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Thomas Götz (tg), Frank Drehmel (fd)23.05.08

"Blutige Diamanten"

Michael T. Bhatty

Inhalt

An Bord eines Flugzeugs über Zentralafrika befindet sich die junge Tierärztin Paula. Mit ihr fliegt ein düsteres Geheimnis, as tausenden von Menschen in der bürgerkrieggeplagten Region den Tod oder aber die Hoffnung auf ein besseres Leben bringen könnte. Gehetzt von den skrupellosen Söldnertruppen rivalisierender Warlords eines ausgebluteten Landes, muss Paula um ihr nacktes Überleben kämpfen. Bis sie schließlich den Spieß umdreht und aus der Beute die Jägerin wird. Doch ihre Jagd konfrontiert sie mit den Dämonen ihrer eigenen Vergangenheit, den Abgründen ihrer gequälten Seele. Erinnerungen, die sie für immer vergessen wollte...

Kritik

1. Thomas Götz

Nach dem desaströsen ersten Band befürchtete man im vorliegenden Fall das Schlimmste, aber, oh Wunder, es geht ja doch ein (relativ) vernünftiges Buch zu schreiben.
Die Weiterführung der Far Cry Story.

Sicher, es gibt die üblichen Klischees, wie den Verräter, Szenen, die an den klassischen 3D-Shooter erinnern, die üblichen blutigen Folterszenen und natürlich die vielen "erotischen" Einlagen (wobei das erotisch hier natürlich mit Vorsicht zu geniessen ist, handelt es doch zumeist von Vergewaltigungen oder anderen Männerphantasien, wobei man zugute halten muss, das solche Szenarien in einem von einem Kriegsherren kontrollierten diktatorischen Staat auch wirklich so vorkommen könnten). Auch ein paar übertriebene Stellen muss sich der Roman geben. So gelingt es den Söldnern in einem großen Team z.B. nicht, den Diktator zu stürzen, sie scheitern an der großen Gegenwehr. Neu organisiert und nur noch zu viert gelingt es den 'Helden' dann aber, den lieben Herrn doch noch zu stürzen (in einem übrigens im Vergleich zum restlichen Buche sehr kurzen Finale).

Charakterszenen bzw. Einblicke gibt es denn auch noch wenige. Ausser Paula und den Geistern ihrer Vergangenheit gibt es da nicht viele, in die man Einblicke erhalten würde. Und auch Paula ist am Ende noch dieselbe, bzw. die Einblicke in ihr Leben, die man erfährt, sind eh immer dieselben. Sicher, der Roman dient nur dazu, von einer Ballerszene zur Nächsten zu hetzen - immerhin gibt es diesmal so etwas wie eine akzeptable Hintergrundstory, die das alles etwas kaschiert. Alles in allem befindet Bhatty sich also auf dem richtigen Weg, eine vernünftige Story auf die Beine zu stellen.

Fazit: Kein Überflieger aber eine deutliche Verbesserung zum ersten Teil. Bleibt zu hoffen, das die Nachfolger auch besser werden.

2. Frank Drehmel

Ich habe es versucht! Neger-Ehrenwort! Weiter als bis Seite 72 bin ich nicht gekommen. Ab da begann das große Quer-Lesen. Dieses Buch setzt geradezu Maßstäbe, was die Qualität deutscher Romane betrifft. Schlechter als “Far Cry 2 - Blutige Diamanten” ist kaum vorstellbar, jedenfalls für einen normal sozialisierten Nicht-Soziopathen: Grausamkeiten, Gemetzel, Sterben Töten, Vergewaltigen und der leere Raum dazwischen auf möglichst simple Art und Weise gefüllt mit uninspirierten Fakten, Binsenweisheiten und Plattitüden. Eine erwähnenswerte und - vor allem - plausible Handlung sucht man ebenso vergeblich wie sympathische Charaktere oder wenigsten Figuren, mit denen man sich identifizieren kann. Die einzigen Emotionen, die Bhatty im Leser auszulösen im Stande scheint, sind Ekel angesichts der sinnlosen, plakativen Gewalt, Verachtung für die psychotischen und/oder psychopathischen Protagonisten sowie Langeweile ob solcher Aussagen wie, “Der Löwe reißt nur, was er zum Leben braucht!”. Vermutet hat man Letzteres ja schon, aber gut, dass es noch mal erwähnt wird. Zudem scheint der Autor den Durchschnittsleser für einen phantasielosen Idioten zu halten, von dem er annimmt, man müsse ihm deutlich mehr als einmal die Folgen des Handelns der Charaktere explizit darlegen nach dem Motto, “Wenn ich furze, stinkt es. Wenn es stinkt, kann es der Feind riechen! Wenn es der Feind riecht, weiß er, dass ich hier bin! Wenn er weiß, dass ich hier bin, wird er mich töten. Also töte ich ihn zuerst und furze dann in aller Ruhe”. Dass Bhatty über solcherlei Erläutern von Banalem und Trivialem das Geschichte-Erzählen vergisst, ist ein wesentlicher Grund dafür, dass dem Leser weder Figuren noch das politisch brisante Grundthema um die Blut-Diamanten auch nur ein Fitzelchen nahe gehen, zumal man dem Autor zu keinem Zeitpunkt der Geschichte irgendwelche aufklärerischen Ambitionen abnimmt. Die zweifellos unmenschlichen Lebensbedingungen in Teilen Afrikas verkommen zur bloßen Kulisse, vor der sich gewaltgeile Voyeure einen von der Palme schütteln können.

Einen pikanten Unterton erhält dieses vor Brutalität triefende und den Rachegedanken propagierende Machwerk dadurch, dass Bhatty auf seiner Homepage eine besondere Kennzeichnung für inhaltlich “fragwürdige” Computerspiele anmahnt, dort von kulturellen und ethischen Kontexten oder oberster Verantwortung für Inhalte faselt und im gleichen Atemzug einen Roman wie “Far Cry 2” fabriziert, den jeder 10-Jährige ohne Einschränkungen erwerben darf. Hey! Das nenn ich Glaubwürdigkeit!

Fazit: Will ich mir schenken! Und Ihr schenkt euch diese todlangweilige Gewaltorgie! Abgemacht?

Bewertung

1. Thomas Götz
2. Frank Drehmel

Weitere Infos


Titel "Far Cry 2 - Blutige Diamanten"

Originaltitel "-"

Buchreihe Gamenovelisationen

Autor Michael T. Bhatty

Preis 9.95 Euro

Umfang 300 Seiten

Verlag Panini

ISBN 3833217421

(tg, fd - 28.05.08)


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