Markus Loosen (ma), Christoph Hühn (ch)
14.11.05
"Der Preis der Ehre"
Dave Stern
Inhalt
Nachdem die Sarkassianer in einem Heiligtum der Ta'alaat ein
Massaker angerichtet haben, ist der Kampf zwischen den beiden Völkern eskaliert.
Als ein Enterprise-Team einen verletzten Ta'alaat rettet, verlangt die
sarkassianische Botschafterin dessen Auslieferung. Falls Captain Archer nicht
kooperiert, wird Starfleet in den Krieg verwickelt werden.
Unterdessen kann Lieutnant Malcolm Reed, taktischer Offizier der Enterprise,
nicht begreifen, was passiert: Zuerst fällt seine Kollegin Alana Hart bei dem
Rettungseinsatz ins Koma, dann versucht sie im Wahn, ihn umzubringen. In Notwehr
muss er die junge Frau töten., in die er sich verliebt hat.
Nun ist es Captain Jonathan Archers Pflicht, Licht ins Dunkel der mysteriösen
Vorfälle zu bringen. Und letztlich ist es eine Frage der Ehre ...
Kritik
 |
 Lt. Reed muss die Frau töten, die er liebt. |
1. Markus Loosen
Man sollte sich von der oben etwas kurz gehaltenen und leicht
verwirrenden Inhaltsangabe nicht abschrecken lassen. Leider ist der Inhalt
dieses Buches etwas schwer wiederzugeben, da die Handlung nicht linear verläuft,
sondern mit jedem neuen Kapitel ein Zeitsprung erfolgt. Dave Stern benutzt
dieses Stillmittel geschickt, um die Spannung beim Lesen zu steigern. So
beleuchtet er in einem Kapitel rückblickend zum Beispiel das Verhältnis zwischen
Hart und Reed, während er mit der gleichen Methode erst im Nachhinein erklärt,
wie es zu dem Vorfall im Außenposten kommen konnte. Zumindest bei der Schilderung des Letzteren eignet sich dieses Verfahren fantastisch, um den Leser zu fesseln, denn das Buch, würde es wirklich linear und gradlinig ablaufen, wäre wahrscheinlich halb so spannend, da man ja von vornherein wüsste, wie der Vorfall abgelaufen wäre. So lässt Stern dem Leser aber erst einmal im Ungewissen und weckt so natürlich sein Interesse.
Leider ist diese nette Idee der Zeitsprünge doch etwas gewöhnungsbedürftig. Da man sich so bei jedem neuen Kapitel innerhalb der Handlung erst einmal neu orientieren muss, wo man sich zeitlich und räumlich gerade befindet. Dave Stern versucht zwar dem Leser dadurch zu helfen, dass er eben über jedes Kapitel eine exakte Zeitangabe sowie eine genaue Ortsangabe gibt. Doch dass man sich als Leser zu Beginn eines jeden Kapitels halt erst ein wenig einlesen muss, kann Stern dann doch nicht völlig nehmen. Wenn man sich aber erst einmal an diese Form des Geschichtenerzählens gewöhnt hat, wird man mit einer genialen "Enterprise"-Geschichte belohnt.
Allerdings beschäftigt sich die Handlung dann auch eigentlich nur mit einer Person, Lieutnant Malcolm Reed. Viele Stellen innerhalb der Handlung werden dann sogar aus Reeds Sicht wiedergeben. Dabei gelingt es dem Autor dann aber auch dem Sicherheitschef, welcher für mich in den Folgen, die ich bisher gesehen habe, doch etwas zu kurz kam, einen ordentlichen Charakterhintergrund zu geben. Auch die Beziehung zwischen Reed und Hart wird sehr ernsthaft und glaubwürdig behandelt. Was auch daran liegen mag, dass Hard ebenfalls eine sehr schöne ausgearbeitete facettenreiche Figur ist, welche sogar ein dunkles Geheimnis birgt. Auch Reeds Zwiespalt zwischen den Starfleet-Vorschriften, welche er unbedingt einhalten will, und seinen Gefühlen für Hard ist sehr schön beschrieben.
