Martin Weinrich (wc), Thomas Götz (tg)
14.10.11
"Das kleinere Übel"
Robert Simpson
Inhalt
Die Defiant ist nach ihrer Mission im Gamma-Quadranten auf dem Weg zurück in den Alpha-Quadranten. Doch zuvor wird das Schiff von einem Föderationssignal aufgehalten. Es kommt aus der Nähe eines abgeschossenen Dominion-Raumschiffes. Die Defiant nimmt sofort Kurs auf das Signal. Ezri und die Crew ist sehr verwundert, dass Commander Vaughn sich seit der Nachricht über das Signal sehr seltsam verhält. Die Verwirrung legt sich, als deutlich wird, dass das Signal von den Borg kommt und dass eine Drohne Commander Vaughns Frau ist.
Im Alpha-Quadranten herrscht seit Shakaars Ermordung Aufruhr. Der Beitritt Bajors in die Föderation ist ernsthaft gefährdet. Admiral Akaar und die anwesenden Diplomaten versuchen viel, um die Wogen zu glätten. Doch der Trill-Attentäter ist nicht auffindbar. Während die Föderation und auch Kira den Attentäter außerhalb der Station suchen, ist sich Sicherheitschefin Ro Laren sicher, dass der Trill noch an Bord der Station ist. Die Situation wird nicht einfacher, als ein Mediziner herausfindet, dass Shakaar scheinbar mit einem Symbionten vereinigt war.
Kritik
1.Martin Weinrich
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 Das Ende der "Mission Gamma"-Reihe: Borg im Gamma-; Parasiten im Alpha-Quadranten. |
Der Umfang des Romans macht sofort stutzig. Bisher waren alle Bücher das "Mission Gamma"-Minizyklus äußerst umfangreich. Mit 230 ist "Das kleinere Übel" geradezu ein Leichtgewicht. Überraschenderweise braucht es aber auch nicht mehr Seiten, um die bisherigen Handlungsstränge zusammenlaufen zu lassen.
Die bisherigen Romane des Minizyklus wurden ausgiebig dafür genutzt, sich mit den Charakteren auseinanderzusetzen. Selbst das bleibt in diesem Roman nicht komplett auf der Strecke.
Vaughn und Prynn stehen im Mittelpunkt der Charakterhandlung. Vaughns Frau, Prynns Mutter ist wieder aufgetaucht. Sie ist nunmehr seit sieben Jahren eine Borg-Drohne. Seit zwei Jahren steht sie auf einem unbewohnten Planeten herum, befindet sich in der niedrigsten Borg-Einstellung, die noch das Überleben sichert. Die Entdeckung bewegt beide verbliebenen Familienmitglieder sehr. Vaughn zieht sich erst einmal komplett zurück und versucht gleichzeitig, Prynn an der Entdeckung ihrer Mutter zu hindern. Das zeigt, wie unsicher das Verhältnis der beiden noch immer ist. Nachdem sich herausstellt, dass eine andere Borgdrohne noch immer aggressiv versucht, andere Lebensformen zu assimilieren, versucht auch Prynns Mutter ihre Tochter zu assimilieren. Zumindest sieht es für Vaughn danach aus und er erschießt seine Frau. Das ist für Prynns und Vaughns Vater-Tochter-Beziehung natürlich eine weitere Belastung. Obwohl diese Handlung äußerst knapp geschildert wird, wirkt sie doch glaubwürdig. Es ist eine passende Abschlusshandlung für die Mission in den Gamma-Quadranten. Denn die erste Mission brachte Vaughn und Prynn wieder dazu, miteinander zu sprechen. Die gemeinsame Hoffnung und der neue, gemeinsame Verlust dürfte die beiden langfristig enger aneinander schweißen.
Außerdem entdeckt die Defiant eine junge Gründerin, die seit dem Kampf zwischen dem Dominion und den Borg auf dem Planeten festsitzt. Die Crew rettet sie, was dafür sorgt, dass ein weiterer Gründer der Föderation tendenziell positiv gegenüber eingestellt ist. Die Normalisierung der Beziehungen mit dem Dominion schreitet also auch in diesem Roman voran.
