Peter Tigmann (pt), Markus Loosen (ma)
14.04.03
"Die Belagerung"
Peter David
Inhalt
Auf DS9 kommt es zu Problemen, als das Wurmloch beginnt, instabil zu werden. Passagen hindurch werden dadurch unmöglich. Commander Sisko schließt daraufhin das Wurmloch, was vielen Personen, die in den Gamma-Quadranten reisen wollen, missfällt. Dazu gehört auch eine religiöse Gruppe aus dem Volk der Edemaner. Mas Markos, der Führer der Gruppe, sieht aber schließlich ein, dass eine Passage durch das Wurmloch tödlich wäre. Er und seine Gruppe bleiben auf DS9 und wollen hier ihre Religion den Menschen näher bringen.
Dr. Bashir bemerkt schnell, dass der Sohn von Markos an einer schweren Krankheit leidet. Als er Markos und dessen Frau darauf anspricht, teilen diese ihm mit, dass sie sich der tödlichen Krankheit ihres Sohnes bewusst sind. Dass Bashir das Leben des Jungen retten kann, interessiert die beiden aber nicht, da sie im festen Glauben sind, dass die Krankheit von ihrem Gott K'olkr gewollt ist. Bashir möchte sich aber nicht so einfach damit abfinden. Er entwickelt einen Plan, um das Leben des Jungen zu retten.
Bald darauf wird einer der Missionare aus Mas Markos Gruppe brutal ermordet. Sofort beginnt Odo mit den Untersuchungen und findet dabei heraus, dass der Mörder offenbar ein Gestaltwandler ist. Bald findet der nächste Mord statt; ein Cardassianer, der für Gul Dukat auf der Raumstation gearbeitet hat, ist das Opfer. Als Dukat davon erfährt, besteht er auf die Auslieferung des Täters, sobald dieser in Gewahrsam genommen ist. Gleiches fordert auch Mas Markos und präsentiert Sisko zur Untermauerung seiner Forderungen auch gleich ein waffenstarrendes Kriegsschiff. Bald erreicht auch Gul Dukat DS9 mit einem kampfbereiten Schiff. Auf der Station versuchen Odo und Sisko, dem Mörder das Handwerk zu legen. Nebenbei muss Sisko noch verhindern, in einen Kampf mit den Edemanern und den Cardassianern zu geraten. Als weitere Morde geschehen, wird die Zeit knapp...
Kritik
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 Ein Gestaltenwandler treibt sein mörderisches Unwesen auf DS9. |
1. Peter Tigmann
"Die Belagerung" ist der zweite in Deutschland erschienene "Deep Space Nine"-Roman und heute wohl nur noch antiquarisch erhältlich. Die dadurch etwas mühsame Beschaffung lohnt aber dennoch, da der Roman eine sehr spannende Geschichte zu erzählen vermag. Man sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, dass die Geschichte, in der Mitte der ersten Staffel der Serie spielt und die Charakterzeichnungen auch dementsprechend sind: Sisko ist noch Commander und muss seinen vom Heimweh geplagten Sohn richtig erziehen, Odo und Kira stehen der Sternenflotte noch sehr skeptisch gegenüber, und auch O'Brien muss seine Frau davon abhalten, die Koffer zu packen. Von diesen Punkten sollte man sich aber nicht abschrecken lassen. Die Spannungen innerhalb der Crew verleihen dem Roman eine weitere ansprechende Note.
Die Geschichte um den mordenden Gestaltenwandler ist sehr gut gelungen, da Peter David es verstanden hat, sie spannungs- und actionreich zu verpacken. Der Showdown zwischen Odo und seinem eventuellen Artgenossen ist sehr gut gelungen und mitreißend geschrieben. Das Ende mag vielleicht etwas übertrieben wirken, ist aber dennoch sehr ansprechend. Odo wird in diesem Roman erstklassig charakterisiert. In dieser Zeit weiß er noch nichts über seine Herkunft, und man erkennt, welche Schwierigkeiten ihm das bereitet. Seine Wut auf den Mörder gegen Ende des Romans lässt sich mit diesem Hintergrund noch mehr verstehen.
