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Thomas Götz (tg), Frank Drehmel (fd)08.06.07

"StarCraft – Ghost: Nova"

Keith R.A. DeCandido

Inhalt

Vier Jahre nach dem so genannten Brood War-Konfl ikt hat Imperator Arcturus Mengsk das terranische Dominion wieder aufgebaut und verstärkt. Seine Eliteeinheit, die "Ghosts", bilden dabei die Stützpfeiler seiner Militärmaschinerie, und unter den Feinden des Imperiums sorgt die Spezialeinheit für Angst und Schrecken. Vor allem ein Name geistert immer wieder durch die Reihen der Gegner: "Nova". Dies ist ihre Geschichte

Kritik von Thomas Götz

Nova ist eine starke Telepathin. Kein Wunder, das jeder sie auf seiner Seite haben will.
Es gab dereinst ein angekündigtes Spiel, das, ebenso wie "WarCraft Adventures", nie erschien - StarCraft: Ghost. Und ebenso wie bei den "WarCraft Adventures" war die Story von "StarCraft: Ghost" zu schade, um sie einfach zu vergessen, so das sie nun in Buchform erscheint (das Buch zu den "WarCraft Adventures" ist übrigens "Der Lord der Clans", ebenfalls bereits auf deutsch erschienen). Nunja, man sollte eher sagen, das der vorliegende Roman die Vorgeschichte der echten "StarCraft: Ghost" Story ist, denn wie bereits im Vorwort angekündigt, soll dieses Buch nicht das Einzige Ghost-Buch bleiben.

Und waren die StarCraft-Romane bis jetzt nur Nacherzählungen der einzelnen Kampagnen des Spiels (wenn auch aus unterschiedlicher Sichtweise, bzw. Sichtweise von Leuten am "Rande") und daher meist nicht wirklich innovativ und fesselnd so ist mit diesem Roman endlich ein guter Durchbruch gelungen. Zwar spielt auch er "neben" der Terraner-Kampagne des Spiels, diese ist jedoch nur Randwerk und die eigentliche Handlung spielt sich um die Charaktere selbst ab, bzw. in diesem Fall um die Hauptperson Nova. Der Band erzählt dabei eine eigene, unabhängige Geschichte und alle dargestellten Charaktere funktionieren glaubwürdig, angefangen bei Novas Zerrissenheit selbst bis hin zu den Motiven der Verbrecher.

Dabei erinnert die Story eigentlich sehr stark an eine ganz normale Krimi-Story aus unserer Zeit: Es spielt sich viel in den Slums ab, in denen Verbrecher vorherrschen und in denen es kaum Technologie gibt. Tatsächlich gibt es nur wenige Sci-Fi-Elemente, die auftauchen (abgesehen von Novas Telepathie und einigen anderen notwendigen technischen Übeln), so das der Roman fast schon auch wirklich im 21.Jahrhundert spielen könnte. Dies ist aber nicht negativ sondern trägt nur dazu bei, das die Geschichte umso glaubwürdiger wirkt.

Aufpassen sollte man in künftigen Romanen lediglich, das Nova nicht zu mächtig wird und im Alleingang mal eben alle Feinde besiegt, die man ihr in den Weg stellt. Als tragische Romanfigur funktioniert Nova aber in jedem Fal, vor allem auch nach ihrer Gedächtnislöschung am Ende des Buches. Die Rahmenhandlung des Bandes spielt übrigens knapp 4 Jahre nach "Brood War", wird aber nur auf ein paar Seiten abgehandelt und besteht im wesentlichen daraus, das Nova sich daran erinnert, wie sie wurde, was sie wurde. Dies wurde vermutlich so gewählt, um mit der Story etwaiger Nachfolger (siehe das kürzlich angekündigte StarCraft 2) nicht in Konflikt zu geraten. Man darf gespannt sein, ob man einige der hier aufgetauchten Charaktere in künftigen Büchern (oder Spielen) zu sehen bekommen wird.

Fazit: Empfehlenswert. Gut geschrieben und macht Lust auf mehr.

Kritik von Frank Drehmel

Wie Blizzards kreativer Kopf Chris Metzen in einem Vorwort erläutert, ist “Starcraft Ghost” der belletristische Spin Off zu einem Videogame, das über ein konzeptuelles Stadium bisher nicht hinausgekommen ist und das in absehbarer Zeit auch nicht erscheinen wird. Egal, niemand wird das Spiel vermissen, solange er Ghost-Romane wie den vorliegenden lesen kann. “Nova” ist ein gutes Beispiel dafür, dass man den Inhalt nicht an Hand der Verpackung beurteilen sollte: das trashige Cover im computergenerierten Kinder-Anime-Stil lässt Schlimmstes befürchten. Doch kaum ist man in die Story eingestiegen, verflüchtigen sich die Vorbehalte. Selbst diejenigen StarCraft-Fans, die neben Sarah Kerrigan -ungeachtet ihres Schicksals- zunächst keinen weiteren, “wahren” Ghost akzeptieren wollen, werden sich dem Charme Novas kaum entziehen können. Denn im Gegensatz zur “Königin der Klingen” hat unsere Identifikationsfigur eine authentisch wirkende, tragische Vergangenheit. Kerrigan ist cool, November “Nova” menschlich!

Weil die Story gut und spannend geschrieben ist und für den StarCraft-Fan einige interessante Informationen über den dekadenten Tarsonis-Adel, den Aufstand der Söhne Korhals und -nicht zuletzt- die gesellschaftliche Stellung der Psioniker bereit hält, sieht man gerne über die kleineren Schwächen auf der Figurenebene hinweg. Bedauerlicherweise widersteht DeCandido der Versuchung nicht, durch zuweilen aufdringliche Schwarz-Weiß-Malerei seine Heldin quasi als Lichtgestalt zu überhöhen -so wirken die moralische Integrität der Terra-Familie sowie Fagins soziopathischer Habitus deutlich zu dick aufgetragen. Zudem baut er Nova als so mächtig auf, dass hierin ein Keim für zukünftige Langweile liegen könnte. Aber warten wir die Folgebände ab.

Fazit: Ein alles in allem gelungener, frischer Eröffnungs-Roman und eine Breicherung des StarCraft-Franchise.

Bewertung

1. Thomas Götz
2. Frank Drehmel

Weitere Infos


Titel "StarCraft – Ghost: Nova"

Originaltitel "StarCraft – Ghost: Nova"

Buchreihe WarCraft/StarCraft

Autor Keith R.A. DeCandido

Übersetzer Timothy Stahl

Preis 9,95 Euro

Umfang 313 Seiten

Verlag Panini

ISBN 978-3-8332-1461-5

(tg, fd - 15.06.09)


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