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Thomas Götz (tg)04.05.15

"Der klingonische Hamlet"

Nick Nicholas

Inhalt

»Sie werden Shakespeare erst wirklich genießen, wenn Sie ihn im klingonischen Original lesen« KANZLER GORKON IM FILM STAR TREK VI: DAS UNENTDECKTE LAND. Schon viel zu lange waren Leser überall in der Föderation der „Tragödie des Khamlet, Sohn des Herrschers von Qo’noS“, dem klassischen Werk der klingonischen Literatur, nur durch dessen inadäquate und irrefu¨hrende deutsche Übersetzung ausliefert. Nun endlich, dank der unermüdlichen Anstrengungen des Instituts für Klingonische Sprache, kann dieses kraftvolle Drama des legendären klingonischen Theaterschriftstellers Wil’yam Shex’pir in der Eleganz und Glorie seiner Originalsprache genossen werden. Dieser kostbare Band beinhaltet den kompletten Text des Stücks zusammen mit einer deutschen Übersetzung zum einfachen Nachschlagen und Vergleichen. In der Einleitung wird zusätzlich die gewichtige Bedeutung des Stücks innerhalb der klingonischen Kultur erklärt. Eine große Fülle an Anmerkungen illustriert zudem, wie sehr sich die schlechte, häufig sinnentstellende deutschsprachige Version vom Original unterscheidet und sogar die eigentliche Bedeutung der Verse verdreht.

Kritik

Dass es bei Merchandise-Artikeln das ein oder andere Kuriosum gibt, wurde ja bereits wiederholt betont. Das es auch Bücher betrifft, ebenso. Nach Changs berühmter Rede in "Star Trek VI" war es schon fast Makulatur, das ein ebensolches Buch auch mal erscheinen würde, und so haben wir nun den klingonischen Hamlet vor uns liegen.
Hamlet in der klingonischen Originalfassung - im wahrsten Sinne des Wortes.

An und für sich ist die Idee durchaus recht pfiffig: eine etwas andere Version von Hamlet, basierend darauf, das Shakespeare in Wahrheit ein Klingone war. Hinter dem ganzen steht - im englischen Original - das "Klingon Language Institute", immerhin ist klingonisch mittlerweile eine offiziell anerkannte Sprache. Man kann also davon ausgehen, das alles, was in diesem Buch steht, auch gut recherchiert ist bzw. 'stimmt' (so gut es das eben auf klingonisch sein kann). Auch für die deutsche Ausgabe hat sich CrossCult nicht lumpen lassen und den in der klingonischen Sprache bewanderten (und im deutschen Fandom bekannten) Lieven Litaer ins Boot geholt. So war die deutsche Version auch von mehreren Terminverschiebungen geplagt, was aber angesichts des Textes durchaus verständlich ist. Denn wie bei Paninis deutschen Shakespeare-Versionen der Star Wars-Filme muss man eben auch hier jemanden haben, der sowohl bei Shakespeare als auch bei Star Trek fit ist, damit eben wirklich - auch für die Fans und Leser - das Beste aus diesem Buch herausgeholt werden kann. An dieser Stelle sei gesagt: zumindest dies ist CrossCult exzellent gelungen.

Nun, sehen wir uns das Buch einmal genauer an. Aufgeteilt sind die Seiten in zwei Spalten, links steht die deutsche Version des Textes, rechts die klingonische. Und mit klingonisch ist wirklich Klingonisch gemeint. Der komplette Text von Hamlet ist also auf klingonisch geschrieben und steht dort auch wirklich so. Was dem ein oder anderen Fan einen Schmunzler entlocken dürfte, wird aber vermutlich den wenigsten etwas sagen. Denn wer, außer Hardcore-Hardcore-Fans und den Mitarbeitern des Sprachinstitutes, wird diesen Text lesen bzw. kann etwas damit anfangen? Auf Deutsch ist das in etwa so, als würde man ein Buch in Tschechisch lesen: einem kleinen Teil der Bevölkerung wird es etwas sagen, der Großteil der Deutschen wird es aber eher überlesen und damit quasi nur das halbe Buch (sprich: den deutschen Teil) zur Kenntnis nehmen.