Der spannendere Teil des Romans spielt sich wie in eigentlich allen Geschichten des Mini-Zyklus im Alpha-Quadranten ab. Hier wird jetzt klar, warum sich Shakaar so merkwürdig verhalten hat. Er wurde die ganze Zeit von einem der Symbionten kontrolliert, die man bereits aus der vorletzten Episode der ersten "Next Generation"-Staffel kennt.
Das erklärt aber nicht nur einiges, sondern wirft eine Menge Fragen auf. Der Trill-Agent Gant tötete Shakaar, um die Ziele des Symbionten zu durchkreuzen. Der Symbiont wollte, dass Bajor der Föderation beitritt. Wieso ist das im Interesse des Parasiten? Hofft er tatsächlich, wie im Roman spekuliert wird, so die Föderation übernehmen zu können? Oder steckt etwas anderes dahinter? Diese Frage wird in diesem Roman leider noch nicht geklärt.
Stattdessen stellt sich heraus, dass der Symbiont entkommen konnte. Er ist auf dem Weg nach Trill, um dort Zerstörung anzurichten. Den Großteil des Romans geht es darum, den Parasiten aufzuhalten. Das ist überraschend spannend. Denn Kira ist an Bord eines Föderationraumschiffes und glaubt, den Trill-Agenten zu verfolgen. Erst spät erfährt sie von den neuen Erkenntnissen auf der Raumstation. Und dann muss sie natürlich auch noch herausfinden, wer von dem Parasiten kontrolliert wird.
Bei all dem werden die bisherigen Handlungen abseits von Shakaars Ermordung nicht vergessen. Quark träumt noch immer davon, mit Ro ein neues Leben aufzubauen. Diese irrsinnige Romanze, die im Roman auch von anderen ebenfalls so aufgenommen wird, ist also nicht vergessen. Mittlerweile könnte man sich sogar an den Gedanken gewöhnen, dass Quark und Ro eine Beziehung miteinander eingehen. Allein dies ist schon eine gelungen Leistung der Autoren.
Aber auch Kiras Schock über Shakaars plötzlichen Tod ist authentisch. Zudem hilft Miles O'Brien mit seiner Familie Joseph Sisko über das Verschwinden seines Sohnes und seines Enkels hinwegzukommen. Mit seiner sympathischen und gespielt einfältigen Art gelingt es ihm, wieder Leben in das Restaurant der Siskos zu bringen. Diese Szenen bringen die Handlung zwar kaum voran, sind aber nett zu lesen und unterhalten gut. Gerade solche vermeintlich belanglose Szenen machen diesen Relaunch aus. Es geht hier nicht darum, gezwungen eine Geschichte weiterzuführen. Es geht darum, mit den bekannten und geschätzten Charakteren gute Geschichten zu erzählen.
Die Kürze des Romans ist sowohl eine Stärke als auch die größte Schwäche. Es ist eine Stärke, denn der Roman ist dadurch dicht erzählt, was zu einem hohen Lesefluss führt. Allerdings merkt man, dass noch mehr hätte erzählt werden können. Robert Simpson gelingt es zwar, einige Charaktermomente herauszuarbeiten, doch bei den Hintergründen der Parasiten-Verschwörung bleibt er etwas vage. Vermutlich ist das dem Autor aber gar nicht anzulasten. Denn "Das kleinere Übel" ist eine Art Bindeglied zwischen dem "Mission Gamma"-Minizyklus und dem weiteren Relaunch. Das macht der sehr gelungene Cliffhangar, in dem Jake und Kai Opaka wieder auftauchen, sehr deutlich. Akzeptiert man also die Tatsache, dass "Das kleinere Übel" die offenen Handlungsstränge des Minizyklus zusammenführen soll und den Weg für den Abschluss der achten Staffel frei machen soll, ist der Roman sehr gelungen.
