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Julian Wangler (jw), Thomas Götz (tg)27.11.09

"Unter den Schwingen des Raubvogels 1"

Michael A. Martin

Inhalt

Der Krieg gegen die Romulaner hat gerade erst losgeschlagen, doch Jonathan Archer ist schon jetzt am Boden. Es ist der drei Tage zurückliegende Kobayashi-Maru-Zwischenfall, der schwer auf ihm lastet. Trotz aller Beteuerungen von T'Pols oder Reeds Seite, es habe sich um ein No-win-Szenario gehandelt, quält den Captain sein Gewissen. Immer wieder sagt er sich, er hätte zumindest versuchen müssen, die 400 Seelen auf dem Frachter irgendwie zu retten statt einzig an das Wohl seines eigenen Schiffes zu denken.

Obwohl Archer vom Oberkommando unlängst ein moralischer Blankoschein ausgestellt wurde, ändert das nichts daran, dass in den Medien hitzig über den Vorfall bei Gamma-Hydra diskutiert wird und der bislang so gute Ruf des NX-01-Kommandanten auf dem Spiel steht. Sogar aus den Reihen der Enterprise-Mannschaft wurden in den vergangenen 48 Stunden Vorwürfe gegen ihn erhoben, was schließlich im Abgang einiger Leute kulminiert. Besonders schmerzhaft für Archer: Niemand Geringeres als Travis Mayweather ist unter ihnen. Der Navigator kann und will ihm nicht verzeihen, dass die Kobayashi Maru geopfert wurde, hätte es sich doch ebenso gut um die Horizon, das (mittlerweile als vermisst geltende) Schiff seiner Familie, handeln können, die sein Captain sich selbst überließ.

So merkt Archer, wie die Gemeinschaft alter Tage Stück für Stück unter dem Druck der neuen Realitäten zerrieben wird. Travis nimmt wütend seinen Hut, eine zusehends desillusionierte Hoshi kann er nur vorläufig am Gehen hindern, und das Überleben von Trip, der weiter als Agent in romulanischem Raum operiert, ist unsicherer denn je. Derlei Verwerfungen sind dabei die denkbar schlechtesten Voraussetzungen, um sich mit klarem Verstand der romulanischen Gefahr zu stellen, die bereits überfallartige Angriffe auf Stellungen der Vereinigten Erde begonnen hat und mehr denn je von einer neuen Technologie Gebrauch macht, mit deren Hilfe es möglich ist, sich in die Computersysteme anderer Schiffe zu hacken.

Da abzusehen ist, dass die Koalition auf Dauer nicht erfolgreich sein wird, wenn sie sich nur auf die Defensive beschränkt, ruhen die Hoffnungen Archers und vieler anderer jetzt auf einer eilig einberufenen Krisenkonferenz des planetaren Bündnisses. Dies umso mehr, da jüngsten Informationen zufolge eine Flottenauflaufbasis der Romulaner entdeckt wurde, die es dem Gegner in nicht allzu ferner Zukunft erlauben könnte, seine Versorgungslinien zu verbessern und ein Sprungbrett direkt in den Hinterhof der Koalition zu besitzen.

War es am Ende des vorigen Bandes noch gelungen, die Verbündeten auf eine gemeinsame Linie und Kriegserklärung gegen die gesichtslosen Feinde einzuschwören, fördert die Konferenz nur zutage, dass die gerade gewonnene Einheit schon wieder passé ist. Ohne eine halbwegs nachvollziehbare Erklärung abzugeben, verschließen sich die Vulkanier unerwartet einer weiteren Unterstützung der Koalition und enthalten ihren Partnern sogar ihre mächtige Flotte vor. Es scheint, als hätten sich T'Pau und ihr Regierungszirkel dazu entschieden, das Kriegsgeschehen wieder zu verlassen, ehe sie so richtig mitmischen. Lediglich eine Art Frühwarnsystem kann Außenminister Soval im Rahmen der Krisensitzung anbieten, um maskierte romulanische Drohnenschiffe anhand ihrer Warpsignatur zu orten - aus Sicht der Alliierten kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.

