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Michael Wilkens (mw)27.11.04

"'Star Trek' und Philosophie"

Gregor Becker

Inhalt

"Star Trek" ist von der Erstausstrahlung an mehr gewesen als eine faszinierende Fernsehserie - und das ist über die zigfache Wiederholung hinaus so geblieben. Das erste Spaceshuttle wurde nach dem in der Serie berühmt gewordenen Raumschiff Enterprise benannt, technische Accessoires wie das Handy oder die 3,5-Zoll-Diskette scheinen in Form und Funktion technischen Geräten des "Star Trek"-Zeitalters nachempfunden zu sein.

Naturwissenschaftler beschäftigen sich mit physikalischen Phänomenen der Serie, und die Anzahl derjenigen, die sich als treue Fans verstehen, ist durch die Jahrzehnte hindurch weltweit über die mehrfache Millionengrenze gestiegen. Wie aber lässt es sich erklären, dass eine amerikanische TV-Produktion eine so bemerkenswerte Resonanz hervorrufen konnte? Gene Roddenberry, der Erfinder von "Star Trek", hat die Serie so ausgerichtet, dass sie auf unterhaltsame Weise Verständigung, Toleranz und Tugend postuliert und sich darüber hinaus, Folge für Folge, mit den grundlegenden Problemen des menschlichen Daseins auseinander setzt. "Star Trek" weist stets auf das Gute im Menschen hin und appelliert somit an die "edleren Seiten unseres Wesens". Mit "Star Trek" hat Roddenberry vielleicht die philosophischste aller Fernsehserien konzipiert - und das ist das Geheimnis des Erfolgs: "Star Trek" ist philosophisches Entertainment!

Kritik

Wie lässt es sich erklären, dass eine amerikanische TV-Produktion eine so bemerkenswerte Resonanz hervorrufen konnte?
Ein Autor, der sich über einen zuweilen etwas arg kumpelhaften Erzählton dem Leser beinahe schon regelrecht anbiedert, erscheint verdächtig. Tatsächlich lässt sich Gregor Becker dann auch in der Einleitung zu sehr aus im elegischen Erinnern um seine frühesten Erlebnisse und Gedanken, als er das erste Mal mit "Star Trek" in Berührung kam. Darüber hinaus verliert sich der Autor auch im einleitenden Kapitel zu sehr über seinen zweifelhaften Waffenfanatismus, jedoch nicht ohne zu betonen, dass sich das nun, da er erwachsen scheint, gelegt hätte. Zu wünschen wäre es ihm. Ist doch der Gedankensprung von seinem privaten Waffenspaß zum eher zur Defensivität hin konstruierten "Star Trek"-Universum etwas gewagt und weit.

Tatsächlich bekommt Becker jedoch diese gewagte Kurve noch rechtzeitig herum und verbindet dann im ersten Kapitel die Frage nach "Gut und Böse", und zwar gleichsam als Grundthema der Philosophie überhaupt. Dabei versteigt er sich jedoch auch hier zu etwas populistischen Analogien, verbunden mit der Frage beispielsweise wie es denn sein könne, dass ein Adolph Eichmann auch hat lieben können wie andere Menschen, die nicht durch schändliche Taten Schuld auf sich geladen haben. Dabei werden auch Formulierungen wie "Bürokrat des Satans" nicht ausgelassen und lassen dann den interessierten Leser etwas verwundert die Stirn runzeln. Derartige Verbindungen wirken dann doch eher fatalistisch und unglücklich, als dass sie eine Grundaussage konstruieren und uns im Text weiterbringen können.

Auch ist der Text in einigen wenigen Teilen schlecht oder gar nicht recherchiert, möglicherweise aber auch gar nicht lektoriert und dann mit dem Autor korrigiert. Da darf dann der Kenner schon mal die Nase rümpfen, wenn er liest, dass der erste Warpsprung 2161 vollzogen wird. Das es 2061 sein wird (in "Star Trek: Der erste Kontakt" ist sogar von 2063 die Rede), wird auch weiter hinten nicht korrigiert. Da wird aus Tuvok schon mal Tuvork und aus der "Voyager"-Episode "Tuvix" dann "Tuvlix" konstruiert.

Überraschend dann jedoch - wenn man von dem einen oder anderen Lapsus einmal absieht -, dass es Becker am Ende dann doch gelingt, die Grundwesenszüge des "Star Trek"-Universums mit philosophischen Fragen zu unterfüttern; woher, wohin, über welchen Weg kann es für uns Menschen in der unmittelbaren Zukunft auf der Erde gehen (bei "Star Trek" heißt das konkret auch ins All). Er liefert zudem einige scharfsinnige Beobachtungen zu politischen und philosophischen Verhältnismäßigkeiten in der Analyse der Obersten Direktive. Nämlich: Nicht Diktat und Verlust der Selbstbestimmung durch andere (wie zur Zeit die militärische Intervention im Irak), sondern Anschluss und Mitbestimmung sind die Gründe. Hier reflektiert er über die Beitritte verschiedenster Planeten zur Föderation, ähnlich den Länderbeitritten zur Europäischen Union (EU). Bestechend ist hierbei das Herausarbeiten über die Parallelanalyse zwischen der (fiktiven) UFP-Politik und der tatsächlichen internationalen (Konflikt-)Politik. Ganz besonders zu den Aspekten von Integration und der Frage nach Assimilation. Hierbei muss beachtet werde, dass das Buch noch vor dem 11. September 2001 geschrieben und veröffentlicht wurde! Der Autor vermeidet unter anderem gerade bei diesem recht sensiblen Thema populistische Gemeinplätze, wie sie derzeit durch Michael Moore en vouge geworden sind (wenigstens wenn es um innen- wie außenpolitische Fragen der USA geht!).