Auch die Geschichte um den tot geweihten Jungen Rasa ist sehr aufwühlend geschrieben. Der sonst so frivole Bashir scheint sich am Ende des Romans selbst nicht mehr zu kennen. Um den Jungen zu retten, ist er bereit, anderen Personen große Schmerzen zuzufügen, auch wenn diese nur seelischer Natur sind. David schafft es hier erstklassig, den Charakter des Bashir zu erfassen. Man kann Bashirs Zerrissenheit geradezu nachfühlen, als er Rasas Mutter in einer Holokammer mit der bevorstehenden Zukunft ihres Sohnes konfrontiert.
Einzig die Geschichte um das (man verzeihe mir den Ausdruck, aber ein besseres Wort fällt mir für dieses Phänomen nicht ein) kotzende Wurmloch, wirkt etwas zweckmäßig und wird auch während des ganzen Romans nicht mehr näher erläutert. Hier wollte David wohl mit Gewalt eine klaustrophobische Atmosphäre schaffen, was aber nicht unbedingt von Nöten gewesen wäre, genauso wenig, wie der Besuch der Lieblingsfeinde der Voyager.
Dies ist aber der einzig Makel des Romans. Der Rest ist eine sehr gut geschriebene Geschichte, die wunderbare Charakterzeichnungen enthält und diese hervorragend mit einer spannenden, actionreichen Story verbindet, die durch eine leichte Brise trockenen Humors den richtigen "David"-Touch erhält.
2. Markus Loosen
Auch dieser DS9-Roman spielt, wie so viele frühe DS9-Romane, in
der ersten Staffel der Serie. Daher sind auch die Charaktere auf diesem Stand
geschrieben. Und werden dabei von David erstklassig getroffen.
Der Schwerpunkt liegt hier natürlich auf Odo, welcher unbedingt den Mörder
fassen will. Odos Gefühle wirken dabei nie zu übertrieben dargestellt, sondern
sind genau richtig getroffen.
Aber auch die anderen Charaktere sind sehr gut gelungen. Sisko, noch Commander,
hat beide Hände voll zu tun, seinen Sohn zu erziehen. O'Brien muss seine Frau
davon abhalten, die Koffer zu packen.
Bashir erlebt hier einen inneren Zwiespalt. Denn um einen kranken Jungen zu
retten, muss er einer anderen Person seelische Schmerzen zufügen. Und auch hier
wird der Wandel von Bashirs Gefühlen gut gezeigt. Hält er es doch zu Beginn für
durchaus akzeptabel, eine Person seelisch leiden zu lassen, um eine andere zu
heilen, so wird ihm bei diesem Prozess bewusst, wie falsch das ist, und dass er
gegen alles handelt, worauf er geschworen hat.
Und durch eine kleine Nebenhandlung, in der Quark und ein
Ferengi-Geschäftspartner namens Glav versuchen wollen, Deep Space Nine zu
kaufen, schafft David sogar gelungen Comedy-Stellen in die düstere Handlung
einzuflechten. Am Ende geht diese Nebenhandlung sogar perfekt in der
Haupthandlung auf und führt zu einem gelungen Showdown.
Einziger Kritikpunkt an diesem Roman bleibt das doch etwas vernachlässigte
Wurmlochproblem, weswegen allen Reisen durch diese Passage ja auch untersagt
werden. Das Problem wirkt von Anfang an leider nur halbherzig erdacht und wird
dann später auch nicht mehr genauer ergründet. Die damit doch recht schnelle
Zerstörung eines Borgschiffes weiß auch nicht so recht zu überzeugen, wobei der
Autor in dem Buch eigentlich eine gute Erklärung bietet, warum die Borg,
abgesehen vom Pilotfilm, nie wieder bei DS9 aufgetaucht sind.
Fazit: Ein gelungenes DS9-Abenteuer. Sollte man die Möglichkeit haben,
dieses gebraucht zu kaufen - neu gibt es dieses Buch ja leider nicht mehr - sollte
man sich diese nicht entgehen lassen.
Bewertung
Weitere Infos
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| Titel |
"Die Belagerung" |
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| Originaltitel |
"The Siege" |
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| Buchreihe |
Deep Space Nine |
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| Autor |
Peter David |
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| Übersetzer |
Andreas Brandhorst |
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| Preis |
Ursprüngl. Ladenpreis:
9,95 DM

Antiquarisch: ca. 2 bis 10 Euro
 Dieser Roman ist nur noch antiquarisch erhältlich.
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| Umfang |
315 Seiten |
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| Verlag |
Heyne |
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| Bestellnummer |
06/5129 |
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| ISBN |
3-453-07749-0 |
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(pt, ma - 16.03.07)