Archer brennt es unter den Nägeln, herauszufinden, welches die Gründe für den plötzlichen Rückzieher der Vulkanier sind. Seine Trumpfkarte ist dabei T'Pol, die er bittet, nach Vulkan zu reisen, Ermittlungen anzustellen und wenn die Zeit reif ist, alles dafür zu tun, dass Vulkan in den Krieg einsteigt. Für ihn geht es um nicht mehr und nicht weniger, als die Koalition so schnell wie möglich in maximale Kampfbereitschaft zu bringen, denn der Gegner schläft nicht. Die Eroberung des Planeten Deneva ist nur der Auftakt einer beispiellosen Eroberungs- und Zerstörungswelle, die eindrucksvoll und erschreckend zugleich demonstriert, wie rasend schnell der Sternenflotte die Zeit davonläuft.

Währenddessen bekommt Trip einen neuen Auftraggeber: den vulkanischen Geheimdienst V'Shar, der hinter den Kulissen der offiziellen Politik seine eigenen Operationen vorantreibt. Er rekrutiert Trip für eine Mission, die ihn ins Achenar-System führen soll, wo die Romulaner offenbar einen neuen Versuch starten, zu einem Warp-7-Antrieb zu gelangen. Für den Ingenieur geht es diesmal darum, nicht mehr in die Falle einer neuen Intrige zu tappen, die ihn gegen jene Leute ausspielt, für deren Wohl er sein Leben aufs Spiel setzt...

Kritik

1.Julian Wangler

Die folgende Rezension bezieht sich auf die englische Originalausgabe.

Dieser erste Teil einer mit "The Romulan War" überschriebenen Trilogie spielt direkt im Anschluss an den Vorgänger "Kobayashi Maru" und schildert die Anfänge des irdisch-romulanischen Kriegs.
Nach den an die literarische Fortsetzung heranführenden Romanen "The Good That Men Do" und "Kobayashi Maru" ist "Beneath the Raptor's Wing" der erste Band einer lang erwarteten Trilogie, die sich mit dem Krieg gegen die Romulaner befasst. Die Wegbereitung für diesen Konflikt war, schaut man auf die letzten zwei Jahre zurück, die der "Enterprise"-Relaunch nun schon läuft, alles in allem eher enttäuschend. Daher war die Spannung groß, ob es dem dritten Werk der Reihe gelingen würde, die Kurve zu kriegen. Es wurde übrigens im Alleingang von Michael A. Martin geschrieben, nachdem Jointventureprojekte mit Andy Mangels, wie man sie beispielsweise aus "Star Trek: Titan" kannte, offenbar wegen persönlicher Animositäten aufgekündigt wurden.

"Beneath the Raptor's Wing" knüpft nahtlos an die Geschichte des Vorgängerromans an und erstreckt sich über einen Zeitraum von nicht weniger als einem Jahr. Relativ schnell kommt die Handlung in Fahrt und führt dem Leser die ersten Auswirkungen des entbrannten Kriegs vor Augen. Frei nach dem Motto "Klotzen statt Kleckern" experimentieren die Romulaner diesmal nicht nur mit neuen Warpantrieben und Hackerwaffen, sondern bemächtigen sich gleich auch einer massentauglichen Tarnvorrichtung, mit der sie zu Felde ziehen. Die Dramatik des Geschehens wird gut unterfüttert, indem sich Autor Martin der Reporterin Gannett Brooks bedient, die er kurzerhand zur Kriegsberichterstatterin von der romulanischen Front umfunktioniert. Brooks' Kommentare, die sich wie ein roter Faden durch die Geschichte ziehen, sorgen nicht nur für Atmosphäre, sondern geben dem Fortgang der Auseinandersetzungen auch eine erkennbare Struktur.

