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Michael Wilkens (mw)09.08.04

"Faszinierend! - Star Trek und die Wissenschaften"

Nina Rogotzki, Thomas Richter & Mathias Schönhoff

Inhalt

Ist eine Welt ohne "Star Trek" überhaupt noch denkbar? Eine Welt ohne den Warpantrieb, ohne das Beamen und ohne das Holodeck? Eine Welt ohne Tricorder und Universal-Übersetzer? Und eine Welt ohne "Beam me up, Scotty!", "Faszinierend!" und den Vulkanier-Gruß? "Star Trek" ist - mit einer Laufzeit von mehr als 35 Jahren - nicht nur eine der erfolgreichsten Fernsehserien der Welt, sondern darüber hinaus eine globale, kulturelle Tatsache geworden, die eine symbolische Bedeutung erlangt hat, welche weit über ihren Charakter als Konsumobjekt hinausweist.

"Faszinierend! STAR TREK und die Wissenschaften" stellt Sichtweisen der unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen auf das Phänomen "Star Trek" vor und erprobt dabei werkbezogen spezifische Formen der Herangehensweise. Von umfassenden und fundierten natur- und gesellschaftswissenschaftlichen Analysen über detaillierte Interpretationen ausgewählter Episoden und einzelnen Charakterstudien bis hin zu Einblicken in die unendlichen Weiten des "Star Trek"-Fandom - damit liegt mit "Faszinierend! STAR TREK und die Wissenschaften" die bis dato umfassendste Textsammlung deutschsprachiger "Star Trek"-Forschung vor.

"Star Trek" zwischen Science-Fiction und Utopie: Band Eins betrachtet die Serien im Hinblick auf ihre technischen Visionen und gesellschaftlichen Zukunftsentwürfe. Im Zentrum des Interesses stehen dabei Fragen wie: Kann die "Star Trek"-Physik einer wissenschaftlichen Überprüfung standhalten? Dienen die von den Serien vorgestellten Technologien der aktuellen Forschung eventuell gar als Stimulus? Setzt "Star Trek" das beanspruchte gesellschaftlich-utopische Potenzial konsequent um? Oder spiegeln die Serien vor allem die gesellschaftliche Realität des jeweiligen Entstehungszeitraumes wieder?

Kritik

Ist "Star Trek"-Technik möglich? Ein deutsches Sachbuch berichtet.
Der etwas schwerfällig und umständlich wirkende Titel dieses zweibändigen Werkes stellt wohl mit weitem Abstand die größte Textsammlung zum Thema "Star Trek" dar, die im deutschen Schrift- und Sprachraum derzeit zu haben ist und einer näheren Betrachtung wert scheint.

Die zweibändige Reihe - bei der jeder Band überteuerte 24,90 Euro kostest - ist eine textuell tief greifende Sammlung von essayistischen Aufsätzen aus einer Ringvorlesung an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel in den Semestern 1999 und 2000. Dabei wurde versucht, beinahe allen Aspekten des Kulturphänomens "Star Trek" gerecht zu werden und, wenn auch manchmal nur im Kursorischen, zu beleuchten. Das Themenspektrum reicht dabei von den technischen über die soziologischen Grundzüge hin zu Politischem, bis zum Fan-Sein im abschließenden Artikel des zweiten Bandes.

Es ist einigen Autoren jedoch anzumerken, dass sie sich gerne entweder selbst reden hören (respektive geschrieben sehen) und dabei Vorwissen fataler Weise voraussetzen, das vielleicht nicht jeder Leser mitbringt. Gibt doch in diesem Punkt Jens Schröter im ersten Band zum Thema der Technik des Holodecks eine etwas arg verklausulierte Formulierungswut zum Besten, die die Geduld mancher Leser etwas sehr strapazieren dürfte. Sind die Gedankengänge zwar schwer nachzuvollziehen, bieten diese Texte jedoch zugleich sehr viel Potential, um weitergedacht werden zu können. Denn genau das sollen alle Beiträge im Grundgedanken der damaligen Veranstalter an der Universität auch: Anstoß sein, um sich weiter mit einem extrem breiten und sehr vielfältigen Interpretationsfeld auseinanderzusetzen.

