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Michael Wilkens (mw)18.04.05

"Zukunft im Film"

F. Hörnlein & H. Heinecke

Inhalt

Zukunft im Film - das klingt nach Raumfahrt, Zeitreisen, außerirdischen Lebensformen und hoch entwickelten technischen Zivilisationen. Durch diese und ähnliche Merkmale ist das Literatur- und Filmgenre Science-Fiction gekennzeichnet. Bei so viel Neuem/Unbekanntem wird allerdings häufig übersehen, dass die Thematisierung zukünftiger Welten sehr viel über die Gegenwart aussagt.

Dies zeigen die Autoren des Bandes in vielfältiger und anschaulicher Weise. Natürlich gehört dazu die Beschäftigung mit dem "Dauerbrenner" "Star Trek", der sich vier der Autoren angenommen haben. Auch die aktuelle Frage nach Virtualisierung in modernen Science-Fiction- Filmen wird angesprochen. Andere Beiträge behandeln ältere und vermeintlich wenig aktuelle Filme beziehungsweise Serien, wie beispielsweise "Raumschiff Orion", den Truffaut-Klassiker "Fahrenheit 451" und Filme aus der DEFA–Produktion. Auch hier ist durch die Beschäftigung mit den Entstehungskontexten und filmischen Aussagen und Stilmitteln für die Analyse ertragreich und führt zu erstaunlich aktuellen Aussagen.

Ein Buch mit großer Spannweite, das die Möglichkeiten sozialwissenschaftlicher Filmanalyse am Beispiel von Science-Fiction Filmen deutlich macht.

Kritik

Die Thematisierung zukünftiger Welten sagt viel über die Gegenwart aus. Filme verdeutlichen dies besonders.
Im Oktober 1999 wurde in Wendgraben bei Magdeburg ein Großteil der in diesem vorliegenden Band gehaltenen Vorträge in einer Tagung des Arbeitskreises "Film und Politik/Visuelle Politik" durch die Deutsche Vereinigung für Politische Wissenschaft gehalten. Der ebenfalls in diesem Sammelband enthaltene umfassende Essay "Die Zukunft der Menschheit in 'Star Trek'" wurde im Rahmen des "Filmtheoretischen Forums" der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg im Sommersemester 1999 gehalten. Die Autoren Frank Hörnlein und Herbert Heinecke haben nun im Jahr 2000 über den Scriptum Verlag alle Aufsätze gesammelt veröffentlicht.

Der Themenschwerpunkt liegt schon programmatisch im Titel, angelegt in der Darstellung der Zukunft im Film. Gemeint sind dabei allerdings nicht unbedingt nur die technologischen Fortschritte. Sondern ganz besonders auch die in allen kulturellen und sozialen Fortschritten, die sich aus gesellschaftlichen Entwicklungen, je nach technologischem Stand entwickeln. Im Vorwort des Essaybandes geben die beiden Herausgeber dann auch einen guten Überblick über dieses weite Themenfeld und begründen die Auswahl zudem mit der Tatsache, dass die Science-Fiction generell ein sehr dankbares Forschungsfeld zu diesen Entwicklungen ist; gibt doch gerade die Science-Fiction in all ihren weiten Ausprägungen immer wieder auch ganz besonders einen Rückschluss auf tatsächlich bestehende Verhältnisse innerhalb einer Gesellschaft und reflektiert gleichzeitig über Ängste und Gefahren, Herausforderungen und sonstige Problemfelder, die wir in der tatsächlichen Gegenwart haben.

Ein mögliches alternatives Zukunftsbild mit beinahe durchweg positiv besetzten Konotationen stellt hier als Themenschwerpunkt die amerikanische Fernsehserie "Star Trek" dar und wird auch ab der zweiten Hälfte des Band ausführlich behandelt. Dazu ein Zitat aus dem Vorwort der Herausgeber Hörnlein und Heinecke:

"(...) Wer sich der Science-Fiction als Filmgenre nähert, kommt nicht umhin, der erfolgreichsten Science-Fiction-Serie überhaupt, Gene Roddenberrys 'Star Trek'-Saga, besonderes Augenmerk zu widmen. Demzufolge kristallisiert sich ein besonderer Schwerpunkt der Aufsätze um 'Star Trek'".

