Nina Ruzicka (ru), Manrico Tenner (te)
06.10.05
"Die Katakombe"
Diane Carey
Inhalt
Tief in den Eingeweiden der Station stoßen Odo und O'Brien auf eine cardassianische Grabkammer mit zwölf Leichen. Unschlüssig, was zu tun ist und welche Probleme sich aus der Grabesöffnung ergeben können, wendet sich Sisko an Garak, der wieder mal weniger zu wissen vorgibt als tatsächlich der Fall ist. Als Einziger hat er in den Toten den Hohen Gul und seine Garde erkannt, historische Heldenfiguren, die seit 80 Jahren für tot gehalten werden. Da die Bahren, auf denen sie liegen, aber tatsächlich Stasisbetten sind, erweckt Garak sie heimlich wieder zum Leben, da er sich mithilfe des von ganz Cardassia verehrten Hohen Gul die Wiederherstellung seiner Position auf der Heimatwelt erhofft. 80 Jahre sind indes eine lange Zeit.
Während es für den Gul noch relativ einfach ist, die Station ins Chaos zu stürzen, muss er feststellen, dass sich auf Cardassia in der Zwischenzeit Einiges verändert hat. Und dann taucht auch noch derjenige auf, der ihn einstmals aus dem Weg geräumt und den Ruhm für sich beansprucht hatte - Gul Fransu macht sich auf eigene Faust auf zur Station, um diese mitsamt seinem gefährlichen Geheimnis zu vernichten.
Kritik
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 Tief im Inneren von DS9 findet Sisko uralte Gräber ranghoher Cardassianer. |
1.
Nina Ruzicka
Gleich vorweg: Ich mag Diane Carey nicht. Und: Dies ist einer
ihrer besseren Romane.
Die Autorin hat eine übertriebene Schwäche für Psychosektion. Mit anderen Worten: Sie erklärt dem Leser pausenlos, wie sich die- oder derjenige gerade fühlt, was er denkt, was sie nicht denkt und so weiter.
Ließe man das Geschwafel weg, wäre der Roman wohl um die Hälfte dünner. Was man ihr diesmal jedoch zugestehen muss, ist eine gelungene Spannung und eine halbwegs richtige Charakterisierung der Protagonisten. Jedoch hat der Roman auch Fehler aufzuweisen. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die cardassianische Medizin vor 80 Jahren so immens ausgereift war, dass vertrocknete, mumifizierte Leichen nach einer derartigen Zeitspanne noch reanimiert werden können!
Umso unfähiger müssen indes die cardassianischen Computerfachleute vor 20 Jahren gewesen sein, als sie die Station Terok Nor erbauten, da sie alle wichtigen Funktionen auf irgendeinen ungesicherten Fleck im Unterbau der Station zentrierten - dort übt der Hohe Gul seine Anschläge aus. Und die Sternenflotte ist genauso unfähig, da sie diesen Missstand übernommen haben! Gegen Ende wird der Roman unerträglich, da sich Sisko und der Hohe Gul mehr oder weniger zusammentun, um den Bösling und Verräter Fransu zu vernichten, und dabei in peinlichen militärischen Heldenpathos abrutschen.
2. Manrico Tenner
Keine Ahnung, was Diane Carey sich bei diesem Buch gedacht hat.
Wahrscheinlich nichts, wodurch es nur schwer lesbar ist und den Leser in tiefe
Logiklöcher wirft, was mit den zwölf versteckten Cardassianern beginnt:
Unerklärlich - Kein Scanner der Cardassianer, der Bajoraner, der vielen Völker
der Föderation und der noch größeren Anzahl an Fremdspezies, die die Station
regelmäßig besuchen, konnten die verstaubten cardassianischen Würdenträger (ich
bitte, diese Wortwahl zu verzeihen) entdecken.