Die eigentliche Handlung entlang der Protagonisten hat Licht und Schatten. Zu aufgesetzt wirkt Archers Depression ob des Verlustes der Kobayashi Maru - und die Reaktion seiner Mannschaft zumal. Es ist schließlich nicht das erste Mal, dass Captain und Crew durch schwerwiegende Entscheidungen gehen mussten, und man sollte eigentlich meinen, in Anbetracht eines No-win-Szenarios sollte das Vertrauen zu Archer weit genug gediehen sein, um ihm das Leben nicht noch schwerer zu machen. So ist dann die plötzliche Abkehr von Travis Mayweather auch ein unglaubwürdiger Paukenschlag, hätte man doch am wenigsten vom wortkargen Steuermann eine derartige Reaktion erwartet. Immerhin kann Archer nichts für das, was seiner Familie zugestoßen ist.

Was trotz der Brooks-Einlagen auffällt, ist, dass "Beneath the Raptor's Wing" in vielerlei Hinsicht ein sehr technokratisches Buch ist, das sich in Einzelheiten strategischer Kriegsführung und politischen Diskussionen verstrickt, ohne die authentische Nähe zu den Figuren zu wahren und die Geschehnisse stärker auf sie zu fokussieren. In diesem Zusammenhang stört eine nahezu erschlagende Vielzahl von belanglosen Szenen, die das Buch künstlich aufblasen und es sich schier zur Aufgabe machen, das Who-is-who des intergalaktischen 22. Jahrhunderts durchzugehen.

Ein nicht minderer Klotz für die Motivation des Lesers ist ein ellenlanger Dialog zwischen T'Pau und Soval über die sophistischen Einzelheiten der im Vergleich zu Vulkaniern kürzeren menschlichen Lebensspanne. Dahinter bleibt der große Antagonist Valdore und dessen Psyche blass und uninteressant, noch uninspirierender kommt Prätor D'deridex daher. Weil der "Enterprise"-Relaunch es nicht vollbracht hat, einen interessanten Gegner aufzubauen, den Romulanern in dieser Zeit vielleicht ein neues, ungekanntes Element hinzuzufügen, das sie mysteriöser macht, bleibt Martin nichts anderes übrig, als sich auf die Abläufe des Konfliktes zu stürzen.

Dabei ist - entgegen seiner Versprechen in Interviews - der Zusammenhang zu Informationen aus anderen "Star Trek"-Serien über diese Epoche nicht immer ersichtlich, womit wir beim Stichwort "Kanon" wären. Vielmehr erschafft Martin eine eigene Interpretation der Abläufe (die Erde stellt auf Kriegswirtschaft um und baut der Schnelligkeit halber lieber Daedalus-Fregatten als NX-Kreuzer), gegen die nicht so viel einzuwenden wäre, würden sie in sich stärker konsistent wirken und zudem mehr mit dem konform gehen, was wir am Ende der vierten "Enterprise"-Staffel zu sehen bekamen. Dort hatten doch die einstmals verfeindeten vulkanischen, andorianischen und tellariten Parteien unter Vermittlung der Menschen an einen Tisch und zu einer guten Zusammenarbeit gefunden.

Wieso erklären die Vulkanier dem Sternenimperium erst den Krieg und kneifen dann? Überspitzt formuliert erscheint es durch und durch irrational, dass T'Pau bereit ist, die Menschen und alle anderen vor die Hunde gehen zu lassen, nur um etwas länger ihre syrannitischen Tugenden zu schützen. Und überhaupt: Aus der Kenntnis einzelner Vulkanier über die wahre Identität der Romulaner erwächst kein besonders origineller Gang für die Gesamtgeschichte.

Trips Fehlen schließlich macht auf der Enterprise alles noch drückender. Der Coup, mit dem der "Enterprise"-Relaunch dereinst ins Leben gerufen wurde, ist in Wahrheit, wie auch schon in "Kobayashi Maru", vielmehr Hypothek. Allmählich hat man genug von Undercoverspielchen, bei denen der ehemalige Chefingenieur sich immer wieder als Opfer romulanischer Intrigen wiederfindet. Als einzelne Figur agiert er wie eine Art Statist, und weil er der verbliebenen Mannschaft auf der Enterprise keine Bereicherung mehr ist, wirkt auch die fader und uninteressanter. Trips eigener Handlungsbogen erinnert - abgesehen davon, dass er Hals über Kopf im Dienste Anderer steht - stark an den Plot aus "The Good That Men Do"; just another spy mission.