Als Anleitung dazu bieten die beiden Bücher aus dem Kieler Verlag Ludwig eine Unterteilung in vier Bereiche innerhalb der Texte, um eine Überschaubarkeit zu erreichen, die es dem Leser ermöglicht, die für ihn persönlich wichtigsten Interessenfelder ausfindig zu machen.

Band Eins ist in zwei Sektionen unterteilt, von denen die erste Sektion (mit dem Titel "Eine ferne Zukunft") Interpretationshilfen zur Technik in "Star Trek" bietet und den derzeitigen wissenschaftlich-technischen Stand dessen hinterfragt, was heute möglich scheint, noch im Forschungsstadium ist und in "Star Trek" ausformuliert wird. Die Sektion Eins schließt mit einer trefflichen Analyse der Sprache in der Science-Fiction und fragt nach dem Einfluss der fiktiven Techniksprache der Science-Fiction im Zusammenhang mit der Fernsehserie als auch mit dem Technikverständis von heute.

Sektion Zwei (mit dem Titel "Neue Zivilisationen") stellt politikwissenschaftliche Untersuchungen zu "Star Trek" an, indem versucht wird, die vermeintliche Progressivität im Umgang mit dem Fremden außerhalb dessen, was uns bekannt ist, zu beleuchten. Dabei kommen psychologische wie auch soziologische Bereiche zur Sprache; was ist wirklich fortschrittlich in "Star Trek", wenn es um die erste Begegnung mit dem Fremden geht und was ist der immer noch omnipotent in uns agierende Rassismus im bewussten und gleichzeitig unbewussten Handeln. Wichtig in diesem Abschnitt auch ein umfangreicher Beitrag zum Bild der Frau im "Star Trek"-Universum. Hier kommen die Autoren auch zu dem Schluss, dass natürlich besonders hier deutlich wird, in wie weit das Bild der Frau in der tatsächlichen Gesellschaft angelegt ist (Stichwort: Feminismus in den USA!), in der das Produkt "Star Trek" entstanden ist und somit auch gleichzeitig widergespiegelt wird.

Band Zwei gibt dann mit den beiden folgenden Sektionen zu folgenden Bereichen weitere Einblicke:

Sektion Drei (mit dem Titel "Fremde Welten und unbekannte Lebensformen") zeigt unter anderem Anhand der Data-Pinocchio-Analogie, die metaphysischen Aspekte des (möglichen) Mensch-Sein (in einer fiktiven Zukunft!). Des Weiteren werden Kunstsprachen (hier das Klingonische) und Spezialisierung (sprich: Spezialwissen des Fans) als möglicher Weg, sich abzugrenzen aus der Gesellschaft, ausbuchstabiert. Des Weiteren aber auch als Versuch zur entwicklungspsychologischen Individuation aufgezeigt. Auch wird ein nicht ganz uninteressanter Aspekt der Architektur als "Raumdefinition" in Verbindung mit der Raumschiff-Architektur verdeutlicht. Das Raumschiff in seiner dinglichen Ausformung, als Orientierungspunkt des Menschen im All...

Die vierte, abschließende Sektion (unter dem Titel "Unendliche Weiten") bietet Gedankenansätze zur Archäologie in "Star Trek" als Mittel, Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges überzeugend zu verbinden. Filmzitate (zumeist auch Selbstzitatenhaftes innerhalb "Star Treks") bietet ein Beitrag mit dem programmatischen Titel "Play it again, Quark!". Der zweite Band schließt mit einer Betrachtung über zwei ausgewählte Biografien von Fans in Interviewauszügen, die zeigen, welche Mechanismen hinter dem Fan-Sein innerhalb von "Star Trek" stecken. Dass die beiden Fans dabei erst 16 Jahre alt sind, zeigt, welche Zielgruppe vorrangig mit "Star Trek" bedient werden soll und in welcher Altersklasse die Einsetzung mit dem Interesse daran liegt. Ausgewogener wäre vielleicht auch die Darstellung eines älteren Jahrgangs, um die vielleicht wesens- und wissensbildenden Einflüsse aufzuzeigen.