Lächerlich - Die nach 80 Jahren Tiefschlaf wiedererweckten Cardassianer, von
denen nur der Anführer einen halbwegs intelligenten Eindruck macht, stören
wenige Minuten nach der Totenstarre den Ablauf der Station so gravierend, dass
beinahe alle Systeme regelmäßig versagen und letztlich die Station evakuiert
werden muss. Abgesehen von den Sicherheitsprotokollen der Föderation, von der
die erwachten Cardassianer noch nie etwas gehört haben, sollte selbst die
cardassianische Technologie in den letzten 80 Jahren soweit fortgeschritten
sein, dass die Wiedererwachten damit nicht umgehen könnten. Der geneigte Leser
soll nur mal MS-DOS aus den 1980ern mit dem aktuellen Windows XP vergleichen.
Wem die 20 Jahre zwischendrin fehlen, wird wohl Schwierigkeiten haben, Einträge
in der Windows-Registry zu bearbeiten (das haben ja selbst die Programmierer bei
Microsoft). Wer weiß, wo wir 80 Jahre nach MS-DOS stehen?
Erbärmlich - Die hochkarätige Sicherheitsmannschaft der Station kann die
cardassianischen Frührentner weder aufspüren, noch in den ein oder zwei
Konfrontationen als Sieger hervorgehen. Die gesamte Station ergibt sich viel zu
zeitig, die Evakuierung ist zwar gerechtfertigt, aber nur durch die Inkompetenz
der Sicherheitsabteilung, die die Cardassianer durch die ganze Station spazieren
und Leute töten lässt.
Unglaublich - Fast vorm Ende fällt den Leuten in der OPS ein: Wir haben ja noch
ein Schiff. Also rennen der Stationsvorsteher, seine Stellvertreterin und der
stark angeschlagene Sicherheitschef schnellstmöglich zur Defiant und prompt in
eine Falle. Erstens sollte die Defiant so gesichert sein, dass sie von keiner
Person betreten werden kann, allerdings sind die cardassianischen Auferstandenen
bereits recht gut mit der Stationssoftware vertraut. Zweitens kann die Defiant
per Traktorstrahl von der Station und somit aus dem Wirkungsbereich der
Cardassianer entfernt werden. Drittens: Warum beamen Sisko und seine Begleiter
nicht in das Schiff? Viertens: Wieso eigentlich Sisko, Kira und Odo? Andere
Personen hätten die Defiant ebenso übernehmen können. Warum werden sie nicht von
einem Sicherheitsteam begleitet?
Lachhaft - Ein einziges cardassianisches Schiff greift die Station an und
zerstört sie fast. In "Der Weg des Kriegers" greift die klingonische Flotte an
und kann gerade mal einen Schildgenerator vorübergehend außer Kraft setzen.
Uncharakteristisch - Der Autorin gelingt es nicht, die Crew und sonstigen
Bewohner der Station der Fernsehserie gemäß darzustellen. Allen voran Sisko, der
mehr als einmal den Einzelgänger markiert und übermäßig emotional reagiert. Dax
agiert hölzern und wird nicht mal ihrer Rolle als Stichwortgeberin gerecht.
Garaks Verrat an der Station bleibt ohne Reaktion seitens der Crew, und letztlich
hilft er der Gemeinschaft wieder.
Fazit: Eine interessante Grundidee, die leider von Anfang an schlecht umgesetzt
wurde. Mit Ansteigen der Seitenzahl sinkt die Glaubwürdigkeit der Charaktere, und
die Handlung wird zusehends konfus. Hätte der Hohe Gul dieses Buch gelesen, wäre
er wohl nicht wieder erwacht.
Bewertung
Weitere Infos
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| Titel |
"Die Katakombe" |
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| Originaltitel |
"Station Rage" |
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| Buchreihe |
Deep Space Nine |
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| Autor |
Diane Carey |
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| Übersetzer |
Bernhard Kempen |
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| Preis |
Ursprüngl. Ladenpreis:
12,90 DM

Antiquarisch: ca. 2 bis 10 Euro
 Dieser Roman ist nur noch antiquarisch erhältlich.
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| Umfang |
297 Seiten |
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| Verlag |
Heyne |
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| Bestellnummer |
06/5516 |
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| ISBN |
3-453-13972-0 |
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(ru, te - 06.10.05)