Die Idee, T'Pol wieder mit ihrem Volk auf Tuchfühlung gehen zu lassen, mag löblich sein, geht aber erneut auf Kosten des Gemeinschaftsgefühls. Weil sie auf Vulkan erst einmal wochenlang auf T'Paus Ankunft warten muss, kann sie gleich noch ein paar Nebenquests schlagen. Analog zum Storyverlauf in "Kobayashi Maru" liegt der Leser goldrichtig, wenn er vermutet, dass sie eines dieser Abenteuer wieder mit Trip zusammenführen wird.

Wenden wir uns noch einmal dem Feind zu. Ein kaum auflösbares Manko ist, dass über ihn schon eine Menge bekannt ist und man bestenfalls mit Erwartungshaltungen des Lesers spielen kann. Der bereits angesprochene Kreativitätsmangel auf romulanischer Seite verschärft sich allerdings noch eher, als dass er sich abschwächt. Dies macht sich bemerkbar, als ein größenwahnsinniger Prätor D'deridex einen Frontalangriff auf das Kerngebiet der Koalition durchführen will. Hatten wir das nicht schon einmal? Mittlerweile gibt es einen Übersättigungseffekt romulanischer Königsmordintrigen. Diese Sau ist so oft durchs Dorf getrieben worden, dass es ein Wunder wäre, würde D'deridex nicht das Zeitliche segnen. Und dreimal darf man raten, wer die Nachfolge antritt?

Das Ende des Buches kann man nur mit einem Wort beschreiben: müde. Es ist kein Cliffhanger, vielmehr ein offener Abschluss, der es der Zukunft überlässt, in welcher Form die Geschichte des romulanischen Kriegs weiter erzählt wird. So, wie es aussieht, wird der Nachfolger von "Beneath the Raptor's Wing" ein Weilchen auf sich warten lassen. Da der Weg bereits eingeschlagen wurde und wohl wieder Martin der Autor sein wird, steht kaum eine Verbesserung zu erwarten - abgesehen davon, dass wir nun endlich wissen, was es mit dem Titel vom "irdisch-romulanischen Krieg" auf sich hat.

Fazit: Die große Blamage bei der Erzählung des romulanischen Kriegs bleibt aus, aber "Beneath the Raptor's Wing" lässt sich ebenso wenig als mitreißend und emotional bezeichnen. In weiten Teilen liest es sich eher wie eine Abhandlung über den Krieg, von dem wir in einem halben Jahrhundert "Star Trek" schon so vieles hören durften. Archer und Co. bleiben jedoch ziemlich fern. Ein Roman ohne Herzblut.

Wem das Jonglieren mit Politik, Planeten, Raumschiffklassen, Zeit- und Geschwindigkeitsrechnungen sowie Angriffsrouten reicht, der wird beim Kauf des Buches nichts falsch machen. Wer hingegen eine epische Story erwartet, wird herb enttäuscht werden. "Beneath the Raptor's Wing" gibt endgültig die charakternahen Ansätze aus "The Good That Men Do" auf und verschreibt sich der nüchternen Schilderung eines historischen Konfliktes, bei dem im Vergleich zu anderen "Star Trek"-Kriegen vieles eigen und wenig neu ist. Augen zu und durch.

"Beneath the Raptor's Wing" können Sie bei Gefallen unter anderem bei Amazon.de bestellen.

2.Thomas Götz

Die folgende Rezension bezieht sich auf die deutsche Ausgabe des CrossCult-Verlages.

Nach dem letzten Buch, "Kobayashi Maru", geht es bei Enterprise nun direkt in den romulanischen Krieg. Dabei ist wieder einmal Michael A. Martin verantwortlich, der erneut ohne seinen Partner schreibt.