Auch muss dem Autor Respekt gezollt werden, tatsächlich, wie im Vorwort angekündigt, auf überbordende Fachtermini der Philosophie zu verzichten, Fußnoten, die den Lesefluss zuweilen arg stören können, weitestgehend zu vermeiden und Zitatenhaftes von Philosophiegrößen gar nicht erst aufkommen lässt. So entsteht der Eindruck, es kämen tatsächlich nur die Überlegungen des Autors zu Papier.

Eine weitere Frage, die Becker aufwirft, ist die nach dem Verhältnis der "Star Trek"-Menschen zu ihrer "Star Trek"-Technologie. Transponiert in unsere Wirklichkeit stellt er die in den letzten Jahren immer wieder aufgeworfene Frage, wie sinnig oder unsinnig es ist, das auch wirklich zu tun, was schon getan werden kann (Stichwort: Gentechnik). Franz Vonessen hat diese Frage sehr detailliert in seinem Buch "Die Herrschaft des Leviathan-Sieg und Selbstzerstörung des Fortschritts" ausformuliert. Unabhängig voneinander kommen beide Autoren zu dem Schluss, dass eine unüberwindlich scheinende Kluft zwischen dem Menschen und seines technologischen Fortschritts zu bestehen scheint. Becker zeigt dies ganz konkret am Beispiel von Captain Picard, wie der seine Enterprise fliegt. Nämlich nicht nur computergestützt, nicht wie Weiland die Besatzung der "Discovery" aus dem Kubrick-Film "2001 - Odyssee im Weltraum" unter dem Kommando des Bordcomputers HAL 9000. Denn der menschliche Faktor, so unzuverlässig er auch erscheinen mag, trägt den Antrieb, überleben zu wollen in sich. Und davon ist sein Handeln, ganz besonders in Krisensituationen, geprägt. Einem Computer ist der Überlebenswille fremd!

Auf die Frage, warum (beinahe) alle Lebensformen, die wir aus dem "Star Trek"-Universum kennen, humanoide Züge tragen, antwortet Becker geschickt und getreu der Suche (dem "Trek") durchs All:

"Du kannst soweit reisen wie du willst, letztlich findest du nur dich selbst."

Gregor Becker
über die Tatsache, dass beinah alle Lebensformen Humanoid sind.

Über diese und andere Fragen, die Becker aufwirft, dadurch dass er die Grundfragen im Blick hat und sie auch verständlich formuliert, gibt er Anreiz, bestehende Aspekte unter neuer Perspektive zu betrachten, zu vertiefen und neu zu überdenken. Aus diesem neu Hinterfragen kann in jedem Fall ein spannender Diskurs entstehen. So auch bei der spock’schen Frage, wie viele Eigeninteressen zurückstehen müssen, will man sich ernsthaft und konstruktiv einer großen Gemeinschaft (UFP) anschließen. Zählt wirklich das Wohl eines Einzelnen weniger im Verhältnis zum Wohl Vieler?

Alle wesentlichen Grundfragen, die den Menschen und den Konflikt des Menscheins in der Interaktion mit seiner Umwelt ausmachen, werden anhand von Figurenanalogien, (Schwerpunktbeispiele aus "Star Trek: The Next Generation") illustriert. Zum Beispiel sei hier abschließend die Fähigkeit des Einfühlungsvermögens des Menschen anhand der Figur Deanna Troi erwähnt. Oder was macht das Menschsein und seine Bestrebungen zur Vervollkommnung aus, dargestellt anhand der Data-Figur? Das Übermächtige in unserer Fantasie (Ecce homo), in uns, transponiert in Q?

Das Buch bleibt, trotz einiger textlicher Ausrutscher und Flapsigkeiten, eine bestechende Grundanalyse als spannungsgeladenes Wechselspiel zwischen der "Star Trek"-Fiktion und den (Über-)Lebensfragen des Menschen zu seiner Stellung im Universum und seinen daraus geborenen Fragen um seinen Geist und dessen Schöpfungskraft. Wie Becker dann auch im letzten Absatz des vierten Kapitels über die humanoide Form im Universum reflektiert:

 "(...) 'Star Trek' handelt stets von den Philosophien des Menschen. 'Star Trek' führt auf, wohin die eine oder andere Gewichtung bei den Grundfragen des Daseins und der Gesellschaftsordnung führen kann; und der Zuschauer darf in seinem gemütlichen Sessel seiner pluralistischen und toleranten Grundeinstellung, die schon nötig ist, um Trekkie zu sein, frönen."

Gregor Becker
Seite 86

Bewertung

Weitere Infos


Titel "'Star Trek' und Philosophie - Die edleren Seiten unseres Wesens. Philosophische Aspekte einer Kultserie"

Buchreihe Sachbücher

Autor Gregor Becker

Preis Ursprüngl. Ladenpreis:
21,90 Euro

Antiquarisch:
ca. 20 bis 22 Euro

Umfang 239 Seiten

Verlag Tectum Verlag

ISBN 3-8288-8158-0

(mw - 18.03.07)


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