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Thomas Götz (tg), Martin Weinrich (wc)16.08.12

"Andor - Paradigma"

Heather Jarman

Inhalt

Am Vorabend einer großen Feier anlässlich ihrer Vergangenheit müssen die ungewöhnlichen und geheimnisvollen Andorianer, eine Spezies mit vier Geschlechtern, entscheiden, wie viel sie zu opfern bereit sind, um ihr Überleben zu sichern. Biologische Notwendigkeit kollidiert mit persönlicher Moral; kulturelle Verpflichtung kämpft mit Liebe - und Ensign Thirishar ch'Thane kehrt auf den Planeten zurück, dem er abgeschworen hatte, um nicht nur den Konsequenzen seiner Entscheidungen gegenüberzutreten, sondern auch einem geheimen Plan, das Wesen seines ganzen Volkes zu verändern.

Kritik

1. Thomas Götz

Der zweite Band der "Welten von Deep Space Nine" stellt Andor in den Mittelpunkt - und zeigt Einblicke in die Kultur dieser Spezies.
Der zweite Band der "Welten von Deep Space Nine" - zumindest in Deutsch, da hierzulande die US-Bände zweigeteilt wurden - stellt Andor in den Mittelpunkt, wobei übrigens auch gleich schön geretcont wird, wie es so schön heißt, und festgestellt wird, warum es mal Andor und mal Andoria (wie in "Enterprise" etabliert) heißt. Die Antwort ist übrigens recht simpel ... Warum nennen manche Leute die Erde Erde und andere Terra? Recht pfiffig.

Heather Jarman ist ja auch, was den "Deep Space Nine"-Relaunch angeht, keine Unbekannte mehr und hat sich bereits am "Mission: Gamma"-Vierteiler beteiligt. Dass ihre Liebe dabei Andor galt, wurde schnell offenbar, vertiefte sie doch bereits dort die Kultur des Planeten. Dies kommt ihr im vorliegenden Band natürlich zugute, denn auch hier zieht sie wieder alle Andorianer-Register. Im Mittelpunkt stehen dabei zwei Charaktere, die erst mit dem Relaunch eingeführt wurden: Prynn Tenmei und Shar, der Andorianer. Dabei muss an dieser Stelle festgehalten werden, dass es Jarman gelingt, quasi das Letzte (oder Beste, je nachdem) aus den Charakteren herauszuholen und deutlich aufzuzeigen, das selbst die "Deep Space Nine"-Reihe nicht unbedingt die etablierten Hauptcharaktere braucht.

So ist die sich entwickelnde Liebesbeziehung zwischen Shar und Prynn, die sich in den Vorgängern ja schon angedeutet hatte, auch hier großer Bestandteil der Charakterentwicklungen - neben weiteren Verständnisfragen und Einblicken in die andorianische Kultur. Aber auch weitere Nebencharaktere (quasi die Nebencharaktere der Nebencharaktere) bekommen ihren Spielraum und der Leser kann auch mit diesen mitfühlen. Ein großes Plus also, dass die Autorin es schafft, dies in die Story um Andors Kultur einzuflechten.

Womit wir auch gleich bei der Hauptsache des Bandes wären: die andorianische Kultur. Zwar gibt es ein klein wenig Action im vorliegenden Roman, diese ist aber eher minimalistisch und dient eher dem Näherkommen der Protagonisten. Im Gegensatz zum ersten Band "Cardassia - Die Lotusblume" liegt das Hauptaugenmerk diesmal wirklich auf der andorianischen Kultur und Lebensweise, die gleichzeitig fremdartig und vertraut wirkt - und dem Leser sehr gut nahegebracht wird. Man merkt, dass hier ein schönes Geflecht zwischen Weiterentwicklung der Charaktere und dem Eintauchen in eine fremde Kultur entstanden ist, das Tiefgang aufweist, welches der erste Band durchaus hat vermissen lassen.

Der ganze Roman kann also locker als Charakterstudie durchgehen und erhält durch das Non-Happy-End noch mal einen besonders mitreißenden Pluspunkt. Gerade hier glänzt erneut ein "Star Trek at it's best" durch, wenn man so sagen will. Zudem legt der Band bereits Vorzeichen für die aktuellen "Typhon Pact"-Bände - obwohl das vermutlich zu diesem Zeitpunkt (der Roman ist acht Jahre alt) niemand ahnen konnte.

Dennoch sollen auch ein paar Logiklöcher nicht unerwähnt bleiben, etwa dass die Andorianer wohl von Beamen noch nicht viel gehört haben (von der einen Szene, in der dies kategorisch ausgeschlossen wird, mal abgesehen, kämpft man sich eher öfter durch lokale Stürme oder die Umgebung statt sich bequem zu beamen) und auch die Erinnerungen-Teilen-Technik wirkt etwas hanebüchen. Aber sei es drum, das Lesevergnügen schränkt dies nur marginal ein.

Fazit: Ein sehr guter Roman, der dem Leser die andorianische Kultur näherbringt und vor allem auf ruhige Charakterentwicklungen setzt.

2. Martin Weinrich

Ursprünglich wurde diese Geschichte zusammen mit "Cardassia - Die Lotusblume" in einem Roman veröffentlicht. Es überrascht daher nicht, dass der zweite Teil der "Welten von Deep Space Nine"-Reihe viele Dinge mit dem Vorgänger gemein hat: In beiden spielen politische Überlegungen und eine Geiselnahme eine wichtige Rolle. Nichtsdestotrotz geht "Paradigma" diese beiden Themen anders an und erfüllt zudem den Anspruch der Miniserie. Denn "Paradigma" ermöglicht dem Leser tatsächlich einen Einblick in die andorianische Kultur.

