten Datenarchive überhaupt erstellen, welches Informationen und Datenbanken zu Föderationsverbündeten, Föderationsfreunden und anderen Kulturen beinhaltet. Diese große Datenmenge soll von einer künstlichen Intelligenz verwaltet werden, doch es häuften sich Vorfälle, die darauf schließen lassen, dass die künstliche Intelligenz ein eigenes Bewusstsein entwickelt. Da die künstliche Intelligenz in ihrem Aufbau mit Commander Data vieles gemeinsam hat, ist ihm diese Mission zuteil geworden, und Riker soll ihn begleiten. Auf Daystrom One angekommen, erhalten die Sternenflottenoffiziere eine kurze Einweisung, ehe sie sich das Archiv ansehen. Es handelt sich um einen vierdimensionalen Würfel, eine interdimensionale Natur, in welcher die künstliche Intelligenz die Daten über die einzelnen Völker in Form von Knotenpunkten anlegt. Bei der Besichtigung des Archivs werden Riker und Data angegriffen. Zunächst sieht es so aus, als ob sich die künstliche Intelligenz gegen die beiden Offiziere auflehnt, doch dann stellt sich heraus, dass jemand anderes dahinter steckt... Zeitgleich empfängt die Enterprise, welche sich in der Nähe von Daystrom One aufhält, verschlüsselte Subraumcodes, welche nur mit großer Mühe gedeutet werden können. Es zeigt sich, dass "alte Bekannte" anwesend sind. Jene haben auch die Störungen auf Daystrom One verursacht - nur mit einem Ziel: Sie wollen Data in die Hände bekommen und die gigantischen Vorteile eines positronischen Gehirns nutzen, doch durch eine List der beiden Sternenflottenoffiziere Riker und Data können die Angreifer identifiziert und gefasst werden. Nach einem kurzen Einsatz der Enterprise auf dem Planeten Vorta VII, in welchem Worf sein diplomatisches Geschick beweisen muss, macht sich das Föderationsraumschiff auf den Weg zur Sternbasis 215. Hier werden, neben Reparaturarbeiten, auch die Spione ausgeliefert und in Haft genommen, welche Daystrom One infiltriert haben. Die Enterprise nimmt ihren neuen Kurs auf, ehe sie ein Notrufsignal der Prioritätsstufe Eins abfängt. Die U.S.S. Jackson hat diesen Notruf abgeschickt, jedoch ohne Wissen des Captains. Es stellt sich heraus, dass der neue Chefingenieur das Signal losgeschickt hatte. Auf der Jackson herrscht Zwiespalt. Captain Travis traut seinem neuen Chefingenieur nicht, hält ihn für paranoid und leicht wahnhaft. Chefingenieur Carll behauptet jedoch voller Überzeugung, eine Mantleau-Welle im Antimateriestrom des Warpkerns der Jackson entdeckt zu haben, die früher oder später zu einem Warpkernbruch führen kann. Eine weitere Untersuchung des Phänomens durch die Techniker der Enterprise bestätigt Carlls Annahme, und die U.S.S. Jackson wird kurz vor dem Warpkernbruch evakuiert. Geordi und O'Brien entdecken kurz vor der totalen Katastrophe, dass der Computer der Jackson getäuscht wird. Die Mantleau-Welle wird von einem noch unbekannten Generator in Form einer Simulation erzeugt, die dem Computer glauben machen soll, dass dieses Phänomen wirklich existent sei und der Kernbruch kurz bevorsteht. Wenig später wird auf der Enterprise der gleiche Generator gefunden. Für Captain Picard ist klar: Hier stimmt es etwas nicht... Die Crew der Enterprise stellt Nachforschungen bezüglich der Sabotage an, als das Föderationsschiff plötzlich von den primitiven Pakled abgefangen wird. Es zeigt sich, dass das Verhalten, welches die Pakled an den Tag legen, mehr als untypisch für ihre Spezies ist. Interessiert, warum sich der Charakter dieser Spezies so verändert hat, verfolgt die Enterprise die Wege der Pakled zurück und kommt so im Barugon-System an. Hier werden