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Thomas Götz (tg), Frank Drehmel (fd)28.05.08

"Hellgate London 2 - Goetia "

Mel Odom

Inhalt

Das Jahr 2024: Vier Jahre nach dem die gewaltige Dämonenarmee in London ein Portal direkt in eine infernale Parallelwelt geöffnet hat, kämpft die Menschheit weiterhin verbissen um ihr Überleben. Der ehemalige Tempelritter Simon Cross versucht die Überlebenden aus der zerstörten britischen Hauptstadt zu retten und mit seiner zusammengewürfelten Armee gegen die Schergen der Finsternis vorzugehen. Doch nicht nur Dämonen machen Simon das Leben schwer. Die größte Gefahr lauert in den eigenen Reihen ...

Kritik

1.Thomas Götz

Der zweite Hellgate: London-Band setzt die Story des ersten nahezu anschlusslos fort. 4 Jahre sind vergangen und der Kampf mit den Dämonen tobt wie eh und je.
Die Hellgate-Saga geht weiter.

Auch dieser Band profitiert viel von der eingeführten Mythologie, die das HG-Universum etabliert hat und vermag bereits auf dieser Schiene spannend zu punkten. Sicher, das "Gemetzel" zwischendurch ist nicht derart neu, aber die Hatz nach dem Buch Goetia sowie die Charakterzeichnungen vermögen mehr als zu überzeugen. Allein der Konflikt zwischen den Templern und die unterschiedlichen Ehrgefühle, die auch in den Charakterszenen von Simon deutlich werden, vermögen genug Spannung aufzubauen, um den Band fast allein zu tragen.

Sicher, es gibt dann auch noch Warren und den Konflikt zwischen den einzelnen Dämonen, und auch hier wird spannend, wenna uch etwas vorhersehbar, der Fortgang der Ereignisse bis hin zu einem doch etwas überraschenden Ende beschrieben. Auch die Szenen mit Warren und Naomi passen zu den im ersten Band etablierten Charakterzügen.

Überhaupt gibt es an dem vorliegenden Band recht wenig auszusetzen. Die Story an sich ist in fast allen Punkten spannend und geheimnisvoll und vermag bis zum Ende mitreißend zu sein. Lediglich einige recht ausartende Formulierungen im Schreibstil stoßen etwas auf (wer kann sich unter einer Euro-großen Schuppe schon was vorstellen?).

Fazit: Alles in allem, spannend, geheimnisvoll und durchaus empfehlenswert.

2. Frank Drehmel

Armer Odom! Hast dich erkennbar abgerackert, um aus dem vollkommen hirnrissigen Spiele-Hintergrund einen unterhaltsamen Roman zu formen. Halb hast du es geschafft! Von beiden Handlungssträngen - den um Warren Schimmer und den um Simon Cross - ist immerhin einer tatsächlich lesenswert, während der andere - freundlich ausgedrückt - einen Totalausfall darstellt; und für eine Erfolgsquote von 50% würden einige Autoren ihre Kinder, Eltern und Seele dem Teufel oder einem Agenten verkaufen.

Da ich mich an anderer Stelle - nämlich der Rezension zu Band 1, Exodus - über den Templer-Background ausgiebig ausgelassen habe, will ich es hier kurz und schmerzvoll machen: die zweibeinigen Blechdosen mit ihrem ritterlichen “Ehrenkodex” und ihrer vollkommen unplausiblen Paranoia scheinen trotz - oder eher wegen - ihrer Hi-Tech-Ausrüstung nicht in der Hellgate-Version unserer Welt angekommen zu sein. Odom gelingt es nicht einmal im Ansatz, den Metall-Fetischisten einen Hintergrund zu verleihen, der selbst vor dem Spiele-Szenario nicht lächerlich oder wenigstens nicht unlogisch wirkt. Darüber hinaus erweisen sich die Blechmänner - sowohl die Gruppe um Cross, als auch die um Booth - als so vorhersehbar, klischeehaft und stereotyp, dass ihr Phrasen dreschen beim Leser allenfalls zu einer reflektorischen Aktivierung aller an der Atmung beteiligten Muskelgruppen und einem Aufklappen des Kiefergelenkes führt. Die einzige für mich plausible Erklärung dafür, dass Odom die tempelnden Langweiler nicht dem belletristischen Alt-Metall-Recycling zuführt, ist: es handelt sich um einen Franchise-Roman; und irgendwo da draußen scheint es Game-Nerds (= potenzielle Leser) zu gegeben, die auf ehernen Schrott abfahren.

