Nina Ruzicka (ru)
30.11.01
"Das Böse"
K.W. Jeter
Inhalt
Eine Mordserie beunruhigt die Verantwortlichen von Deep Space Nine. In allen Fällen kam es zu scheinbar grundloser wie brutaler Gewaltanwendung. Sicherheitschef Odo findet bald heraus, dass die Täter regelmäßig die neuen Holokammern besuchen, die Quark eine unliebsame Konkurrenz bescheren. Der dafür Verantwortliche, ein Mann namens McHogue, leugnet auch gar nicht, dass seine Methode der Kortikalen Induktion, psychische Schäden mit sich ziehen kann, bezeichnet die Mordserie jedoch lediglich als bedauernswerte Nebenwirkung. Tatsächlich plant McHogue Großes: Eine fremdenfeindliche Radikalpartei hat auf Bajor die provisorische Regierung gestürzt und ironischerweise den Nicht-Bajoraner McHogue zum Wirtschaftsminister ernannt. Grund dafür ist dessen vielversprechender Plan, mittels einer gewaltigen Vergnügungsanlage Devisen nach Bajor zu bringen.
Nicht nur das - für die Verwirklichung des Projekts wird die Hilfe der Cardassianer in Anspruch genommen. Doch selbst das reicht McHogue noch nicht - er fungiert als mentales Verbindungsglied seiner mit KI-Technik ausgestatteten Holokammern, hat sich ein virtuelles Reich geschaffen, in welchem er als Gott herrscht. Doch so ganz virtuell ist dieses Reich nicht, Subraumverzerrungen nehmen rapide zu, das Wetter auf Bajor spielt verrückt und bei dieser Weiterentwicklung droht gar das gesamte Universum zu kollabieren. Bis schließlich Sisko einen Schwachpunkt in McHogues Gewaltphantasiewelt findet...
Kritik
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 Auf"DS9 geschehen ohne jeden Grund brutale Morde. |
Laut Datierung durch den Autor findet die Handlung des Romans vor der Folge "Der Kreis" und "Die Belagerung" statt. Ich erinnere: In jenen Folgen wurde die bajoranische Regierung von einer fremdenfeindlichen Partei gestürzt und die Raumstation von Commander Sisko evakuiert. Erst nachdem er ein Zusammenarbeiten des Führers der Radikalpartei mit den Cardassianern nachgewiesen hatte, konnte er das Vertrauen der Anhänger des "Kreises" zum Umdenken bewegen. Dieser Inhalt klingt, verglichen mit obiger Zusammenfassung, recht ähnlich. Der Autor hat hier als zusätzliches Element den mysteriösen Phantasiemanipulator mit Allmachtsambitionen eingeführt. Bis zu einem gewissen Punkt geht diese Rechnung sogar auf, nämlich solange, wie mit versteckten Gewaltphantasien, die in jedem von uns stecken, gespielt wird.
Ab einem gewissen Moment gleitet die Geschichte aber ins Metaphysische ab bzw. führt einen der Autor in seine ganz persönliche Gedankenwelt ein, welche sich dem Leser aber nicht wirklich aufschließt. Einfach ausgedrückt: Ich konnte der Logik, die in McHogues/des Autors Dimension herrscht, nicht folgen. Diese Welt funktioniert so: Ein Besucher des mit KI-Technik ausgestatteten Holodecks hinterlässt einen psychischen "Schatten" seiner selbst, einen, der die geheimen und meist gewalttätigen Phantasien der Person repräsentiert. Aus diesen Schatten baut sich McHogue sein Reich. Und nachdem ziemlich viel und lange die unvorstellbare Macht, Größe und Grausamkeit dieses Reiches beschrieben wurde, geht Sisko schließlich hin und meint: "Ja, ist aber immer noch meine Phantasie!" und zieht den Stöpsel. So einfach rettet man das Universum.
Um einen halbmetaphysischen Roman zu schreiben, hätte man nicht erst die Regierungskrise auf Bajor vorschieben müssen. Der Gastauftritt der Cardassianer (natürlich unter Gul Dukat) war dabei erst recht entbehrlich. Dadurch gerät der Autor in dieselbe Falle, wie meiner Meinung nach auch Peter David mit dem "The Next Generation"-Roman "Q²" - er überholt die offizielle Serienhandlung an Bombastizität! Wenn man bedenkt, dass in diesem Roman fast das gesamte Universum draufgeht und der Feind außerdem ein überaus unberechenbarer Mann ist, der noch dazu die Realität manipulieren kann, möchte man annehmen, dass Sisko einige Wochen später, wenn der (erneute) Putsch durch den "Kreis" stattfindet, sich eigentlich gelangweilt zurücklehnen und "Na geh! Nicht schon wieder!" schnaufen müsste! Mir ist schon klar, dass die Handlung der Romane nicht offiziell ist, ich sehe es aber schon als Aufgabe der Autoren, die Handlung ihrer Bücher möglichst in die der Serie einzupassen.
Ganz abgesehen davon wird auch unnötig viel geschwafelt bzw. bereits erwähnte Fakten bis zum Überdruss wiederholt.
Man kann dem Roman immerhin eine gewisse Spannung nicht abstreiten und die Charaktere wurden richtig dargestellt. Dennoch: So böse wie sie gerne sein will, ist die Geschichte nicht.
Bewertung
Weitere Infos
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| Titel |
"Das Böse" |
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| Originaltitel |
"Warped" |
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| Buchreihe |
Deep Space Nine |
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| Autor |
K.W. Jeter |
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| Übersetzer |
Andreas Brandhorst |
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| Preis |
Ursprüngl. Ladenpreis:
12,90 DM

Antiquarisch: ca. 2 bis 10 Euro
 Dieser Roman ist nur noch antiquarisch erhältlich.
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| Umfang |
282 Seiten |
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| Verlag |
Heyne |
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| Bestellnummer |
06/5433 |
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| ISBN |
3-453-15669-2 |
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(ru - 31.08.06)