auch unter anderem Dr. Crusher und Counselor Troi bei einer Außenmission durch eine Gedankenmaschine der Ferengi verändert, welche aber auch durch unbekannten Einfluss modifiziert wird - mit nur einem Ziel: Die mental beeinflussten Charaktere sollen die Crew der Enterprise ins Kafari-Tibb-System treiben, wo die Crew der Enterprise als gleich in einem Notfall auf dem Planeten Rete Mire helfen und vermitteln soll. Doch dort, von "alten Bekannten" in Empfang genommen, wird die Crew der Enterprise vor ein schier unlösbares Problem gestellt... Kritik Die Rezensionen beziehen sich auf die deutsche Ausgabe des Comics, die im Dezember 2009 vom Cross Cult Verlag veröffentlicht wurde. 1. Anne-Kathrin Schulz
David Messina, bekannt aus Comics wie "Countdown" und "Spiegelbilder", hat auch in diesem Heft die Zeichnungen angefertigt. "Tor zur Apokalypse" ist meiner Meinung nach ein Heft, in welchem die Gefühle der Charaktere im Vordergrund stehen und weniger die Aktion. Ich finde, Messina hat dieses gut umgesetzt. Die Gesichter der einzelnen Personen wirken, angelehnt an die aktuelle Situation, mal fein und mal weniger genau ausgearbeitet, wodurch deren Ausdruck verstärkt oder abgeschwächt wird. Im Gegensatz zu seinen letzten Werken hat er sich hier besonders auf die Mimik der einzelnen Personen konzentriert, wobei aber auch die Darstellung von Aktion in diesem Comic sehr dynamisch wirkt. In diesem Heft haben mir zudem der Einsatz von kräftigen Farben und die abwechslungsreiche Gestaltung gefallen. Auch wenn es zu Beginn noch ein wenig ungewohnt ist, da die letzten Comics ja eher düster waren, so gewöhnt man sich schnell an diese Farbgebung und lernt diese starken Kontraste sogar zu schätzen, da sie die dargestellten Situationen nur noch mehr betonen. Die Story des Heftes hat viele gute Ansätze, die für "Star Trek"-Fans interessant sein dürften. Dennoch kann einem während des Lesens vielleicht langweilig werden, da sich mit jeder neuen Seite neue Fragen ergeben und deren Beantwortung dauert und teilweise ungenügend ist. Im Ganzen betrachtet jedoch ist die Geschichte spannend und unterhaltsam, trotz einiger längerer Passagen. Was vielleicht für einige interessant ist - bei mir ist es zumindest so - sind viele ethische Fragen, die in dem Heft aufgeworfen werden. Seien es Rikers Simulation auf dem Holodeck, Datas Einstellung zur Wertschätzung oder der diplomatische Konflikt auf Rigel, welchen Worf bewältigen muss. Fazit: "Tor zur Apokalypse" wirft viele Fragen auf und hält einige Überraschungen bereit. Dieser Comic ist Fans der "The Next Generation"-Serie zu empfehlen, aber auch allen anderen Comic-Freunden, die gerne mal ein wenig rätseln und über das Gelesene diskutieren wollen. Alles in allem ist es ein gelungenes Heft, mit einer interessanten Geschichte und ausdrucksstarken Zeichnungen. Die Comics beinhalten zudem eine sehr eindrucksvolle Cover-Galerie mit den Covern von Messina und Corroney, die für die Einzelhefte in den USA erschienen sind. 2. Henning Koonert Mit "Tor zur Apokalypse" veröffentlicht der Cross Cult Verlag nach "Countdown" einen zweiten "Next Generation"-Comicband in Deutschland. Entstanden sind die fünf Kapitel dieser Geschichte schon zuvor, im Jahr 2008. Nach einem überwiegend als misslungen bewerteten ersten TNG-Band mit dem Titel "The Space Between" wechselte IDW, der Verlag, der die Trek-Comics in den USA herausgibt, damals Autoren und Zeichner aus und gab die "Next Generation" in die Hände der Autorenbrüder Scott und David Tipton sowie des italienischen Comiczeichners David Messina. Das Team hatte sich zuvor