Wie gesagt, als kleines Schmankerl für die Fans dennoch schön anzusehen, ob man hier allerdings von einem richtigen Mehrwert sprechen kann, darf bezweifelt werden. Sieht man sich den Text weiterhin an, so fällt auf, das die deutsche Version sich vermutlich ziemlich genau an das Original hält (Vergleich lag leider nicht vor). Will heißen: Hamlet ist Hamlet, wie es eben auch bei Shakespeare Hamlet war. Was auf der einen Seite logisch klingt, ist auf der anderen Seite aber ein Manko des Buches, das vor allem im Hinblick auf die Anmerkungen, die am Ende des Bandes zu finden sind, zutage tritt. Auch wenn man in einer Star Trek-Buchbesprechung nicht Star Wars erwähnen sollte, zeigt eben dessen eingangs erwähnte Buchversion, wie man es richtig hätte machen können (und sollen).

Statt den Text im Original zu lassen, wäre es viel besser gewesen, diesen auf klingonische Gegebenheiten umzuschreiben. Statt "Prinz von Dänemark" eben "Prinz von Qon'oS", statt "Fischhändler" eben wirklich "Ferengi" usw.. In den Anmerkungen wird auch schön beschrieben, was die einzelnen Sätze bedeuten (z.B. das eben der erwähnte Fischhändler einen Ferengi zeigen soll, oder das England für Erde steht). Das Ganze ist aber so gesehen recht unnütz bzw. wäre im Text selber viel besser aufgehoben gewesen. So hat man nun eben Hamlet wie er schon immer war, nur werden im Anhang ein paar Sätze anders gedeutet. Von einer richtigen klingonischen Version kann man also nicht sprechen, denn es kommt kein Klingonen-Feeling auf. Man hat nie den Eindruck, etwas Klingonisches zu lesen (außer vielleicht in den klingonischen Wörtern selber) sondern eben Shakespeare bzw. Hamlet in der bereits altbekannten Fassung.

Desweiteren gibt es in den Anmerkungen auch ein paar Sachen, die seltsam anmuten. So gibt es ein Haus Kinshaya, allerdings wissen wir z.B. seit Typhon Pact, das die Kinshaya eigentlich ein Vogelvolk an der klingonischen Grenze sind. Desweiteren benutzen Klingonen Disruptoren, in den Anmerkungen ist aber dauernd von Phasern die Rede. Ob dies so beabsichtigt ist oder gar in der englischen Originalfassung ebenso steht erschließt sich hier nicht. Aber das ist natürlich Meckern auf hohem Niveau.

So bleibt ein etwas zwiespältiger Eindruck von diesem Buch zurück. Auf der einen Seite ist es ein Zubrot für die Fans, das auf der anderen Seite aber immerhin 14,80.- Euro kostet (auch wenn der redaktionelle Aufwand, der dahintersteht, dies durchaus rechtfertigt), und dafür kaum Mehrwert zu einer klassischen Shakespeare-Ausgabe bietet, sofern man nicht gerade Klingonen-Fan ist und deren Sprache astrein lesen kann.

Fazit: Insgesamt gesehen ist es schwierig, eine Bewertung zu diesem Buch abzugeben. Auf der einen Seite ist es eine nette Idee, Hamlet auf klingonisch zu drucken und als kleines Schmankerl für die Fans ist es auf alle Fälle gut. Auf der anderen Seite ist es eben Hamlet, ein Klassiker der Weltliteratur, aber eben außer ein paar Anmerkungen am Schluss, für die meisten Leser ohne rechten Mehrwert. So oder so muss jeder für sich selbst entscheiden, ob man sich dieses Buch kauft. Richtig "brauchen" wird man es vielleicht nicht und Unentschlossene sollten vielleicht einen Blick vorab riskieren, aber als Kuriosum in der Sammlung macht es durchaus etwas her.

Bewertung

Weitere Infos


Titel "Der klingonische Hamlet"

Originaltitel "The Klingon Hamlet - The Restored Klingon Version"

Buchreihe Sachbücher

Autor Nick Nicholas, Andrew Strader

Übersetzer René Ulmer, Lieven Litaer

Preis 14,80 Euro

Umfang 347 Seiten

Verlag CrossCult

ISBN 978-3-86425-442-0

(tg - 04.05.15)


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