Die Autorin hat mit Andor natürlich den Vorteil, dass der Planet aus der Fernsehserie weniger bekannt ist als Cardassia. Cardassia wurde häufig besucht, Cardassianer und ihre Psychologie waren ein wichtiges Element der Fernsehserie. Die Andorianer tauchten hingegen erst im Buch-Relaunch als wichtiges Element der Serie auf. Auch in anderen Serie beschäftigte sich höchstens "Star Trek: Enterprise" ausführlicher, aber nicht übermäßig intensiv mit der Kultur der Andorianer. Heather Jarman kann dem Leser daher viel mehr Unbekanntes liefern.

Ensign Thirishar ch'Thane kehrt nach Andor zurück, um seiner Mutter einen letzten Gefallen zu tun. Denn eigentlich hatte er sich von seiner Kultur nach den dramatischen Ereignissen um seine Bündnispartner in der achten Staffel bereits abgewendet. Daher wird der Ausflug nach Andor für ihn zu einer emotional sehr schwierigen Reise. Prynn Tenmei, die Gefühle für Shar hegt, begleitet ihn auf der Reise, da sie merkt, wie verloren er alleine wäre. Das ist ein geschickter Schachzug: Der Leser erlebt die andorianische Kultur dadurch nicht nur aus Shars, sondern auch aus Prynns menschlicher Perspektive.

Auf Andor merkt man schnell, wie die Reproduktionskrise das gesellschaftliche Leben bestimmt. Zum Einen erzeugt sie eine starke politische Spaltung. Jeder Andorianer scheint eine Position einnehmen zu müssen. Unterstützt er konservative, die die Gesellschaft den Reproduktionsbedingungen der Andorianer anpassen möchten, oder aber Progressive, die nach einer wissenschaftlichen Lösung des Problems forschen. Auf jeden Fall wird jeder Andorianer, der sich von der Suche nach einer Lösung des Problems - und sei es durch das Verweigern der Mitgliedschaft in einer Vierergemeinschaft zur Reproduktion - geradezu geächtet.

Dennoch greifen alte Verhaltensweisen weiterhin. Das erlaubt es Shar und Prynn einigermaßen freundlich in den Hallen der Mutter (wenn man das bei Andorianern so eindeutig gar nicht sagen kann) von Shars verlorener Bündnispartnerin aufgenommen zu werden. Alles in allem erscheint die andorianische Gesellschaft an einem Wendepunkt, an dem eine Entscheidung über den zukünftigen Weg gefällt werden muss.

Das geht nicht, ohne dass Extremisten versuchen, ihre Sichtweise durchzusetzen. Solche Extremisten entführen Shars Mutter. Nur durch viel Glück - zufällig ist ein Bündnispartner der Entführer Shar wohlgesonnen - gelingt es, Shars Mutter zu befreien. Überraschenderweise stellt sich heraus, dass die Entführer durchaus berechtigte Sorgen hatten und ihre Forderungen, die wissenschaftlichen Experimente nicht zu übertreiben, nicht unberechtigt sind. Das ist vielleicht der größte Unterschied zum Vorgängerroman: Auf Andor gibt es nicht nur schwarz und weiß. Hier formulieren beide Seiten berechtigte Forderungen und beide Seiten verhalten sich nicht immer moralisch legitim.

Persönlich muss sich Shar seinen Taten stellen, die zu dem Auseinanderbrechen seiner Bündnispartnerschaft geführt haben. Gleichzeitig muss er sich der Frage stellen, ob er zu einer Beziehung mit Prynn bereit ist. Die Lösung dieser persönlichen Geschichte ist sehr überraschend, sorgt sie doch dafür, dass der Roman in doppelter Hinsicht kein reines Happy-End verdient. "Paradigma" endet nicht etwa in einer Tragödie, sondern weist ein äußerst offenes Ende auf. Das ist ungewöhnlich, aber erfrischend.

Fazit: Gerade angesichts der dramatischen Handlungen um Andor in den aktuellen "Typhon Pact"-Romanen ist "Paradigma" ein äußerst wichtiger Roman. Obwohl er Jahre vor der Idee des Typhon-Paktes erschien, kann man das Verhalten der Andorianer in der Miniserie nur verstehen, wenn man in "Paradigma" erlebt hat, wie sehr diese Gesellschaft sich auf den unvermeidbar scheinenden Abgrund des Aussterbens zubewegt. Diese Stimmung kann Heather Jarman sehr gut darstellen und bietet dem Leser einen ruhigen, bewegenden und äußerst informativen Einblick in die andorianische Kultur.

"Paradigma" ist unter anderem bei Amazon.de als Taschenbuch und als E-Book erhältlich.

Bewertung

1. Thomas Götz
2. Martin Weinrich

Weitere Infos


Titel "Die Welten von Deep Space Nine 2: Andor - Paradigma"

Originaltitel "Cardassia & Andor"

Buchreihe Deep Space Nine

Autor Heather Jarman

Übersetzer Christian Humberg

Preis 9,90 Euro

Umfang 252 Seiten

Verlag Cross Cult

ISBN 978-3-86425-030-9

(tg, wc - 10.02.13)


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