Vorwort des Buches
der Herausgeber Hörnlein & Heinecke

Der erste Artikel, der sich speziell mit der amerikanischen Science-Fiction-Serie "Star Trek" beschäftigt, ist von Dietmar Frick (Magdeburg) verfasst. Er analysiert das Verhältnis zwischen der Föderation, der Menschen und anderer Völker einerseits und dem kollektiven Volk der Borg andererseits als einen interkulturellen Diskurs. An Hand der "Voyager"-Generation belegt er, dass die Darstellung von interkulturellen Diskursen in "Star Trek" häufig Rückbezüge auf aktuelle politische und soziale Konstellationen aufweist. Beispielsweise kann die Bedrohung der Föderation durch die Borg in "Star Trek" als Bedrohung der westlichen Zivilisation durch vermeintliche kollektivistische Kulturen wie dem Islam gedeutet werden. Außerdem bemüht sich Fricke um die Schärfung der Begriffe "Assimilation" und "Integration", die in der Diskussion um interkulturelle Kommunikation häufig - wie auch in "Star Trek" - ungenau benutzt werden.

Kai-Uwe Hellmann (Magdeburg) widmet sich der Mission, der sich die Menschheit in der "Star Trek"-Serie verschrieben hat, nämlich beharrlich den Kontakt zu anderen Zivilisationen zu suchen. Diese projizierte Mission stellt für Hellmann eine eigenartige Wendung der Geschichte dar; denn: Durch ihre technischen Errungenschaften der Unendlichkeit des Weltraums gegenüberstellt, wäre eigentlich zu erwarten, dass die Menschheit stärker auf die Suche nach ihrer Grundlage und ihrer Bestimmung zurückgeworfen würde, als dies in "Star Trek" der Fall ist. Diese Suche nach eignen Ursprüngen und Grundlagen scheint in "Star Trek" jedoch eher auf dem "Umweg" über die Suche nach dem Anderen statt zu finden.

Ingrid Weber (Saarbrücken) geht der Frage nach, welche Vorstellung über den Dialog von Völkern und Kulturen mit "Star Trek" transportiert werden. Dabei geht sie von der - dem Toleranzgebot verpflichteten - Grundtendenz der Serie aus, die auf ihren Schöpfer Gene Roddenberry zurückgeht. In ihrem Aufsatz führt sie in diesem Rahmen verschiedene Beispiele für parallele Entwicklungen zwischen Konflikten in der Serie und aktuellen politischen und sozialen Konflikten der Entstehungszeit an.

Der Aufsatz von Klaus Sachs-Hombach (Magdeburg) stellt zunächst einmal in Frage, dass es sich bei "Star Trek" überhaupt um Science-Fiction handelt. Seine These lautet, dass "Star Trek" eher in das Saop-Genre, beziehungsweise als "Kitsch", einzuordnen ist und die Science-Fiction-Elemente viel eher der Dekoration und der Verfremdung dienen als konstitutive Bestandteile eine Zukunftsentwurfes zu sein. Weiterhin analysiert Sachs-Hombach das "Star Trek"-Universum auf seine moralischen Grundaussagen hin und kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Konflikte in "Star Trek" häufig auf eine Auseinandersetzung affektiver und moralischer Anforderungen reduzieren lassen.

"(...) Soweit das Vorwort. Es bleibt jedoch anzumerken, dass die überkritisch wirkenden Texte, so wie sie sich hier präsentieren, weit weniger negativ kritisch sind und "Star Trek" ad absurdum führen wollen. Ganz das Gegenteil soll der Fall sein. Und den Autoren ist das auch überzeugend gelungen. Denn schlüssig sind die kausalen Argumentationsketten und die Zitate aus verschiedenen Episoden der Serien von "Star Trek". Alles in Allem geben die Aufsätze einen weiteren Baustein zur objektiveren Bewertung durch die Konsumenten. Denn wer sich auf die Textteile der verschiedenen Autoren einlässt bekommt hier gutes Rüstzeug mitgegeben das hilft besser zu bewerten und in einen gegenwartsbezogenen Kontext zu stellen was da allwöchentlich auf den Bildschirmen präsentiert wird. Zudem hilft es bessere "Medienkompetenz" zu erlangen und weiter zu denken als nur der bloße Konsum.