Es bleibt über den Aufbau dieser reichhaltigen Sammlung noch die Fußnotensammlung zu jedem Text zu erwähnen, die ein Vorblättern an das Ende eines jeden Artikeln nötig macht, wenn von Seiten des Lesers Interesse besteht. Jedoch unterbricht das den Lesefluss erheblich, macht eine lückenlose Rezeption schwierig, bis beinahe unmöglich. Auch haben einige Autoren stellenweise etwas zu tief in das Fremdwörterlexikon gegriffen.

Fazit bleibt jedoch, dass immer etwas von dem Gelesenen mitgenommen werden kann, es eine besondere Freude der Auseinandersetzung mit dem "Star Trek"-Universum mit sich bringt und jeder Leser etwas für sich gewinnt.

Vielleicht hätte sich der Verlag jedoch in seiner Preisgestaltung etwas besser beraten lassen sollen. Sind knapp 25 Euro für ein broschiertes Buch (beinahe) ohne Illustrationen, lediglich mit ein paar einfachen Tabellen, doch ein sehr hoher Preis. Mit Sicherheit kann von einer kleinen Auflage ausgegangen werden, die ganz entscheidend den Preis mitbestimmt. Dabei wäre es vielleicht ratsamer gewesen, die beiden Bände als Book-on-Demand (BoD - Drucklegung erst bei Bestellung beim Buchhändler über besonders kleine Auflagen ohne Lagerkosten und großem Produktionsaufwand) zu veröffentlichen. Möglicherweise werden die beiden Bücher recht schnell als "unterpreisige" Remittenden in den nächsten zwei bis drei Jahren verramscht werden müssen. Ob das jedoch im Sinne der Autoren ist, die sich allesamt sichtliche Mühe um Ernsthaftigkeit und schlüssiger Faktendarlegung gemacht haben, darf bezweifelt werden.

Bleibt noch anzumerken, dass die einzelnen Beiträge nur Ausschnitte sein sollen und aufgrund des gebotenen Platzes nur sein können. Gleichzeitig wird allerdings immer wieder darauf hingewiesen, dass es eben noch sehr viel zu entdecken gibt. So gibt der Autor Eckhard Pabst in seinem Beitrag zur Architektur im zweiten Band der Reihe auch abschließend zu bemerken:

"Der Versuch, das gigantische Universum, das in der mehrere hundert Stunden andauernden 'Star Trek'-Erzählung immer weiter ausgedehnt und vervollständigt wird, auf seine Homogenität oder seine Brüchigkeit zu untersuchen, haben immer den Beigeschmack der Pedanterie. Aber in aller Beschäftigung mit der Serie - in der bedingungslosen Verehrung seiner Helden, im Nachempfinden von Charakteren und Ereignissen in Rollenspielen, in der wissenschaftlichen Analyse und nicht zuletzt im einfachen Zuschauen  - artikuliert sich nichts anderes als deren Relevanz.

Und selbst da noch, wo die Debatte Vereinfachung von komplexen Realitäten, Verbreitung von Stereotypen und Klischees oder den Transport bestimmter ideologischer Inhalte erkennt, bleiben die Argumentationen der Notwendigkeit verpflichtet, ein akutes gesellschaftliches Phänomen zur Kenntnis zu nehmen. Damit erfüllt das Science-Fiction- Produkt 'Star Trek' in jedem Fall die Funktion, die die Kunst generell zu bewältigen hat: die faktische Welt mit ihren denkbaren Alternativen zu konfrontieren. In diesem Sinne eröffnet 'Star Trek' Horizonte in den unendlichen Weiten."

Eckhard Pabst
Band Zwei, Seite 113

Bewertung

Weitere Infos


Titel "Faszinierend! - Star Trek und die Wissenschaften - Band I & II"

Buchreihe Sachbücher

Autor Nina Rogotzki, Thomas Richter & Mathias Schönhoff

Preis 24,90 Euro

Umfang 342 Seiten

Verlag Ludwig

ISBN 3-933-598-257

(mw - 30.11.07)


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