mit dem hochgelobten Klingonen-Band "Blood Will Tell", den Cross Cult im Juli 2010 in deutscher Übersetzung veröffentlichen will, bewährt. Für die deutsche Ausgabe hat Cross Cult dem im Original mit "Intelligence Gathering" überschriebenen Comicband einen neuen Titel und ein neues Covermotiv verpasst - und beides völlig zu Recht. Generell bin ich kein Fan vom Abändern der Originale, da dies erfahrungsgemäß allzu oft auf ein Verschlimmbessern hinausläuft. Ein Comic, der "Informationen sammeln" heißt, wäre aber wahrlich kein Kaufanreiz. Der deutsche Titel ist treffend gewählt, genauso wie die von David Messina exklusiv für die deutschen Hard- und Softcoverausgaben neu gestalteten Titelbilder dynamischer daherkommen als das dröge Cover der US-Ausgabe. Die Übersetzung von Christian Langhagen ist in weiten Teilen treffend. Die teils wirklich pfiffigen Dialoge lesen sich auch auf Deutsch flott und kommen ihren Fernsehvorbildern nahe. Lediglich Picard klingt ab und an allzu verschachtelt, und beim "Tor zur Apokalypse" vorangestellten Zitat hätte man sich besser ein Stück weiter vom Wortwörtlichen lösen können und den für deutsche Trekker-Ohren vertraut klingenden Text verwenden ("Der Weltraum, unendliche Weiten" und so weiter). Auf das titelgebende Portal stoßen die Recken um Captain Picard erst im abschließenden Kapitel, bis zu dem sie sich durch vier nur lose miteinander verknüpfte Einzelabenteuer kämpfen. Der Info-Speicher mit künstlicher Intelligenz im ersten Kapitel ist ein interessantes Sci-Fi-Konzept und von Messina wunderbar in Szene gesetzt. Der Austausch um das Lebensrecht künstlicher Intelligenz zwischen Riker und Data - dessen Formulierungen auch in deutscher Übersetzung überaus treffend eingefangen sind - könnte genauso gut einem Drehbuch aus der fünften TNG-Staffel, in deren Zeitraum "Tor zu Apokalypse" angesiedelt ist, entstammen. Gleiches gilt für das Worf-Abenteuer in Kapitel 2. Das folgende Kapitel bleibt hinter den ersten beiden zurück, die man sich, ebenso wie das vierte Kapitel, gut und treffend auch als Fernsehfolgen vorstellen kann. Die Story um die Entdeckung eines Störsenders an Bord der U.S.S. Jackson böte höchstens Material für die erste Viertelstunde. Auch mag die erzählerische Schleife nicht recht in den Handlungsbogen des Comics passen - dazu später mehr. Kommen die ersten Kapitel als potenzielle Episoden daher, ist es beim vierten umgekehrt: Einen Großteil haben wir ganz ähnlich schon in der Folge "Ungebetene Gäste" gesehen. Immerhin verfügen die Tiptons über genügend Selbstironie, um Riker genau dies aussprechen zu lassen. Sowieso, Scott und David Tipton sind "Next Generation"-Kenner! Der Trek-Gehalt der Einzelstorys ist hoch und reicht von der Erwähnung bekannter Namen bis zu einem Wiedersehen mit Bynären, Benziten und Barclay, über Rikers Posaune bis hin zu den Pakleds, von Fähnrich Ro zum Romulaner Tomalak. "Intelligence Gathering" war David Messinas erste Annäherung an die TNG-Crew, und das sieht man. Der Wiedererkennungswert ist bei den männlichen Protagonisten größer als bei Ro, Crusher oder Troi. Messinas Zeichenstil ist deutlich erkennbar, die Porträts sind aber im Vergleich zu "Countdown" oder "Spiegelbilder" grober, härter, kantiger. Figuren verharren in der Totalen zu schnell im Schemenhaften, Picard wirkt ab und an seltsam unfertig. Die Letterer haben ihre Arbeit zufriedenstellend erledigt; neben dem Sprechtext untermalen sie beamende Transporter, zischende Phaser und brechende Fensterscheiben mit den zugehörigen Klanglauten - aber leider nicht immer. Der umgekehrte Fall