Die anderen Hauptcharaktere der Serie sind ebenfalls sehr gut getroffen. Lediglich bei einigen Nebenfiguren hätte ich mir eine ausfüllendere Darstellung der Charaktere gewünscht, doch alle diese Personen sind noch alle auf einem akzeptablen Niveau ausgearbeitet, so das man hier noch mal darüber wegsehen kann.
Die Atmosphäre der Geschichte hingegen ist doch zum überwiegenden Teil recht düster gehalten. Was auch daran liegt, dass dieses Buch kein für "Star Trek"-Romane übliches Happyend aufweist. Allerdings zeigt Stern, dass man auch in einer so düsteren Story auch mal die eine oder andere amüsante Anspielung auf die Serie einbauen kann. Zwar wird den meisten deutschen Leser dies, zu mindestens derzeit, nicht gleich klar sein, da sich einige dieser Insiderjokes auf Episoden beziehen, welche noch nicht im deutschen TV gezeigt wurden, aber da kann man dem Autor nun wirklich keinen Vorwurf machen.
Fazit: Wenn man sich erst einmal an die Zeitsprünge zu Beginn jedes neuen Kapitel gewöhnt hat, dann wird man mit einem wunderbaren "Enterprise"-Roman belohnt.
2. Christoph Hühn
Bislang sind die "Enterprise"-Romane eine einzige positive
Überraschung.
Wenn man mal an die ersten "The Next Generation"-, DS9 oder "Voyager"-Romane
zurückdenkt, läuft es einem ja im Regelfall eiskalt den Rücken runter, was da
teilweise für Schund abgeliefert wurde. Bei "Enterprise" ist das (bislang) nicht
der Fall. Genau wie die Serie überdurchschnittlich gut war (man vergleiche mal
die zweite Staffel "Voyager" mit der zweiten Staffel "Enterprise"....), so
können bislang auch die Bücher insgesamt überzeugen: "Aufbruch
ins Unbekannte" war eine zumindest anständige Umsetzung des Pilotfilms, "Das
Rätsel der Fazi" hat mir sehr gut gefallen, und "Der Preis der Ehre"
setzt da noch einen oben drauf.
Die Geschichte mit den beiden außerirdischen Völkern, die sich wegen der
technologischen Hinterlassenschaften einer antiken Zivilisation bekriegen, ist
gut geschrieben und macht Spaß zu lesen. Die Krimigeschichte um den Tod von
Ensign Hart weiß auch zu überzeugen, da das Opfer durch die vielen Rückblenden
vor dem anonymisierenden "TOS-Rothemden-Effekt" bewahrt wird und sie außerdem
ein überraschendes Ende beinhaltet. Und obwohl ich mich eigentlich sonst nicht
für Liebesgeschichten begeistern kann, muss ich sagen, dass auch die Romanze
zwischen Hart und Reed interessant zu lesen war.
So, nun aber zum negativen: Da gibts eigentlich nur eine Sache: Dieser Roman ist
absolut unspektakulär. Es ist gerade mal etwa 14 Tage her, dass ich dieses Buch
gelesen habe und schon habe ich Schwierigkeiten, mich an Details für diese
Rezension zu erinnern. Die Geschichte ist gut, nette Unterhaltung für
Zwischendurch, aber mehr auch nicht. Sie beinhaltet keine spektakulären
Elemente, nichts, weshalb dieses Buch deutlich aus der Masse hervorstechen
würde. Das liegt vielleicht auch an dem etwas dürftigen Umfang von gerade mal
263 Seiten.
Fazit: Gutes, solide geschriebenes Buch, aber zum echten Highlight hat es
dann leider noch nicht ganz gereicht.
Bewertung
Weitere Infos
|
| Titel |
"Der Preis der Ehre" |
|
| Originaltitel |
"What Price Honor?" |
|
| Buchreihe |
Enterprise |
|
| Autor |
Dave Stern |
|
| Übersetzer |
Andreas Brandhorst |
|
| Preis |
7,95 Euro |
|
| Umfang |
263 Seiten |
|
| Verlag |
Heyne |
|
| Bestellnummer |
06/6802 |
|
| ISBN |
3-453-87050-6 |
|
|
(ma, ch - 31.08.06)