Die Handlung setzt dabei dort ein, wo "Kobayashi Maru" aufgehört hat. Doch halt, so ganz kann man das nicht sagen, denn im ersten Kapitel gibt es gleich mal einen Sprung in die Zukunft, in der Archer die Klingonen um Hilfe im Krieg bittet. Nun, jeder kann sich vermutlich denken, wie das ausgegangen ist, auffallend ist an der Stelle aber der Retcon, der hier betrieben wird. Sah es im Vorgänger noch so aus, als wäre die Columbia bereits 2155 verschwunden, taucht sie jetzt wieder auf. Ebenso wird die Kriegserklärung aus dem Vorgänger relativiert und findet tatsächlich erst 2156 statt, um mit der Original-Timeline konform zu sein. Scheinbar ist es einigen sauer aufgestoßen, das man den romulanischen Krieg bereits 2155 beginnen lassen und auch die "Destiny"-Ereignisse leicht abändern wollte. Immerhin hat der Enterprise-Relaunch ja auch bereits die Ereignisse der letzten Folge "umgeschrieben" und Trip auf eine Spionagemission geschickt, da war das wohl zuviel des Guten.

Immerhin wird der Weg dafür bereitet, warum der romulanische Krieg auch "Menschen-Romulaner-Krieg" genannt wird, denn die Vulkanier beteiligen sich nicht an den Kampfhandlungen und ermutigen Andor und Tellar, sich ebenso zurückzuhalten. Warum? Nun, weil die Romulaner Verwandte der Vulkanier sind und ein Veröffentlichen dieser Information Ressentiments gegen die Vulkanier auslösen würde und die neu gegründete Koalition an internen Streitigkeiten zerbrechen würde. Ein durchaus bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbarer Grund und hier wird auch schön deutlich, das das heimliche Aufdecken des Aussehens der Romulaner aus den vorherigen Bänden nun endlich Sinn macht. Diese ganze Konstellation führt übrigens zu einigen sehr schönen politischen Szenen, welche die erste Hälfte des Bandes dominieren.

In der zweiten Hälfte verliert der Roman allerdings etwas an Schwung. Dies liegt zum einen daran, das im Grunde immer das Gleiche passiert. Die Romulaner greifen an, die Sternenflotte zieht sich zurück. Einzige Abwechslung ist hier Mayweather, der das Schiff wegen der Ereignisse des Vorgängers verlässt. So konsequent diese Entscheidung auch sein mag, so inkonsequent wird sie abgehandelt. Im Grunde wird der Abschied des Steuermannes auf wenigen Seiten abgehandelt und er gerät dann genauso schnell in Vergessenheit, wie in der Serie in die Versenkung. Wie auch bei Neelix im Voyager-Relaunch wird vermutlich auch niemand Mayweather vermissen.

Doch zurück zu den Kampfhandlungen, bei denen die Enterprise... NICHT beteiligt ist. Richtig gelesen, denn das Schiff ist eher Nebendarsteller und die Szenen an Bord beschränken sich auf ein Minimum, so das man sich schon fast fragt, was das Schiff während der vielen Angriffe überhaupt macht. Gut, die Verteidigungsflotte ist dünn gesät, dennoch gibt es einfach nicht genug Szenen auf dem Schiff, um dort eine interessante Handlung aufzubauen. Selbst Archers Selbstzweifel wegen der Maru sind am Anfang des Buches noch vorhanden, verblassen dann aber nach und nach. Stattdessen wird eine Reporterin eingeführt, welche als Kriegsberichtserstatterin um die Planeten zieht (kleine Anekdote am Rande: Deneva scheint eine der unsichersten Kolonien der Föderation zu sein, da sie bis zur Destiny-Zeit immer wieder vernichtet wird). Hier fragt man sich als geneigter Leser anfangs noch, was das Ganze soll. Die Dame spricht mit Indianern vom Mars, welche die Stellung halten wollen (ein kleiner Ausblick auf die Migration nach Dorvan V zu TNG-Zeiten?) und diverse anderer Leute, die Verbindung zum romulanischen Krieg (oder wie im Falle der Indianer zu TNG) greift jedoch nicht wirklich.