jedoch ist verwirrender: In Kapitel 2 brvvt-en die Phaser beständig, der zugehörige Strahl fehlt aber leider. Schön eingesetzt sind gelegentliche Perspektivwechsel, die dem Leser das Geschehen nicht aus Augenhöhe, sondern aus der Vogelperspektive zeigen. Das Grundmuster von drei oder vier untereinander platzierten Bildern wird vor allem in den Actionszenen durch Einschübe durchbrochen, wodurch dem Leser ein Gefühl von Hast vermittelt wird, ohne dass er den Überblick verliert. Umso bedauerlicher, dass gerade das letzte Kapitel dieses Bandes zum Antiklimax gerät. Wenn "Star Trek" dort einen auf "Starship Troopers" macht, kommt dabei zwar jede Menge Action heraus, offenbart sich aber genauso, dass die von den Tiptons als Klammer für ihren fünfteiligen Abenteuerzyklus erdachte Rahmenhandlung schlicht hanebüchen ist. Wer sich nicht spoilern lassen möchte, sollte an dieser Stelle gleich zum Fazit springen. Dem Rest sei gesagt: Für wie doof verkauft man uns die Romulaner hier bitte? Rekapitulieren wir mal: Die Romulaner öffnen mithilfe iconianischer Technik ein Portal, aus dem eklige, tödliche Monster kriechen. Es dauerhaft wieder zu schließen, übersteigt ihr Vermögen. Daraufhin wollen sie sich Datas bemächtigen, um die Aufgabe mithilfe des Androidensuperhirns zu lösen. (Soweit, so gut.) Als das aber in Kapitel 1 schiefgeht, sabotieren - wenn man das denn so nennen kann, schließlich wäre kein Schaden entstanden - sie die U.S.S. Jackson. (Wie ihnen das dabei helfen soll, Data in die Finger zu bekommen, bleibt ihr Geheimnis.) Das gleiche haben sie mit der Enterprise vor und auch hier fragt sich der Leser, was das den Romulanern auch nur im Entferntesten bringen soll. Als auch das nicht klappt, greifen sie also auf eine Ferengi-Gedankenkontrollmaschine zurück, damit sich unter ihrem Einfluss ein Teil der Crew des Raumschiffs bemächtigen kann und die Enterprise zu einem Planeten fliegt, auf dem die Romulaner einen wichtigen Politiker ermorden, in der Hoffnung, dass zum Außenteam, das den Vorfall untersucht, auch Data gehört, den sie schließlich kidnappen können. (Äh, wäre das nicht auch irgendwie einfacher gegangen, ohne mächtig auf Glück und Zufall zu hoffen?) Data kann den Romulanern dann schon mal helfen, indem er den Universalübersetzer anstellt. (Die Romulaner dachten wahrscheinlich: Klar, die furchterregenden Biester sehen irgendwie eklig aus, warum sollten sie da sprechen können?) Mit ein wenig Technobabble kann schließlich der Riss geschlossen werden, bevor Tomalak das letzte Comic-Wort gebührt: "Wenigstens einer von Ihnen versteht uns." Schön für den angesprochenen Commander Riker - vielleicht kann er mir bei Gelegenheit mal erklären, was dieser romulanische Masterplan nun sollte. Ich werde nämlich das Gefühl nicht los, dass die Tiptons vor lauter Kür die Pflicht ein wenig vernachlässigt und sich die Auflösung für ihre Story erst ausgedacht haben, als es schon zu spät war. Hier wäre es besser gewesen, die im Grunde guten Einzelstorys als in sich abgeschlossene Abenteuer bestehen zu lassen und nicht auf Romulaner komm raus in ein großes Mysterium zu hüllen, das am Ende zur Bauchlandung wird. Fazit: Das "Tor zur Apokalypse" führt die Trek-Comics nicht in den Untergang, ist leider aber auch kein Highlight. Das hanebüchene Ende schmälert den Unterhaltungswert der einzelnen Kapitel, von denen man sich die Mehrzahl auch als abgeschlossene Fernsehfolge hätte vorstellen können. Wer die TNG-Crew mal wieder in Aktion sehen möchte, wer die Reise lieber mag als das Ziel und wer am Comic eher die Bilder schätzt als die Logik der