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Henning Koonert (hk)15.05.12

"Wo noch nie eine Frau zuvor gewesen ist"

Thomas A. Herrig

Inhalt

In "Wo noch nie eine Frau zuvor gewesen ist" zeichnet Thomas A. Herrig die Vielfalt und Entwicklung der weiblichen Charaktere in "Star Trek" nach und reflektiert deren Darstellung vor dem jeweiligen zeitgeschichtlichen Hintergrund der Frauenbewegung. Zwei kompakte, einführende Kapitel bringen den Leserinnen und Lesern zunächst den Begriff der Emanzipation und dann auch das Phänomen "Star Trek" näher.

In den folgenden Kapiteln analysiert der Autor jeweils, wie die weiblichen Hauptcharaktere und einige Nebencharaktere in den unterschiedlichen Serien dargestellt wurden. Zugleich gibt er die Entwicklung und Errungenschaften der Frauenbewegung im jeweiligen Zeitraum wider. So spiegelt Herrig die "Star Trek"-Fiktion im Rahmen ihrer Zeit an der gesellschaftlichen Realität, zum Beispiel anhand der Themen Frauenrechte, weibliche Homosexualität, Präimplantationsdiagnostik und auch des Schwangerschaftsverbots, das das Pentagon für Soldatinnen im Irakeinsatz erließ.

Jede "Star Trek"-Inkarnation einschließlich der Zeichentrickreihe wird in einem eigenen Kapitel beleuchtet. Zusätzlich behandelt der Autor den ersten Pilotfilm "Der Käfig" mit seiner prominent platzierten Number One besonders ausführlich, ebenso wie er auch J. J. Abrams' "Star Trek" und der Feminismus-Karikatur durch die in DS9 gezeigte Ferengi-Kultur ein eigenes Kapitel widmet.

Ein Vorwort von Dr. Andreas Rauscher (Autor "Das Phänomen 'Star Trek'") und ein Interview mit Thomas Höhl (Co-Autor "Dies sind die Abenteuer", "'Star Trek' in Deutschland") ergänzen den Text von Thomas A. Herrig.

Kritik

45 Jahre "Star Trek" und die Frauenbewegung: Waren die Serien Vorreiter, Mitläufer oder Nachzügler?
"Star Trek" und Feminismus - zwei Themen, die man nicht direkt miteinander in Verbindung bringt. Wer sich für eines von beiden interessiert, hat vom anderen möglicherweise nur oberflächlich Kenntnis genommen. So tun die beiden einleitenden Kapitel dem Buch gut, da sie ein Verständnis der Materie auch für diejenigen ermöglichen, denen "Star Trek", Feminismus oder gar beides bisher ein rotes Tuch waren.

Erfreulicherweise begnügt sich der Autor bei seiner Zusammenfassung des Komplexes "Star Trek" nicht mit der Wiedergabe der Produktionshistorie, sondern erläutert auch das dem Phänomen zugrundeliegende humanistische Denken Roddenberrys und Teile seiner "Star Trek"-Philosophie (zum Beispiel anhand des UMUK-Prinzips). Fast am Rande zieht er im selben Kapitel noch die Gedankenwelten Kants, Marx' und Thomas Mores heran, um die Utopie der "Star Trek"-Welt dem Laien nahezubringen.

Für Trek-Kenner enthält das Buch naturgemäß viele bekannte, teils offensichtliche Fakten, die jedoch durch die Lupe der Frauenbewegung betrachtet im Buch nicht fehlen dürfen. Mehrmals gelingt es dem Autor zudem, durch die feministische Interpretation auch Altbekanntem überraschende und neue Einsichten abzugewinnen.

Zu den Recherche-Ergebnissen, die aus heutiger Sicht überraschen, gehört zum Beispiel, dass die weibliche Führungskraft Number One bei Testvorführungen von "Der Käfig" in den 60er-Jahren besonders beim weiblichen Publikum auf resolute Ablehnung stieß. Und vor dem Hintergrund des gängigen Trek-Kommentars, der die Minirock-Uniformen der Classic-Serie als sexistische Fummel abtut, ist die vom Autor mit Zitaten belegte Feststellung, dass der Minirock von Frauen damals "als Symbol der sexuellen Befreiung" angesehen wurde, nicht weniger verblüffend.

Anhand der Beinkleider stellt der Autor auch die im Sinne der Geschlechtergleichheit im Verhältnis zu TOS fortgeschrittene Sichtweise bei TNG dar: Wem ist denn nicht das Bild der Männer im Hosenrock aus den ersten TNG-Staffeln im Kopf geblieben? Gut herausgearbeitet sind im TNG-Kapitel die nebeneinander bestehenden traditionellen und fortschrittlichen (im Sinne der Emanzipation) Elemente in der Darstellung von Deanna Troi und Beverly Crusher; Frauen, die wie ihre Pendants in den 90er-Jahren vor allem in klassischen Frauenberufen arbeiten. Schade, dass in diesem Kapitel nicht auch auf Ro Laren eingegangen wird, die einen Typ Frau verkörpert, der in TNG sonst kaum gezeigt wurde.