Als Leser will man eigentlich erfahren, wie es unserer Schiffscrew weiter ergeht, statt seitenweise der unbekannten Reporterin zu ebenso unbekannten Kriegsopfern zu folgen. Sicher ist Krieg grausam, aber da die angesprochenen Fälle für den Leser gesichtslos bleiben, sind diese Szenen emotional nicht sehr mitreißend. Viel eher verwässert der anfangs gute Erzählstil durch diese dauernden Einschübe zusehends. Das Ganze wird noch dadurch verschlimmert, das man ab Seite 200 etwa (also über der hälfte des Buches) scheinbar gemerkt hat, das man ja vier Jahre Ereignisse in zwei Büchern pressen muss. Daher springen die Geschehnisse immer schneller voran. Anfangs noch ein paar Tage, werden es schnell einen Monat oder mehr. Deneva wird angegriffen? Die Enterprise kommt erst 4 Wochen später dort an. Was in der Zwischenzeit passiert ist, ist irrelevant. Zu Recht muss man sich fragen, ob dies im zweiten Band ebenso schlimm verwurstelt werden wird, aber das wird sich dann zeigen müssen.

Die ganze Lage um die Enterprise bessert sich etwas zum Schluß, jedoch nur leicht. Die beliebten Charaktere tauchen zwar wieder auf, jedoch nur kurz und es ist auffallend, das die Kampfszenen scheinbar etwas abgekürzt wurden. Vielleicht ist dem Autor aber auch aufgefallen, das es nun zuviel des Guten ist? Leider versöhnt gerade das Ende eben NICHT für die Mankos des Romans. Denn hier tauchen (schon etwas früher) Solkar, später dann Skon und Dax auf. Fast so, als wollte der Autor wirklich versuchen, die TOS-, TNG- und DS9-Ära mit der Story zu verknüpfen. Richtig umgesetzt mag das funktionieren, an dieser Stelle wirkt es aber mehr als aufgesetzt und unnötig, trotz der gut gemeinten Absicht.

Ein Roman, der in der Haupthandlung auf ganzer Linie scheitert, muss nicht zwingend ein schlechter Roman sein, wie jüngst „Titan 7“ bewiesen hat, das im Übrigen vom gleichen Autor stammt. Dort schwächelte die Haupthandlung auch stark, die Nebenhandlung vermochte aber bis zum Ende in Bann zu halten und die Schwächen der Story vergessen zu machen. Hier ist dies aber nicht der Fall. Es gibt weder eine gute politische Geschichte (obwohl der Roman diesbezüglich gut anfängt), noch ein gutes Charakterspiel (man hätte aus Mayweathers Zweifeln einiges mehr herausholen können) und schon gar nicht vermag die übergeordnete Handlung mitreißend zu sein, da man zu sehr auf der Stelle tritt und mit unnötigen Plattitüden die Seiten füllt.

So lässt einen das Buch sehr zwiespältig zurück, denn wie gesagt, gute Ansätze sind da. Allerdings fragt man sich als Leser, ob es denn im gleichen Stil weitergehen wird? Nun, zumindest wird es weitergehen, denn der zweite Teil dieser Geschichte ist ebenfalls bereits erschienen…

Fazit: Trotz eines guten Auftakts verwässert der Roman zusehends, verläuft sich zu sehr auf uninteressanten Nebenschauplätzen und lässt teilweise das große Ganze außen vor. Schade, denn so reicht es höchstens zum Mittelmaß.

Bewertung

1. Julian Wangler
2. Thomas Götz

Weitere Infos


Titel "Der romulanische Krieg - Unter den Schwingen des Raubvogels 1"

Originaltitel "Beneath the Raptor's Wing"

Buchreihe Enterprise-Relaunch

Autor Michael A. Martin

Übersetzer Bernd Perplies

Preis 12,80 Euro

Umfang 375 Seiten

Verlag CrossCult

ISBN 9783864253003

(jw, tg - 31.07.14)


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