Story, der sollte zugreifen. Der Rest wartet auf "Spock", "Nero" und "Die Sprache des Blutes", mit denen uns im März, Mai und Juli 2010 zwei vermutliche und ein erwiesener Comic-Schatz auf Deutsch erwarten. Wer bei der Kaufentscheidung übrigens zwischen Soft- und Hardcover zweifelt, sollte zum festen Einband greifen - die fünf zusätzlichen Euro sind der robuste, schön gestaltete Einband und die gute Papierqualität durchaus wert. 3. Matthias Wieprecht Scott Tipton ist einer von uns, ein "Star Trek"-Fan, soweit er zurückdenken kann, sah er doch die Serie mit Vater und Bruder, wobei die Classic-Serie und die "Nächste Generation" ihn am meisten in seinen Bann zogen. Als seine Lieblingsfolgen gibt er die Episoden "The Changeling" und "The City on the Edge of Forever" an. Gemeinsam mit seinem Bruder David hatte er die Idee zu einer Story, in der die individuellen Charaktere von Worf, Data, Geordi und O'Brien einmal in den Mittelpunkt gebracht werden konnten, um dabei gleichzeitig eine Story zu erzählen, wie sie ebenfalls zu einem großen Film passen würde. Hierzu entwarfen die Brüder, wie sie es immer tun, zunächst einen Plot, schrieben ihn wie ein Drehbuch, Szene für Szene, mit allem was in jedem Bild zu sehen wäre und was gesprochen werden sollte. Der Plot um "Intelligence Gathering" beziehungsweise "Tor zur Apokalypse" beginnt mit einer Szene aus dem Zweiten Weltkrieg: Will Riker fliegt in einer alten Maschine in der Montur eines Piloten jener Zeit; natürlich in einer Holodecksimulation! Ich persönlich habe meine Schwierigkeiten dabei mir vorzustellen, dass Riker sich mit dem Zweiten Weltkrieg befasst, weil er darin eine Entspannungsmöglichkeit sieht. Das passt, meiner Ansicht nach, weder zu Will Riker noch zu TNG. Aber vielleicht war es ja auch als kleine Anekdote gedacht, denn bekanntlich war Gene Roddenberry selber einmal Flugzeugpilot im Zweiten Weltkrieg gewesen. Rein zeichnerisch ist diese Auftakt-Szene sehr schön umgesetzt und beeindruckt. Riker wird also von Picard vor Ende des Holodeck-Programms ("Kein Problem, Captain. Der Zweite Weltkrieg kann warten!") zu sich beordert, weil es ein Problem gibt. "Sie (Riker und Data) beide müssen zu Daystrom One reisen!" Daystrom One ist ein gewaltiges Informationsarchiv, welches die gleiche positronische Technologie verwendet, die auch Data bei seiner Erschaffung zuteil geworden war. Auf Daystrom One erwartet die beiden eine böse Überraschung, und wenn das erste Rätsel dieser Geschichte auf Seite 25 gelöst und der Feind entlarvt wird, fragt sich der geneigte Leser, ob es sich um einen Comic mit mehreren Episoden handelt, die völlig unzusammenhängend sind oder eben doch um ein in sich stimmiges Werk. Dieser Eindruck wird weiter verstärkt: "Logbuch des Captains, Sternzeit 45934,7. Nachdem wir unsere Mission zur Daystrom-One-Anlage abgeschlossen haben, sind wir nun zur Kolonie Votar VII unterwegs, um einen Streit unter rigelianischen Kolonisten zu schlichten ..." In diesem kleinen Abenteuer brillieren Ensign Ro und Commander Worf. Nicht nur Kampf, sondern auch Diplomatie führt hier zu einem guten Ende, ganz in der Tradition der "nächsten Generation", in der es noch viel mehr als in den späteren Serien darum ging, unterschiedliche Streithähne an einen Tisch zu bringen. Da ich ein großer Ensign-Ro-Fan bin, ist es klar, dass diese Story besonders vom Zeichnerischen her ein Augenschmaus für mich ist. Episodenhaft geht es weiter. Ganz zu Recht wird Chief O'Brien von Geordi gefragt: "Wie bleiben Sie bei Verstand, wenn Sie den ganzen Tag lang hier (im Transporterraum) eingesperrt