Die zweite Fraktion, jene Gruppe um Cross’ Möchtegern-Schnalle Leah, bleibt bisher soweit im Untergrund, dass sie wenigstens nicht stört. Über die Jägerin selbst erfährt man relativ wenig, was aber angesichts der Tatsache, dass sie mit den Templern abhängt, eher positiv als negativ zu werten ist.

So richtig fesselnd treiben es in London nur die Kabbalisten bzw. deren herausragendster Vertreter, Warren Schimmer. Besessen vom Dämon Merihim kämpft er um die Menschlichkeit, die der Rest der Magie-Bagage nur zu gerne freiwillig aufgeben würde. Wenn er mordet, dann tut er es nicht aus freien Stücken, sondern aus Angst oder Schwäche. Warren leidet mit seinen Opfern, obgleich sein Mitleid nicht ausreicht, dem Dämon in sich den Dienst zu verweigern, und er fühlt sich verantwortlich, auch wenn er sich zum Produkt seiner gewalttätigen Sozialisation erklärt. Warren ist der in seinem Handeln mit Abstand menschlichste aller Charaktere und damit die einzige Figur, der sich der Leser nahe fühlen kann.

Die Rezension soll nicht schließen, ohne zwei, drei Anmerkungen zur Story selbst. Aufbau und Ablauf als extrem simpel zu bezeichnen, wird der Geschichte kaum gerecht, denn eigentlich ist sie noch viel einfacher: Buch suchen, Dämonen killen, Klappe zu, Affe tot! Dass die Dämonen - insbesondere Fulaghars Verbündete - lediglich durchschnittliches Kanonenfutter darstellen, scheint angesichts des Brimboriums, das im Roman um diese Kreaturen gemacht wird, zunächst erstaunlich, beruht jedoch letztlich nur auf der logischen Fortschreibung des tiefen Bedürfnisses der Gamer, das nächste Level möglichst locker zu erreichen. Für echte Spannung sorgt - neben Warrens Seelenqualen - lediglich der neue Verbündete des Kabbalisten, dessen Identität erst im letzten Wort des Romans enthüllt wird und der fraglos interessante Konflikte für den nächsten Band verspricht. Schlussendlich: Mel, raus mit der Sprache! Auf dem Grabbeltisch welches Gebraucht-Geschichten-Händlers hast du denn den ”wahnsinnig originellen” Plot um die Dämonen-Namen gefunden? Und den trashigen christlich-jüdischen Mystizismus gab es wohl gratis dazu, n’est-ce pas?

Fazit: Ignoriert die lächerlichen Passagen um das wandelnde Stereotyp in Palladiumrüstung, Simon “Don Blech” Cross, beschränkt euch auf Warren Schimmers Part - immerhin fast 50% des Gesamttextes - und ihr habt einen angenehm geschriebenen und beinahe unterhaltsamen Mainstream-Halb-Roman.

Bewertung

1. Thomas Götz
2. Frank Drehmel

Weitere Infos


Titel "Hellgate London 2 - Goetia "

Originaltitel "Hellgate London 2 - Goetia "

Buchreihe Gamenovelisationen

Autor Mel Odom

Übersetzer Mick Schnelle

Preis 12 Euro

Umfang 507 Seiten

Verlag Panini

ISBN 3833217464

(tg, fd - 25.06.08)


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