Fazit: "Das kleinere Übel" ist ein kurzer, dicht erzählter Roman, in dem die Charaktere wie in allen Romanen des "Mission Gamma"-Minizyklus sehr gut beschrieben sind. Der Roman fesselt und unterhält sehr gut. Die einzige Schwäche ist seine Kürze, die jedoch nötig ist, da der Roman "nur" den Abschluss der achten Staffel vorbereiten soll. Als Vorbereitung auf das Finale der achten Staffel und als Abschluss der "Mission Gamma"-Minireihe ist der Roman äußerst gelungen.
Der Roman "Das kleinere Übel" ist unter anderem bei Amazon.de erhältlich.
2.Thomas Götz
Der mittlerweile achte Band des DSN-Relaunches besinnt sich auf altbekannte Star Trek-Tugenden, leidet aber unter einem großen Manko: Er ist viel zu kurz.
Wir erinnern uns: Shakaar ist tot und die Defiant immer noch im Gamma Quadranten unterwegs. Wie bereits beim Vorgänger vermutet, gibt es natürlich eine Erklärung für Shakaars seltsames Verhalten (auch wenn der Nachgeschmack des getöteten unliebsamen Charakters bleibt), und es ist schön, das dabei alte Feinde wieder ausgegraben werden (und auch sonst kommen einige nur am Rande erwähnte Persönlichkeiten vor). Das ist natürlich extrem löblich, wobei auf der anderen Seite das Wiederauftauchen alter Bekannter (zunächst Gul Macet, nun Weyoun) im Gegenzug leicht gekünstelt wirkt. Nichtsdestotrotz bietet der Roman auch und gerade deswegen eine Menge Potential.
Leider wird dieses gute Potential nicht zur Gänze ausgeschöpft. Die Idee der Borg im Gamma-Quadranten, die Entdeckung von Vaughns Frau, der Anflug auf Trill - all das bietet genug Raum für Action- und Charakterszenen. Die gibt es zwar auch und sind sehr gut geschrieben, aber bis zum Ende hat man das Gefühl, der Autor hetzt durch seine Story. So wird den Charakteren nicht der Raum zuteil, den sie verdient hätten. Ein gutes Beispiel ist hier T'Prynn, ja, die berühmte Frau aus Vanguard, die hier in einem Drei-Sätzer getötet wird (auch wenn man zugute halten muss, das sie erst Jahre später mit Vanguard 'berühmt' wurde). Dennoch bietet allein die Story aus Vaughns Vergangenheit genug Stoff, um damit einen eigenen Roman zu füllen, aber im Grunde wird Vaughns Ehe auf ein paar wenige Seiten reduziert.Die Erklärungen für einige der Entwicklungen (z.B. Parasiten) und auch die Geschehnisse auf der Gryphon bieten einfach derart genug Stoff, das es einfach eine Schande ist, das alles fix fix abgehandelt wird. Das Ganze Buch ist gerade mal 230 Seiten dick.
Auch einige Klischees werden bedient: So ist dem geneigten Leser schnell klar, wer der wahre Bösewicht ist und auch das Cpt Mello sterben muss, hätte so nicht sein müssen. Nichtsdestotrotz, der Band ist nicht schlecht, er ist eben einfach zu dünn.
Fazit: Ein zwar gut geschriebener Band, durch den allerdings nur so "durchgehetzt" wird, was eine Menge Potential verschenkt, was sehr schade ist.
Bewertung
Weitere Infos
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| Titel |
"Mission Gamma IV: Das kleinere Übel" |
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| Originaltitel |
"Mission Gamma IV: Lesser Evil" |
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| Buchreihe |
DS9-Relaunch |
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| Autor |
Robert Simpson |
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| Übersetzer |
Christian Humberg |
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| Preis |
12,80 Euro |
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| Umfang |
230 Seiten |
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| Verlag |
Cross Cult |
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| ISBN |
978-3-941248-68-7 |
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(wc, tg - 25.10.11)