sind?" O'Brien gibt sich zögerlich. Bei nächster Gelegenheit wäre er vielleicht einmal bereit für einen Tapetenwechsel. Natürlich lässt diese Gelegenheit nicht lange auf sich warten und es folgt jene Nebenhandlung, die mir, inhaltlich gesehen, am meisten Spaß gemacht hat. "Captain, wir erhalten einen Prioriät-1-Notruf von der U.S.S. Jackson ...", erklärt Data von seiner vertrauten Konsole auf der Brücke der NCC-1701-D, kann jedoch keine weiteren Details nennen. Picard nimmt Kontakt mit dem Captain der Jackson auf und erfährt, dass deren neuer Chefingenieur absolut sicher ist, eine so genannte Mantleau-Welle entdeckt zu haben. "In diesem Antimateriestrom gibt es eine sporadische, unberechenbare Mantleau-Welle, und sie braucht nur die richtige, disharmonische Frequenz (...)" "... und dann geht der Warpkern hoch ..." "... und mit ihm die Jackson!", tauschen sich Carll, der Chefingenieur, La Forge und O'Brien aus. Sie arbeiten nun kräftig daran herauszufinden, ob Carll mit seiner Befürchtung Recht hat, denn diese Welle lässt sich einfach nicht sicher nachweisen und Carlls Ruf in der Crew ist eher zweifelhaft. Bei diesem Handlungsstrang fiel mir auf, dass es besonders in der TNG-Ära darum ging, seine Vorurteile, auch anderen gegenüber, exakt zu prüfen. Die Forschungsergebnisse sind erstaunlich und lassen noch einige Fragen offen. Die nächste Mission wird im wahrsten Sinne an Picard und seine Crew herangetragen, als ein taktisch weit unterlegenes Pakled-Schiff gegen die Enterprise fliegt und zerschellt. Troi bemerkt sofort, dass der Wille der Pakleds kontrolliert wurde. Deren Schiffs-Signatur führt zu einem Planeten und somit in die neue Mission, die es zu bestehen gilt. Als Ro, Beverley Crusher und Troi jedoch von jenem Planeten zurückkehren, verhalten sie sich höchst eigenartig und sind bemüht die Enterprise zu einem neuen Ziel zu lenken, offenbar, man staune, beeinflusst durch einen fremden Willen. Die Ursache hierfür ist den alten TNG-Fans durchaus vertraut, soll aber hier auch noch geheim gehalten werden. Natürlich folgt man dem Kurs, den die fremdbeeinflussten Damen in den Computer der Enterprise-D eingeben wollten. Es ist schon merkwürdig, dass jener Planet, der dort gefunden wird, ebenfalls um Hilfe ersucht! Branas, der Vizekanzler von Mire, fürchtet um das Leben des Kanzlers, der Opfer eines Anschlags wurde. Natürlich hilft man gern und so werden unter anderem Dr. Crusher und Data auf den Planeten gebeamt. Unerwartet ist die Entführung von Data, gleichzeitig jedoch schließt sich hier der Kreis und der Leser erfährt auf den folgenden Seiten, wie all diese kleinen Episoden und Vorkommnisse zusammenpassen! Außergewöhnlich dabei ist das Auftauchen von Monstern, die es so bei "Star Trek" nie gegeben hat. David Tipton dazu: "Wir dachten, es wäre spaßig, einige große, gruselige Monster und Aliens in diesem Buch unterzubringen, da sie dies in der TV-Serie nicht tun konnten, weil es zu teuer war. Das ist das Großartige an Comics: Die Möglichkeiten sind grenzenlos!" Tipton meint weiter: "Wir beschreiben den Künstlern immer genau, was wir wollen und bieten ein paar Empfehlungen an. Aber wenn man mit Leuten arbeitet, die so talentiert sind wie Messina, sagen wir ihm einfach, er soll seinem Instinkt folgen und wir vertrauen ihm an, die Story sogar noch besser zu machen!" David Messina hat eine besondere Sympathie für Picard und Sisko. "Vielleicht weil sie die gleiche Frisur haben wie ich", scherzt er. Er kennt die Serie recht gut, würde sich aber nicht als Fan beschreiben. Messina, der seit seinem elften Lebensjahr Comics