Die DS9-Kapitel behandeln das Frauenbild der Serie ähnlich, wie es auch zur Zeit der Ausstrahlung in den 90er-Jahren oft dargelegt wurde: Starke Frauen, jetzt auch in eher klassischen Männerdomänen. Während der Autor an einer Stelle postuliert, es müsse kritisiert werden, dass Kira im Verlauf der Serie milder und femininer wird, kann sich der Leser fragen, ob ein Charakter nicht auch emanzipiert sein und zugleich milde, feminine Tugenden in sich tragen kann. Interessant lesen sich die Ausführungen um die Darstellung weiblicher Homosexualität in der Serie. Der Vergleich zwischen der Entwicklung der Ferengi-Frauen und der realen Emanzipationsbewegung wird zudem plausibel dargelegt.

Dass "Voyager" als die erste "voll emanzipierte Trek-Serie" bezeichnet wird, dürfte den Trek-Fan ebenso wenig überraschen, wie die Untermauerung dieser These mit dem gängigen Argument, dass dort alle weiblichen Charaktere (nach dem Abgang von Kes) in klassischen Männerberufen arbeiten. Faszinierender liest sich, wie der Autor dem eher positiven Echo der US-Medien ob des ersten weiblichen "Star Trek"-Captains eher abfällige Zitate aus deutschen Medien ("resolutes Pummelchen mit Hochsteckfrisur") gegenüberstellt. Auch der vom Autor hergestellte Bezug zwischen Kes' Entscheidung gegen ein Kind ("Elogium") und der Lebensweise junger Frauen heutzutage ist lesenswert.

Dass "Enterprise" in der Darstellung der Frauenrollen aus emanzipatorischer Sicht wieder hinter "Voyager" zurückfällt, bleibt unstrittig. Dass, wie der Autor bemerkt, auch Uhura in "Star Trek XI" wieder in die Rolle der wenig mündigen Frau zurückgedrängt wird, kann man auch anders sehen; schließlich löst sie aufgrund ihrer außergewöhnlichen sprachlichen Fähigkeiten den bis dahin Dienst habenden (männlichen) Kommunikationsoffizier auf der Enterprise-Brücke ab, und das auf Dauer.

Insgesamt zieht der Autor dort, wo es passt, Vergleiche zwischen "Star Trek"-Fiktion und der jeweiligen realen Situation der Frauen zu jener Zeit und zeigt auf, wo die Serien im Frauenbild Vorreiter, wo Mitläufer und wo Nachzügler waren. Wie der Autor selbst anmerkt, lassen sich diese Vergleiche mit der Situation in Deutschland nicht immer genau ziehen, da die Serien zum einen aus einem anderen Land stammen, zum anderen teils erst Jahre später hierzulande ausgestrahlt wurden. So muss es zwangsläufig teils bei einem Nebeneinander beider Themen bleiben, als dass kontinuierlich Wechselwirkungen hätten aufgezeigt werden können.

Fazit: Das Buch beleuchtet das Phänomen "Star Trek" aus einem Blickwinkel, wie er zuvor in Deutschland noch nicht zu lesen war. Durch eine fundierte und umfangreiche Recherche gelingt es dem Autor, dort, wo es möglich ist, die Wechselwirkungen zwischen realer Frauenbewegung und dem fiktionalen Frauenbild in "Star Trek" herauszuarbeiten. Die Beschreibung der Frauenrollen ist dabei mit teils verblüffenden Details angereichert.

Wer sich nicht nur für die in "Star Trek" erzählten Geschichten interessiert, sondern auch für die Hintergründe, wie und warum sie so erzählt werden konnten und welcher Einfluss vielleicht gar von ihnen ausgeht, der - oder die - findet in "Wo noch nie eine Frau zuvor gewesen ist" ein interessantes Werk.

Das Buch ist unter anderem auf Amazon.de erhältlich.

Diese Buchkritik ist auch zusammen mit weiteren Texten rund um "Star Trek" in der Mai-Ausgabe unseres monatlichen Magazins "Incoming Message" erschienen. Falls Sie die "Incoming Message" noch nicht abonniert haben, können Sie das Internet-Magazin zusammen mit unserem wöchentlichen Newsletter "TrekZone Weekend" hier kostenlos bestellen.

Bewertung

Weitere Infos


Titel "Wo noch nie eine Frau zuvor gewesen ist - 45 Jahre "Star Trek" und Feminismus"

Buchreihe Sachbücher

Autor Thomas A. Herrig

Preis 24,90 Euro

Umfang 206 Seiten

Verlag Tectum

ISBN 978-3828825673

(hk - 15.05.12)


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