Reinhard Wesel gibt jedoch in seinem Essay "Außenpolitik im Universum" zur Gestaltung und kulturellen Relevanz der deutschen Science-Fiction-Serie "Raumschiff Orion" einen ketzerischen Vergleich zu "Star Trek", Bezug nehmend auf Design und Ausstattung, sowie konzeptionelle Grundzüge im Vergleich zwischen diesen beiden Serien. Es ist ihm zuzutun, um ein Ausbuchstabieren vom Bemühen der "Orion"-Macher aus 1966 um "Verfremdung", so Wesel, "im Reich des visuellen präsentierten Design, also im besten Sinne der Kritik des Mediums Fernsehen äußerlich und oberflächlich". Wessel führt hierzu weiter aus:

"(...) Raumschiff Enterprise (gemeint ist die klassische Serie) zum Beispiel hat dieses Niveau ernsthaft versuchter Verfremdung der äußeren Präsentation von Zukunft nie erreicht - als bunter 'Flugzeugträger' im Weltraum war sie meist auch visuell nicht mehr als eine Fortschreibung der bekannten Trends. Auch dramaturgisch war "Raumschiff Orion" wesentlich ambitionierter; ähnlich wie die berühmt-berüchtigten Durbridge-Krimis ist diese frühe Fernsehserie viel mehr Kammerspiel als Actionfilm. Die meisten Schauspieler waren noch gelernte Bühnendarsteller, so dass die "Raumpatrouille" denn auch darstellungstechnisch in manchen Szenen durchaus hochklassige Qualität zeigt, die in heutigen Science-Fiction-Soaps kaum noch erreicht werden kann."

Zitat nach Wesel
Seite 96

Allerdings muss an dieser Stelle auch betont werden, diese Differenzierungen sind eher von marginaler Natur und führen wenig zu detaillierten Bestandsaufnahmen um die kulturpolitischen Aspekte von Science-Fiction-Serien im TV.

So gibt denn auch Dietmar Fricke in der Einleitung zu seinem Essay zu "'Voyager' versus Borg-Kollektiv" unmissverständlich zu verstehen, dass "allerdings Widersprüche und Differenzierungen nicht unterschlagen werden sollen". Letzten Endes machen es genau diese Widersprüchlichkeiten und inhaltlichen Einzel- und Gegenaspekte aus, sich kontrovers auseinander zu setzten, mit einem (Film-)Universum und seinen politisch wie gesellschaftlich relevanten Aussagen zu befassen.

Der Scriptum Verlag in Magdeburg hat mit seiner Publikation einen sehr wichtigen Beitrag geleistet, der jeden Interessierten an die Hand empfohlen werden muss. Es bleibt zu wünschen, dass in den nächsten Jahren noch viele weitere Veröffentlichungen in dieser Richtung folgen werden. Das Feld zur Interpretation ist beinahe unübersehbar groß, vielfältig und reich an Aspekten zur Gegenüberstellung zwischen Fakten (heute) und Fiktionen (morgen). Genau so wie es auch bei der enormen Vielfalt von Völkern und Kulturen der Fall ist.

Bewertung

Weitere Infos


Titel "Zukunft im Film - Sozialwissenschaftliche Studien zu "Star Trek" und anderer Science Fiction"

Buchreihe Sachbücher

Autor F. Hörnlein & H. Heinecke

Preis Ursprüngl. Ladenpreis:
18,00 Euro

Antiquarisch:
ca. 13,00 bis 18,00

Umfang 202 Seiten

Verlag Scriptum Verlag Magdeburg

ISBN 3-931606-81-3

(mw - 18.03.07)


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