zeichnet und mit Helden wie Spider-Man und Batman aufwuchs, liebt seine Arbeit über alles. Seine Comics "Nero" und "Spock" sind wohlbekannt. Den größten Bekanntheitsgrad unter den Fans erhielt er jedoch sicherlich mit dem Comic "Countdown", der offiziellen Vorgeschichte zum neusten Kinofilm. "Ich glaube, 'Countdown' war eines der aufregendsten Projekte, an denen ich je gearbeitet habe", so Messina. Und wie geht der Künstler vor, wenn er einen Comic wie "Intelligence Gathering" zeichnet? "Normalerweise studiere ich das Manuskript, dann zeichne ich die ersten Layouts und danach scanne ich sie und übertrage ein paar Sachen auf Photoshop. Ich drucke die Seiten aus, vollende die Bleistiftzeichnungen und gebe die Seiten zum Eintinten. Wenn ich die eingetinteten Zeichnungen dann geprüft habe, gebe ich sie zum Einfärben und am Ende kontrolliere ich und bessere aus. Dann gehen (die Seiten) an den Herausgeber." Die Zeichnungen von Messina sind in der Regel sehr gut erkennbar. Picard, Ensign Ro und selbst O'Brien, der ja ein eher "massiges" Gesicht hat, sind sehr liebevoll gezeichnet und schön zu erkennen. Durch Photoshop haben offenbar schon längst auch in der Comicwelt in gewisser Weise die "Spezialeffekte" Einzug gehalten. Messina schwärmt von der Zusammenarbeit mit Cross Cult (das Original erschien bei IDW): "Sie machen eine großartige Arbeit, mit den exklusiven Covern und den Hardcover-Ausgaben zeigen sie eine echte Liebe und Respekt gegenüber dem Buch selbst, als auch gegenüber den Lesern, und das schon seit Jahren!" Sowohl David Tipton als auch David Messina sehen die Zukunft von "Star Trek" positiv. "Ich freue mich schon auf den nächsten Film. Ich finde, der letzte war fantastisch", meint Tipton. Und Messina ergänzt: "Ich mochte den neuen Film sehr, er ist dynamischer und ironischer als die vorherigen. Ich glaube, dass sie einen großartigen Weg gefunden haben, das Franchise wiederzuerwecken, ohne Jahre und Jahre der Trek-Geschichte zu verraten! Ich glaube, dass das Franchise nun eine Menge neuer Wege erforschen und neue Geschichten erzählen kann." Am Ende dieser Beschreibung mein ganz persönlicher Eindruck dieses Comics. Es tat gut, die Enterprise-D wieder in Aktion zu sehen. Die Zeichnungen sind schön und machen es leicht sich vorzustellen, dies wäre tatsächlich eine weitere Episode einer achten TNG-Staffel. Comics haben diesen visuellen Vorteil. Als nachteilig jedoch sehe ich die manchmal etwas abgehackte Erzählweise, da jedes Bild die Story vorantreibt und auch treiben muss. Es hat mir großen Spaß gemacht, die Episoden zu lesen. Allein das Ende kam mir befremdlich vor: Wären Monster in TNG tatsächlich häufiger vorgekommen, hätte Paramount überhaupt das Geld dazu gehabt? Ich habe meine Zweifel. Das Finale ist zwar in sich schlüssig und, bedenkt man die Verknüpfung der einzelnen Episoden untereinander, auch genial. Gleichzeitig jedoch wirkt dies alles auch etwas konstruiert und unnötig überdramatisiert. Es ist typisch für Comics, dass sie manchmal etwas "übertreiben" und David Tipton hat ja auch Recht, dass dies ein Teil ihrer Faszination ausmacht. Fazit: Insgesamt ist der Comic, der im Hardcover unendlich edel daherkommt, für TNG-Fans sicherlich eine gute und gelungene Erweiterung der eigenen Bibliothek. Vielen Dank an Cross Cult, hier speziell Markus Rhode, sowie besonders David Messina und David Tipton für die freundliche Unterstützung beim Erstellen dieses Artikels. "Tor zur Apokalypse" ist als Softcover- und Hardcover-Ausgabe bei Amazon.de erhältlich. Bewertung
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